Dienstag, 20. April 2010

Woche der Kaffehauskultur

Noch vier Veranstaltungsabende stehen bevor
as. Temeswar
– Eine Fotografieausstellung, Pantomime- und Graffitti-Vorführungen und ein Konzert: Die sechste „CaféKulTour – Woche der Kaffeehauskultur“, die derzeit in Temeswar/Timisoara läuft, möchte auch in diesem Jahr die Herzen der Temeswarer erobern und schlägt dafür ein dynamisches und buntes Programm vor. Vier Abende mit verschiedenen Kulturveranstaltungen stehen den Kulturfreunden noch bevor. Die Veranstaltungsreihe, die vom Deutschen und Französischen Kulturzentrum in Temeswar organisiert wird, begann am Montagabend mit einer Kurzfilmausstrahlung im Bunker-Club. „Ich freue mich, dass ich in diesem Jahr diese Veranstaltungsreihe offiziell eröffnen kann. Vor sechs Jahren, als dieses Projekt startete, war ich Kulturreferentin am Deutschen Kulturzentrum und habe bei der Veranstaltung der ersten CaféKulTour mitgemacht“, sagte Alina Baciu, Leiterin des Temeswarer Deutschen Kulturzentrums, bei der Eröffnung.
Heute findet im Club „Setup Venue“ die Performance der 2005 gegründeten Künstlergruppe „shortfilmlivemusic“ statt. Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Sechs Künstler und Musiker aus Deutschland und Ungarn untermalen Kurzfilme aus Deutschland und Osteuropa musikalisch und lassen dabei Film und Musik zu einem neuen Gesamtkunstwerk verschmelzen. Dabei entstehen aus live improvisierten Klängen und Fragmenten aus Originalstücken diverser Komponisten neue Soundtracks, die zu den im Rahmen des Konzerts ausgestrahlten Kurzfilmen passen. Verschiedene Filmgenres und die gesamte musikalische Bandbreite zwischen Klassik und Improvisation vereinen sich zu einem neuen Ganzen.
Die Vernissage der Fotoausstellung „Ortszeit/Local Time“ des Fotografen Stefan Koppelkamm findet am morgen um 19 Uhr im Bierhaus statt. Durch seine Bilder versucht der deutsche Künstler, das neue und alte „Ostdeutschland“ gegenüber zu stellen.
Eine Graffitti-Performance des französischen Künstlers Kendo soll am Freitag, dem 23. April, um 20 Uhr im Club „Aethernativ“ junges Publikum locken. Die „Woche der Kaffeehauskultur“ endet am Samstag, dem 24. April, mit einer Marionetten- und Pantomime-Aufführung im Lokal „Porto Arte“ am Ufer der Bega. Die Show des französischen Künstlers Merlin Borg beginnt hier um 20 Uhr.

Rock in Gârnic

Ein Treffen der rumänischen Motorradfahrer findet Ende April unweit der Donauklamm statt.
Foto: www.garnic.go.ro



Zweites Biker-Treffen am Monatsende
wk. Gernik/Gârnic
– Die Gemeinschaft der Motorradfahrer Rumäniens organisiert zwischen dem 30. April und dem 2. Mai das zweite Rockfestival von Gernik/Gârnic (deutsch: Weizenried) unweit der Donauklamm. „Rocker`s Festival II“ ist eine Folge des Erfolgs der vorjährigen Ausgabe, als sich in der Tschechengemeinde über 800 Motorradfahrer aus dem In- und Ausland für drei Tage versammelt hatten. Sternstunden der diesjährigen Ausgabe sollen die Auftritte von Rockbands aus Rumänien, Serbien und Tschechien sein, wobei die rumänische Gruppe „Cargo“ zum Stargast erklärt wurde.
Die Tschechengemeinde Gernik, der die Rumänenortschaft Padina Matei eingemeindet ist, wurde im Rahmen der letzten habsburgischen Kolonisierungswelle 1925-27 gegründet, als aus Böhmen sowohl Tschechen als auch Böhmendeutsche in den Randgebirgen der Donau und am Semenik als Wehrbauern im Rahmen des Wallachisch-Illyrischen Grenzregiments Nr. 13 angesiedelt wurden.
Damals entstanden neben den Deutschböhmensiedlungen Wolfsberg/Garâna, Weidenthal/Brebu Nou, Lindenfeld, Wolfswiese und Altsadowa/Sadova Veche auch die Tschechensiedlungen Gernik, Sankt-Helena/Sfânta Elena, Ravensca/Ravenska, Eibenthal, Schnellersruhe/Bigar und Schumitza/Sumita. Gernik durch die Ansiedlung von insgesamt 56 Tschechen-Großfamilien. Durch die relative Isolierung der Ortschaften wurden Sprach- und Traditionseigenheiten der Siedler gut konserviert und die Einheimischen sprechen nach wie vor tschechisch untereinander. Auch die Blasmusik wird weiterhin gepflegt und sie gehörte im vergangenen Jahr zu den Erfolgselementen des Motorradfahrer-Treffens.
Gernik liegt auf durchschnittlich 705 Meter Seehöhe und ist eine für jene Besiedlungsepoche im 19. Jahrhundert typische Kammsiedlung. In der Umgebung liegen die Ortschaften Sichevi]a (7 km entfernt), Carbunari (18 km), Ravenska (15 km), Sankt-Helena (14 km) und Moldovita (7 km). Hauptbeschäftigung der Bewohner ist die Landwirtschaft (eine Art Waldbauernwirtschft) und die Viehzucht, neuerdings in Ansätzen auch Tourismus (es gibt bereits einige Pensionen; bei einer Veranstaltung wie dem Rockfestival muss man sich aber auch bei den Bauern Unterkünfte suchen bzw. in Zelten übernachten/schlafen). Typisch für Gernik ist das Kalkbrennen in Gruben und der Kalkverkauf in der gesamten Donauklamm. Früher, in der kommunistischen Zeit, waren die Männer der Ortschaft in der Regel Pendler, die im Kupferbergwerk von Neumoldowa/Moldova Noua tätig waren.
Zu den touristischen Sehenswürdigkeiten von Gernik (die Wander- und Radfahrtrassen im Raum Gernik sind alle markiert, versichert das örtliche Rathaus) gehört das Wassermühlenensemble im Tal des Gramenska-Baches (vergleichbar dem mulinologischen Reservat in Rudaria/Eftimie Murgu) sowie zahlreiche Naturschönheiten: Wasserfälle, Höhlen, fischreiche Gewässer. Die Ortschaft liegt übrigens inmitten eines dichten Buchenwalds im „Gemischten Reservat Valea Mare/Moldovita“ und gehört zum grenzüberschreitenden Nationalpark Portile de Fier/Eisernes Tor.






„Es geht um uns hier“

Gespräch mit Fachberater Dr. Rolf Willaredt

„Schulen: Partner der Zukunft“ (kurz: PASCH) nennt sich die Initiative des Auswärtigen Amtes, die als Ziel die Gründung eines weltweiten Netzwerks von Schulen, an denen verstärkt Deutsch unterrichtet wird, hat. Acht Banater Partnerschulen wurden vor Kurzem mit PASCH-Plaketten ausgestattet. Zu dem Ereignis in Temeswar/Timisoara lud Dr. Rolf Willaredt von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) ein. Aus diesem Anlass wurde auch das Deutschlehrbuch der 10. Klasse, finanziert aus ZfA-Mitteln, offiziell vorgestellt. Über die PASCH-Initiative und über das neue Lehrbuch sprach BZ-Redakteurin Raluca Nelepcu mit dem Fachberater.


Wie werden die Partnerschulen in Rumänien von der deutschen Seite unterstützt?
In den letzten beiden Jahren sind über 200.000 Euro in die Partnerschulen geflossen – allerdings nicht als Barmittel, sondern als Gegenwert zu Lehrbüchern, Laptops, Internetanschlüssen und vorbildlichen Klassenzimmern, zum Beispiel. Wir haben versucht, die Partnerschulen konzentriert auszustatten mit dem, was man glaubt, dass ein moderner Unterricht auch an Motivationsschub für die SchülerInnen bringt. Das soll jetzt erhalten bleiben, aber die PASCH-Initiative geht damit nicht zu Ende, sondern wir werden punktuell weiterhin die Schulen unterstützen, wie zum Beispiel durch selbst geschriebene Lehrbücher. Durch die PASCH-Initiative wurden nun die Schulen in Rumänien mit einem Deutschlehrbuch der 10. Klasse im Wert von 6.000 bis 10.000 Euro ausgestattet.

Wie hat sich die PASCH-Initiative im Laufe der Jahre entwickelt?
Bis vor drei Jahren gab es eine völlig andere Schwerpunktsetzung in der Bildungspolitik. Wir haben durch die PASCH-Initiative den Auftrag gehabt, weitere Schulen hinzuzuziehen, um ein größeres Netz an Schulen mit Unterricht in deutscher Sprache zu spannen. Die ZfA und das Goethe-Institut haben aber innerhalb eines Jahres schon weit mehr getan, als man sich das ursprünglich vorgestellt hat. Wir in Rumänien könnten beliebig weitermachen: Es gibt viele Schulen, auch gerade der Klassen V-VIII, die bereit wären, die Bedingungen zu erfüllen, die an eine Partnerschule gestellt werden. Aber jetzt ist irgendwann auch mal ein Ende erreicht, um diese Partnerschulen überhaupt zu organisieren, zu vernetzen und auszustatten. Deswegen hat die Bundesministerkonferenz beschlossen: Jetzt sind wir mit diesen 1.500 Schulen vorerst mal zufrieden. Wenn jetzt noch jemand dem PASCH-Netz beitreten möchte, muss man jemand anderen ausscheiden lassen, wenn er die Kriterien nicht erfüllt.

Das Buch der 8. Klasse war vor einigen Jahren nicht sehr erfolgreich. Wie wollen Sie es vermeiden, dass nun dieses Lehrbuch das selbe Schicksal erleidet?
Damals, vor zehn Jahren, hat man wenig begriffen, was denn überhaupt Projektunterricht heißt, offener Unterricht, aktuelle Themen und Ähnliches. Es hat einfach an der Begleitung gefehlt, dass man die Lehrkräfte mit diesem Lehrbuch in Seminaren vertraut macht und dass man selbst zeigt, wie so eine Sequenz unterrichtet wird. Wir werden diesmal einführende Seminare haben, wir werden anhand von einzelnen Kapiteln Unterricht zeigen, es wird eine ganz andere Einführungsphase kommen als das damals der Fall war. Ich denke auch, dass die KollegInnen nach diesen zehn Jahren an einem anderen Punkt der Methodik und Didaktik stehen als sie damals gestanden haben.

Herta Müller, Aktionsgruppe Banat, Heimatliteratur, das alles kommt im neuen Lehrbuch zur Geltung. Wieso hat man die regionale Verankerung als so wichtig empfunden?
Auch im Lehrbuch der Klasse 8 war die regionale Verankerung wichtig. Das ist eben der Vorteil eines rumänischen Lehrbuchs in deutscher Sprache, wenn man auf die regionale Verankerung der Themen eingehen kann. Wenn irgend eine zusammenkopierte Einheit aus einem deutschen Lehrbuch erscheinen würde, hätte kaum jemand einen direkten Bezug. Wir haben gesagt: Wir brauchen Anknüpfungen an die Namen und Ortsnamen, damit die Schüler und Schülerinnen das Gefühl haben, „es geht um uns hier“.

Welche Schwierigkeiten hatten Sie beim Erarbeiten des Lehrbuchs?
Wir mussten uns zunächst erstmal selbst motivieren. Wir mussten am Anfang die Skepsis überwinden, ob wir das schaffen werden. Der andere Gesichtspunkt ist der: Wir arbeiten im Ehrenamt. Das, was der Gemeinschaft nützt hat für mich einen ungeheuren Wert, der in dieser Gruppe wirklich vervielfältigt wurde. Wieviel Zeit da drin steckt, wenn man als schlecht bezahlter Lehrer nicht mit anderen Einnahmequellen rechnen kann, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Das ist gleichzeitig ein Rufsignal an das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien, sich den Leuten in irgend einer Form erkenntlich zu zeigen, sei es nur als Rückmeldung zu dem, was wir geschafft haben.
Fachberater Rolf Willaredt (rechts) bei der Verleihung der Partnerschulplaketten.
Foto: Raluca Nelepcu

Unzureichend Platz für Störe

Landwirtschaftsminister ist über die Zuchtfarm begeistert

Großes Gewimmel und Fische, die aus dem Becken springen. Am Beckenrand an diesem Freitag, der wohl prominenteste Besucher, denn die Störzucht bei Jahrmarkt/Giarmata wohl zu diesem Zeitpunkt haben konnte: der rumänische Landwirtschaftsminister Mihail Dumitru. Seinen Besuch in Temeswar nahm er als Anlass, 20 Kilometer von Temeswar entfernt, die Störzucht des Banater Schwaben Gerald Buchert zu besuchen. Hier begann vor ein paar Jahren der Bau einiger Hallen und die Anschaffung der Geräte, die für die Zucht der „Kaviarproduzenten“ nötig sind. Im Anfangsstadium wurden in den Becken Forellen gezüchtet. Da es diesen allen Anscheins nach sehr gut ging, wurden 25 Becken mit Stören bevölkert. Beim Erwerb waren es Kleinfische, die in den Becken herumschwammen. Inzwischen ist jedoch ungefähr ein Jahr vergangen. Die Fische haben es gut gehabt und sind gewachsen. Bislang alles gut und schön. Das Problem, das aber aufgetaucht ist, ist die fehlende Finanzierung, die für den Bau weiterer Becken nötig ist. Aus diesem Grund sind nun sowohl die Forellen, als auch die Störe in den schon bestehenden Becken zusammengedrängt. Geplant war ursprünglich, dass die Fische nach sechs Monaten in größere Becken umgesiedelt werden. Da das nötige Geld fehlt, können auch die Becken nicht angeschafft werden. So kommt es, dass nun nach Lösungen gesucht wird, bis die nötigen Mittel für die Fortführung der Arbeiten herbeigeschafft werden. „Wir sprechen jetzt mit Restaurant- und Ladenkettenbesitzern, um die Forellen zu verkaufen“, sagt Fachmann Lucian Cotarca. Dadurch würden etliche Becken frei werden und die Störe hätten vorübergehend mehr Platz. „Was ich da gesehen habe, hat mich begeistert“, sagte der Landwirtschaftsminister. Ob nun auch Geld fließen wird, wird sich in Zukunft zeigen. Im vergangenen Jahr wurde nämlich die nötige Dokumentation für die Heranziehung von Fonds eingereicht. Geld ist jedoch nicht auf die Konten geflossen. Das Projekt läuft unter der Obhut des Unternehmens SC Nimb SA. Geplant sind fünf Hallen für die Inkubation, preliminäre Entwicklung und superintensives Wachstum der Fische auf einer Fläche von fast 4.000 Quadratmetern. Die Technologie soll eine Produktion von 50-150 Kilogramm Fisch pro Kubikmeter Wasser erlauben. In den fünf Hallen sollen insgesamt 156 Becken entstehen. Bislang ist eine einzige Halle voll funktionsfähig. Das Futtergranulat, das verwendet wird, steht in einer besseren Proportion als sonst. Es werden 1-1,5 Kilogramm Futter pro Kilogramm Wachstumszuwachs der Fische verwendet, mit anderen Technologien wurden zwei-fünf Kilogramm Futter für ein Kilogramm Wachstumszuwachs pro Fisch verwendet. Zurzeit kostet ein Kilogramm Kaviar, das von Sternhausen und Hansen gewonnen wird, ungefähr 2.000 Lei. Die Störe erreichen ihre Maturität nach vier Jahren oder sechs bis sieben Jahren bei Sternhausen und nach zehn Jahren bei Hansen. Die größten gefischten Exemplare in Rumänien erreichen stolze 350 Kilogramm und wurden bei Hansen registriert.
Olivian Ieremiciu


Die Becken sind für die Anzahl und Größe der Störe viel zu klein.



Landwirtschaftsminister Mihail Dumitru zeigte sich über die Störzucht begeistert.


Fotos: Zoltán Pázmány

Nur zum Eintrittspreis: Einem edlen Tropfen frönen

Drei Tage Weinmesse/ Aussteller- und Besucherandrang
Von Siegfried Thiel

Für den „Klein-Winzer“, der sich etwas Traubensaft von den Reben aus seinem Hausgarten presst, hängt die Qualität allein davon ab, ob es ein Wein-Jahr war, oder nicht. Gar oft nimmt er auch mindere Qualität in Kauf, damit eben die Quantität stimmt. Unter Fachleuten heißt es dann immer, Rumänien habe noch keine Wein-Kultur. Doch auch private Weinkelterer legen zusehends Wert darauf, zumindest trinkbaren (süffigen) Wein herzustellen – so wie es in den schwäbischen Wirtschaften des Banats vorwiegend der Fall war, auch wenn nicht überall der Boden ideal für die Rebzucht ist. Viele Hundert Weinproben hatte es im Kommunismus gegeben, wenn einschlägige Ausstellungen angesagt waren, mehr als 170 waren es am vergangenen Wochenende auf der siebenten Weinmesse in Temeswar/Timisoara. Auch wenn die Anzahl der Weinproben weit unter dem liegt, was die Planwirtschaft einst hergab, ist die Anzahl der Wettbewerbsteilnehmer in diesem Jahr deutlich gestiegen. Und eines ist gegenüber dem Kommunismus sicher: Alle 23 Weinproduzenten, aber auch die Vermarkter und Zulieferer für die Weinkelterei mussten nicht gezwungen werden, dabei zu sein. Dass Qualität und Aufmachung heute weitaus westlicher gestaltet sind als vor Jahren, erübrigt sich eigentlich zu erwähnen – zumindest für all jene, die im Regionalen Geschäftszentrum in Temeswar als Besucher zugegen waren.

Konkurrenzkampf. Zweifel an Loyalität

Dass sich die Gäste am Stand der „Weingut Brutler & Lieb“ SRL drängen, ist kein Sonderfall für die Messe. Das Koster-Interesse ist erheblich. Der Deutschland-Heimkehrer Johann Brutler hat sich in Bildegg/Beltiug (Verwaltungskreis Sathmar/Satu Mare) 16 Hektar Weinland angelegt. Edelweine stellt er her, Vinotheken, Hotels und Gaststätten sind seine Abnehmer. „Ich nehme von jeder Messe etwas mit“, sagt Brutler, während seine Frau weiterhin Gäste bewirtet, kosten lässt und Flaschen zum Verkauf über die Theke reicht. Als Kleinunternehmer scheint es Brutler vor allem bei der Vermarktung nicht leicht zu haben. Die Vermarktungsstrategie würde nicht immer mit legalen Mitteln zwischen Hersteller – Lieferant – Abnehmer ablaufen, deutet Brutler an. Als klarer Beweis für ihn: „Die Fachleute fehlen, und daran ist nicht die Messe oder deren Veranstalter schuld“, sagt er und vermutet, dass die großen und ertragreichen Geschäfte über andere Kanäle längst abgewickelt wurden. Trotzdem: „Es geht langsam aufwärts. Die Leute sind immer mehr an guten Weinen interessiert“, sagt Brutler. Er weiß aber auch, dass die guten Geschäfte mit Edelweinen in Bukarest zu machen sind. Seine Produkte macht er auf Weinkostproben bekannt. Ein Werbeweg, der so ziemlich der einzig sinnvolle erscheint, zieht man ein Fazit aus dem, was die Messeteilnehmer ganz allgemein so als Strategie vorgeben. Deshalb auch kein Wunder, wenn aus der Temescher Handelskammer die Behauptung stammt, die Weinindustrie gehöre zu den Gewinnern der Wirtschaftskrise, auch wenn die Produzenten die Krise „schon spüren“.
Zu den großen Weinproduzenten gehören sie nicht, doch die „Domeniul Coroanei“ aus Segarcea, Kreis Dolj reiste, genauso wie im vergangenen Jahr, mit dem aufwendigsten Stand an. Ein bisschen Epochen-Outfit kommt schon rüber: Kein Wunder, denn die Weingegend geht in die Zeit des Königreichs, in das Jahr 1884 zurück, als da die Weingüter der rumänischen Monarchen lagen. In etwa die gleiche Reb-Fläche wie damals – 277 Hektar – ergibt heute Pinot Noir, Cabernet, Merlot. 60 Prozent der Produktion sind Rotweine. Reben, Techniker und Enologen kommen aus Frankreich, sagt Liliana Danisor.

Ausländer peilen den Markt an

Dem rumänischen Weinsektor sind auch österreichische Vertreiber nicht fern geblieben. Ein erstes Jahr hat „Vinidelmondo“ auf dem rumänischen Weinmarkt hinter sich. Wie schon angedeutet: Bukarest ist der richtige Absatzmarkt, deshalb sind auch die Österreicher mit ihren Edelweinen da eingestiegen, wollen aber auch „nach Temeswar, Kronstadt und andere Städte“, sagt Günter Temel, Generalmanager des Unternehmens, das seine Weine von 16 Winzern aus Österreich bezieht. Ihr Ziel ist ebenfalls die Top-Gastronomie. Und zur Bilanz – „für´s erst Jahr nicht schlecht“, resümiert Temel.
Seit Mitte Februar sind wir ausgebucht, sagt Lucia Pârvu vom Veranstalter Vinvest so als „Hausaufgabe“ für den Mitveranstalter, die IHK, größere Räumlichkeiten auszusuchen. Und damit kein Tag ohne Politik vergeht, lobte der anwesende Landwirtschaftsminister Mihail Dumitru (PDL) erst einmal die Unterstützung der Regierung für Landwirte und Winzer, dann widersprach der PSD-Senator Victor Surdu. Es gebe für Winzer „kein Entgegenkommen“. Trotz Mikrophonen haben es die wenigsten Zuschauer mitgekriegt, denn die ersten edlen Tropfen rannen den Verkostern bereits durch die Gurgel und im Nebenraum stand bereits Buffet für alle. Ein Gast hatte halb zugehört und resümiert: „Solche Politik steht ständig an, eine Gratis-Weinverkostung dafür umso seltener“.

Die römisch-katholische Kirche wird saniert



Die römisch-katholische Kirche in der Bucegi-Straße in Lugosch – äußerst sanierungsbedürftig
Foto: Raluca Nelepcu


Stadtverwaltung unterstützt Renovierung von Glaubensstätten
Die römisch-katholische Kirche in Lugosch/Lugoj wird zurzeit saniert. 25.000 Lei machte der Stadtrat dafür locker. In vier Monaten könnten die Arbeiten beendet werden, teilte der römisch-katholische Priester Mihail-Titus Dumitresc der Lugoscher Presse mit.
Seit 1996 ist die Kirche in der Bucegi-Straße nicht mehr saniert worden. Damals wurde ein grauer Verputz für die Kirche gewählt, nun soll das Gebäude ein völlig neues Aussehen bekommen. Die Fassade wird in einem warmen Gelb im Sinne der späten Barock-Zeit gestrichen. Die Holzelemente am Kirchendach und am Dach des Minoritenklosters im Hof werden erneuert. Besondere Bedeutung wird der Isolierung des Gebäudes gegen Feuchtigkeit beigemessen. Neben den Geldern, die von der Stadtverwaltung kommen, sollen auch Mittel vom Kultusministerium eingesetzt werden. Priester Dumitresc hat vor zwei Monaten einen diesbezügelichen Finanzierungsantrag gestellt.
Die Geschichte der römisch-katholischen Kirche in Lugosch geht bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück. Damals wurden die ersten Schritte unternommen, um eine katholische Gemeinde am Temesch-Ufer zu gründen. Am 14. Juni 1733 wurde der Grundstein der Kirche gelegt, deren Schutzpatron die Heilige Dreifaltigkeit ist. Zwei Jahre später wurde hier die erste Heilige Messe zelebriert. Die Turmuhr wurde vom Uhrmacher Josef Spindler am 28. Mai 1829 montiert. Die Orgel, die sich zurzeit in der Kirche befindet, wurde 1926 von der Wegenstein-Firma gebaut. Die vier Glocken, die zurzeit in der Kirche läuten, wurden von dem Meister Ferdinand Honig und seinen Söhnen in Arad gegossen und am 20. Oktober 1928 eingeweiht. In den Jahren 1932/33 wurde die Kirche komplett saniert und die zwei Türme, die von der Straße aus sichtbar sind, gebaut. 1975 wurde der Innenraum der Kirche saniert.
Die Lugoscher Stadtverwaltung hat auch für andere Glaubensstätten Gelder locker gemacht. So kommen 13.000 Lei der griechisch-katholischen Kathedrale zu Gute. Die größte Summe erhält die orthodoxe Kirche „Adormirea Maicii Domnului“ neben dem Rathaus – 43.000 Lei, die für die Außensanierung des Gebäudes bestimmt sind.
Raluca Nelepcu

Brandrodung außer Kontrolle

Mentalität stärker als Realismus der Wahrnehmung
In den Kroatendörfern südlich von Reschitza erzählt man, dass ein Schafhirte mal beim Hüten der ihm anvertrauten Herde eingeschlafen sein soll. Als er aufwachte, waren die Schafe samt seinen Hüterhunden weg. Er machte sich auf die Suche nach der Herde. Inzwischen wurde es dunkel. Da kam er an den Rand einer brandgerodeten Weidefläche. Das Feuer hatte er am Vortag selber gelegt, in der bei allen Völkerschaften des Banater Berglands üblichen Überzeugung, dass nach einer Brandrodung der Wiesen und Weiden das Gras besser, dichter und saftiger wachse. Da sah er in der Ferne auf den schwarzrußigen Flächen dichte weiße Flecken. Er eilte auf sie zu. Es waren weiße Kalksteine, wie eine Schafherde auf der rußschwarzen Fläche verstreut, genau wie beim Weiden seine Schafherde. Die ihm anvertrauten Schafe blieben für immer verschwunden.
Brandrodung – im vergangene Woche geschossenen Bild (Foto: Zoltán Pázmány) eine brennende Trockengrasfläche zwischen Reschitza und Anina – ist eines der Grundübel, welches die Bergbauern des Banater Berglands in fester Überzeugung von ihrer Nützlichkeit und in Übertretung aller geltenden Binnen- und EU-Gesetzgebung im Spätherbst und im Frühjahr praktizieren. Bei sehr laxer Handhabung der Einhaltung der Gesetze werden in jedem Jahr tausende Hektar brandgerodet – bis zur akuten Gefährdung der Siedlungen durch die auf sie zuzischenden Feuerwalzen - obwohl die ursprüngliche Nutzung der Wiesen und Weiden längst absolut nebensächlich geworden ist. Denn es gibt im Banater Bergland nur noch Restbestände an Schafen und Milchkühen – sogar verglichen mit dem Stand im Kommunismus – und die Wiesen und Weiden werden nur noch in Bruchteilen wirklich bewirtschaftet. Also selbst nach dem Verschwinden der ursprünglichen wirtschaftlichen Überlegungen bezüglich Verbesserung der Grasflächen durch Brandrodung – wissenschaftlich wurde nachgewiesen, dass dies ein absoluter Irrtum ist, weil eine Brandrodung die gesamte nützliche Mikrofauna und –flora in den obersten Erdschichten zerstört – wuchert die Mentalität weiter und immer wieder findet sich jemand, der Feuer legt.
Die Mentalität ist eben stärker als der Realismus der Wahrnehmung, dass Brandrodung, sollte sie jemals genutzt haben, heute niemand mehr nutzt. Mit einer Ausnahme vielleicht: Die Bewohner der Dörfer im Banater Bergland vermuten inzwischen, dass die einzigen, denen ein Wiesen- und Weidenbrand nutzen könnte, die (zahlreich vorhandenen) Wilderer sind, denen das Feuer die aufgeschreckten Tiere – Wildschweine, Rehe, Füchse, Fasanen, Rebhühner – zutreibt.
Werner Kremm