Zwar galt Großsanktnikolaus/Sannicolau Mare jahrelang als die Stadt mit der geringsten Arbeitslosenzahl, so musste sich die Temescher Kleinstadt neuestens mit vielen anderen Problemen konfrontieren. Straßenschilder sind kaum anzutreffen, Kanalisation gibt es nicht überall und die Infrastruktur lässt viel zu wünschen übrig. PDL-Bürgermeister Danut Groza rechtfertigt sich, er habe in der Zeitspanne 2004-2008 als Vizebürgermeister nicht viel unternehmen können, vor allem wegen der Konflikte zwischen Bürgermeisteramt und Stadtrat. Seit 2008 an der Spitze der Kleinstadt, verspricht er, Großsanktnikolaus zu einer „europäischen Stadt“ zu machen. Wie weit ihm das gelingen wird und welche die laufenden Projekte sind, erzählt Danut Groza der BZ-Redakteurin Ana Saliste in folgendem Interview.
Nur 20 Prozent der Stadt verfügt über Kanalisation. Was haben Sie diesbezüglich gemacht?
Wir haben schon im vergangenen Jahr ein Projekt umgesetzt, das durch EU-Mittel finanziert wird. Die gesamte Investitionssumme beläuft sich auf rund 16 Millionen Euro. Wir sind somit die zweite Stadt nach Temeswar, die über eine solche Finanzierung für die Kanalisation verfügt. Dieses Jahr versuchen wir auch eine Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Siedlungswasserwirtschaft Aquatim zu starten. Im Republicii-Viertel laufen derzeit Arbeiten, um die alten Leitungsrohre zu ersetzen.
Schüler aus den naheliegenden Gemeinden mussten täglich drei Kilometer zu Fuß bis nach Großsanktnikolaus zur Schule gehen. Wie unterstützen Sie das Unterrichtswesen?
Das Bürgermeisteramt hat fünf Busse gemietet, die täglich Schüler aus den naheliegenden Gemeinden hierher zur Schule bringen. Außerdem fördern wir die armen Kinder aus rund 50 bedürftigen Familien, damit auch sie einen Kindergarten besuchen können. Konkret geht es um Familien mit einem geringeren Einkommen als 1000 Lei monatlich. Das Bürgermeisteramt sichert den Kindern das Mittagessen im Kindergarten. Für dieses Jahr ist auch der Bau eines neuen Schulcampus geplant, der an Stelle der ehemaligen Schießstätte errichtet wird. Er ist mit 24 Schulklassen, Sportsaal und Wohnungen für die Lehrer vorgesehen. Die Ackerbauschule soll künftig hierher umziehen.
2004-2008 waren Sie Vizebürgermeister von Großsanktnikolaus. In welchem Zustand befand sich die Stadt, als Sie Ihr Amt antraten?
Das Bürgermeisteramt hatte über 500.000 Lei Schulden für Fernheizung. Das Geld war im Haushalt nicht vorgesehen, so dass wir mehrere Fußballspieler unserer Mannschaft verkaufen mussten, um die Schulden zu tilgen. Dabei wollte ich auch die Mannschaften umgestalten. 2008 habe ich fast alle Spieler aus der Fußball- und Handballmannschaft, die nicht aus Großsanktnikolaus waren, gefeuert. Unser Ziel ist es, dass diese Teams ausschließlich aus Stadtbürgern gebildet werden.
Inwiefern ist Sport eine Möglichkeit, die Jugend davon abzuhalten, nach Temeswar zu ziehen?
Natürlich ist Sport eine Möglichkeit, aber nicht die einzige. Wir bieten weiterhin sichere Arbeitsplätze trotz Wirtschaftskrise, durch die zwei großen Unternehmen, Zoppas und Delphi-Packard, die sich hier angesiedelt haben. Ich habe mehrere Gespräche mit den Geschäftsführern der beiden Firmen geführt, damit diese im Falle eines Personalabbaus nicht die Bürger von Großsanktnikolaus entlassen, sondern die Pendler aus den ferneren Ortschaften. Es tut mir leid, aber die Bürger der Stadt sind meine Priorität. Mein Argument war, dass die Firmen unseren Bürgern den Transport nicht sichern müssen und dadurch weitere Kosten sparen.
Die Arbeitslosigkeit ist trotzdem auch hier gestiegen.
Ja, aber die zeitweilig Arbeitslosen werden ab August wieder zur Arbeit kommen können und im Herbst werden auch weitere Personen eingestellt.
Wie sieht die Beziehung mit der deutschen Minderheit aus?
Viele haben sich bei uns beklagt, dass die Bushaltestelle, seit Jahren vor der römisch-katholischen Kirche, den Eingang in die Kirche verhindert. Ab Mitte Juli wird die Bushaltestelle an einen anderen Ort verlegt. Wir pflegen gute Beziehungen zu den Schwaben, die nach Deutschland gezogen sind. Sie werden uns unterstützen, die Kirche zu sanieren.
Was finden Sie an Ihrem Beruf am schwierigsten?
Die Arbeit mit den Beamten. Viele sind nicht daran gewöhnt, Verantwortung zu tragen, zusammenzuarbeiten usw. Das Bürgermeisteramt galt bis 2008 als eine Institution mit geschlossenen Türen. Das will ich als Bürgermeister ändern.
Sie waren ja früher Vizebürgermeister. Sie hätten auch damals was ändern können...
Nein, es gab keine gute Zusammenarbeit zwischen mir und dem ehemaligen Bürgermeister. Außerdem ist es üblich, dass alle Entscheidungen vom Bürgermeister getroffen werden. Es gab immer viel Krach und Skandal zwischen dem Bürgermeisteramt und dem Stadtrat. Nun haben wir die Mehrheit im Stadtrat und hoffen, vier Jahre Ruhe zu haben.
Sie sehen Sich jetzt mehrere Modelle von Straßenschildern an. Wie ist es möglich, dass die Kleinstadt noch keine Straßenschilder hat?
Nun ja, es ist halt so. Fragen Sie diejenigen, die bisher an der Spitze waren. Sie werden wieder sagen, ich hätte früher als Stadtvize diesbezüglich etwas unternehmen können, doch die Aufgaben eines Vizebürgermeisters sind sehr begrenzt. Ich will aber dadurch nicht die Schuld auf andere schieben.
Foto: Zoltán Pázmány


