Donnerstag, 12. März 2009

Eine Banater Schwäbin auf Weltreise


Pula: ein Schelm, wer böses dabei denkt/ Von Nareda Cerdy


Pula ist eine Stadt in Kroatien, an der Adriaküste, auf der Halbinsel Istrien. Eigentlich ein unbedeutendes kleines Städtchen, aber kein Rumäne wird es sich nehmen lassen, ein Foto mit dem gelben Namensschild bei der Einfahrt der Stadt zu machen.


Römisches Amphitheater in Pula


Kroatien ist ein herrliches Urlaubsziel im Sommer, vor allem für Jugendliche, wenn es günstig sein soll und es eines der ersten Urlaube ist, weil man aus Temeswar in etwa zehn Stunden mit dem Auto dort sein kann. Zypressen und die typisch mediterranen, weiß getünchten Häuser mit flachen Tonziegeldächern begrüssen die müden Touristen bei der Einfahrt in Kroatien. Es gibt keinen Sandstrand, nur Kieselstrände, also Badeschuhe sind ein Muss (www.badschuh.de - liefert auch nach Rumänien), sonst wird baden unangenehm, nicht nur wegen der Seeigel - auf die man nicht treten sollte, weil sie tagelange Schmerzen verursachen. Eine Luftmatratze ist empfehlenswert, es gibt fast keine Wellen und man kann herrlich damit auf dem Meer treiben und die Sonne genießen.


Für Campingfans ist Kroatien der ideale Ort, es gibt der Küste entlang jede Menge Campingplätze, wo man sogar einen Campingwagen mieten kann. Wer es bequemer möchte, kann sich ein Ferienhaus mieten (www.abeo.hr hat die grösste Auswahl). Wenn man auf Zimmerservice verzichten kann und mit Selbstverpflegung in der hauseigenen Küche zurecht kommt, ist es die günstigste Unterkunftsvariante, mit der meisten Privatsphäre. Bei der Ferienhauswahl darauf achten, dass das Haus eine Terrasse hat (morgens auf der Terrasse frühstücken ist herrlich hier) und Frühbucher finden bestimmt auch noch Häuser mit Meeresblick für den perfekten Urlaub.



Kieselstrand an der Steilküste bei Pula
Fotos: Wikipedia

Kroatiens Kieselstrände sind durchwegs FKK-Strände, ausser den hoteleigenen und den öffentlichen Stadtstränden. Also wenn man ein Problem damit hat, dann kann man sich entsprechend auf die öffentlichen Stadtstrände begrenzen. FKK-Fans können sich hier ansonsten überall entblättern, aber besonders empfehlenswert, weil mit Duschen ausgestattet, ist der Strand beim FKK-Campingplatz Valalta in Rovinj, auch wenn man nicht mit dem Campingwagen da ist.


Der gesamten Küste Istriens entlang gibt es kleine Fischerdörfer mit herrlichen Restaurants, in Buchten, wo der Fisch und die Meeresfrüchte frisch gefangen und zubereitet auf den Tisch kommen. Pješćana uvala (deutsch: sandige Bucht) ist ein solches kleines Fischerdorf, Teil der Gemeinde Medulin, südwestlich von Pula, in dessen Hafenbucht es die meiner Meinung nach besten Restaurants für Fisch- und Meeresfrüchteliebhaber gibt. Der frische Fang wird in Vitrinen beim Eingang ausgewählt und man kann sich das Restaurant aussuchen, wo einem der Fang am besten aussieht. Als „Amus Buche“ (Vorspeise vom Haus aus) gibt es überall Pizza pane (gebackene Pizzateig-Scheiben) und einem herrlich würzig schmeckenden grünen, olivenöligen Aufstrich. Das Rezept dafür ist super einfach: Petersilienblätter klein hacken, Vegeta draufstreuen, Olivenöl drüber und umrühren – es schmeckt unglaublich lecker als Vorspeise, auf Brot oder natürlich idealerweise auf Pizza pane.


Pula mit seiner 7000jährigen Geschichte, ist die grösste Stadt der Halbinsel Istrien, ein Ferienhaus hier oder weiter südlich in Medulin ist die beste Location für den Kroatienurlaub.


Das Wahrzeichen Pulas ist ein römisches Amphitheater. Etwas kleiner als das Colloseum in Rom, aber dafür fast überall bis auf seine ursprüngliche Höhe von 32m erhalten, bietet es 23.000 Zuschauern Platz und ist damit eines der grössten von römischen Amphitheater. Es ist auch heute noch als Veranstaltungsort für Konzerte in Betrieb. Wenn es im Amphitheater, gerade wenn man da Urlaub macht, zufällig ein Konzert gibt, unbedingt Tickets kaufen, auf keinen Fall verpassen, egal was es für ein Konzert ist. Allein der brillianten Akustik wegen ist es einen Eintrag ins Lebensbuch wert. Als Zuschauer sieht man tagsüber die See und die Segel der Schiffe in der Bucht vor Pula durch die 72 Bögen aus Kalkstein. Und nachts, wenn man unter einem glitzernden Sternenhimmel von den Musikklängen verzaubert wird, empfindet man plötzlich einen tiefen Respekt vor den Baumeistern der Antike, die vor über 2000 Jahren einen derart grandiosen Veranstaltungsort erschaffen haben.


In der Fussgängerzone die vor dem Amphitheater beginnt, steht der Sergierbogen, ein antiker Ehrenbogen. Er stand ursprünglich vor der inzwischen abgerissenen Porta Aurea (Goldenes Tor), dem Haupttor der Stadt, und ist daher nur einseitig verziert. Ein augustinischer Tempel, die in Teilen erhaltene Stadtmauer mit Toren und die Überreste von zwei Theatern sind ausserdem noch aus der Römerzeit erhalten und können besichtigt werden.


Bei der Stadtausfahrt aus Pula, in Richtung Medulin, liegt das unscheinbare Hotel Park. Das ist der ideale Ort für ein Abschiedsfoto, denn an der Steilküste hinter dem Hotel, zwischen Kieferbäumen, steht eine Mauer aus cremefarbenen Sandstein, die keinem anderen erkennbaren Zweck dient, ausser um fotografiert zu werden. Mit ihren beiden Bögen in Augenhöhe durch die man das Meer und den Sonnenuntergang herrlich fotografieren kann, ist sie ein Inbild der entspannten Urlaubsatmosphäre an der kroatischen Adriaküste und das schönste, romantischste Foto das man von Pula als Erinnerung mit nach Hause nehmen kann.

„Bierhaus“ - der Ort wo Bier ein Zuhause hat


Kneipeninhaber verbindet Bier- und Sportleidenschaft/ Von Andreea Oance


In Temeswar gibt es einen Ort, wo das Bier buchstäblich und auch namentlich bei sich zu Hause ist: „Bierhaus“ heißt die Kneipe, in der über 50 Biersorten den Kunden angeboten werden.

Die ersten Kunden kommen. Die „Bierhaus“-Straße führt die Kunden in eine Welt, die Bier verehrt.

Foto: Zoltán Pázmány


Eigentlich sollte es ein Biermuseum sein. So hatte es sich der Hauptaktionär Bogdan Herzog ausgedacht und wollte dabei mit der Brauerei „Timişoreana“ zusammenarbeiten. Alte Werkzeuge und Brauereimaschinen, Medaillen und Fotos sollten die Geschichte der ältesten Brauerei auf dem heutigen Gebiet Rumäniens erzählen. Die Vertreter der Temeswarer Brauerei aber, machten einen Rückschritt und verzichteten auf ihre Investitionsbeteiligung. Das Vorhaben von Bogdan Herzog entwickelte sich aber weiter. Zusammen mit anderen Geschäftspartnern bauten sie den Traum jedes Mannes aus: Eine Kneipe, die Bier verehrt, sollte in unmittelbarer Nähe des Temeswarer Domplatzes eingerichtet werden. Am 2. Dezember 2006 war es soweit: Das Haus des Biers wurde offiziell eröffnet. Eine Straße, wo der Kunde Schritt für Schritt in eine sogenannten „Bierwelt“ tritt: Das ist die „Bierhaus“-Straße: Ein Schild an der „Straßenmauer“, die sich innerhalb der Kneipe befindet, eine Litfaßsäule und eine Telefonzelle - alles was mitunter zu einer Straße gehört.


Die Kneipe ist inzwischen zu einem der bekanntesten Orte für Temeswarer geworden und das beweist die Kundschaft. Die Bierkneipe ist sogar an Wochentagen vollbesetzt. Eine wahre Bierreise rund um den Erdball können die Biergenießer in der Temeswarer Kneipe erleben. Bier aus allen Ecken und Enden der Welt kann im „Bierhaus“ genossen werden, aus Japan, Irland, selbstverständlich auch aus Deutschland und sogar aus China. Die meist bestellten Biersorten bleiben jedoch weiterhin die deutschen. „Paulaner“ ist die dabei beliebteste Sorte. Weißbier ist für das rumänische Zielpublikum eher eine Seltenheit, darum greifen manche oftmals bedenkenlos in die Tasche und geben etwa 9 Lei für eine Flasche Weißbier aus.


Dass der Inhaber Bogdan Herzog Bier verehrt und liebt, das ist überall in seiner Kneipe sicht- und spürbar. Sogar die Menüs sind besonders. Jede Biersorte hat ihre eigene Geschichte, so dass in der Angebotskarte jedes Bier kurz beschrieben ist. „Die Kunden sollen genau wissen, was sie trinken und woher es stammt“, sagt Bogdan Herzog.


Dass Bier eben gut zu Fußball passt, dass ist wie das Sahnehäubchen auf der Torte. Das weiß auch Bogdan Herzog, denn Fußball ist sein zweites Steckenpferd. Die in den letzten Jahren verblasste Tradition der Sportcafés aus den 90ern, hat er zusammen mit einigen Sportjournalisten wieder ins Leben gerufen. Wöchentlich trafen sich hier Temeswarer Sportler, Journalisten und Fans. Etwa ein Jahr lang ging alles gut: Nach einem Krach zwischen Fußballfans, musste der Inhaber Herzog die wöchentlichen Begegnungen zeitweilig unterbinden. Die Journalisten und die Fans hatten aber keine Geduld und wechselten die Lokation.


Doch Fußball und seine Lieblingsmannschaft Poli Temeswar liegen dem jungen Unternehmer weiterhin am Herzen. Der Skandal des Temeswarer Fußballvereins mit dem Italiener Claudio Zambon, der Wechsel von Vereinsnamen und -farben und der FIFA-Punkteabzug im Herbst des vergangenen Jahres, veranlassten den Kneipeninhaber zu reagieren: Während des Fußballspiels der Nationalmannschaft für die WM-Qualifikation gegen die Färöer-Inseln nahm sich Bogdan Herzog ein Herz und trat auf das Spielfeld. Auf seinem Banner war zu lesen: „Justice for Poli“ („Gerechtigkeit für Poli“). Zwei Stunden lang musste er für seine Tat auf der Polizeiwache verbringen, danach wurde er problemlos entlassen. „Ich wollte, dass meine Botschaft auch der FIFA bekannt wird. In Rumänien hätten mich die Gendarmen wohl fast Tod geschlagen (sinniert Herzog), die Behörden auf den Färöer-Inseln hingegen haben sich meine Geschichte bis zum Ende angehört“, erinnert sich der Kneipeninhaber.


Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat den Temeswarer Verein für den 2. April nach Lausanne eingeladen – 35 Tage Hoffnung, dass der Sechspunkteabzug rückgängig gemacht wird. Vielleicht wird es dann wieder „sportliche Argumente“ geben, Bier zu trinken. Viel Bier sogar!