Dienstag, 7. April 2009

Von Linsensuppe bis Mämmi und Krautwickel


Ein Vortrag an der Temeswarer Volksuni über Osterbräuche rund um die Welt (Auszug)/ Von Luise Finta

Osterbrauch im Temeswarer AMG-Altenheim: In der Karwoche wird im Innenhof ein kleiner Altar geschmückt.

Foto: Zoltán Pázmány


Golgatha oder der Kreuzweg: Gemäß der christlichen Tradition wurde das Holz des Kreuzes nach dem Tod und der Auferstehung von Jesus Christus zu Fuße des bekannten Jerusalemer Hügels Golgatha vergraben. Drei Jahrhunderte später, im Jahr 326, befahl Kaiserin Helene, die Mutter des Kaisers Konstantin des Großen, Grabungen in der Festung von Jerusalem zu beginnen. So wurde das Heilige Kreuz wieder gefunden.


Herakles und das Heilige Kreuz: Im Jahr 629 besiegte Kaiser Herakles die Perser. Jerusalem und das Heilige Kreuz wurden zurückerobert. Das Kreuz wurde von dem Patriarchen Zacharias erneut in der Kirche zur Auferstehung Gottes aufgestellt. Man schrieb den 14. September 630.


Das Heilige Abendmahl: Das Osterfest wurde erstmals um das Jahr 1400 v.u.Z gefeiert. Zu Zeiten Moses feierten die Juden jeweils den Tag, da Gott sie aus der ägyptischen Sklaverei erlöst hatte. Traditionell wurde dabei ein Lamm geopfert.


Die Krautwickel aus Madaras: In der Gemeinde Madaras, Kreis Harghita, wird auch heute noch ein hierzulande in der Karwoche einzigartiger Brauch begangen. An Gründonnerstag treffen sich die Frauen des Ortes, um Krautwickel mit Kartoffel, eine lokale Delikatesse, die an das heilige Abendmahl erinnern soll, zuzubereiten. An diesen Treffen dürfen keine Männer teilnehmen. Und die Frauen können von dem Essen erst nach der Heimkehr vom abendlichen Gottesdienst kosten.


Von Palmen- zu Weidenzeigen: Unser heutige Brauch der osterlichen, frisch ergrünten Weidenzweige geht auf die Palmzweige zurück, die Jesus Christus als Symbol des Friedens bei seinem Einzug in Jerusalem in den Händen trug. Mittelmeervölker benutzen auch heute noch Palmenzweige, in nördlichen Regionen, wo Weidenbäume schon zu Palmsonntag Knospen tragen, werden diese Zweige mit den ersten Knospen benutzt.


Die Wallfahrt zum Kloster Hakendover/ Belgien: Die Osterbräuche aus Hakendover, einem Städtchen im Osten Belgiens, gehen auf Ereignisse zurück, die vor sechs Jahrhunderten verzeichnet wurden. Im Jahr 1432, heißt es, beschlossen drei adlige Jungfrauen der Welt den Rücken zu kehren und nur noch im Gebet zu leben. Da es in der Gegend kein Kloster gab, beschlossen sie eines zu errrichten. Nach 12 schweren Arbeitstagen, erschien am 13. Tag ein Engel und zerstörte das Bauwerk. Darauf nahm er die Jungfrauen an der Hand und geleitete sie bis zu einer Lichtung im Herzen des Waldes. Da waren am Boden schon die Linien des künftigen Klosters vorgezeichnet. Darauf geht die Wallfahrt von Hakedover zurück, in der Karwoche strömen die Gläubigen aus dem ganzen Land zu diesem Kloster.


Linsensuppe in Zypern: An Karfreitag werden die Kirchen in Zypern innen mit Blumen geschmückt. In jeder Kirche wird ein kleiner Katafalk mit Ikonen, die Jesus am Heiligen Grab darstellen, mit Blumen geschmückt. Zu Mittag kommt allgemein eine Linsensuppe mit Essig (Als Jesus auf dem Kreuzweg nach Wasser bat, wurde ihm Essig gereicht) auf den Tisch.


„Mämmi“ aus Finnland: Gleichzeitig mit dem Osterfest wird in der gesamten christlichen Welt auch der Frühlingsbeginn gefeiert. Im nordischen Finnland, wo die Natur im März und April noch vom Winter beherrscht wird, freut man sich auch mit den Osterbräuchen traditionsgemäß allgemein auf den nahen Frühling. So haben die finnischen Bräuche viel vom religiösen Charakter eingebüßt. An Ostersonntag und -montag wird hier ausgelassen gefeiert. Kinderscharen streifen mit Gesang und Glöckchenklang durch die Gassen. Zu Ostern bereiten die Finnen das traditionelle „Mämmi“, ein kaffeebraunes Gebräu aus gezuckertem Gerstenmalz zu. Es wird in Kartonschachteln in Form von Weidenkörbchen im Ofen gebacken. „Mämmi“ ist eine beliebte Nachspeise, die mit Zucker und Sahne angeboten wird. In der Vergangenheit war das eine finnische Fastnahrung, sie wurde kalt und auf Brot gereicht. Seit 1917, als Finnland seine Unabhängigkeit errang, gilt „Mämmi“ als Nationalgericht und Symbol des Landes.

Zweiter Frühlingsmarkt eröffnet


Eine Schar Kaninchen hüpfen in der Innenstadt


ao.Temeswar - Ein riesiges Osternest voller bunter Eier und lebendiger Osterhasen sorgt zu Ostern für die feierliche Stimmung am Temeswarer Opernplatz. Der Frühlingsmarkt wurde am Freitag, dem 3. April in der Temeswarer Innenstadt eröffnet.

Das riesige Osternest voller bunter Eier und lebendiger Osterhasen - das Highlight des Marktes für Klein und Groß.

Foto: Zoltán Pázmány


Kurz vor den katholischen und bis nach den orthodoxen Ostern zieren mehr als 50 Holzhäuschen mit jeder Menge Geschenkideen das Stadtzentrum. Nach rumänischer Tradition bemalte Ostereier, Lebkuchen, Frühlingsblumen, Ikonen, Keramik, Schmuckgegenstände und andere Ostergeschenke können die Temeswarer bis Ende des Monats (27. April) im Stadtzentrum erwerben.


Das Maskottchen des Frühlingsmarktes ist ein riesiger Plüschhase, der schon seit dem vergangenen Jahr den Kindern bekannt ist. Mit ihm können sich die Kinder fotografieren lassen. Kulturelle Veranstaltungen, wie zum Beispiel Konzerte im Freien, sind gleichfalls für diese Zeitspanne geplant. Während des Frühlingsmarktes werden Souvenir-Expos der verschiedenen Temeswarer Schulen stattfinden. Face-Painting für Kinder, Demonstrationen von Eierbemalung und Portraits werden auch durchgeführt.


Ein ähnliches Osternest wie im Stadtzentrum wurde im vergangenen Jahr auch im „P²durice“-Park am südlichen Stadtrand eingerichtet. Dieser bereitete den Kindern aus der Soarelui- und Girocului-Viertel eine wahre Freude. Da eben der erste Frühlingsmarkt im vergangenen Jahr sich als ein wahrer Erfolg erwies, haben die Vertreter des Temeswarer Bürgermeisteramts entschlossen, ähnliche Osterneste mit farbigen Ostereiern und lebendigen Häschen, nun auch in anderen Stadtvierteln einzurichten. So wurden die Parks Adolescenţei, Clăbucet und der Park aus dem Dacia-Viertel gleichfalls feierlich geschmückt.


Die Auswahl der Geschenke am Frühlingsmarkt schwankt zwischen Kitsch und Traditionelles. Jedoch fallen die Preise der angebotenen Ware beim ersten Blick ziemlich groß auf. Wer doch kein passendes Ostergeschenk an den Verkaufsstellen in der Innenstadt finden wird, der kann die Märkte in den anderen Stadtvierteln besuchen. Lebendige Kaninchen bedeuten immer wieder ein von Kindern sehr begehrtes Geschenk zu Ostern. Für Kaninchenrassen wie der Große Weiße und das Deutsche Widderkaninchen schwanken die Preise zwischen 15 und 30 Lei. Zwergkaninchen kosten zwischen 30 und 80 Lei und können laut den Verkäufern auch in der Wohnung gehalten werden, da sie nur knapp ein Kilogramm wiegen.


Interessenten können mehrere Informationen bezüglich des Frühlingsmarktes auf der Internetadresse http://targdeprimavara.primariatm.ro aufrufen.

Osterbräuche im Banat


Vom Gründonnerstag zum Ostermontag


Am Gründonnerstag wurde in der Kirche ein Hochamt zelebriert und danach verstummten die Glocken (aber auch die Orgel) bis zur Auferstehung am Karsamstag. Man sagte, „dass die Glocken nach Rom geflogen sind, um dort zu beichten“. In dieser Zeit wurde das Mittagläuten, das Gebetläuten morgens und abends durchs "Rätsche" ersetzt. Die Schulbuben liefen mit Handratschen durch die Gassen, "rätschten" und riefen: „Meer rätsche, meer rätsche de englische Gruß, dass e jede katholische Christ beede muß“ , oder „Es ist Betglockenzeit, alle Christen seid bereit, fallt auf Eure Knie und betet das Ave Marie“. Auch zu den Gottesdiensten luden sie die Gläubigen mit folgendem Spruch ein: „En di Kerch laad mer Eich en, das soll de eerschte (zwete, dritte) Zaiche sen.“


Der Karfreitag war ein strenger Fastentag, es wurden keine Feld- oder Gartenarbeiten verrichtet. Am Nachmittag versammelten sich die Gläubigen in der Kirche, das „Leiden unseres Herrn Jesu Christi“ (die Passion) wurde gesungen. Anschließend gingen alle mit dem Priester und den Ministranten zum Friedhof, die Grabsegnung wurde vorgenommen.


Am Karsamstag wurden die Buben fürs "Rätsche" entlohnt und bekamen Ostereier, Eier oder Geld. Manchmal gab´s auch den heißbegehrten "Kranzkuche". Mit einem Weidenkorb, der mit Stroh ausgelegt war, gingen die "Rätschbuben" von Haus zu Haus "klecke" und sagten ihren Spruch. Die Buben bekamen daraufhin ihren Lohn und bedankten sich. Die erhaltenen Gaben teilten die "Rätscher" unter sich auf. Am Abend des Karsamstag wurde das Osterfeuer vor der Kirche entzündet, es hieß „de Jud werd verbrennt“. Die Glocken „kamen aus Rom zurück“. Es folgte die Auferstehungsprozession.


Der Gottesdienst am Ostersonntag war feierlich, meist sang der Kirchenchor die Messe „Hier liegt vor Deiner Majestät“. Die Kinder hatten schon am Vortag Nester aus Stroh oder Gras gerichtet, damit "de Oschterhaas" die "Oschteraajer“ (die Eier wurden meist mit Zwiebelschalen gefärbt) hineinlegen konnte. Aber manchmal musste man auch die Eier suchen, denn der Osterhase kannte die ausgefallensten Verstecke. Die Kinder bekamen von den Paten auch ihr "Goodesach": Ostereier, Hasen aus Lebzelten und andere Süßigkeiten, manchmal auch Geld.


Am Ostermontag war es üblich, dass die Buben die Mädchen und die Männer die Frauen „spritzen“ gingen. Ausgerüstet mit einem kleinen Fläschchen Parfum zog man los. Von einem Mädchen zum anderen. Dabei bespritzte man mit ein paar Tropfen das Haupt oder die Brust des Mädchens und wünschte „Frohe Ostern!“ Als Dankeschön durfte man sich ein gefärbtes Ei aussuchen, bekam ein Stück Kuchen und es wurde Schnaps, Likör oder Wein angeboten. Manchmal wurde einem sogar eine Blume (Tulpe oder Hyazinthe) ans Revers geheftet. So ging es dann von Mädchen zu Mädchen. Endstation war bei der Allerliebsten, wo man dann bis am Abend sitzen blieb.

Helen Alba

Spannung in der Langeweile


Oberflächlich gesehen müsste man die DFBB-Generalversammlung vom vergangenen Wochenende in Reschitza als langweilig bezeichnen. Für mich war sie interessant, einerseits weil mir hier zum ersten Mal die Frage gestellt wurde, was es mit dem noch nicht lange erscheindenden Logo der „Banater Zeitung“ auf sich habe, das diskret unter dem Panoramafoto des Temeswarer Domplatzes von Zoltán Pazmány gedruckt wird (Schauen Sie mal bitte 4,5 cm über den Titel dieses Beitrags!). Dass mir die Frage nach dem „Semper atque semper liberi et indivisi“, dem von Hans Diplich vorgeschlagenen Wahlspruch des Banats erst drei Wochen nach seinem Ersterscheinen erstmals gestellt wurde, war zu erwarten: wer liest schon öfter einen Zeitungskopf, an den er sich gewöhnt hat?


Für uns von der „Banater Zeitung“ hatte sich Frage des Logos erstmals gestellt, als Bischof Msgr. Martin Roos kurz nach seiner Inthronisierung erklärte, dass er sich bemühen wolle, das historische Banat, eine durch die Pariser Vorortverträge nach dem ersten Weltkrieg willkürlich und auf dem Reißbrett mit dem Lineal zerschnitzelte Region, wieder näher zusammenzuführen.


Da kam erstmals das „für immer und immer/ewig freie und unteilbare“ Banat ins Unterbewusstsein zurück und das heurige Geburtstagsjubiläums Hans Diplichs, auf das uns unser Freund und Landsmann Hans Dama aufmerksam machte, brachte uns beim Nachforschen über den Jubilar auf Wikipedia auf den Wahlspruch, den sich der Sprachen- und Geschichtskenner aus Großkomlosch ausgedacht hatte. Wir übernahmen ihn, obwohl heute viel mehr um „Einheit in der Vielfalt“ als Wahlspruch plädiert wird, ein europäischeres Logo wohl – doch wird die EINHEIT in der Vielfalt nicht bald mit dem EU-Beitritt Serbiens ohnehin verwirklicht (und das „Semper atque semper liberi et indivisi“ mit)?


Zum anderen war mir die Teilnahme an der Jahresversammlung von Interesse, weil ich mir hier wieder mal bewusst wurde, wie zerbrechlich die Existenz des Deutschtums auch im kulturell so aktiven Banater Bergland ist. Das Ortsforum des DFBB in Orawitza steht vor der Selbstauflösung. Die Ortsforen Karansebesch/Caransebes und Rußberg/Rusca Montana haben seit 2005/06 ihre Mitgliedsbeiträge ans Regionalforum Banat nicht mehr entrichtet. Die Orawitzaer Volkstanzgruppe hat sich aufgelöst. Jährlich sterben mehr DFBB-Mitglieder als neue und junge hinzukommen...


Es gibt sicherlich wenige Forumsorganisationen, die so transparent sind wie das DFBB. Mitgliederzahlen und deren demografische Änderungen werden in der Regel verheimlicht, weil es schließlich auch um einen Verteilungsschlüssel von Subventionsgeldern geht. Da ist niemand gern transparent. Eigentlich wäre es einfach: Regionalforen und Landesforen urteilen kurz und bündig nach den anteiligen Überweisungen der Mitgliedsbeiträge, die ihnen zufließen. Der ehrlichste und transparenteste Schlüssel.


Will man den überhaupt?

Werner Kremm

Smithfield erweckt Comtim


Preise gleich hoch wie in den Stadtläden


Smithfield Prod hat seit kurzem die Marke Comtim wieder erweckt. Auf der Polon²-Straße, im Innenhof des Unternehmens, können nun auch Privatverbraucher „echt rumänisches Schweinefleisch“ kaufen.

Angestellte von Smithfield Prod beim Schweinetranchieren

Foto: Smithfield Prod


„Wir freuen uns, den Temeswarern echt rumänisches Schweinefleisch von Schweinen, die in Rumänien gezüchtet wurden, direkt in unserem Unternehmen anbieten zu können“, sagt Morten Jensen, Leiter von Smithfield Prod. Bislang konnten sich von hier nur Unternehmen oder Cateringfirmen versorgen. Die Preise liegen jedoch ungefähr auf dem gleichen Level wie in den Läden aus der Stadt, für „Schnäppchenjäger“ also nicht besonders interessant. Ein Kotelett ohne Knochen zum Beispiel kostet hier 15 Lei das Kilogramm, der Preis der Schweinezunge liegt bei ungefähr acht Lei, Schweinenacken ohne Knochen ist für 13,5 Lei zu haben.


Etwas kurioser ist die Sachlage der Anstellungen bei Smithfield Prod. Laut Unternehmensleitung werden zurzeit Neueinstellungen getätigt. Außerdem wird gar mit einer Steigerung von 25 bis 30 Prozent gerechnet. Trotzdem, an Donnerstagen steht hier die Produktion still: An diesem Wochentag gilt es für die Angestellten, einen freien Tag einzuschalten. Trotzdem: Laut dem Geschäftsführer soll die Fleischindustrie von der Weltwirtschaftskrise nicht betroffen sein.


Das Schweinefleisch, das vom Unternehmen Smithfield produziert wird, ist ausschließlich für den rumänischen Markt bestimmt. Exportiert wird Fett der Kategorie 2, das für Diesel , oder Fett der Kategorie 3, das als Tierfutter verwendet werden kann. „Für die Zukunft planen wir, auch zu exportieren“, sagt Morten Jensen.


Zurzeit werden 10.000 Schweine pro Woche geschlachtet. Im Schlachthaus liegt die Produktivität bei 600 Schweinen pro Stunde, stündlich können hier 300 Schweine verarbeitet werden.(oi)

Eine Banater Schwäbin auf Weltreise (27)


Sizilien: auf den Spuren der Mafia / von Nareda Cerdy

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Wenn im “Familienduell” bei RTL die Frage käme: “Hundert Leute haben wir gefragt, was fällt Ihnen zu Sizilien ein?” wäre die Topantwort bestimmt: Mafia. Italien ist als traumhaft lässiges Urlaubsland weltberühmt und Sizilien macht diesem Ruf alle Ehre.


Aussicht auf den Vulkan Ätna aus dem Amphitheater in Taormina

Foto: Max


Die mediterrane Gelassenheit spürt man auf Schritt und Tritt. Die Insel vor der Stiefelspitze Italiens erreicht man fast ausschliesslich über italienische Fluggesellschaften mit Zwischenstopp in Italien, es gibt fast keine Direktflüge oder zumindest keine für Rumänien relevante. Palermo ist die Hauptstadt und da sich hier der grösste Flughafen der Insel befindet, macht es Sinn, von hier aus die Erkundung zu beginnen.


Von der Mafia sieht man heute keine Spuren mehr, aber die engen, alten Strassen mit den Wäscheleinen drübergespannt sind genauso charmant, wie man sie aus dem Kino kennt. Palermo ist keine Stadt, in der man touristische Sehenswürdigkeiten abhaken kann, aber das bedeutet auch nicht, dass es hier langweilig ist. Esskultur erleben ist angesagt. Hier sieht man am Sonntag Grossfamilien sich in Restaurants versammeln, mit der Oma am Fussende des Tisches, und man kann sich leicht vorstellen, wie es hier zu Hoch-Zeiten der Cosa Nostra gewesen sein muss, als die Familie das Wichtigste überhaupt war.


Pasta alla Norma stammt von hier, ein typisches Nudelgericht mit Auberginen die man in Scheiben schneidet, in kaltem Wasser sich vollsaugen lässt und dann leicht anbratet, so, dass sie danach unglaublich cremig schmecken und auf der Zunge zergehen. Die besten Pasta alla Norma gibts im Restaurant “Al 59” gleich neben dem Teatro Massimo, dem Opernhaus Palermos. Der Eigentümer gibt einem fast das Gefühl, zur Familie zu gehören und ist sehr stolz auf sein Gästebuch, wo jede Menge Berühmtheiten sich eingetragen haben.


Teatro Massimo in Palermo

Foto: Wikipedia


Canolli ist der leckerste Nachtisch man hier essen kann, ein Gebäck, das aussieht wie Omas Schaumrollen, aber anstelle von Schaum eine herrliche Ricotta-Käsefüllung haben. Vom Teatro Massimo, Italiens grösstem Opernhaus aus, kann man die Altstadt zu Fuss erkunden, bis zur Fontana Pretoria spazieren, einem Springbrunnen der ein bisschen an die Fontana Trevi in Rom erinnert. Von den Botanischen Gärten ist vor allem der Giardino Garribald einen Besuch wert, denn hier befinden sich unter anderen die grössten Ficus-Bäume Europas – man wundert sich, dass etwas, was wir hierzulande als Topfpflanze in der Wohnung halten, eigentlich als Baum über 50 Meter hoch werden kann, mit einer Krone, die bis zu paar hundert Metern im Durchmesser ausragt. Das schönste an Sizilien ist allerdings nicht die Stadt, sondern die ländliche Gegend. Einfach ein Auto mieten und die Insel erkunden, Richtung Trapani in die Olivenhaine hinausfahren. Aber aufpassen: die Oliven sehen zwar genauso lecker wie die im Glas aus, schmecken aber bitter, also lieber nicht direkt vom Baum essen. Gleich neben Trapani befindet sich die archäologische Ausgrabungsstätte Selinunt.


Der Park ist so gross, dass man einen ganzen Tag sich dafür Zeit nehmen sollte, aber es gibt viel zu sehen. Eine besser als in Athen erhaltene Akropolis und eine ganze Stadt, die man selber zu Fuss oder mit einem Golfauto und einem Reiseführer erkunden kann. Ein anderer interessanter Tagesausflug von Palermo aus, an der Küste entlang, führt über Messina (wo es bis auf den Dom und den Hafen nicht viel zu sehen gibt) ans andere Ende der Insel, zum Vulkan Ätna. Man kann mit der Seilbahn hochfahren oder mit einer Schmalspurbahn von Catania aus den aktiven Vulkan umrunden. Aber wie bei allen grossen Objekten sieht man nicht viel, wenn man zu nahe kommt, erst in einiger Entfernung bekommt man einen Gesamtblick.


Die schönste Ansicht des Vulkans hat man aus dem antiken römischen Amphitheater in Taormina. Das Bühnengebäude wurde aus Ziegelsteinen errichtet und eine breite Öffnung gibt den Blick frei auf den Ätna und die Bucht von Giardini-Naxos. Sie bietet dadurch eine wahrlich beeindruckende, unvergleichliche Kulisse. Sizilien ist eine Insel für Fans von Landurlaub. Hier kann man Abgeschiedenheit inmitten einer herrlich ruhigen Natur erleben. Aber es ist eben nur für Natur- und Landschaftsbegeisterte das geeignete Urlaubsziel.

Werte Brüder und Schwester im Glauben!


In vielen unserer Kirchen wurde in den vergangenen Wochen der Kreuzweg gebetet, eine Andacht, die aus dem Mittelalter kommt und aus dem Bedürfnis stammt, „mit Christus zu leiden, um mit ihm auch zur Auferstehung zu gelangen“ (Vgl. Röm. 6,5.8; 8,17) wie dies Paulus und die gesamte Schrift des Neues Bundes von uns verlangt. Mit Christus den Weg des Leidens zu gehen, ihn auf diesem seinem Weg zu begleiten, ihm dabei behilflich zu sein, ihm zur Seite zu stehen, sein Kreuz mitzutragen, heißt sich auf dem Weg des Heiles zu befinden, heißt „ergänzen, was dem Leiden Christi noch fehlt“ (Kol. 1,24).


Dabei kommen alle Momente und Dimensionen unseres Lebens zur Sprache: ungerechtes Urteilen, Verleumdung und Lüge bis zum Geschrei der Massen: „Aus Kreuz mit ihm“ (Mt. 27,22); ebenso auch das Fallen und von neuem aufstehen und weitergehen, liebevolle Zuwendung und handfestes Zupacken beim Kreuztragen, dann die Bitte: „Verzeih, Vater, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk. 23,34) und am Ende: „Es ist vollbracht: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!“ (Vgl. Joh. 19,30 / Lk. 23,46).


Der Weg zum Kreuz ist der Weg zum Heil und zur Rettung. Wir dagegen gehen dem Kreuz, dem Leid und Leiden aus dem Weg und wollen dabei dennoch gerettet werden; gerettet ohne das Kreuz, „wir wandeln als Feinde des Kreuzes Christi“ (Phil. 3,18). Bei jeder der Stationen antwortet der Beter: „Durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst“. Dabei bekennen wir uns eindeutig als Jünger Christi, die Ihm ihr Kreuz nachtragen wollen und in Seiner Nachfolge stehen. Es führt kein anderer Weg zum Heil als der königliche Weg des Kreuzes. Die „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen sagt: „Wer sein Kreuz nicht tragen will, der muß es halt schleppen“ (Vgl. Imitatio Christi, 11 und 12).


Viele neuere Kreuzstationenen enden nicht, wie noch im mittelalter und in der Zeit des Barock, mit der Grablegung Jesu, sondern mit der Auferstehung. Und dies – auch im Sinne des NeuenTestamentes – mit vollem Recht. Das Kreuz hat nicht das letzte Wort ist tatsächlich nur der Weg zum Heil. Daher heißt es auch in den Texten der Gottesdienste dieser Tage: „Durch das Holz des Kreuzes, kam Freude in alle Welt“ (Karfreitagsliturgie, Gesang zur Kreuzverehrung) mit den Worten unserer Kreuzwegandachten: „Durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst“.


Ostern ist nach den Wochen der Fastenzeit das Fest der Freude und der Hoffnung: „Wer mit Christus gestorben ist, wird auch mit ihm leben“ (Vgl. Röm 6,8). Diese Botschaft gilt selbst den Toten in den Gräbern und kommt auch in dem schönen christlichen Lied zum Ausdruck, das die Kirche des Ostens fast als einziges Osterlied kennt und singt: Christus ist erstanden vom Tod, mit seinem Tod hat er den Tod niedergetreten und denen in den Gräbern das Leben geschenkt. In diesen Osterjubel scheint selbst die Natur um uns herum einzustimmen, denn sie „läßt nach des Winters Frost und Nacht den Frühling die Erde für Ostern bereiten“ wie es im deutschen Stundengebet heißt (Hymnus zu den Laudes der Fastenzeit).


Laßt uns Ostern in herzlicher Dankbarkeit und Freude feiern, denn dieses Fest der Feste gibt neue Kraft, Mut und begründet die Hoffnung, aus der wir alle leben und ohne die das menschliche Leben weder Ziel noch Sinn hat. Christus, der für uns gelitten hat und gestorben ist, Er bewahre uns alle in Seiner Liebe und führe uns durch sein Kreuz und Leiden zur Herrlichkeit der Auferstehung (Gebet zum „Engel des Herrn“).

Temeswar, Ostern 2009

+ Martin

Bischof von Temeswar

Internationale Sprache beim Tanzfestival


Salsa Addicted“ – wenn Tanzen zum Laster wird/ von Andreea Oance


Eigentlich ist der Begriff „Salsa“ das spanische Wort für Sauce – eine Mischung von Zutaten (Tomanten, Chili, Peperoni, Zwiebeln, Knoblauch, Pfeffer), die meistens durch Kochen zubereitet wird.


„Salsa ohne Ende!“ hieß es am vergangenen Wochenende in Temeswar/Timisoara, als das zweite „Salsa-Addicted“-Festival abgehalten wurde. „Salsa“ war die internationale Sprache, der mehr als 350 Tänzer aus dem In-, aber auch aus dem Ausland, die an der Marathon-Veranstaltung der Tanzschule „Salsa Addicted“ teilnahmen. Kurse/Workshops und Partys fast rund um die Uhr standen im Programm des Festivals.


Je eine Stunde lang dauerten die Kurse, die von 22 Tanzprofis aus Frankreich, England, Spanien, Ecuador, Ungarn und Serbien geleitet wurden. Hip-Hop-Salsa und Acrobatic-Salsa, waren unter anderen auch für Profitänzer eine Neuigkeit. Viele der neuen Bewegungen ließen sogar erfahrene Tänzer erstaunt und beeindruckt. Vollpower-Partys bis spät in die Nacht beendeten jeden der Festivaltage. Die größte Party war am Samstag, als für Rhythmus und Stimmung die Latino-Musikgruppe „Mandinga“ sorgte.


Die Veranstaltung des Festivals ist Dan Ceplinschi zu verdanken. Er ist Leiter der „Salsa-Addicted“-Tanzschule in Temeswar und derjenige, der im vergangenen Jahr das erste Salsa-Festival in Temeswar veranstaltete. Mit Hilfe einiger Freunde wurde das erste Salsa-Festival in Temeswar praktisch über Nacht ins Leben gerufen. Alles war damals laut seiner Meinung erstaunlich gut gelaufen, so dass das zweite Festival in diesem Jahr über 350 Teilnehmer zählte.

Dan Ceplinschi – Leiter der Salsa-Addicted-Tanzschule


„Ich führe ein Doppelleben: Tagsüber bin ich Arzt, nachts bin ich Tänzer. Diese zwei sind wie Wasser und Öl – sie geraten nicht durcheinander“, sagt Dan Ceplinschi. Er tanzt Salsa schon seit fünf Jahren, heute ist er 27. Alles begann, als er während seiner Studienjahre an der Hochschule einen Job als Sicherheitsbeamter in der Allgemeinschule Nr. 22 erwarb. Dort wurden abends Salsa-Kurse gehalten. Mehrmals beobachtete er die Tanzlehrer beim Unterrichten, bis er von der Tanzleidenschaft erfasst wurde.


Ein ganzes Jahr verfolgte er danach streng jeden Tanzkurs und verpasste keinen einzigen: drei Mal die Woche. Nach einiger Zeit begann er der Kursleiterin beim Unterrichten zu helfen. Als sie zurück nach Bukarest, in ihre Heimatstadt, musste, blieb er als einziger Tanzlehrer der Schule. „Salsa Fever“ hieß die Gruppe damals. Da es eben in der Welt eine Latinogruppe mit dem selben Namen gab, wollte Dan Ceplinschi originell sein und niemanden kopieren, so dass ein neuer Name der Gruppe gegeben wurde: „Salsa Addicted“ (Salsa abhängig). „Diesen Namen finde ich sehr geeignet, denn wer einmal Salsa tanzt, wird auf der Stelle abhängig. Für mich ist Salsa das einzige Laster“, sagt der 27-jährige Tänzer.


Salsa hat als Basis sechs Bewegungen, doch daraus können Tausende andere entwickelt werden. „Wer einmal diese Grundbewegungen gut beherrscht, kann alles andere auch“, erklärt Dan Ceplinschi. Er selber hat seine Bewegungen im Laufe der Zeit verbessert, indem er bei vielen Tanzkongressen, Kursen, Workshops teilgenommen hat und nicht zuletzt auch aus Salsa-DVDs neue Tipps und Tricks aufschnappte.


„Die DVDs dienen mir bloß als Inspiration. Ich werde nie die selben Bewegungen wie auf den DVDs unterrichten – dafür bin ich zu kreativ“, sagt er. Laut Ceplinschi, wird er von Formen, Gesten und vor allem von der Musik in seiner Kreativität beeinflusst. Er hat sogar einen komplexen Tanz unter dem Namen „Traveling“ entwickelt. Dieser Salsa-Stil beansprucht den ganzen Saal, indem man sich durch den ganzen Raum bewegt, nicht nur an einer Stelle tanzt.


Sein Lieblings-Salsa ist der „London-Style“. Dieser Stil ist von Pachanga, Cuban, New York- und L.A.-Style aber auch von R´n`B beeinflußt.


„Salsa ist Leben!“

Laut Dan Ceplinschi ist Salsa eine Mischung aus Leidenschaft, Eleganz und Gefühl. „Was Salsa am besten vom Sporttanz unterscheidet, ist das Salsa keine Choreographie braucht. Wenn man eben die Basisbewegungen gut beherrscht, kann man daraus an Ort und Stelle eine neue Bewegung entwickeln. Alles ist von Gefühlen beeinflusst: Salsa ist einfach Leben“, sagt Tanzlehrer Ceplinschi.


Für dieses neue Leben verzichtete er sogar auf zwei Jahre Hochschule. Das aber bereut er keine einzige Minute. Nun ist er Vertreter einer multinationalen Arzneimittelgesellschaft. Seiner Meinung nach kann jeder Beruf gut zu Salsa passen. Die Tänzer arbeiten alle in den verschiedensten Bereichen - das hält aber niemanden vom Tanzen fern.


Der Salsa-Tanz verbindet Leidenschaft, Gefühl und Eleganz.

Fotos: privat


Wenn aber Arbeit mit Tanzen gut in Verbindung kommen können, ist ein Bereich gar nicht mit Salsa kompatibel: die Liebe. Alle seine Liebesbeziehungen in den letzten fünf Jahren sind wegen des Tanzens gescheitert. „Tanzen kann zwei Leute sehr leicht zusammen bringen, aber genau so leicht können diese auseinander gehen. Die Frauen werden schnell eifersüchtig, vor allem wenn man mit einer anderen Frau sehr leidenschaftlich tanzt. Sie können nicht verstehen, dass es eben nur ein Tanz ist“, erzählt der Temeswarer Tänzer.


Eine teuere Leidenschaft

Achtung, Salsa ist kein billiges Hobby. Laut Ceplinschi, kann ein Tänzer, wenn er finanziell nicht abgesichert ist, sich Salsa nicht leisten. Alles beginnt mit einem einfachen Tanzkurs. Meistens etwa 100 Lei pro Monat. Dazu braucht einer auch gute Tanzschuhe. Manche Drehungen und Bewegungen können leichter mit speziellen Schuhen ausgeführt werden, diese rutschen auf dem Fußboden genau richtig und erlauben eine bessere Mobilität der Füße. Ein Paar solcher Tanzschuhe kosten ab 50 Euro. Diese halten - je nachdem - bis zu einigen Monaten.


Periodisch werden Festivals und Salsa-Kongresse landesweit aber auch außerhalb Rumäniens veranstaltet. Diese sind ein Muss, wenn der Tänzer einfach mehr lernen möchte. Kein Festival oder Kongress ähnelt dem anderen, also darf man einen solchen kaum verpassen. Die Preise eines Full-Passes bei einem solchen Event beginnt bei 50 Euro aufwärts, dazu rechnet man noch separat die Reise-, Unterkunft- und Verpflegungskosten.


Salsa – eine würzige „Tanz-Sauce“

Salsa ist ein moderner Gesellschaftstanz - aus den USA und Lateinamerika überliefert - der paarweise oder in der Gruppe getanzt wird. Eigentlich ist der Begriff „Salsa“ das spanische Wort für Sauce – eine Mischung von Zutaten (Tomanten, Chili, Peperoni, Zwiebeln, Knoblauch, Pfeffer), die meistens durch Kochen zubereitet wird.


Salsa, als ein afro-amerikanischer Musik- und Tanzstil, ist seinerseits ein Sammelbegriff für Rhythmen, die Mitte der 60er Jahre in New York entstanden sind. Alle Tänze und Rhythmen, die man zu den Wurzeln des Salsa zählt, stammen aus Kuba. Die Musik selbst oder die Rhythmen sind aus vielen schon vorhandenen lateinamerikanischen Rhythmen hervorgegangen - unter anderem aus dem Mambo. Wer den Film der 80er Jahre „Dirty Dancing“ gesehen hat, dem wird die Musik und auch der Tanz an den Mambo erinnern. Die Entwicklung des „Salsa“ ist den Staaten, insbesondere aus dem karibischen Raum (Kuba, Puerto Rico, Kolumbien, Venezuela usw.) zu verdanken. Die „Latinos“ kombinierten die Klänge und Tänze ihrer Heimatländer und ließen so, mit weiteren Elementen angereichert, eine äußerst würzige „Sauce“ entstehen.


Der Paartanz „Salsa“ wird im 4/4 Takt getanzt und ist heute sehr vielfältig. Die Tanz- und Musikrichtung ist sehr lebendig und entwickelt sich ständig weiter. Cuban Style, Cumbia Style, Puerto Rico Style oder Mambo Style sind nur einige der verschiedenen Salsa-Stile weltweit.

Feuerwalzen im Bergland

Brandrodung der Wiesen und Weiden an der Tagesordnung


Reschitza - Wahre Feuerwalzen vernichten dieser Tage die trockene Vegetation im gesamten Banater Bergland. Zehntausende Hektar sind von den Bergbauern in Kohle und Asche verwandelt worden – angeblich, damit das Gras anschließend auf den Weiden und Heuwiesen besser wächst.


Laut Angaben der Feuerwehr gibt es täglich allein zwischen dem Temesch-Tal im Norden und dem Donaudurchbruch im Süden bis zu hundert Brandherde, deren Verursacher nahezu nie identifiziert werden können und deren genaue Zahl unbekannt ist. Die Regel ist: Die Bewohner benachbarter Ortschaften bezichtigen sich gegenseitig der Brandrodung.

Im Bild (1): Brennende Heuwiesen östlich der Kroatenortschaft Iabalcea. Als wir die Bewohner von Iabalcea hinsichtlich ihrer Vermutungen fragten, wer das Feuer gelegt haben könnte, meinten sie, das könnten aufgrund der Windrichtung und der Richtung, woher das Feuer kommt, nur Bewohner des Gemeindezentrums Kraschowa/Carasova/Karasevo gewesen sein. Inzwischen sind schon nahezu alle Wiesen rund um die kleine Talortschaft schwarz (Bild 2, darauf auch ein durch den Brand ausgeglühter alter Birnbaum). Die Bewohner erzählen, dass sie, bei Annäherung der Feuerwalzen, mit Schaufeln ausrücken und meist das Feuer auch unter Kontrolle halten können, mit Ausnahme von den Tagen, wo der Wind sehr stark bläst – wie es letzten Sonntag der Fall war, als fast die ganze Umgebung der Kroatenortschaft abgesengt wurde.

Die Feuerwehr rückt in der Regel kaum noch aufgrund von Anrufen aus, um die Flächenbrände unter Kontrolle zu bringen, weil sie mit ihren wasservollen schweren Fahrzeugen sowieso nie die vom kaum erst geschmolzenen Schnee aufgeweichten Hänge hochfahren kann. Vor Ort findet die Feuerwehr kaum Wasser, weil die meisten Ortschaften zwischen Reschitza und Orawitza im Banater Karst liegen und über fast keine Wasserressourchen verfügen, von wo die Feuerwehr ihre Löschfahrzeuge vor Ort auftanken könnte. Dies ist auch der Hauptgrund, weswegen die Feuerwehr nur über Schätzungen bezüglich der täglichen Flächenbrände verfügt. Zudem werden diese in der Regel von der Bevölkerung kaum gemeldet. Als effizienste Bekämpfungsmethode der Flächenbrände wird das Legen von Gegenfeuern genannt, durch welche Asche- und Kohleschneisen belegt werden, die dann die Feuerwalzen stoppen.


Fakt ist, dass bisher noch kaum je und von keiner der im ländlichen Raum Verantwortung tragenden Organisationen und Institutionen in den Reihen der Landbewohner systematisch Aufklärung betrieben wurde hinsichtlich des realen Schadens, den die Flächenbrände nicht nur in konkret und sichtbar Obstgärten und gelegentlich an Almhütten anrichten, die abgefackelt werden, sondern vor allem, wie durch diese Form der Wiesen- und Weiden“säuberung“ die aktiven Mikroorganismen vernichtet werden, die für die Fruchtbarkeit des Bodens verantwortlich sind. Nicht zu reden von der Tatsache, dass solche Formen der Rodung in der EU strengstens verboten sind, aber auch, dass es bislang im Banater Bergland kein einziges Beispiel gibt, wo ein Brandstifter identifiziert und seine Tat geahndet worden wäre. Das Absurde am Ganzen: in den Ortschaften des Banater Berglands gibt es kaum noch Weidevieh. Der Tierbestand ist derart zurückgegangen, dass fast niemand mehr Heu erntet oder die Weiden durch Beweidung effektiv nutzt, so dass selbst das Argument des besseren Graswachsens nach dem brandgefährlichen Abfackeln ins Leere geht.

Text und Fotos: wk

Generalüberholungsbedürftige Industriestandorte


Die in den siebziger Jahren gebaute Straßenüberführung und Brücke über die Schienen des Reschitzaer Rangierbahnhofs und des Bersau-/Barzava-Flusses in Reschitza, die wichtigste Verbindung zwischen der Neustadt Lunca Barzavei und den Industriestandorten der Reschitzaer Altstadt, ist dringend generalüberholungsbedürftig. Laut Bürgermeister Mihai Stepanescu beginnen noch in diesem Jahr die Konsolidierungsarbeiten an der wichtigsten Straßenüberführung der Stadt.

Foto: Zoltán Pázmány

Durch das sperrige Unterholz der Sprache


Zu der neuen DSTT-Premiere „Die kahle Sängerin“ von Eugene Ionesco/ Von Balthasar Waitz


„Was macht noch die kahle Sängerin?“ Comme ci comme ca, könnte die Antwort gut lauten. Denn, gerade hundert Jahre nach der Geburt des Autors sind hierzulande schwere Zeiten für Ionesco angebrochen. Absurd, nicht wahr? Seit Ionesco-Tochter Marie-France die Inszenierung der väterlichen Stücken in rumänischer Sprache strikt verboten hat, wird auf unseren Bühnen, zum Leidwesen der Theaterleute und des Publikums, wortwörtlich „Warten auf Ionesco“ geprobt.

Szene aus der Premiere „Die kahle Sängerin“

Foto: DSTT


Und wie nötig hätten wir doch Ionesco, traben doch immer mehr Nashörner durch unsere Straßen. Das, nachdem in seinem Geburtsland erst 1964 eines seiner Stücke (eben „Die Nashörner“) aufgeführt werden konnte. Seitdem avancierte dieses Theater neben Traditionssautor Caragiale zur Lieblingspartitur unserer Bühnen.


Zur Freude seines Publikums kann das DSTT mit seiner neuen Premiere „Die kahle Sängerin“, da im Besitz der Aufführungsrechte in deutscher Sprache, dieses kuriose Verbot umgehen.


Der 1909 in Slatina als Sohn eines Rumänen und einer Französin geborene, 1994 in Paris als meistgespielter französischer Theaterautor verstorbene Eugene Ionesco hat mit seinem Erstlingswerk (die erste Textversion war übrigens eine rumänische) „Die kahle Sängerin“ auf einen Schlag das Theater revolutioniert und Schule gemacht. Der als Anti-Stück betitelte Einakter in elf Szenen (Enstehung 1948, Uraufführung 1950 im Pariser Theatre des Noctambules) verursachte den Bruch mit der traditionellen AristotelschenTheaterlehre und hob den Vorhang für einen anhaltenden Siegeszug des Theater des Absurden. Typisch absurd (im Duden für „widersinnig“ , in der Umgangssprache aber auch für „lächerlich“) sollte schon die Recherche des Autors (Ionesco ging von einer Ansammlung der Klischees aus einem Englisch-Lehrbuchs aus) aber auch die Titelfindung sein: Ein harmloser Versprecher eines Schauspielers während den Proben, der eine blonde Lehrerin in „cantatrice chauve“ umtaufte, war mitschuldig an der Glorie dieses Stücks. Zur einer Begegnung dritten Grades mit der ominösen, kahlen Sängerin, typisch für Ionescos grotesken Humors, soll es in diesem Stück gar nicht kommen. „Was macht die kahle Sängerin?“ fragt kurz vor Schluss so nebenbei ein hereingeschneiter Feuerwehrhauptmann, auf fieberhaften Suche nach Feuerbrünsten. Die englische Dame des Hauses antwortet gelassen: „Sie trägt immer noch dieselbe Frisur“.


Die von Banalitäten restlos überwucherte Unterhaltung auf der Bühne - Zum Personal gehören die englischen Ehepaare Smith und Martin, das Dienstmädchen Mary, das in dieser Aufführung überraschend französisch näselt, und ein ulkiger Feuerwehrmann - steigert sich in völlige Sinnentleertheit. Die Sprache verliert ihre kommunikative Funktion. Die Handlung glänzt durch Abwesenheit.


In der Spielleitung von Gastregisseur Alexandru Dabija (Hausregisseur im Odeon-Theater Bukarest)- Mit Gewinn setzt dieser alles auf eine Entfaltung dieses Textes als freies Spiel auf der Bühne - wird dem zwanglosen Spiel der jungen Schauspieler freie Hand gegeben. Ob bei Mr. und Mrs.Smith (Radu Vulpe und Ioana Iacob) oder Mr. und Mrs. Martin (Rares Hontzu und Isolde Cobet), aber auch im Spiel von Olga Török (Mary) und Boris Gaza (Feuerwehrhauptmann) können sich die Zuschauer an köstlich-ulkigen Szenen, an einer zügellosen Improvisationslust ergötzen.


Auf große Portionen grotesken Humors, auf Nonsens-Kaskaden in crescendo folgt ein allgemeines Geplärre auf der Bühne. In der Schlussszene wird das Gästepaar wie selbstverständlich mit dem Gastgeberpaar ausgewechselt.


Gerade da, auf diesem Sprachmüll, so Ionesco, blüht ungeschaut die Poesie, die schöne Blume der Welt: „Der Alltag ist eine graue Decke, darunter ist die Jungfräulichkeit der Welt verborgen“. Der große, noch unerreichte Meister aus Paris via Slatina will es gewusst haben.