Donnerstag, 8. Januar 2009
Sretan Božić!
Allen Christen, die Weihnachten nach dem Julianischen Kalender begehen, ein frohes und gesegnetes Fest! Sretan Božić!
Im Teutoburger Wald
Was feiern wir eigentlich mit der Varus-Schlacht, mit dem Cherusker-Sieg des Jahres 9 über die Römer? Von der Sache selbst weiß man wenig.
Arminius, der Sieger, erscheint erst seit der Reformation regelmäßig am deutschen Horizont. Sein Entdecker war Ulrich von Hutten, zu seinen Verehrern gehörte Martin Luther. Sie machten ihn zur Galionsfigur des deutschen Sonderwegs, und verpassten diesem damit auch gleich den sympathischen anti-imperialen Zug. Dabei interessierte die Reformer weniger das Problem der Pax Romana, als die Trennung ihrer Kirche von Rom. So wurde Arminius zur Kunstfigur Hermann und zum ersten Protestanten Deutschlands.
Historische Ereignisse können zwar meistens wenig für ihre Rezeption, das wenige aber, das sie dafür können, ist oft genug entscheidend. Der nächste, der seinen Hermann optimal einzusetzen wusste, war der Dramatiker Kleist. Ihm gelang die anti-napoleonische Mobilmachung der Figur und die Fixierung des deutschen
Gründermythos. Durch Kleist wurde Arminius voll und ganz zu Hermann, er war jetzt Romgegner und Nationsgründer in einem, und damit denkmalreif im Kaiserreich.
So wurde Hermann zum Architekten der kleindeutschen Lösung, und von allem, was dazu gehörte, und danach noch dazu kam. Er war der Held der verspäteten Nation, in deren Namen bald darauf die Geschichte selbst in Trümmer gelegt wurde. Die Hermannschlacht war wahrscheinlich das meistgespielte Stück im Dritten Reich.
Das ließ die Sache nach 1945 zwar für eine Weile ruhen, aber nicht zur Ruhe kommen. 1982 wurde Kleists Hermann neu eingekleidet, und zwar von Claus Peymann in Bochum. Es war die erste Inszenierung der Hermannschlacht in der Bundesrepublik, und sie widmete sich nicht dem Gründer, sondern dem Rom-Bezwinger. Peymann äußerte damals, er habe „in der Hermannschlacht das Modell eines Befreiungskampfes gesehen, mit all seinen Widersprüchen“.
Und heute, angesichts der Festivitäten und Frivolitäten? Der Mann wird überschätzt. Und das hat nicht mit seiner Leistung zu tun, sondern mit unserem Anspruch. Die Vergangenheit kann hilfreich sein, solange sie bei den Realien bleibt, sie kann aber nicht mit Mythen beleben, was der Gegenwart an Selbstvergewisserung fehlt.
So gesehen, ist es am besten, man geht im Teutoburger Wald einfach nur spazieren, und singt dabei ein altes deutsches Lied. Dieses: „Die Gedanken sind frei“. Mit ihm kommt man immer noch weiter als mit Joseph Victor von Scheffels 1848er Odium:
„Als die Römer frech geworden,/Zogen sie nach Deutschlands Norden.// Als die Waldschlacht war zu Ende/ Rieb Fürst Hermann sich die Hände, / Und um seinen Sieg zu weihn,/ Lud er die Cherusker ein /Zu `nem großen Frühstück.// Nur in Rom war man nicht heiter,/ Sondern kaufte Trauerkleider“. In Rom? Ach, Hermann!
Richard Wagner
Richard Wagner
Neuigkeiten aus dem Banat
In der Print-Ausgabe zu lesen:
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit/ Die Leidenschaft entsteht in "des Uhrenmachers Haus"
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit/ Die Leidenschaft entsteht in "des Uhrenmachers Haus"
„Der nächste Bürgermeister wird es leichter haben“
Gespräch mit dem Temeswarer Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu

Den populären Bürgermeister von Temeswar, Gheorghe Ciuhandu, zu einem Gesprächstermin zu gewinnen, ist nicht leicht. Ihn auch noch vor dir sitzen zu haben, ohne dass er immer wieder bedeutungsvoll auf die Uhr schaut, das nähert sich einem Wunder. Zwischen einer Besprechung der Krisensituation im Temeswarer Fußball und der Bauarbeiten an der Straßenüberführung Schager Straße gewährte der gelernte Bauingenieur und Hochschullehrer aus Berufung Ana Saliste und Werner Kremm das folgende Gespräch. Dabei fotografierte Zoltan Pazmany.
Wie haben Sie sich vor zwölf Jahren entschieden, für das Bürgermeisteramtzu kandidieren?
Ich war damals schon Mitglied der christdemokratischen PNTCD, wollte aber das Amt nicht unbedingt. Mein Berufsleben schien mir vorrangig, denn in der kommunistischen Zeit konnte ich im Hochschulunterricht keine Stelle bekommen. Im März 1995 ist dann Corneliu Coposu nach Temeswar/Timi{oara gekommen und hat mich überredet, dass sich für die Verbesserung der politischen Lage auch Intellektuelle und Menschen mit einer guten Ausbildung einsetzen müssen. Nach seinem Tod fühlte ich mich verpflichtet, seinem Rat zu folgen, so dass ich im März 1996 meine Kandidatur vorlegte. Die Wahlenhaben dann im Juni stattgefunden.
Ich war damals schon Mitglied der christdemokratischen PNTCD, wollte aber das Amt nicht unbedingt. Mein Berufsleben schien mir vorrangig, denn in der kommunistischen Zeit konnte ich im Hochschulunterricht keine Stelle bekommen. Im März 1995 ist dann Corneliu Coposu nach Temeswar/Timi{oara gekommen und hat mich überredet, dass sich für die Verbesserung der politischen Lage auch Intellektuelle und Menschen mit einer guten Ausbildung einsetzen müssen. Nach seinem Tod fühlte ich mich verpflichtet, seinem Rat zu folgen, so dass ich im März 1996 meine Kandidatur vorlegte. Die Wahlenhaben dann im Juni stattgefunden.
Außer Corneliu Coposu, wer hat Sie damals noch überredet oder beeinflußt?
Es waren einige Parteimitglieder, aber auch viele meiner Bekannten, die mir vorgeschlagen haben, zu kandidieren. Als Bauingenieur hatte ich schon viele Arbeiten und Projekte auf verschiedenen Baustellen in Temeswar koordiniert und durchgeführt. Ich habe 25 Jahre im Bauwesen gearbeitet, so dass ich eigentlich wusste, welches Potential diese Stadt hat und wie man es erweitern kann.
Diese Überzeugung, dass sie etwas für Temeswar leisten können, hat sieimmer wieder dazu gebracht, erneut zu kandidieren?
Ja, ganz bestimmt, denn nach dem ersten Mandat wusste ich, was Temeswar bedeutet. Ein Raumordnungsplan (PUZ) war bereits entworfen. Damals haben wir auch die Strategien zur Stadterweiterung festgelegt, so dass ich eigentlich auch für 2000-2004 kandidieren musste, um diese umzusetzen. Zugleich sind damals die ersten Großinvestoren nach Temeswar gekommen, die wir seit 1998 durch eine intensive Werbestrategie angesprochen hatten. All diese Dinge mussten von jemandem geleitet werden, der sie auch angestrebt hatte, denn eine Änderung hätte leicht zu einem Stillstand geführt. Die Zeitspanne 2004-2008 hatte dieselben Voraussetzungen, und auch meineneuerliche Kandidatur 2008. Natürlich: die Entscheidung der Bürger zählte jedes Mal in erster Linie.
Ja, ganz bestimmt, denn nach dem ersten Mandat wusste ich, was Temeswar bedeutet. Ein Raumordnungsplan (PUZ) war bereits entworfen. Damals haben wir auch die Strategien zur Stadterweiterung festgelegt, so dass ich eigentlich auch für 2000-2004 kandidieren musste, um diese umzusetzen. Zugleich sind damals die ersten Großinvestoren nach Temeswar gekommen, die wir seit 1998 durch eine intensive Werbestrategie angesprochen hatten. All diese Dinge mussten von jemandem geleitet werden, der sie auch angestrebt hatte, denn eine Änderung hätte leicht zu einem Stillstand geführt. Die Zeitspanne 2004-2008 hatte dieselben Voraussetzungen, und auch meineneuerliche Kandidatur 2008. Natürlich: die Entscheidung der Bürger zählte jedes Mal in erster Linie.
Welches ist, Ihrer Meinung nach, der größte Erfolg der Ciuhandu-Epoche?
In erster Linie die Infrastrukturarbeiten, die in dieser Zeitspanne durchgeführt wurden und das Stadtimage verbessert haben. Diese wurden ja sowohl in der Altstadt als auch in den neuen Stadtvierteln umgesetzt. Dann die vielen Investoren, die sich in Temeswar angesiedelt haben. Sie entschieden sich für Temeswar, weil sie in erster Linie uns vertraut haben. Als ich an die Spitze der Stadt kam, lag die Arbeitslosigkeit bei zwölf Prozent. In zwölf Jahren haben wir eine beneidenswert niedrige Arbeitslosigkeit erreicht, rund ein Prozent, also Vollbeschäftigung. Wir haben auch die Wiederbelebung einiger lokaler Traditionen geschafft, obwohl viele noch als unernst angesehen werden – sie sind aber real. Ein wichtiges Detail ist die Wiederbelebung eines Bürgerrats in jedem Stadtviertel – in Freidorf oder in Plopi wurden alte Traditionen wieder ans Licht gebracht. Es ist uns gelungen, auch wichtige kulturelle Einrichtungen der Stadt zu erhalten, sogar sie weiter zu entwickeln, wie zum Beispiel die Banater Philharmonie oder das Deutsche und Ungarische Staatstheater. Wir haben vieles im Unterrichtswesen erreicht. Schulen wurden saniert. Auf allen Ebenen – wirtschaftlich, sozial, kulturell –haben wir also so manches erreicht. Investitionen, die zum gegebenen Zeitpunkt notwendig waren und bis heute vorteilhaft sichtbar sind. Der nächste Bürgermeister, der mir folgen wird, wird eine viel leichtere Arbeit vor sich haben, im Vergleich zu dem, was mich 1996 erwartet hatte.
Foto: Zoltán Pázmány
Foto: Zoltán Pázmány
Banater Kulturleben
In der Print-Ausgabe zu lesen:
Rumäniendeutsche Literatur hautnah/ Angeregte Diskussionen bei der Lesung der „Stafette” in Hermannstadt und Klausenburg
Kurz und sachlich
Untitled Skizzen
Rumäniendeutsche Literatur hautnah/ Angeregte Diskussionen bei der Lesung der „Stafette” in Hermannstadt und Klausenburg
Kurz und sachlich
Untitled Skizzen
Inszenierte Proben für den Roman

Zu Robert Taris Debütprosaband „Nostalgic Medley“, Cosmopolitan Art Verlag Temeswar 2008, ISBN 978-973-8903-43-2
Dieser Erzähler ist ein Kind der Generation nach der Wende, da alle Grenzen gesprengt, und die Schliche zum Umgehen der Zensur nicht mehr nötig waren. Robert Tari, geboren 1987 in Temeswar, Absolvent der Lenauschule, ist derzeit Student und seit 2002 „Stafette“-Mitglied. Worüber schreibt der junge Autor, warum schreibt er?
Dieser Erzähler ist ein Kind der Generation nach der Wende, da alle Grenzen gesprengt, und die Schliche zum Umgehen der Zensur nicht mehr nötig waren. Robert Tari, geboren 1987 in Temeswar, Absolvent der Lenauschule, ist derzeit Student und seit 2002 „Stafette“-Mitglied. Worüber schreibt der junge Autor, warum schreibt er?
Jedenfalls schreibt er munter drauflos, ohne sich um literarische Moden zu kümmern (was gut ist). Von der kleinen zur großen Freiheit ? So sollte diese postmodernistische Schreibweise auch verstanden werden.
Und trotzdem, was geschieht in dieser Prosa? Nichts Außergewöhnliches. Was geschieht, geschieht vorrangig in der Sprache. So in „Kurz und sachlich“ eine Spiegelbetrachtung mit heikler Sachlichkeit, dann Szenen aus dem Schülerleben, die Sohn-Vater- Beziehung, ganz im Stil amerikanischer short-stories erzählt (Nostalgic Medley), dann das lustig-traurige Studentenleben, eine Liebesnacht und darauf eine typische science-fiction-story (P.K.Dick gewidmet), ein weiteres Romanfragment usw.
Manchen Texten haftet klar das Angelesene an. Der Autor verleugnet nicht seine Vorbilder u.a. Tolkien, Stephen King oder der SF-Autor Philip K. Dick. „Nostalgic Medley ist eigentlich der Titel eines Romans, an dem ich schreibe“ (Und das bedeutet „Nostalgisches Gemisch“). Tari ist nun mal in die Sprache verliebt, was seine Texte oft inszenierten Monologen angleicht. Sein oft monomanischer Duktus sagt uns aber auch, dass er auf einer ernsten Suche nach einer eigenen Diktion ist. Das ist gut so, denn man kann Tari ein subtiles Sprachgefühl nicht abstreiten. Das wohl am häufigsten verwendete Kunstmittel ist die Ironie. Sie wird in allen Tonarten gegen eine fertige Welt, eine Welt der Konventionen eingesetzt.
Etwas Wortkargheit und Genauigkeit würden dieser Prosa schon guttun. Das nach der goldenen Regel von Altmeister Hemingway: „Gute Prosa lebt vom Streichen und Schneiden“.
Dieser Bucherstling (Untertitel „Fragmente, Skizzen, Kurzgeschichten“) steht als eine Sammlung von Fragmentarischem, ein Puzzle von Texten, da, die im Lauf größerer Zeiträume entstanden sind. „Viele sind Experimente“, resümmiert der Autor. Da gibt es interessante Passagen neben Banalitäten auch Finesse neben Holprigkeit. Wie der Autor im selbstverfassten Vorwort bekennt, sollen diese Texte die Vorarbeit für seinen Wunschtraum, einen echten Roman, abgeben.
Summa summarum: Ein Debüt ist leicht angreifbar, doch ein junger Prosaautor im Meer der rumäniendeutschen Lyrik sei begrüßt. Nostalgic Medley ist ein zum Großteil gelungener Versuch eines deutschschreibenden Banater Autors, in der Literatur mit einer eigenen Diktion Fuß zu fassen. Man wünscht dem Autor mehr Lebensstoff und dieser Stimme auch ein wenig Verletzlichkeit und Berührtsein.
Und nicht unbedingt einen Roman. Wenn das Leserpublikum und die Verlage der guten Kurzprosa auch mässige Romane vorziehen, sollte das den Schriftsteller unberührt lassen. Denn davon wird die Literatur nicht besser.
Balthasar Waitz
Wirtschaft und Umwelt
In der Print-Ausgabe zu lesen:
IHK mit allgemein erfolgreicher Bilanz/ Trotzdem tief auf Stimmungsbarometer
Nicht neu, aber teilweise praktisch/ Ein neuer Reiseführer durch das Banater Bergland
IHK mit allgemein erfolgreicher Bilanz/ Trotzdem tief auf Stimmungsbarometer
Nicht neu, aber teilweise praktisch/ Ein neuer Reiseführer durch das Banater Bergland
Großinvestitionen in Busiasch
Touristen werden wie Kleopatra entspannen
Der Kurort Busiasch/Buzias am Rande der Silascher Hügel soll bis 2012 eine komplett neue Aufmachung erhalten. Sorin Munteanu, Leiter des Kurunternehmens, verspricht, die Hotels der Gesellschaft „Tratament Balnear Buzias“ zu sanieren und neu einzurichten. Unter anderen soll auch ein Spa-Zentrum entstehen, wo Kurgäste - genau wie die ägyptische Königin Kleopatra - ein Pflegebad in Milch genießen können. Der Kurort ist für das kohlensäurehaltige Mineralwasser, das unter anderen zur Heilung von Herz- und Blutkreislaufstörungen sowie Berufskrankheiten benutzt wird, bekannt. In Busiasch befindet sich auch das erste Mineralwasser-Freibad in Europa, das in den kommenden Jahren saniert wird. Seit kurzem ist das Kurunternehmen mit eigener Website, buzias.ro im Internet präsent.
Ein neues Touristensegment soll infolge der Großinvestitionen gewonnen werden: Geschäftsleute und Kunden mit mittleren und gehobenen Einkommen. Außerdem sollen auch die Temeswarer auf die Ortschaft aufmerksam werden – vor allem am Wochenende könnten diese in Busiasch entspannen. „Unser Ziel ist es, nicht nur Touristen aus dem Ausland heranzuziehen, sondern auch dafür zu sorgen, dass die Rumänen nicht mehr ins Ausland fahren“, sagt Sorin Munteanu. „Wir fürchten keine Konkurrenz aus Ungarn. Die Ungarn haben Thermal- und kein Mineralwasser, wie wir“, fügt er hinzu. Der Sozialtourismus hat sich in den vergangenen drei Jahren verringert: 2005 hatten 70 Prozent der Kurgäste in Busiasch eine Ermäßigung von der Rentenkasse und dem Arbeitsministerium zugesprochen bekommen, letztes Jahr lag der Prozentsatz bei 49. Die Leitung des Kurunternehmens hofft, dass bis 2014 nur noch 20 Prozent der Touristen mit einer Ermäßigung von der Rentenkasse das Kurortstädtchen besuchen werden. Die Leitung des Kurunternehmens strebt Beziehungen zu Schwabengemeinschaften aus Deutschland an. „Wir hatten in diesem Jahr zwei Gruppen aus Deutschland im Kurbad zu Gast – Schwaben aus Lenauheim und Orzydorf“, sagt Sorin Munteanu.
In den vergangenen drei Jahren wurden etwa 15 Millionen Lei für die Modernisierung des Parc-Hotels ausgegeben. Das Hotel wurde rundum saniert, das Restaurant, Pool und Bad modernisiert sowie ein Konferenzraum mit 300 Plätzen eingerichtet. Für dieses Jahr sind weitere Arbeiten am Schwimmbecken und Konferenzraum vorgesehen. Das Buzias-Hotel mit 46 Zimmern soll auf vier oder drei plus Sterne aufgewertet werden, verspricht Sorin Munteanu. Ein Erholungsbad mit Milch soll innerhalb des Buzias-Hotels eingerichtet werden.
2010-2011 wird das Projekt zur Modernisierung des Busiascher Hotelkomplexes „Spa & Conference“ umgesetzt. Ein neues Spa-Center mit zwei Schwimmbecken und einem Schönheitssalon sollen entstehen – die Investition beträgt rund 2,5 Millionen Euro. Ein Phare-Projekt im Wert von 89.000 Euro zur Schulung des Kurbadpersonals startet in diesem Monat: Zimmermädchen, Empfangspersonal, Köche und Kellner sollen dadurch ausgebildet werden.
Das Projekt zur Belebung des Kurbads schließt auch den historischen Teil der Ortschaft mit ein: die Phoenix- und Imperial-Villa sowie das Kasino in der Parkmitte. Die Eigentumsverhältnisse des Kurbads sind jedoch noch nicht geklärt, denn die Nachkommen des Großunternehmers Muschong wollen einen Großteil der Stadt rückerstattet bekommen. Sorin Munteanu ist aber optimistisch, was den Rückerstattungsprozess betrifft: „Einen konkreten Beweis werden die Erben von Muschong nicht aufbringen können“.

(v.l.n.r.) Verwaltungsratsmitglied Gheorghe Bailesteanu, -vorsitzender Ioan Manea und Sorin Munteanu präsentierten die bedeutendsten Investitionen, die bis 2012 in Busiasch getätigt werden.
Text und Fotos: Raluca Nelepcu
Text und Fotos: Raluca Nelepcu
Eine Schwäbin auf Weltreise (13)
Budapest: Gulasch und Badekultur ganz nah / Von Nareda Cerdy
Seit es die Autobahn ab Szeged gibt, kann man von Temeswar/Timisoara aus in drei Stunden in Budapest sein, mit dem Auto, ganz spontan, ohne große Vorplanung, wenn man dem Alltag entfliehen und mal ein Wochenende außerhalb verbringen möchte. Spätestens wenn man eines Samstags morgens aufwacht und plötzlich Lust auf Gulasch oder Thermalbad bekommt um die winterliche Kälte aus den Knochen zu vertreiben, dann ist das ein Zeichen, dass es höchste Zeit ist, sich ins Auto zu setzen und einfach loszufahren. Viele kennen Budapest vom Sziget-Musikfestival im August, welches die über die Margarethenbrücke zugängliche Donauinsel in eine internationale Zeltstadt verwandelt, ein magnetischer Anziehungspunkt für Jugendliche aus ganz Europa. Wenn man sich noch jung genug fühlt, um problemlos eine Woche im Zelt schlafen zu können, dann ist „Sziget“ ein Pflichteintrag im Terminkalender, denn es ist nicht nur ein Live-Musikerlebnis, sondern auch eine Gelegenheit, Europa in seiner ganzen Vielfalt zu erleben, denn die kleinen Inseln verwandelt sich in ein international-europäisches Dorf, komplett mit Post, Bank, Geldwechselstuben und Geldautomaten, Supermarkt und Apotheke.

Ungarisches Parlament am Donauufer
Wem das alles zu hektisch ist und es lieber gemütlich mag, der kann Budapest auch als Stadt der Thermalbäder erleben. Es gibt sehr viele davon, die Badekultur reicht 2000 Jahr zurück, da schon die Römer die natürlichen Thermalquellen hier genutzt haben. Unter www.heilbaderbudapest.com bekommt man eine Übersicht über die vielen verschiedenen Bäder und kann sich das passende aussuchen, je nachdem, ob man nur zum Spaß und Entspannung oder einer Erkrankung wegen ein Thermalbad aufsucht. Das schönste Thermalbad in Budapest ist das Kiralybad, mit original türkischer Badekultur und durch Renovierung erhaltenem Originalaussehen eines Paschabades aus dem 16. Jahrhundert. Leider ist das Bad jeden Tag abwechselnd nur für Frauen oder nur für Männer geöffnet, was es für einen Paar- oder Familienbesuch ungeeignet macht. Das Gellért-Bad mit angrenzendem gleichnamigem Hotel ist das berühmteste Bad Budapests und auch das größte, mit zehn Innen- und drei Außenbecken. Man kann recht lange hier verweilen, aber im Sommer ist die Liegefläche draußen sehr knapp, also es ist eher im Winter zu empfehlen, wenn es draußen sowieso kalt ist und man lieber die vielen verschiedenen Sprudel-, Schwimm- und Massagebecken nutzen möchte. Im Sommer ist das Széchenyi-Bad das schönste, weil es die erlebnisreichste, wärmste, mit den größten Außenbecken und ausreichend Liegefläche an der Sonne hat, um nicht durch die vielen anderen Besucher gestört zu sein. Aber Budapest hat natürlich noch viel mehr als nur entspannen in den kuschelig warmen Thermalbäder zu bieten. Ein Spaziergang am Donauufer entlang ist ein guter Anfang für einen Rundgang, der an den schönsten architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeiführt. Die wohl bekanntesten Ansichten von Budapest sind das Parlamentsgebäude an östlichen Donauufer und die Kettenbrücke, über die man entlang schlendern kann, um zum Gellértberg am gegenüberliegenden Ufer zu gelangen. Der Aufstieg zum Burgberg ist die Anstrengung wert, auch wenn man zu Fuß und nicht mit der Seilbahn oder mit dem Auto hochfährt, denn die Fußgängerzone und die Altstadt mit mittelalterlichem Flair, die den Burgpalast umgeben, sind atemberaubend schön. Die Burg selbst beeindruckt in ihren Ausmaßen und trägt daher zu recht den Titel „größte Burg Ungarns“. Die Altstadt davor ist eine Fußgängerzone, also muss man das Auto vorher auf einem der kostenpflichtigen Parkplätze abstellen. Direkt neben dem Burgpalast, auf dem Burgberg, gibt es eines der schönsten Hotels der Stadt, das Hilton-Hotel, das trotz der nicht gerade kleinen Preise, mit Zimmern mit Whirlpool und Aussicht über die Donau eine schwer zu widerstehende Versuchung, zumindest für eine Nacht, für spezielle Anlässe ist, wie zum Beispiel an eine romantische Hochzeitstagsfeier.

Kettenbrücke über die Donau
Budapest ist aber auch eine Einkaufsmetropole und die Haupteinkaufsstraße Vaci utca kann mit jeder europäischen Hauptstadt locker mithalten, sowohl was das vielfältige Angebot als auch das Preisniveau betrifft. Und natürlich last but not least, kein Besuch in Budapest ist komplett, ohne ein herzhaftes Gulasch, denn nirgends schmeckt Gulasch so gut wie in Budapest.
Fotos: Max
Märtyrer der christlichen Einheit
Gespräch mit Alexandru Messian, griechisch-katholischer Bischof des Lugoscher Bistums
Die mit Rom vereinigte griechisch-katholische Kirche Rumäniens, die Unierte Kirche, ist seit ihrer Entstehung im 18. Jahrhundert ein Mittelweg zwischen Katholizismus und Orthodoxie. 1948 wurde in Rumänien dieser Glaube vom Kommunismus verboten. Die hohen Prälaten der Kirche wurden in politische Gefängnisse gesteckt und ermordet, das Vermögen der Kirche nationalisiert oder der rumänisch-orthodoxen Kirche geschenkt. Erst nach der Dezemberrevolution bekam diese Religion ihre Freiheit wieder. Zum griechisch-katholischen Glauben und dessen Bestehen, mit Bischofssitz in Lugosch/Lugoj 1853 gegründet und vier Kreise als religiösen Verantwortungsbereich umfassend: Hunedoara, Temesch, Arad und Caras-Severin, hat BZ-Redakteur Oliver Zsilko den Lugoscher griechisch-katholischen Bischof Alexandru Mesian befragt.
Wieviele griechisch-katholische Christen umfasst ihr Bistum?
Unser Bistum umfasst zehn Dekanate in der Banater Gegend. Zurzeit haben wir 115 aktive Priester und 132 Kirchsprengel. Eine genaue Zahl unserer Gläubigen kennen wir nicht, es müssen aber etwa 110.000 sein. Nach der Zählung jedes einzelnen Priesters vor Ort ist diese Zahl gegenüber der Volkszählung von 2002, die wir nicht in Betracht genommen haben, viel größer.
Was bedeutet es, ein aktiver griechisch-katholischer Gläubiger zu sein?
Was bedeutet es, ein aktiver griechisch-katholischer Gläubiger zu sein?
Nicht jeder griechisch-katholische Christ ist auch ein aktiver Gläubiger. Um aktiv zu sein, muss dieser ein Praktizierender der Religion sein, das heißt er muss an der Heiligen Messe teilnehmen und seinen Kirchenbeitrag jährlich oder monatlich zahlen. Außerdem muss er ein Mal im Jahr beichten, an Feiertagen die Kirche besuchen und an den Aktivitäten, die im Rahmen der Kirche veranstaltet werden, teilnehmen.
Wo und wie werden griechisch-katholische Priester ausgebildet?
Die griechisch-katholische Kirche hat vier theologische Zentren: Neustadt-Frauenbach/Baia Mare, Klausenburg/Cluj-Napoca, Großwardein/Oradea und Blasendorf/Blaj. Viele unserer Gläubigen lernen den Ritus von Haus aus und im Religionsunterricht. Danach können unsere Schüler, müssen aber nicht, ein theologisches Lyzeum absolvieren. Anschließend sich an einer Theologischen Fakultät inskribieren. In der Studienzeit muss der Student die Unterstufen des Diakonats bestehen, bevor er zum Priester geweiht wird: Tonsur, Lektorat und Subdiakonat. Über diese Ränge verfügend, praktiziert und hilft er einem griechisch-katholischen Priester in kirchlichen Angelegenheiten. Danach muss er die Entscheidung treffen, ob er als zölibaterärer oder verheirateter Priester seinen Beruf ausüben will.
Wie steht es um die Rückerstattung der Immobilien, die Ihrer Kirche zur Zeit des Kommunismus willkürlich entrissen wurden?
Nachdem unsere Kirche ihre Freiheit wiedererlangt hat, ist ein kleiner Fortschritt wahrzunehmen. Die Rückerstattungen sind jedoch unzufriedenstellend, da von insgesamt 2500 Kirchen uns bis heute nicht einmal 200 rückerstattet wurden. Im Verwaltungskreis Hunedoara zum Beispiel, wo wir einst 75 Kirchen hatten, wurde uns keine einzige rückerstattet. Obwohl der kommunistische Staat 1948 uns die Gebäude einfach konfisziert hatte, greift der jetztige als Wiedergutmachung überhaupt nicht ein; er überlässt das Ganze den orthodoxen Erzbischöfen.
Was meinen Sie, wieso greift der Staat nicht ein?
Ich denke dass der Staat nicht in Konflikt mit den Oberhäuptern der Orthodoxen Kirche geraten möchte. Als 1990 das Gesetz der Rückerstattungen verabschiedet wurde, hat man diese Sache der einvernehmlichen Regelung zwischen den beiden Seiten überlassen – und sich damit aus der Verantwortung geschlichen. Acht Treffen zwischen den griechisch-katholischen und orthodoxen Vertretern gab es, die rein gar nichts brachten. Wir zelebrieren deshalb die Heilige Messe und religiöse Handlungen in römisch-katholischen Kirchen und an improvisierten Stellen. Gläubige beten aber ungern in Häusern oder an inoffiziellen Orten, deshalb habe wir auch begonnen, aus Spenden Kirchen zu bauen. 15 gibt es schon, weitere acht werden noch gebaut. Bekämen wir die restlichen Kirchen zurück, würde automatisch die Anzahl unserer Gläubigen steigen. Das könnte auch ein mit Grund sein, weswegen uns die Kirchen von der Bruderkirche nicht rückerstattet werden. Immerhin sind von unseren 230 Gemeinden 135 übriggelieben. Nur: das Banat war ein Ausnahmefall bei den Rückerstattungen, weil hier der Erzbischof der Rumänisch-Orthodoxen Kirche in Temeswar/Timisoara, Dr. Nicolae Corneanu, Metropolit des Banats, eine wichtige Rolle spielte, indem er seine Priesterschaft ausdrücklich angewiesen hat, Kirchen und Pfarrhäuser rückzuerstatten – wie es das Gesetz vorschreibt. In Lugosch zum Beispiel wurden uns schon im Monat nach der Revolution von 1989 alle Gebäude rückerstattet.
Wieso war das hier möglich und in den anderen Gegenden nicht? Ist das mit der Revolution in Zusammenhang zu bringen?
Meiner Meinung nach hat die Revolution weniger dazu beigetragen als die hiesige Bevölkerung. Im Banat gibt es mehr Liebe zwischen den Menschen, unabhängig davon, welcher Minderheit diese angehören. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich 1994 herkam, wie offen die Menschen auf ihren neuen Mitbürger zugegangen sind. Dieser Aspekt ist auch in religiöser Hinsicht wahrzunehmen.
Was bedeuet Ihnen der Papst?
Unser Glaube hat als Grundlage den Glauben an die Kirche Jesu Christi, der von den Aposteln in der Welt verbreitet wurde. Weil der Papst der direkte Nachfolger des Heiligen Petrus ist, sehe ich es als ein Gebot Gottes an, dass ich Teil der griechisch-katholischen Kirche sein darf. Ich bin sehr froh darüber, umso mehr, da Papst Johannes Paul II. uns Griechisch-Katholische zum 300. Jubiläum der Kirchengründung zu Märtyrern für die Christliche Einheit deklariert hat.
Wo und wie werden griechisch-katholische Priester ausgebildet?
Die griechisch-katholische Kirche hat vier theologische Zentren: Neustadt-Frauenbach/Baia Mare, Klausenburg/Cluj-Napoca, Großwardein/Oradea und Blasendorf/Blaj. Viele unserer Gläubigen lernen den Ritus von Haus aus und im Religionsunterricht. Danach können unsere Schüler, müssen aber nicht, ein theologisches Lyzeum absolvieren. Anschließend sich an einer Theologischen Fakultät inskribieren. In der Studienzeit muss der Student die Unterstufen des Diakonats bestehen, bevor er zum Priester geweiht wird: Tonsur, Lektorat und Subdiakonat. Über diese Ränge verfügend, praktiziert und hilft er einem griechisch-katholischen Priester in kirchlichen Angelegenheiten. Danach muss er die Entscheidung treffen, ob er als zölibaterärer oder verheirateter Priester seinen Beruf ausüben will.
Wie steht es um die Rückerstattung der Immobilien, die Ihrer Kirche zur Zeit des Kommunismus willkürlich entrissen wurden?
Nachdem unsere Kirche ihre Freiheit wiedererlangt hat, ist ein kleiner Fortschritt wahrzunehmen. Die Rückerstattungen sind jedoch unzufriedenstellend, da von insgesamt 2500 Kirchen uns bis heute nicht einmal 200 rückerstattet wurden. Im Verwaltungskreis Hunedoara zum Beispiel, wo wir einst 75 Kirchen hatten, wurde uns keine einzige rückerstattet. Obwohl der kommunistische Staat 1948 uns die Gebäude einfach konfisziert hatte, greift der jetztige als Wiedergutmachung überhaupt nicht ein; er überlässt das Ganze den orthodoxen Erzbischöfen.
Was meinen Sie, wieso greift der Staat nicht ein?
Ich denke dass der Staat nicht in Konflikt mit den Oberhäuptern der Orthodoxen Kirche geraten möchte. Als 1990 das Gesetz der Rückerstattungen verabschiedet wurde, hat man diese Sache der einvernehmlichen Regelung zwischen den beiden Seiten überlassen – und sich damit aus der Verantwortung geschlichen. Acht Treffen zwischen den griechisch-katholischen und orthodoxen Vertretern gab es, die rein gar nichts brachten. Wir zelebrieren deshalb die Heilige Messe und religiöse Handlungen in römisch-katholischen Kirchen und an improvisierten Stellen. Gläubige beten aber ungern in Häusern oder an inoffiziellen Orten, deshalb habe wir auch begonnen, aus Spenden Kirchen zu bauen. 15 gibt es schon, weitere acht werden noch gebaut. Bekämen wir die restlichen Kirchen zurück, würde automatisch die Anzahl unserer Gläubigen steigen. Das könnte auch ein mit Grund sein, weswegen uns die Kirchen von der Bruderkirche nicht rückerstattet werden. Immerhin sind von unseren 230 Gemeinden 135 übriggelieben. Nur: das Banat war ein Ausnahmefall bei den Rückerstattungen, weil hier der Erzbischof der Rumänisch-Orthodoxen Kirche in Temeswar/Timisoara, Dr. Nicolae Corneanu, Metropolit des Banats, eine wichtige Rolle spielte, indem er seine Priesterschaft ausdrücklich angewiesen hat, Kirchen und Pfarrhäuser rückzuerstatten – wie es das Gesetz vorschreibt. In Lugosch zum Beispiel wurden uns schon im Monat nach der Revolution von 1989 alle Gebäude rückerstattet.
Wieso war das hier möglich und in den anderen Gegenden nicht? Ist das mit der Revolution in Zusammenhang zu bringen?
Meiner Meinung nach hat die Revolution weniger dazu beigetragen als die hiesige Bevölkerung. Im Banat gibt es mehr Liebe zwischen den Menschen, unabhängig davon, welcher Minderheit diese angehören. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich 1994 herkam, wie offen die Menschen auf ihren neuen Mitbürger zugegangen sind. Dieser Aspekt ist auch in religiöser Hinsicht wahrzunehmen.
Was bedeuet Ihnen der Papst?
Unser Glaube hat als Grundlage den Glauben an die Kirche Jesu Christi, der von den Aposteln in der Welt verbreitet wurde. Weil der Papst der direkte Nachfolger des Heiligen Petrus ist, sehe ich es als ein Gebot Gottes an, dass ich Teil der griechisch-katholischen Kirche sein darf. Ich bin sehr froh darüber, umso mehr, da Papst Johannes Paul II. uns Griechisch-Katholische zum 300. Jubiläum der Kirchengründung zu Märtyrern für die Christliche Einheit deklariert hat.
„Vergessene“ Dörfer (I)
In Baratzhausen gibt es keine Deutschen mehr/ Von Horst Martin
Vor einigen Wochen las ich in der Ortsmonographie des Dorfes Baratshausen/Barateaz/Perndias über die Entstehung des Dorfes, der deutschen Gemeinschaft, über Leben, Schaffen und Schicksale. Ein Landsmann beklagte sich darüber, daß über das Dorf Baratzhausen nichts mehr in der rumäniendeutschen Presse berichtet wird. Ja, was könnte Neues über das Dorf und seine nicht mehr existierende deutsche Gemeinschaft berichtet werden?!
In Perndias war es wie in allen Banater Ortschaften mit deutschen Einwohnern. Ein Kaiser (Kaiserin) hat sie mal hergebracht und zweihundert Jahre später hat sie ein anderer „Kaiser“ ins Unglück geschickt. Danach wurden sie von einer Ideologie vernarrt, um später von einer anderen Ideologie fast in die Aussichtslosigkeit getrieben zu werden. Man ließ alles liegen und zog in das sogenannte Mutterland.
Das Dorf Baratzhausen liegt im Raum des Zusammenflusses zweier kleiner Bäche - Slatina und Apa-Mare – dort, wo sich ein relativ großer Sumpf gebildet hat, der sich bis Satchinez/Knees hinzieht. Dieses Sumpfgebiet ist ein ideales Areal für Vögel und Wassertiere. Hier befindet sich ein ornithologisches Reservat (die BZ berichtete). In den Tälern, entlang dieser Bäche, wurde der berühmte gelbe Paprika gepflanzt, von dem in den 50er und 60er Jahren viel exportiert worden ist. Durch das Dorf führt eine asphaltierte Kreisstraße, die auch die Verbindung mit dem Kurort Kalatscha/Calacea herstellt. Hier lebten in den „besten Zeiten“ über 400 deutsche Einwohner.
Zum ersten Mal ist das Dorf im Jahre 1231 erwähnt, um danach unter verschiedenen Namen genannt zu werden. Im Jahre 1803 wird als Großgrundbesitzer Capdebó (könnte sein, dass es ein Rumäne gewesen ist, Capdebou) genannt, um dessen Gut sich auch die Siedlung entwickelt hat. Deutsche sind im Laufe der Jahre als Handwerker, Landarbeiter, etc. zugewandert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte das Dorf 181 Wirtschaften, mit 826 Bewohnern, davon die Hälfte Rumänen und die Hälfte Deutsche.Heute lebt kein einziger deutscher Einwohner mehr in dem Dorf. Der letzte Deutsche, Seibert, ehemals Rußlanddeportierter, ist vor einem
Jahr in seinem Hause verstorben. Auch die rumänische Mehrheitsbevölkerung hat sich vermindert. Die Bewohner sind alt. Ein ehemals wohlhabendes, beneidetes Dorf, auch wegen seiner volksnahen LPG, verschwindet in die Anonymität.
Neues gibt es kaum zu berichten, außer vielleicht, dass über den Bach Apa Mare eine neue Brücke errichtet worden ist und dass das kleine Kirchlein, einst von der Großgrundbesitzerfamilie Capdebo finanziert, mit Geldern der ehemaligen Landsleute aus Deutschland und mit Unterstützung der rumänischen Dorfbewohner außen renoviert wurde.
Am oberen Lauf des Baches Slatina befindet sich das Dorf Manastur/Monostor/Manoster. Zum Unterschied zu Baratzhausen leben hier noch rund zehn Personen, davon sechs Frauen, alle über 60 Jahre alt, LPG-Rentnerinnen und hilfsbedürftig. Ins Dorf gelangt man nur von Vinga aus, da alle ehemaligen festen Straßen aufgegeben wurden. Was ehemals mit Pferdefuhrwerken und harter Menschenhand geschaffen wurde, haben Schreibtischingenieure ganz einfach weggestrichen.
Der Gedanke, auch über diese Dörfer zu schreiben, kam erst als nach einer Analyse der zur Verfügung stehenden Lebensmittelhilfen aus BMI-Zuwendungen in der Geschäftsstelle des DFD Banat, wo noch eine kleine Summe auf seine Empfänger wartete. Da es im Dorfe Monostor kein Ortsforum gibt und auch in Deutschland keine HOG Monostor, liegt keine entsprechende Hilfsbedürftigenliste vor. Eigentlich bekamen noch nie Bewohner dieses Dorfes Lebensmittel- oder sonstige Hilfen. Andererseits haben sie ihrerseits auf die Mitgliedschaft in den Foren Temeswar oder Arad verzichtet, wobei niemand sich die Frage stellte: "Warum wohl?“ (Teil zwei folgt)
Dies- und jenseits der Marosch
In der Print-Ausgabe zu lesen:
Fernstraßen - Keine Ausnahme in Arad
17-stöckige Bauten in Arader Stadtmitte
Millionen Euro für Nahverkehrsmittel
Forschungsreise nach Australien
Fernstraßen - Keine Ausnahme in Arad
17-stöckige Bauten in Arader Stadtmitte
Millionen Euro für Nahverkehrsmittel
Forschungsreise nach Australien
David gegen Goliath
Smithfield-Konzern auch in Winga im Kreuzfeuer
Nachdem „Smithfield“ in letzter Zeit vielerorts wegen dem aggressiven Ausbau seiner Banater Betriebsstandorte für Streit und Prozesse mit den Kommunalverwaltungen und Besorgnis bis Unwillen in den Reihen der Dorfbevölkerung sorgte, geriet der amerikanische Schweinemastkonzern auch in Winga/ Vinga, Kreis Arad, arg ins Kreuzfeuer. Smithfield, seit 2004 aktiv auf dem rumänischen Markt, verfügt derzeit über 35 Schweinezucht-Farmen in den Kreisen Temesch und Arad mit mehr als 37.000 Säuen und eine 847köpfige Belegschaft. Wie in der ADZ berichtet, hatte Smithfield hier vor Kurzem eine Kraftfutterfabrik auf einer Fläche von 20 Hektar und im Gesamtwert von 30 Millionen Euro in Betrieb genommen. Die moderne Fabrik, die nur von 17 Arbeitern bedient wird, schafft eine wöchentliche Produktion von 8.000 Tonnen Kraftfutter für die Scheinemast, die nicht nur auf den rumänischen sondern auch auf den EU-Markt kommen sollen.
Jetzt droht Nicolae Smoc, ein Wingaer Einwohner, der bisher schon zwei Prozesse gegen Smithfield gewonnen hat, dem Konzern mit der Zwangsvollstreckung. Smithfield hätte einen Teil der vorgenannten Fabrik willkürlich auf seinem Boden errichtet. Vor einem Jahr klagte Smoc gegen die lokale Grundbuchkommission, die seine Bodenparzelle einfach auf ungesetzliche Art ein gutes Stück weiter verschob, um Platz für die Kraftfutter-Fabrik zu schaffen. Da sich weder die Kommunalverwaltung noch die Leitung von Smithfield um diese Ansprüche störten, suchte der Mann sein Recht vor Gericht. In diesem Fall entschied das Gericht im September 2008, selbst nach einem Widerspruch von Smithfield, mit einem rechtskräftigen Endurteil zu Gunsten des Geschädigten. Der Konzern betrachtet diese Ansprüche als unbegründet, man hätte die gesamte Grundfläche auf legale Art nach einer korrekten Grundbuchexpertise angekauft.
Im Bewusstsein nur sein Recht und Eigentum zu verteidigen, möchte der geschädigte Eigentümer aus Winga nun zum letzten Gesetzesmittel, der Beantragung einer Zwangsvollstreckung, greifen.
Großprojekt Arader „Wäldchen“
Neues Verwaltungs- und Freizeitzentrum am Maroschufer
Die Machbarkeitsstudie des Stadtprojekts zur Neugestaltung des Arader „Wäldchens“ (Padurice), deren Kosten mit 1,3 Millionen Euro die Stadt teuer zu stehen kommen, ist perfekt: In Kürze soll der Bauausführer in Folge einer Versteigerung bekanntgegeben werden, schon im Frühjahr, voraussichtlich im April, sollen die Arbeiten gestartet werden. Der Gesamtwert dieses Projekts beträgt über 47 Millionen Lei bzw. mehr als 23 Millionen Euro. Noch unbekannt sind die Quellen, aus denen diese Mitteln fließen sollen. Dieses Vorhaben reiht sich in eine landesweite vom Ministerium für Umweltschutz geförderte Aktion zur Ausweitung und Einrichtung der städtischen Grünzonen: Bis 2010 sollen die rumänischen Kommunalverwaltungen in den Städten 20 Quadratmeter je Einwohner, bis 2013 gar 26 Quadratmeter Grünfläche, sichern. Laut einer Statistik verfügen mehr als die Hälfte der rumänischen Städte derzeit im Durchschnitt bloß über 10 bis 15 Quadratmeter. Spitzenplätze belegen die Städte Craiova und Hermannstadt mit 27,2 bzw. 24,8 Quadratmetern. Obwohl man gewöhnlich viel und Schönes über die Arader Parks, vor allem über die Grünzonen am malerischen Maroschufer, hört, ist die Realität eine ganz andere: Die Stadt Arad ist auf Landesebene in Sachen Grünzonen mit nur 7 Quadratmeter pro Person in der Gruppe der Nachzügler zu finden.
Das „Wäldchen“-Projekt, das der Stadt u.a. auch ein neues Verwaltungszentrum in der Null-Zone bringen wird, sieht die Neugestaltung einer Fläche von 25.900 Quadratmeter (7.800 Quadratmeter misst die Seeoberfläche) vor. Laut Corina Draghici, Pressesprecherin der Kommunalverwaltung, hat man hier wegen den hohen Kosten (zirka 7.5 Millionen Lei) auf die Errichtung des geplanten Denkmals der Vereinigung endgültig verzichtet. Im fortgeschrittenen Baustadium befindet sich schon der neue Kreisratssitz. Des weiteren soll die längst fällige Modernisierung des Hauses der Gewerkschaften vorgenommen werden. Am Standort des alten Springbrunnens in der Seemitte soll ein neuer musikalischer Springbrunnen errichtet werden. Sämtliche Grünflächen, Trottoirs und Alleen sollen ein neues Image erhalten. Hinzukommen neue Bänke, Spielplätze und Neuanpflanzungen, eine Straßenuhr, Telefonzellen, eine Sonderecke für ältere Semester. Der gesamte Park soll durch eine moderne Beleuchtung zur Geltung gebracht werden. Die Bauarbeiten sollen in 20 Monaten bzw. bis Anfang des Jahres 2011 fertiggestellt werden. (bw)
Pipatsch
In der Print-Ausgabe zu lesen:
Ke Kulli weit un breet
Es stosst mer uf: Alles knapp bei Kasse
Kaspar+Melchior+Balthasar
Ke Kulli weit un breet
Es stosst mer uf: Alles knapp bei Kasse
Kaspar+Melchior+Balthasar
Hat der gewisst dass……
Prosit Neijohr, des bedeit so vill wie: es soll alles gelinge, un kummt ausm Lateinische
Alli Kochereije rund ums Schwein sin die beschte Glicksbringer fors neiji Johr
Am erschte Tach im Johr derf merk e Gfliegl koche – es Glick flieht mitm federviech dervun
For dass es in der Kassa klingelt soll mer Linse, Erbse un Sauerkraut esse – des bedeit, dass niemlols es Kleengeld ausgeht
Mit Knalle un Bollre gin die beese Geischter vertrieb
Trauwe solle in der Silvesternacht Glick bringe, iwerhaupscht wann mer um Mitternacht bei jedem Glockeschlach e Trauweperl esst
An Neijohr derf nit gewäscht gin
E Stund vor Mitternacht solle in der Silvesternacht alli Finschtre ufgemacht gin, for dass es Glick rinkumme kann
Werter, die selten gsaat gin
Puddle – wann e Kind beim Bade vill strambelt – des is puddle
Phantsche - mer kann was zammphantsche – ke gudes Esse uf de Tisch stelle; die Kiner phantsche/spille awer a geere im Wasser
Ranzich – Speck oder Schungefleisch, des wu schun e Johr lang in der Speis hängt, kann ranzich schmecke
Struddlich – wann mer nie weess, wu mer sei siewe Quetsche hingetun hat; also unordentlich
Dickphansich – wann mer geere un vill esse tut kriet mer e dicke Phans
Krumberzucker – des war frieher so e Art Zucker wie de Trauwezucker, nor klumpich
Spentzer – kann e Jankl sin, also etwas wu mer ufs Gwand noch druf anzieht
Salagari – e Art Sodebickebohne oder Backpulver
De betrogene Betrieger
De Vetter Niklos hat in Heckenheim gwohnt. Er hat e paar Kieh ghatt. Aus dr Milch hat er Käs gebriet un aus´m Rahm Butter gstoß. De Butter hat er in der Stadt an de Ludwich-Bäcker verkaaft. Vun ihm hat er aa sei Brot ghol. De Ludwich-Bäcker war e habsichtiche un geiziche Mann. De Vetter Niklos war awer bis uf die Knoche ehrlich.
An am Tach hat de Ludwich-Bäcker de Butterklumpe, den ihm de Vetter Niklos gliefert hat, uf die Wooch getun. Es hätt e Kilo Butter sein selle, war awer nor 900 Gramm. Er hat bei jeder neie Butterlieferung die Wiegerei wiederholt, awer jedsmol han 100 Gramm gfehlt. De Ludwich-Bäcker hat beim Vetter Niklos reklamiert, dass es Buttergwicht net stimmt. De Vetter Niklos hat awer fescht behaupt, dass er am Gwicht vum Butter net schwindelt. Sie sin in ihrem Streit uf ka griene Zweig kumm. De Ludwich-Bäcker hat de Vetter Niklos beim Gericht als Betrieger angezeigt.
So is es zur Verhandlung vor´m Richter kumm. De Ludwig-Bäcker hat sei Anschuldigung wiederholt un als Beweis die letschti Butterlieferung mitgebrung. De Vetter Niklos hat awer hoch un heilich versichert, dass er am Buttergwicht net schwindle tut. De Richter hat ihm geglabt un gsaat: „Vetter Niklos, ich glab jo, dass dir e ehrliche Mann seid un de Bäcker net anschwindle wollt. Awer vielleicht stimmt´s mit deni Gwichter net. Die misse geicht gin“. „Gwichter?“, hat de Vetter Niklos verstaunt gantwort, „ich hab gar ke Gwichter for de Butter wiege“. „Wie stellt ihr dann es Gwicht vum Butter fescht?“, hat de Richter gfroot. „Ganz einfach“, hat de Vetter Niklos gantwort, „ich kaaf vum Ludwich-Bäcker immer e Brotlaib, der e Kilo wiegt. Des Brot leg ich uf de ane Teller vun der Wooch un uf de anre Teller leg ich de Butter, den ich dem Ludwich-Bäcker liefer. No dem Brotlaib tarier ich es Buttergwicht aus!“
De Richter hat jetz de Butter, den de Ludwich-Bäcker als Beweis mitgebrung hat, uf die Wooch gleet. Es ware werklich nor 900 Gramm. Jetz hat de Vetter Niklos aus seim Sack e Ludwich-Brot rausghol un a auf die Wooch gleet. Was war es Resultat? Die Wooch hat es gleiche Gwicht angezeigt. Jetz war´s klor, dass net de Vetter Niklos de Betrieger war, des war de Ludwich-Bäcker.
De Richter hat glacht, de Vetter Niklos hat gschmunzelt un de Ludwich-Bäcker hat e saftichi Strof zahle misse.
Ignaz Bernhard Fischer
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