Könner aus vielen Landesteilen beim Arader Treffen dabei
Kunst, Volkskunst und Nostalgie stehen fast auf dem gleichen Level, wenn sich Kunsthandwerker auf der einschlägigen Messe in Arad zeigen. Für sie ist es eine Gelegenheit, sich zu zeigen, etwas Geld zu verdienen – alles auch mit einem Funken Hoffnung, dass sich das Aussterben des Berufes noch ein wenig hinauszögert.
Sie sind alt und museal, die Muster, nach denen Petre Crisan seine Hüte näht. Er selbst bewegt sich jugendhaft zwischen seinen Schablonen und Materialien hin und her. Wenn sich die Kunden bei verschiedenen Festivals an seinem Stand in Arad oder in seiner Werkstatt in Pankota/Pâncota, Kreis Arad, umsehen, so stellt er gleich drei bis fünf Hutformen vor. Kleinere, mit bunten Mustern für Kinder, runde Hüte für Damen und ovalförmige für Männer. Für jedes Modell gibt es auch entsprechende Größen. Crisan weiß schon beim ersten Blick eines Kunden, was für eine Größe dieser trägt.
Petre Crisan bearbeitet seine Strohhüte so, wie dies sonst kein anderer mehr im Kreis Arad macht. Er ist praktisch der letzte seiner Zunft: Ein Hutmacher, der „mit diesem Beruf geboren wurde“, wie er zu sagen pflegt. Den Beruf hat er von seinen Eltern erlernt. Als Kind stand er stundenlang an der Seite seines Vaters und beobachtete all seine Bewegungen. Die künstlerische Ader hat er jedoch von seiner Mutter geerbt.
Vor Jahren gab es noch mehr Kunden. Nun sind es nur noch Bekannte, die in seiner Werkstatt in Pankota jährlich einen neuen Hut – hauptsächlich für Sonnenschutz – suchen. „Dieser Beruf wird nach mir ganz bestimmt aussterben, leider“, sagt der 59-Jährige seufzend. Die Preise sind recht niedrig - schon durch die geringe Nachfrage bedingt. 10 bis 25 Lei verlangt der Hutmacher für eine Kopfbedeckung, abhängig von Form und Modell.
Das Material – Holzfasern, verflochten mit Stroh - kauft er nur aus einem Atelier in Covasna. Denn nur dort sei das Holz so dünn geschnitten, um daraus einen Hut machen zu können, so Crisan. Jedes Stück formt er nach verschiedenen Mustern um. Dazu wird noch ein Modell aus Baumwolle am Rande des Hutes genäht. Zuletzt wird die Kopfbedeckung mit einer speziellen Maschine gebügelt. „Meine Hüte sind ökologisch. Sie bestehen nur aus Holz und Stroh“, sagt Petre Crisan lächelnd. Eigentlich war er Rumänischlehrer von Beruf, hat aber parallel auch in der Werkstatt seiner Eltern gearbeitet. Damals brauchte er eine Stunde, um einen Hut fehlerfrei zu nähen. Nun fertigt er eine Kopfbedeckung in ungefähr zehn Minuten an. Am meisten aber dauert das Bügeln. Da muss er aufpassen, dass der Hut sorgfältig gebügelt wird. „Es ist schon eine Kunst, fehlerfrei zu bügeln. Die Maschine und die Mustern sind über 60 Jahre alt“, erklärt Crisan.

Petre Crisan fertigt zahlreiche Hüte aus Holz und Stroh.
Arbeit aus Liebe zur Tradition
Elena Has trägt große Brillen, wenn sie an den verzierten Eiern arbeitet. Hauptsächlich nur morgens, weil dann auch das Licht besser und sie ganz munter ist. Die Hände dürfen nicht zittern, wenn sie das Eiweiß und den Eidotter mit einer Spritze sorgfältig aus dem Ei herauszieht. Dazu braucht sie Ruhe und Geduld. Sie muss die bunten Perlchen der Reihe nach an die Eischale, nach einem bestimmten Modell festkleben. Auch bunte Schmuckstücke, Armbänder und Halsketten in verschiedenen Größen und Farben fertigt die gebürtige Araderin. Die Technik hat sie von ihrer Großmutter erlernt, die zu jedem Feiertag solche Schmuckstücke stolz in der Kirche trug. Ungefähr vier Stunden braucht sie für eine Halskette, jedoch einen halben Tag, um ein Ei zu verzieren. Danach muss sie unbedingt eine Pause einlegen. „Die Augen werden leicht müde in meinem Alter“, sagt die 50-Jährige. Die bunten Perlchen werden in einer bestimmten Art und Weise auf eine Nylonschnur gereiht. Sternchen und Blumen sind ihre Lieblingsmotive. Rund 10 Lei kostet eine Halskette, 5 Lei ein Armband. Für ein Ei muss man rund 20 Lei begleichen, denn es steckt viel Arbeit dahinter. „Reich wird man davon ganz bestimmt nicht. Es ist aber eine rumänische Tradition, die ich, solange ich kann, weiter pflegen will“, sagt Elena Has. Ihren eigenen Laden hat die Rentnerin nicht, sie verkauft ihre Ware hauptsächlich auf verschiedenen Veranstaltungen und Festivals, die im Kreis Arad und in der Umgebung stattfinden. Ausländer, die solche Eier mit Rumänien assoziieren, zählen zu ihren besten Kunden.
Mit Perlchen verzierte Eier – eine Attraktion für Ausländer
Adrian Negoita malt Ikonen auf Steine
Ein bemalter Stein für mehr als 100 Lei das Stück? Das zahlt die Kundschaft von Adrian Negoita aus Strehaia gern für eine orthodoxe Ikone in Miniatur. Die Handfertigkeit des jungen Künstlers zahlt sich aus: Seine Kundschaft ist landesweit verstreut, auch Preise hat der 26-Jährige schon eingeheimst.
Adrian Negoita sitzt auf einem kleinen Stuhl, gebeugt über einen Tisch mit vielen Malfarben und Pinseln an seiner Seite. In der Hand hält er eine Lupe, um besser zu sehen und das Werk von zwei Tagen Arbeit zu vollenden: das Bild der Heiligen Maria auf einem kleinen Stein. Ab und zu wirft er noch einen Blick auf ein geöffnetes Buch mit religiösen Motiven, das neben ihm liegt. „Man muss die Heiligen in bestimmten Farben malen, denn jedem entspricht eine bestimmte Kleidung, ein bestimmtes Zitat.“
Adrian faszinieren alle religiösen Motive, im Leben wie in seinem Werk. Der 26-Jährige hat es mit religiösen Gemälden auf Holz, Steinen, Glas sowie auf Nußschale zu einem der besten Maler seiner Generation geschafft. Dass ihm diese Arbeit auch Geld einbringen wird, davon ist der junge Maler überzeugt: „Fachleute und Sammler interessieren sich schon für meine Werke und auch gläubige Leute, die ein besonderes Geschenk aussuchen, zeigen Interesse. Geld ist für mich keine Priorität. Malen ist das, was ich am besten kann und auch will“, sagt er.
Adrian Negoita hat die Malereiabteilung an der Temeswarer Kunsthochschule abgeschlossen und arbeitet zurzeit in seiner eigenen Werkstatt in Temeswar/Timisoara. Schon mit 13 Jahren fing er an, auf alles, was ihm in die Hand fiel, zu malen. So kam er dazu, auch auf Nuss- und Eischalen sowie auf Holzreste zu kritzeln. „Ich finde, ich habe recht spät mit der Malerei angefangen“, sagt Adrian Negoita, der aus einer Künstlerfamilie stammt. Am besten malt er auf Lindenholz und auf Steinen, die aber sorgfältig gereinigt und geschleift werden müssen. „Lindenholz ist die beste Holzart, weil sie sich nicht so leicht verformt“, erklärt er. Durch Kochen wird zuerst der Holzsaft entfernt, danach wird das Holzstück in einen dünnen, farblosen Stoff eingewickelt, auf den er dann malt. Die verschiedenen Mal- sowie Bearbeitungstechniken hat er sowohl von seinem Vater, als auch aus Büchern und im Internet gelernt. Rund 3.000 Kunstalben sind in seiner Bibliothek zu finden. Für die religiösen Motive inspiriert er sich aus den Büchern mit kanonischen Modellen, die die Orthodoxe Kirche selbst verwendet. „Man braucht aber unbedingt Berufung, um so was zu malen. Ich fühlte mich schon als Kind von der Religion angezogen. Deshalb fällt es mir jetzt auch leicht, solche Motive zu malen“, sagt Negoita, der hauptsächlich abends und nachts am besten malen kann. „Nachts kann ich besser nachdenken und auch beten“, sagt der Künstler. Was die Steine angeht – diese sucht sich der Künstler selbst aus. „Die Steine, die ich am Flussufer finde, sind die besten, weil sie nicht so glatt sind“, sagt Negoita.
Adrian Negoita malt religiöse Motive auf Lindenholz und Steine.
Ein Leben mit Tonerde zwischen den Fingern
Petru Bogda hat rauhe Hände. Sein Leben lang hat er mit Tonerde gearbeitet und zahlreiche Geschirrformen hergestellt. Ein wenig müde blickt er schon, wenn er über seine Arbeit spricht. Dass sich jetzt nicht mehr so viele Kunden für seine Produkte interessieren, wie früher – daran hat sich der 60-Jährige schon gewöhnt. „Früher haben die Landsleute nur mit Tongeschirr gearbeitet. Jetzt ist es nicht mehr so“, sagt der aus Obârsa, Kreis Hunedoara, stammende Handwerker, der den Beruf von seinen Großeltern „geerbt“ hat. Dazu hat er zu Hause auch einen Brennofen, wo die Tonerde rund vier Stunden lang gebrannt werden muss. Der schönste Teil seiner Arbeit ist - findet er - das Mischen der Tonerde mit Wasser. Das Geschirr bemalt er nur noch mit speziellen Farben und Pinseln, die er ebenfalls von seinen Eltern geerbt hat. Auch nach jahrelanger Arbeit, findet er seinen Beruf nicht langweilig. „Leider kann ich ihn niemandem mehr beibringen“, sagt der Handwerker resigniert. Die Kinder und Enkelkinder sind schon seit Jahren in die Stadt gezogen und haben keine Zeit mehr, die Tricks des Handwerks zu erlernen. „Die Kinder spielen noch ab und zu mit Tonerde, aber nur so viel. Der Beruf wird womöglich aussterben“, schließt der Handwerker traurig.