Drei Tage Weinmesse/ Aussteller- und Besucherandrang
Von Siegfried Thiel
Für den „Klein-Winzer“, der sich etwas Traubensaft von den Reben aus seinem Hausgarten presst, hängt die Qualität allein davon ab, ob es ein Wein-Jahr war, oder nicht. Gar oft nimmt er auch mindere Qualität in Kauf, damit eben die Quantität stimmt. Unter Fachleuten heißt es dann immer, Rumänien habe noch keine Wein-Kultur. Doch auch private Weinkelterer legen zusehends Wert darauf, zumindest trinkbaren (süffigen) Wein herzustellen – so wie es in den schwäbischen Wirtschaften des Banats vorwiegend der Fall war, auch wenn nicht überall der Boden ideal für die Rebzucht ist. Viele Hundert Weinproben hatte es im Kommunismus gegeben, wenn einschlägige Ausstellungen angesagt waren, mehr als 170 waren es am vergangenen Wochenende auf der siebenten Weinmesse in Temeswar/Timisoara. Auch wenn die Anzahl der Weinproben weit unter dem liegt, was die Planwirtschaft einst hergab, ist die Anzahl der Wettbewerbsteilnehmer in diesem Jahr deutlich gestiegen. Und eines ist gegenüber dem Kommunismus sicher: Alle 23 Weinproduzenten, aber auch die Vermarkter und Zulieferer für die Weinkelterei mussten nicht gezwungen werden, dabei zu sein. Dass Qualität und Aufmachung heute weitaus westlicher gestaltet sind als vor Jahren, erübrigt sich eigentlich zu erwähnen – zumindest für all jene, die im Regionalen Geschäftszentrum in Temeswar als Besucher zugegen waren.
Konkurrenzkampf. Zweifel an Loyalität
Dass sich die Gäste am Stand der „Weingut Brutler & Lieb“ SRL drängen, ist kein Sonderfall für die Messe. Das Koster-Interesse ist erheblich. Der Deutschland-Heimkehrer Johann Brutler hat sich in Bildegg/Beltiug (Verwaltungskreis Sathmar/Satu Mare) 16 Hektar Weinland angelegt. Edelweine stellt er her, Vinotheken, Hotels und Gaststätten sind seine Abnehmer. „Ich nehme von jeder Messe etwas mit“, sagt Brutler, während seine Frau weiterhin Gäste bewirtet, kosten lässt und Flaschen zum Verkauf über die Theke reicht. Als Kleinunternehmer scheint es Brutler vor allem bei der Vermarktung nicht leicht zu haben. Die Vermarktungsstrategie würde nicht immer mit legalen Mitteln zwischen Hersteller – Lieferant – Abnehmer ablaufen, deutet Brutler an. Als klarer Beweis für ihn: „Die Fachleute fehlen, und daran ist nicht die Messe oder deren Veranstalter schuld“, sagt er und vermutet, dass die großen und ertragreichen Geschäfte über andere Kanäle längst abgewickelt wurden. Trotzdem: „Es geht langsam aufwärts. Die Leute sind immer mehr an guten Weinen interessiert“, sagt Brutler. Er weiß aber auch, dass die guten Geschäfte mit Edelweinen in Bukarest zu machen sind. Seine Produkte macht er auf Weinkostproben bekannt. Ein Werbeweg, der so ziemlich der einzig sinnvolle erscheint, zieht man ein Fazit aus dem, was die Messeteilnehmer ganz allgemein so als Strategie vorgeben. Deshalb auch kein Wunder, wenn aus der Temescher Handelskammer die Behauptung stammt, die Weinindustrie gehöre zu den Gewinnern der Wirtschaftskrise, auch wenn die Produzenten die Krise „schon spüren“.
Zu den großen Weinproduzenten gehören sie nicht, doch die „Domeniul Coroanei“ aus Segarcea, Kreis Dolj reiste, genauso wie im vergangenen Jahr, mit dem aufwendigsten Stand an. Ein bisschen Epochen-Outfit kommt schon rüber: Kein Wunder, denn die Weingegend geht in die Zeit des Königreichs, in das Jahr 1884 zurück, als da die Weingüter der rumänischen Monarchen lagen. In etwa die gleiche Reb-Fläche wie damals – 277 Hektar – ergibt heute Pinot Noir, Cabernet, Merlot. 60 Prozent der Produktion sind Rotweine. Reben, Techniker und Enologen kommen aus Frankreich, sagt Liliana Danisor.
Ausländer peilen den Markt an
Dem rumänischen Weinsektor sind auch österreichische Vertreiber nicht fern geblieben. Ein erstes Jahr hat „Vinidelmondo“ auf dem rumänischen Weinmarkt hinter sich. Wie schon angedeutet: Bukarest ist der richtige Absatzmarkt, deshalb sind auch die Österreicher mit ihren Edelweinen da eingestiegen, wollen aber auch „nach Temeswar, Kronstadt und andere Städte“, sagt Günter Temel, Generalmanager des Unternehmens, das seine Weine von 16 Winzern aus Österreich bezieht. Ihr Ziel ist ebenfalls die Top-Gastronomie. Und zur Bilanz – „für´s erst Jahr nicht schlecht“, resümiert Temel.
Seit Mitte Februar sind wir ausgebucht, sagt Lucia Pârvu vom Veranstalter Vinvest so als „Hausaufgabe“ für den Mitveranstalter, die IHK, größere Räumlichkeiten auszusuchen. Und damit kein Tag ohne Politik vergeht, lobte der anwesende Landwirtschaftsminister Mihail Dumitru (PDL) erst einmal die Unterstützung der Regierung für Landwirte und Winzer, dann widersprach der PSD-Senator Victor Surdu. Es gebe für Winzer „kein Entgegenkommen“. Trotz Mikrophonen haben es die wenigsten Zuschauer mitgekriegt, denn die ersten edlen Tropfen rannen den Verkostern bereits durch die Gurgel und im Nebenraum stand bereits Buffet für alle. Ein Gast hatte halb zugehört und resümiert: „Solche Politik steht ständig an, eine Gratis-Weinverkostung dafür umso seltener“.