Donnerstag, 14. Januar 2010

Dispute Präfektur-Stadtverwaltung werden fortgesetzt

Stadtherren beharren auf die Einführung der Transitgebühr


oi. Temeswar – Ein Schild, das etwas irreführend ist: Kraftfahrzeuge mit einer Ladekapazität von 7,5 Tonnen dürfen nicht durch Temeswar/Timisoara fahren. Ganz so ist es jedoch nicht.

Trotz Einsprüche seitens der Präfektur Temesch/Timis will das Temeswarer Bürgermeisteramt die Transitgebühr einführen. Diese sieht vor, dass jedes Fahrzeug, das eine Ladekapazität von 7,5 Tonnen überschreitet und nicht im Kreis Temesch zugelassen ist, eine Gebühr in Höhe von 200 Lei für die Durchquerung der Stadt zahlen muss. Verantwortliche aus der Stadtverwaltung argumentieren ihr Vorhaben dadurch, dass durch die Schwertransporte die Straßen zerstört werden und aus dem Haushalt der Stadt große Geldsummen für Reparaturarbeiten ausgegeben werden. Aus Bukarest fließt jedoch kein Geld. „Aus dem Staatshaushalt kommt kein Geld für die Europäischen Straßen, die Temeswar durchqueren, und das, obwohl die Temeswarer jährlich ungefähr 10 Millionen Euro Straßengebühren zahlen. Wir sind nicht die einzigen, die eine derartige Taxe einführen wollen. Schon seit einiger Zeit wurde diese von den Kreisräten Giurgiu, Klausenburg und Tulcea eingeführt. Auch von anderen Stadträten in Rumänien wurde für die Einführung dieser Taxe abgestimmt“, so in einer Pressemitteilung des Temeswarer Bürgermeisteramtes.

Die Präfektur ist mit dieser Gebühr nicht einverstanden, da sie diskriminierend sein soll. Falls jedoch alle - das heißt auch diejenigen, die Temescher Kennzeichen besitzen - die Gebühr zahlen müssten, so wäre die Präfektur mit der Taxe einverstanden. Bis zur Beendigung des Konflikts kann die Entscheidung des Stadtrats hinsichtlich der Transitgebühr nicht umgesetzt werden.

In dieser Hinsicht antwortet die Stadtverwaltung folgendermaßen: „So lange wir von einer Transitgebühr sprechen, kann diese nicht an der Bevölkerung, die hier wohnhaft ist und hier ihre Steuern zahlt, angewandt werden. Wir betrachten die Vorgehensweise der Präfektur als einen Missbrauch“, so weiterhin im Pressekommuniqué der Stadtverwaltung.


Stadtverwaltung lässt Schilder anmontieren, die die Lkw-Fahrer warnen: Über 7,5 Tonnen nicht erlaubt.

Foto: Zoltán Pázmány

Kreis Temesch: 219 Lehrer müssen gehen

Vorwiegend Dorfschulen von Maßnahme betroffen


Die Umstrukturierung im rumänischen Schulwesen löst heftige Kontroversen zwischen dem Temescher Schulinspektorat und den Lehrergewerkschaften aus. Rund 1700 Hilfslehrer und Rentner sind in diesem Schuljahr im Verwaltungskreis Temesch/Timis tätig. Bis zum 1. September 2010 müssen 219 davon entlassen werden, wie sich aus einem im Dezember 2009 im Amtsblatt Rumäniens veröffentlichten Dringlichkeitserlass ergibt. Die Regierung streicht in diesem Jahr insgesamt 15.000 Stellen im Bildungswesen. „Wir werden streichen, ohne jedoch die Situation des Unterrichts zu verschlechtern“, verspricht der Temescher Schulinspektor Dumitru Tomoni.

Lehrergewerkschaften schlagen jedoch Alarm: Die Qualität des Unterrichtswesens könnte dabei stark beeinträchtigt sein. „Wir sind mit diesen Entlassungen nicht einverstanden. Es handelt sich dabei um eine rein finanzielle Entscheidung. Wenn das so weiter geht, werden wir bald keine Lehrkräfte mehr haben“, sagt Marian Uta, Leiter der Temescher Filiale der Föderation aus dem Bildungswesen (rum.: Federatia Educatiei Nationale).

Auf der Liste der Streichungen im Verwaltungskreis Temesch stehen hauptsächlich Lehrkräfte der Allgemeinbildenden Schulen in Dörfern und Gemeinden. Betroffen sind insbesondere die Schulen im Raum der Städte Fatschet/Faget und Lugosch/Lugoj im Osten des Kreises, sowie die Allgemeinschulen in Neupetsch/Peciu Nou und Dinias. Laut Schulinspektor Tomoni wird es auch in Temeswar/Timisoara und Lugosch zu Entlassungen kommen, jedoch nicht so viele, wie auf dem Land. Die Arbeitsnorm der LehrerInnen ersten Grades wird von 16 auf 18 Wochenstunden angehoben, die verminderte Stundennorm der SchulleiterInnen und der stellvertretenden SchulleiterInnen soll ebenfalls aufgehoben werden.

Der Schulinspektor verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die ausgebildeten und fest angestellten Lehrkräfte von dieser Maßnahme nicht betroffen sein werden. In den meisten Schulen der Temescher Dörfer und Gemeinden gäbe es Klassen mit geringer Schüleranzahl, und die könne man zusammenschließen. „Da wollen wir eingreifen. Es gibt Klassen mit fünf oder sechs Schülern. Es gibt auch Allgemeinschulen mit insgesamt dreißig Kindern. Ein Umorganisieren des Schulsystems ist somit erforderlich. Wir versuchen, Klassen von 25 bis 30 Schülern zu bilden“, sagt Dumitru Tomoni. Falls mehrere Schulen in den Temescher Dörfern letztendlich aufgelöst werden, so müsste man den Kleinen, die in andere Schuleinrichtungen überwechseln, den notwendigen Schülertransport sichern.

Gespräche mit den Bürgermeistern der betroffenen Dörfer und Gemeinden sowie auch mit den Lehrergewerkschaften sollen diesbezüglich, laut Tomoni, noch geführt werden. Lehrergewerkschaften protestieren aber: „Wir wurden in letzter Minute zu einem Treffen eingeladen, wo aber unsere Meinung gar nicht zählte. Wir wurden ganz einfach als Zuschauer eingeladen. Die Leiterin des Temescher Schulinspektorats unternimmt Änderungen im Schulsystem, ohne sich vorher mit uns zu beraten. So geht das nicht. Wir müssen uns zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung finden“, sagt Marian U]² empört. Künftig sollen weitere Treffen zwischen Lehrergewerkschaften und Schulbehörde stattfinden, verspricht Tomoni, eine Alternative zu den Stellenstreichungen, ist - zumindest laut Kennern - kaum möglich.

Ana Saliste



Klassen mit fünf oder sechs Schülern werden künftig aufgelöst.

Foto: Zoltán Pázmány

Der teuerste Film aller Zeiten

„Avatar“ sorgt für Begeisterung bei den Temeswarern


as. Temeswar - Fünf Jahre lang hat der „Titanic“-Regisseur James Cameron am teuersten Film aller Zeiten gearbeitet. Dezember 2009 war es dann soweit: „Avatar – Der Aufbruch nach Pandora“ lässt weltweit die Kinokassen klinglen. Der 3D-Streifen hat schon nach 17 Tagen mehr als eine Milliarde Dollar eingespielt und rückte auf Platz 30 der 250 erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Im Temeswarer „Cinemacity“-Kino (Iulius Mall) war der Saal tagelang komplett ausgebucht. Wer sich den Film ansehen wollte, musste sich ein paar Tage früher die Eintrittskarten online reservieren. Sogar am Vor- und Nachmittag des 31. Dezembers 2009 war der Saal voll.

Die Begeisterung der Temeswarer ist aber gerechtfertigt. Nicht nur, dass der farbige Planet „Pandora“ das Publikum mehr als zwei Stunden lang zum Staunen bringt und es praktisch in eine andere Welt mitreißt, Cameron hat in seinem 3D-Streifen alles reingepackt, was man sich von einem guten Film wünschen kann: Action, Liebesgeschichte, Geldgeiz, Kampf zwischen Gut und Böse und eine umweltfreundliche Hintergrundmessage.

Auf der Suche nach neuen Ressourcen entdecken die Menschen den Planeten Pandora, der von komischen Lebewesen mit blauer Haut bevölkert ist. Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver) leitet eine Versuchsreihe, in der das menschliche Bewusstsein auf künstlich gezüchtete, blaue Körper übertragen wird. So kommt der Soldat Jake Sully (Sam Worthington) in Pandora, wo er das Volk der Na´vi spionieren soll. Schrittweise entdeckt er aber, dass die Einheimischen ein naturverbundenes, geistiges Leben führen. Sein blaues Ich freundet sich mit den Na'vi an und er verliebt sich in die schöne Einheimische Neytiri (Zoe Saldana). Unter dem Wohnsitz der Na´vi befindet sich aber ein wertvolles Mineralvorkommen, das die Menschen auf aggressiver Weise ausbeuten wollen, nachdem sie die Erde erfolgreich verschrottet haben.

Der Zuschauer wird zu einer phantastischen Reise eingeladen. In einer Welt, wo sich der Kampf zwischen von Menschen geschaffenen Roboter, auf einer Seite, und der Natur, auf der anderen Seite, abspielt. Alles auf einem fremden Planeten mit phantastischen Fabelwesen und einer einzigartigen Flora. Dem Zuschauer eröffnen sich schrittweise beeindruckende Panoramen, in denen sogar Felsformationen in der Luft schweben. Mit Hilfe der 3D-Technik und der detailreichen Szenen überzeugt der Realismus bis in den letzten Pixel. „Die absolute Wahrheit in einer imaginären Welt", wie Cameron seine letzte Produktion zusammenfasst.

Auch zu Hause – nur noch selten á la carte

Banater Gastronomie und Küche im Wandel der Zeit

Von Siegfried Thiel

Der Wandel ist nicht zu übersehen: Fleisch aus der Tiefkühltruhe, Halbfertiges aus der Dose, Suppe aus der Tüte und Oregano zum Würzen haben längst die Einbrennsuppe, aber auch den Kaiserschmarrn und gelegentlich auch das Paprikasch von der Speisekarte der Banater verdrängt. In manch einer Küche sind solche Gerichte gar nicht mehr bekannt, andere haben sie aus Bequemlichkeit aufgegeben und dritte sehen eine Möglichkeit, neue Rezepte auszuprobieren. Internetseiten, Zeitschriften und Kochsendungen reißen sich um diesen Markt, der am meisten die gequälten Männer und Kinder auf die Palme bringt, wenn die Hausfrau auf Anhieb und ohne was zu verpassen eine Übersetzung vom Bildschirm wünscht, und dabei muss der Partner unweigerlich in mindestens zwei Sprachen Fachbegriffe aus der Gastronomie bestens kennen. Natürlich gibt es da die Fast-Food-Liebhaber, die sich nicht drum kümmern, ob Ernährungswissenschaftler dagegen wettern, ob der rumänische Gesundheitsminister eine neue Steuerlast für Erzeuger und Vertreiber von Fast-Food-Produkten in Aussicht stellt, oder ob die Preise über dem liegen, was sich Otto-Normalschlemmer überhaupt leisten kann. Natürlich hat sich die Banater Küche verändert, seitdem die Bevölkerung in der Nachkriegszeit mit Minimalem auskommen musste, natürlich haben Technik und Zutatenvielfalt, aber auch der hektische Alltag das Leben am Herd aber auch jenes bei Tisch wesentlich verändert.

Es ist heute weniger Nostalgie, sondern vielmehr Gewohnheit, die manch einen dann doch noch zur altbewährten Hauswurst greifen lässt. Die Banater Zeitung versucht in folgendem Beitrag, etwas von dem aufzuarbeiten, das scheinbar mit rasanten Schritten verloren geht: Die Banater Küche, mit ihren Gegebenheiten und multiethnischen Einflüssen, bedingt und beeinflusst im Laufe der Zeit durch Armut in den Jahren des Krieges und kurz danach, in der Zeit der Lebensmittelknappheit im Kommunismus aber auch in den Jahren nach der Wende von 1989, als vieles auf den Markt kam, doch mancher aus finanziellen Gründen gewaltige Abstriche machen muss.

Moderne Kochkunst live

Dana C. (der Name wurde auf Wunsch geändert) will aus beruflichen Gründen im Beitrag nicht mit Namen genannt werden, ist jedoch als einzige bereit, ein komplettes Menü nur zum „Mitgucken“ des Journalisten vorzubereiten. „Wenn´s nichts wird, ist zumindest der Name nicht bekannt,“ glaubt Dana die versprochene Namensänderung voll ausschlachten zu können. Mit 24 Jahren macht es ihr unweigerlich viel Spaß, Köchin spielen zu dürfen: Zum einen kocht sie gern, zum anderen erlaubt ihr der Tag eine Menge Narrenfreiheit, denn die Mutti kann doch nicht vor der Presse immer wieder mit Mahnungen und Korrekturen eingreifen – obwohl sie es liebend gerne täte. „Weißt du, wie das Kochbuch der Schotten beginnt?” Dana greift auf einen mir längst bekannten Witz zurück, der Stimmung wegen schüttle ich den Kopf und lasse sie gewähren: „Man leihe sich eine Pfanne“, beginnt Dana, dann ist sie schon bei der Nachbarin. Ich bin mir gar nicht sicher, ob sie überhaupt eine Pfanne braucht, sondern nur den Witz anbringen wollte. Oder sollte etwa die Nachbarin auch wissen, dass sie heute für die deutsche Zeitung kocht? Während das Kartoffelschälmesser über die Knollenfrüchte ratscht und im Waschbecken unter fließendem Wasser das Fleisch auftaut, tropft aus der Kaffeemaschine schwarzes, wohlduftendes Gebräu, in den Fernsehnachrichten läuft der letzte Schrei an Hiobsbotschaften: Erdrutsche, Überschwemmungen, Bombendrohungen. Zwischendurch nimmt Dana einen Zug aus ihrem Weinglas, und zieht kurz an der dünnen Zigarette mit weißem Filter. „Paprikasch wie bei Oma“, glaubt meine Gastgeberin versprechen zu müssen. ´Die Zigarette hätte Oma wohl kaum angezündet´, sinniere ich, `aber Oma hatte ja auch fertig geräuchertes Fleisch´, setze ich meine lustigen Gedanken fort, obwohl das alles recht wenig mit dem anstehenden Menü zu tun hat. „Zwiebel rösten“!, mahnt im Hintergrund die Mutti, die doch nicht ganz aus der Geschichte verschwinden kann. Mein Blick wandert an den rot-weißen Küchenmöbeln entlang: Mixer, Herd mit Temperaturanzeiger und Spülmaschine folgen und darüber eine wohl als Werbegeschenk irgendwo erhaltene Küchenuhr. Daneben ein Stapel Zeitschriften mit Kochrezepten. Und dann mitten in das Warten auf banat-schwäbisches Schweinepaprikasch: „Bis ich fertig bin, wärm ich noch eine tiefgefrorene Pizza in der Mikrowelle auf“. Bei Dana verhungert keiner. Und das geplante Paprikasch mit Knödeln und reichlich Gewürzen mit kuriosen Namen versehen - Gurkensalat dazu – sollte später richtig munden. Auf den Banater Dörfern schmeckte es anders. Bei dieser Bewertung soll es bleiben.


Zeitdruck, Kostenfrage, Tradition

Kochen hat immer auch etwas mit effizientem Wirtschaften zu tun, und dabei scheint Zeit genauso wichtig, wie die Kostenfrage. „Es kann nicht sein, dass eine Frau heute noch stundenlang am Herd und in der Küche steht”. Halbfertige Gerichte und die zur Zubereitung notwendigen technischen Hilfsmittel kann sich Cristian Staniloiu gut in der Küche vorstellen. Eine berufstätige Frau soll – eventuell außer den Sonntagen - Zeit für sich und für den Beruf haben und „nicht die Speisekarte vom Geruch der Haare ableiten lassen”, sagt Staniloiu. Und eben an diesen Sonntagen kommt es nicht so sehr auf das „Viel” sondern auf die Vielfalt an. „Heute ist vieles anders – es fehlt einfach die Großmutter oder gar Urgroßmutter, die auf den schwäbischen Dörfern die Aufgabe hatte, das Essen zuzubereiten”, weiß seinerseits der Anthropologe Gheorghe Sechesan über die Zeiten, als Lebensmittel keine Chemikalien hatten, und obwohl schwer verdaulich, der Bürger ganz gut damit zurechtkam. „Gut, die kannten nicht einmal den Terminus ´Cholesterin´”. Aber nicht nur die Essgewohnheiten waren früher anders, sondern auch das, was danach kam. „Wenn ich heute ein schwer verdauliches Essen am Mittag zu mir nehme, und mich dann für eine Stunde hinlege, ist das bestimmt ungesund”. Anders war das beim Banater Bauern von einst: „Der hat zwar auch gut gegessen, aber danach ist er wieder an seine Arbeit gegangen, und die war meist physischer Natur”, sagt der Anthropologe. Er lässt es sich auch als Stadtmensch nicht nehmen, selbst jedes Jahr ein Schwein zu schlachten. Selbst zieht er es sich auf, und bereitet es nach traditioneller Art zu. Sülze, Grammeln, Braten, Krautwickel (gefülltes Kraut) und Krautsuppe: Sechesan ist von banat-schäbischen Gerichten angetan. Das gemeinsame Essen hatte seiner Ansicht nach auch weit über die Nahrungsaufnahme seine Bedeutung: „Es war ein Grund, zusammen zu sitzen, zu beten, zu kommunizieren. Heute nimmt jeder seine Pizza und setzt sich in ein anderes Zimmer an den Fernseher oder an den Rechner”, sieht Sechesan auch sonstige Nachteile durch die modernen Essgewohnheiten. Heute sind auch die meisten Frauen berufstätig und viele Stunden am Herd wären eine Zumutung. Die Technik hat praktisch in jeder Küche Einzug gehalten. Schnellkochtopf, Mikrowelle, und Gasherd sind kaum noch wegzudenken. „Nirgends kannst du jedoch so schmackhafte Gerichte zubereiten, wie auf einem klassischen Herd und in einem Topf aus Lehmerde”, sagt Ciprian Cipu, Direktor des Temeswarer Zentrums für Kulturgut und Volkskunst. Cipu stellt sich liebend gern selbst an den Herd und macht seinen Mitarbeitern in Hinsicht Kochkunst so einiges vor: „Meine Mutter lernte mich bereits mit 7-8 Jahren die ersten Gerichte zubereiten, weist er darauf hin, woher denn Wissen und Vorliebe zum Kochen überhaupt kommt”. Pizza bäckt sich Cipu selbst, Hamburger würde er sich wohl keinen kaufen und Sechesan spricht eh nur „vom synthetischen Wurstgericht”, wenn er auf das Angebot im rumänischen Handel zu sprechen kommt. Genauso wie Cipu, ist auch der Anthropologe Seche{an ein Verfechter traditioneller Gerichte. Sogar die technischen Ausstattungen haben für sie nur begrenzten Wert. Rostfreie Töpfe mit Glasdeckel, Schnellkochtopf und Mikrowelle haben in der Küche bei Gheorghe Seche{an so gut wie nichts zu suchen. Geschirr von anno dazumal wertet er neu auf. High-Tech in der Küche beschränkt sich bei ihm auf Nachrichten aus dem Radio und auf Musik von der CD: Küchenarbeit hat für ihn „etwas Beruhigendes, Entspannendes”.

Gastronomie ebenfalls gebrandmarkt

„Ich habe Gewürze aller Art, aber eine Petersilie oder eine Möhre kann durch nichts ersetzt werden”, sagt die Temeswarer Gastronomin Dorith Makany. Mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrer Auswanderung nach Deutschland ist sie in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. In ihrem Restaurant „Goethestrasse” vermittelt sie so manchem Deutschen ein wenig Heimat, wenn sie in Deutschland heimische Gerichte auf den Tisch stellt, das Bier dazu kommt ebenfalls aus Deutschland. Auch so mancher Rumäne, der im Westen ein Essen schmackhaft gefunden hat, kehrt gerne bei Dorith Makany ein. „Viele gehen ins Restaurant, weil sie da das zu Essen bekommen, was sie zu Hause nicht kochen können”, glaubt die Gastwirtin. Leise Hintergrundmusik ist ihr bei der Arbeit in der Küche recht, einen Fernseher braucht sie da nicht. „Ein solcher würde nur ablenken”. Technische Gerätschaften sind für Dorith Makany keinen Grund zu glauben, dass deshalb gleich auch das Gekochte weniger schmackhaft ausfällt. „Auch auf dem Gasherd kann mit Sparflamme gekocht werden, nicht nur auf jenem aus Großmutters Zeiten – mit Holz geheizt. Wer die Gasflamme voll aufdreht, nur weil er keine Zeit verschwenden will, der kann einer Fleisch- bzw. Hühnersuppe den Geschmack schon nehmen”, sagt die Unternehmerin. Die traditionellen „Mehltage” hält sie heute nicht mehr ein; freitags kocht sie trotzdem schon mal gern ein Bohnengemüse.

Nenin Branislav ist – wenn man das in der Kochkunst so nennen kann – ein wahrer Champion: Der aus Serbien kommende Koch ist amtierender Rumänienmeister im Rostbraten zubereiten. Ein Pokal bezeugt das. Sein Chef und Inhaber des serbischen Restaurants „Karadorde“, Mladen Galovic, trauert der Tatsache nach, dass den Rumänen die Tradition fehlt, ins Restaurant essen zu gehen. „Früher hatten die Menschen in Rumänien wenige Gelegenheiten, in ein Restaurant zu gehen, heute sind sie immer in Eile”, sagt Galovic. Nun hat er sich der Situation angepasst und serviert - wie viele andere Restaurants in der Temeswarer Innenstadt - das sogenannte Tagesmenü zu einem günstigen Preis und lässt den Umsatz sprechen. Er weiß zwar, dass er damit von der Ästhetik der Gastronomie abweicht, doch „wir mussten uns anpassen, sonst würden wir vom Markt verdrängt”. Der Serbe hat sein gesamtes Personal aus dem Raum Großbetschkerek/Zrenjanin aus dem serbischen Banat nach Temeswar gebracht. Technisch auf dem Niveau der Anforderungen ist die Küche, in der Starkoch Nenin Branislav seinen Braten zubereitet, eine Mikrowelle (Der gut rumänisch sprechende Restaurantchef Mladen Galovic spricht das Wort deutsch aus) braucht er da nicht, weist er auf die Ausstattung seiner Küche hin. Serben aus dem Mutterland, Rumänen, Italiener - das sind seine Kunden die á la carte essen kommen. Personal finden, das ist unheimlich schwer – sowohl Dorith Makany aber auch Mladen Galovic sind sich in dieser Hinsicht so einig, als hätten sie sich zuvor abgesprochen, doch womöglich haben sie nie voneinander gehört.

Zeitgenössische Zutaten auch für Dorfbewohner

Ich bin wohl der erste Journalist, der die 55 Jahre alte Stevca Perian aus der Grenzgemeinde Tschanad/Cenad bisher zu irgendetwas befragt hat. Verlegen ist sie die ganzen – genau gemessenen 110 Minuten über – in denen ich die Hausfrau aufsuche. Eine gute Bekannte hatte sie mir vorgeschlagen: „Es ist eine gute Hausfrau und die beste Tortenbäckerin im ganzen Dorf”, hatte ich erfahren. Fehlende Finanzmittel erlauben es ihr nicht, aus ihrem Können an der Backröhre ein wirtschaftliches Unterfangen zu machen, so arbeitet sie in zwei Anläufen – morgens und nachmittags – in einem Laden als Verkäuferin, dazwischen kocht sie für die Familie und sorgt dafür, dass ihre Großfamilie ausreichend Torten und Kleingebäck auf dem Tisch hat. So auch zu diesem Jahresanfang; mein Besuch erfolgte zwischen Neujahr und serbischen Weihnachten – Weihnachten nach dem Julianischen Kalender. Zeitdruck und Bequemlichkeit lassen die Menschen schon mal die technischen Vorteile der heutigen Küche nutzen, sagt sie. Trotzdem baut sie in ihrem Alltag am Herd auf Selbstgemachtes: Gewürze macht sie sich selbst aus geriebenem Gemüse und Salz. Im Sommer hält es sich nicht, dann greift sie auf das Gemüse im Garten zurück, das Hausschwein steht im Stall, die Nudeln sind nach alt bewährter Tradition selbst gemacht. Ein Radio spielt immer, wenn Stevca Perian in der Küche ist, denn „du kannst dich nicht von der Realität loslösen, es ist doch gut, informiert zu sein über Überschwemmungen, Steuersätze und Politik”.

Nostalgie pur

„Die Leute haben mich sogar auf der Straße aufgehalten und nach dem ein oder anderen Kochrezept gefragt”, sagt Eva Mayer. Jahre lang gehörte sie zu den „Fernsehköchinnen” der deutschen Sendung aus Bukarest. Sie und ihre Kollegin aus dem Deutschen Forum in Temeswar, Elisabeth Michels, lassen wahrhaftig Nostalgie aufkommen, die nicht unbedingt einen positiven Anstrich haben muss. Einbrennsuppe, Rahmsuppe, Brot in Ei gebacken – längst alles Gerichte vergangener Generationen: „Einbrennsuppe war einst zum Frühstück das Hauptgericht der schwäbischen Bauern. Rahmsuppe gab es nur an Sonntagen oder etwas öfter bei denen, die eine Kuh hatten”, blickt Eva Mayer auf die Zwischenkriegszeit und gleich danach zurück. Sie selbst hält heute nur noch bedingt an alte Traditionen, wie an den einstigen Fasttagen (Montag und Freitag waren sogenannte „Mehltage”), fest. „Der Montag war eigentlich kein Kochtag, da wurde eher das vom Sonntag Übriggebliebene gegessen”, sagt Eva Mayer.

Auf dem klassischen Herd, der mit Holz betrieben wurde, schaffte die Großmutter sonntags ein Drei-Gänge-Menü für eine große Familie, dazu den Kuchen und sie ging auch noch unterdessen am Vormittag in die Kirche. Für mich ein Dilemma, wie sie das alles schaffte – um 12 Uhr stand die Suppe auf dem Tisch. Die Großmutter begann ihren Sonntag meist um 5 Uhr früh, einiges war bereits vorbereitet, anderes wurde vorgekocht. „Kurz vor dem Mittagläuten kamen die Knödel oder Nudeln in die Suppe, die Soße wurde gemacht”, erinnert sich Eva Mayer. Der Anthropologe Sechesan glaubt, dass die vielen Helfer im Haus am Sonntag Vormittag zwar nicht entscheidend, aber dennoch wichtig waren, so wird meine Neugierde mit gleich zwei Erklärungen befriedigt.

Die Technik und das Moderne haben also alle eingeholt – auch die, denen man es eher zugetraut hätte, den Mehltag einzuhalten, auf dem klassischen „Sparherd” (mit Holz betrieben) zu kochen, und vorwiegend an Gerichten der verflossenen Jahrzehnte festzuhalten. Gerade deshalb ist wohl die Verblüffung groß, wenn eine Frau mittleren Alters aufzählt: „Kaiserschmarrn, Schupfnudeln, Ziehstrudel, Kartoffelsuppe, Tomatensuppe oder Jägersoße”. Als Dagmar Siclovan mit ihrer Aufzählung fertig ist, brauche ich einen Augenblick, um mich zu fassen, zwei weitere um mich an Begriffe und Mahlzeiten zu erinnern, mit denen ich selbst auf einem schwäbischen Dorf aufgewachsen bin. Noch traditioneller macht es angeblich ihre Mutter, und die Kinder von Dagmar Siclovan – mittlerweile erwachsen – ziehen auch heute noch die Kochgewohnheiten der Mutter vor. „Wir sind keine Gesundheitsfanatiker, bei uns ist es eher Gewohnheitssache”, sagt Dagmar [iclovan. Das heißt aber noch längst nicht, dass sie nichts vom Kulinarischen anderer Ethnien übernommen hat. So kamen alle Arten von Suppen hinzu, darunter auch Lamm-Suppe und ihr ehemals in der schwäbischen Familie in Gertjanosch/Carpinis gekochtes „gefüllte Kraut” wurde mit der Zeit „den Krautwickel der rumänischen Tante in der Familie immer ähnlicher”. Und von den Nachbarn aus Oltenien hat sie schnell den Maisbrei (mamaliga) übernommen.

Etwas „moderater geprägt” von der Tradition ist Daniela Craciun in Tschanad. Mit 18 hatte sie geheiratet und das Kochen sozusagen von Grund auf von der schwäbischen Schwiegermutter erlernt. Sie und ihre Tochter Adina legen gelegentlich auch ganz traditionell am Mittwoch und Freitag noch den Fasttag ein. Das hat weder religiöse Gründe, noch denken sie an den Faktor „Gesundheit”. Sie haben manchmal einfach das Bedürfnis, „mal was anderes zu essen”. Ihre beiden Gatten machen da nicht mit: Sie ziehen Fleischgerichte allem anderen vor. Das Hausschwein hat in ihrer Wirtschaft nach wie vor einen gehobenen Stellenwert. Gewürze aller Art finden bei Daniela Craciun jedoch volle Anwendung, doch Möhren und Petersilie sind aus dem Sonntagsmenü nicht wegzudenken. Die Tochter Adina, Anfang 20, ist berufstätig und auch von der Einstellung her ein ganz andere Typ. „Ich bereite solche Sachen zu, die leicht zu kochen sind: Bratkartoffeln, Kartoffelsalat, Fleischklößchen... Wer das Futter für ein Hausschwein nicht hat, für den lohnt es nicht mehr, ein solches zu züchten”, setzt Adina noch einen drauf. Halbfertiges aus der Tüte liegt ihr ebenfalls: „Wenn du nicht so richtig weißt, wie zubereiten, kannst du immer noch auf der Rückseite der Tüte nachlesen”, lässt sie wissen, das Kochen für sie in der Prioritätenliste nicht unbedingt ganz oben steht. Und traditionelles Kochen sowieso nicht.


Rezept Schupfnudeln

500 g Kartoffeln

20 g Butter

125 g Mehl

1 Ei

25 g Grieß

etwas Salz

etwas Butter oder 2 Löffel Speiseöl

4 Löffel Semmelbrösel

Kartoffeln in der Schale kochen, schälen, mit einer Gabel zerdrücken. Abkühlen lassen. Danach Kartoffeln mit Butter, Mehl, Ei, Grieß, Salz zu einen Teig verarbeiten. Inzwischen in einem Topf etwa 2 Liter Wasser mit etwas Salz und 1 Löffel Öl zum Kochen bringen. Aus dem Teig mit bemehlten Händen spindelförmige, 5-cm-lange Nudeln formen. Wenn das Wasser kocht, die Nudeln einlegen und etwa 8-10 Minuten köcheln lassen (bis sie nach oben steigen). In einer Pfanne Öl oder Butter erhitzen und Semmelbrösel darin leicht anbräunen. Nudeln aus dem kochenden Wasser nehmen, abseihen und in den gerösteten Semmelbröseln wenden. Dazu schmeckt Marmelade oder Kompott.



Fazit, Legenden, Pannen

Fest steht, dass die Banater nach wie vor an das Hauschwein als Nahrungsspender gebunden sind, alte Rezepte und Gepflogenheiten aufgreifen, aber an der Entwicklung auch im Bereich der Gastronomie nicht vorbeikommen. Eine Entwicklung, die von manch einem Fachmann, Ernährungsfanatiker oder auf Gesundheit bedachtem Bürger oft auch als Rückschritt gewertet wird. Fakt ist, dass die Hausfrau immer weniger Zeit in der Küche verbringt, genauso wie Technik einen Fortschritt mit sich bringt, den sie selbst erfordert. Auch im Fast-Food-Bereich hat sich nichts geändert. Obwohl mittlerweile Konkurrenz auf dem Markt ist, bricht die Nachfrage nirgends ein. Die Angestellte einer Fast-Food-Kette geht gelegentlich auch in ihrer Freizeit Schnellgerichte essen, obwohl zu Hause gekocht wird – traditionell banaterisch, gewürzt nach dem neusten Schrei.


Offen gelegt hat meine Dokumentation zur Banater Gastronomie auch die Geschichte von dem Mann, der – als er für seine Frau am Herd eingesprungen war – seine Familie mit einer übersüßen Suppe überraschte. Statt Hühnerfett hatte er Honig in die Suppe getan. Trotzdem wäre auf ihn manch schwäbische Bäuerin stolz gewesen: Ihren Gatten an den Herd stellen, war vor einigen Jahrzehnten so gut wie unvorstellbar. Und zuletzt eine Legende, um schwäbische Philosophie zur Lebensmittelversorgung zu erkennen: Einer der Torhüter der berühmten Temeswarer Fußballmannschaft Ripensia soll einst nicht zum Spiel am Wochenende gegangen sein, weil sein Vater es ihm verboten hatte: Wurstmachen war angesagt, und das hatte Vorrang.

Tipps zur Freizeitgestaltung

Von Billard bis Schwimmen: Der Spaß geht ins Geld

In Temeswar/Timisoara lässt sich gut wohnen – und das vor allem „wegen den zahlreichen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung“, wie Vizebürgermeister Adrian Orza gern angibt. In einem Städte-Ranking, das von der Zeitschrift „Capital“ Ende 2009 aufgestellt wurde, belegte Temeswar den zweiten Platz und lag somit gleich hinter Bukarest, was seine „Wohnwürdigkeit“ angeht.

Auf der Internetseite www.timisoreni.ro werden fast hundert Bars und Kaffeehäuser aufgelistet, 55 Klubs, zehn Parks, sechs Spielplätze und vier Kinos. In Sachen Night Clubs (19), Wettbüros (34) und Casinos (11) bietet Temeswar auch etwas. Wer durch die Stadt schlendert, wird sicherlich merken, dass Geldausgeben nicht besonders schwer fällt.

Was jedoch der Stadt fehlt, sind Plätze, wo unentgeltlich Freizeitbeschäftigungen nachgegangen werden kann. Besonders in Sachen Sport gibt es nur wenige Plätze, wo Fußball oder Basketball gespielt wird. Obwohl die Stadtverwaltung sich rühmt, viel in dieser Hinsicht getan zu haben, ist nicht viel davon zu sehen. Gleich, nachdem das Wetter etwas freundlicher wird, müssen Basketballfans lange warten, um ein paar Körbe werfen zu können. Die Sportplätze sind immer voll.


Fitness und Saalspiele

Falls jedoch das Geld etwas lockerer in der Tasche steckt, sind Sportangebote schon auffindbar. Immer noch in Mode sind Ballons, in denen Fußball oder Tennis gespielt werden kann. Zum Jahresanfang bietet auch die Iulius Mall „Schnäppchen“: Wer seine „Muskeln spielen lassen will“, muss für ein Jahresabo im Fitnessstudio „World Class“ 200 Euro bezahlen, das wären weniger als 100 Lei im Monat. Das Angebot gilt nur dieser Tage, im Laufe des Jahres wird für ein Monatsabo wesentlich mehr verlangt.


Für Anhänger von „Tischsportarten“ steht Tischtennis oder Billard im Angebot. Im Sommer kann man auf den Grünflächen von Temeswar schon mal einen freien Tennistisch ergattern. Wer jedoch im Winter Ping-Pong spielen will, muss zwischen 10 und 15 Lei pro Stunde zahlen. Ähnliche Preise werden auch fürs Billardspielen verlangt.


Schlittschuhlaufen

Das Eis ist im übertragenen Sinn gebrochen: Eine neue Eislaufbahn soll in Temeswar für viel Freizeitspaß sorgen. Die Stadt ist nun für den Wintersport ausgerüstet, das Wetter aber noch nicht. Der Winter zeigt sich nur schwer in diesem Jahr. Zu milde Temperaturen für diese Jahreszeit und häufige Regenfälle halten die Temeswarer von all dem Wintersportspaß fern.


Die neu eröffnete Eislaufbahn „Ice Dream“ steht bereits seit einer Woche verlassen auf dem Parkplatz der Iulius Mall. 1.200 Quadratmeter und hohe Technologie für die Instandhaltung der Eisfläche sowie 400 neue Schlittschuhe zum Ausleihen warten auf ihre Kunden. Diese warten ihrerseits auf besseres Wetter.

Am 5. Januar wurde die Schlittschuhbahn der Iulius Mall nach einem Jahr Pause wieder eröffnet. Vor mehr als einem Jahr begannen die Arbeiten am Ausbau der Iulius-Mall, daher entschied die Verwaltung, den sowieso dadurch verringerten Parkplatz nicht mehr durch die Eisbahn zu besetzen.

Die Temeswarer haben zwar auf die Eislaufbahn gewartet, die Freude ist aber schnell vergangen: Kleine Wasserpfützen stehen auf der Eisfläche und es regnet wieder und wieder. „Am ersten Tag war die Eislaufbahn voll. Die Temeswarer waren froh, dass nach langem Warten unsere Schlittschuhbahn wieder eröffnet wurde“, sagt C²lin Mate{, Marketer und Entertainment-Beauftragter bei Iulius Mall und „Ice Dream“. Der Entertainer sieht verzweifelt auf die einsame Eisfläche. „Hoffentlich wird das Wetter bald besser, denn wir haben viel Spaß für unsere Besucher vorbereitet: Wettbewerbe, thematisierte Abende und viele Überraschungen. Leider kann man das Wetter nicht bestellen, sonst hätten wir das gemacht“, sagt C²lin Mate{.


„Ice Dream“ ist täglich zwischen 10 und 22 Uhr geöffnet. Eine Eislaufrunde dauert 1,5 Stunden und kostet 7 Lei für Kinder und 12 Lei die Erwachsene. Schlittschuhe können für 8 Lei pro Paar geliehen werden. Bis zu 350 Personen können zur selben Zeit auf der Eisfläche Schlittschuh laufen, doch um Gedränge und Unfälle zu vermeiden lassen die Zuständigen nur maximal 250 Personen zu. „Ice Dream“ bietet auch die Möglichkeit, eine Wochenkarte zu erwerben. Die Preise betragen 50 Lei für Kinder und 70 Lei für Erwachsene. Schlittschuhlehrgänge werden von Montag bis Freitag zwischen 17 und 18 Uhr veranstaltet. Samstags und sonntags finden diese zwischen 10 und 11 Uhr statt.

In diesem Jahr - wahrscheinlich wegen der Wirtschaftskrise - steht den Temeswarern nur eine weitere Eislaufbahn zur Wahl. Der Hypermarkt „Real“ beherbergt sie schon seit einigen Jahren auf seinem Parkplatz an der Ausfahrt Richtung Arad. Die Eisfläche ist jedoch viel kleiner als die der Mall-Eislaufbahn. „Real Ice-Skating“ erstreckt sich auf 875 Quadratmetern. 200 Personen können hier zur selben Zeit eislaufen. Die Fläche ist jedoch klein und verleiht eher den Eindruck eines großen Gedränges. Die Eislaufbahn wird hier meistens am Tag verwendet und dann vor allem von Kindern, die das Eislaufen erst lernen. 12 Lei kostet auch hier die Runde von 1,5 Stunden für Erwachsene und 7 Lei das geliehene Schlittschuhpaar.

Badespaß im Winter

Das vertreibt den Schlittschuhkater: Badespaß in den Schwimmhallen von Temeswar. Den Badelustigen stehen gleich mehrere Alternativen zur Wahl. Studenten der TU Politehnica, die gern schwimmen gehen, können dies im überdachten Becken am Dan-P²ltini{anu-Stadion tun. Schwimmvereine trainieren in der „Arena Aqua Sport“ an der Lugoscher Straße. Unweit davon befindet sich das Spa-Zentrum „Do Stil“, wo alle Freunde des Wassersports auf ihre Kosten kommen.

Das überdachte Schimmbecken der TU Politehnica wurde 2008 offiziell eingeweiht. Davon können die 15.000 Studenten der Fachhochschule in Temeswar profitieren: Sie dürfen hier nämlich kostenlos schwimmen gehen. Lehrer und Angehörige des TU-Personals haben ebenfalls Gratis-Zugang zum Becken. Im Sommer steht den Schwimmfans auch das Becken unter freiem Himmel zur Verfügung. Die beiden Becken erstrecken sich auf über 1800 Quadratmetern und wurden in der Zeitspanne 2005-2008 gebaut.

Ein Schwimmbecken, das jeder nutzen kann, ist jenes der „Arena Aqua Sport“ am Jagdwald. Ein olympisches Becken mit acht Schwimmbahnen steht den Temeswarern zur Verfügung. Die Preise für den Badespaß sind aber nicht für jeden Geldbeutel: Ein Monatsabo kostet 300 oder 500 Lei, je nachdem, wann man schwimmen geht - nur zwischen 7 und 16 Uhr während der Woche bzw. zwischen 7 und 23 Uhr die ganze Woche lang. Das Abo gewährt jedoch nur acht Eintritte. Die „Arena“ an der Lugoscher Straße bietet Sportfans auch einen Fitnesssaal und Aerobik-Kurse an.


Das Spa-Zentrum „Do Stil“ (Lugoscher Straße 27) ist eine weitere Alternative für Personen, die in ihrer Freizeit gern schwimmen gehen. Das Center bietet gute Entspannungsmöglichkeiten: Fitness, Pool, Jacuzzi und Sauna. Der Eintritt in den Spabereich kostet 35 Lei pro Tag, ein Monatsabo mit zwölf Eintritten 200 Lei. Unternehmen können einen Vertrag mit „Do Stil“ schließen und ihre Mitarbeiter ins Spa schicken.

Eine andere Schwimmhalle, die vor allem Schüler nutzen, ist jene der Allgemeinbildenden Schule Nr. 30 im Soarelui-Viertel am südlichen Stadtrand. Hier sind mehrere Schwimmlehrer der Sportfakultät an der West-Uni tätig, bei Interesse können diese angerufen werden. Die Telefonnummern der Lehrer stehen am Schuleingang (Astrilor-Straße Nr. 13). Ein Monatsabo mit je zwei Schwimmstunden pro Woche kostet rund 150 Lei. Eine einzige Unannehmlichkeit: Wer hier schwimmen gehen möchte, der muss sich an einen festen Stundenplan – jenen des Lehrers – halten.

Olivian Ieremiciu, Andreea Oance, Raluca Nelepcu

Ein Altenheim für Saderlach

Mit EU-Projekt soll Vieles nachgeholt werden


In etlichen Bereichen möchte die Kommunalverwaltung der Gemeinde Saderlach/Zadareni, Kreis Arad, im neuen Jahr kräftig nachholen. Laut Bürgermeisterin Doina Petri (PNL - 2008 wiedergewählt) sollen mit Hilfe eines Großprojekts erstens der Bau eines Altenheims, gleichzeitig aber auch die Sanierung des Kulturheims und die Asphaltierung aller Gemeindestraßen gestartet werden. Die Machbarkeitsstudie für dieses EU-Projekt im Gesamtwert von 2,5 Millionen Euro wurde schon im Vorjahr erstellt, in den ersten Monaten des laufenden Jahres erwartet man die letzten Genehmigungen, um den gesetzlichen Wettbewerb für die Bestimmung der Baufirmen ausschreiben zu können.

Die Bauarbeiten an der für die Gemeinde (mit dem eingemeindeten Dorf Bodrogu Nou über 2.300 Einwohner) längst fälligen Sozialinstitution im Neuen Viertel von Saderlach

Sollen in einem Jahr durchgeführt werden. Das moderne, nach EU-Normen geplante und eingerichtete Altenheim soll über 20 Plätze in Zweibettzimmern mit jeweils eigenem Badezimmer und u.a. auch über einen Lesesaal verfügen. Vier der 20 Plätze sind für Sozialfälle vorgesehen.

In der an der Nordgrenze des Banats, 10 Kilometer von Arad, am linken Maroschufer liegenden Gemeinde (rum. Zadareni, ung. Zadorlak) gibt es ein starker Nachholbedarf in vielen Bereichen, von Schule, Kindergarten, Kulturheim, Handel bis zur Straßeninfrastruktur. Die einst blühende deutsche Gemeinde gehörte von 1967 bis 2004 administrativ zu Felnac. 1737 wurden im Ort deutsche Kolonisten zur Mehrzahl aus dem Schwarzwald mit einer alemannischen Mundart angesiedelt. Deutscher Schulunterricht gab es schon 1740, 1778 wurde die katholische Kirche errichtet. Eine Verstädterung nach sozialistischem Prinzip (Arbeiter von überall und Plattenbauten) wurde nach 1967 mit der Entdeckung eines Erdölvorkommens verzeichnet. Die einst fast zu 90 Prozent deutsche Ortschaft zählt heute nur noch etwa 0,1 Bewohner deutscher Herkunft. An die Gründer erinnern derzeit nur noch die schachbrettartige Dorfstruktur mit Längs- und Quergassen, die wenigen typischen langgezogenen Siedlerhäuser.

Balthasar Waitz

Mehr Angst vor Saison- als vor neuer Grippe

70 Prozent der Arader stärkten ihre Abwehrkräfte


ao. Arad – Die Impfung gegen Schweinegrippe ist immer noch umstritten. Die Rumänen trauen sich nicht, sich impfen zu lassen und ziehen die Impfung gegen die Saisongrippe vor. In den Apotheken ist die Impfung gegen die Saisongrippe sehr gefragt. Die Impfreserven aus den Arader Hausarzt-Praxen sind schon ausgegagen. 15.401 Personen haben sich bis jetzt immunisieren lassen, das heißt mehr als 70 Prozent der Personen, die sich anstecken könnten. Andererseits haben bloß 1.685 Personen im Kreis Arad durch die Impfung gegen die AH1N1-Pandemie Immunität erzielt. Diese Anzahl erreicht bloß 6,3 Prozent der Personen, die die Gratiskampagne anspricht. Das, obwohl das Gesundheitsministerium die Kampagne für Gratisimpfung auf mehrere Zielgruppen erweitert hat. Von den insgesamt 1.685 immunisierten Personen sind 420 medizinisches Personal, 42 Schüler über 16 Jahre und Studenten, 97 Angestellte anderer Institutionen und 1.126 Personen aus verschiedenen Risikobereichen.

Die Anzahl der Arader, die bis jetzt mit dem neuen Virus diagnostiziert wurden, ist vor kurzem auf insgesamt 136 gestiegen. Zurzeit werden nur zwei Erwachsene mit Schweinegrippe behandelt, die anderen haben die Krankheit bekämpft und befinden sich derzeit außer Gefahr. Die meisten Arader, die mit der neuen Grippe angesteckt wurden, gehören der Alterskategorie 15-19 Jahre an.

Landesweit wurden 45 neue Fälle nachgewiesen und ein weiterer Todesfall, der als Hauptursache die neue Grippe hatte, wurde bekannt gegeben. Die Gesamtanzahl der Fälle hat derzeit 5.915 landesweit erreicht, 66 Personen sind in Rumänien an Schweinegrippe gestorben.