Mittwoch, 6. Oktober 2010

BZ-Blog zieht um

Wir sind umgezogen!

Ab heute können Sie die Artikel der Banater Zeitung online unter http://banaterzeitungonline.wordpress.com lesen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Freitag, 1. Oktober 2010

Partnerschaftsvertrag mit Niederösterreich

Nun ist es offiziell (v.l.n.r.): ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki, Wirtschaftsministerin Petra Bohuslav, IHK-Vorsitzender Georgica Cornu und Präfekt Mircea Bacala haben ein Abkommen über die künftige Zusammenarbeit zwischen Niederösterreich und dem Verwaltungskreis Temesch unterzeichnet.
Foto: Ana Saliste


Zahlreiche Geschäftsleute an den Gesprächen interessiert
Temeswar (BZ) - Der Verwaltungskreis Temesch/Timis hat seit vergangener Woche einen neuen Partner im Bereich Wirtschaft: Niederösterreich, dessen Wirtschaftsministerin Petra Bohuslav am Freitag in Temeswar/Timisoara anwesend war. Im Regionalen Geschäftszentrum CRAFT unterzeichneten die niederösterreichische Ministerin und der Präfekt des Kreises Temesch, Mircea Bacala, einen Zusammenarbeitsvertrag. Die Vereinbarung sieht die gemeinsame Veranstaltung von Austauschen, Seminaren, Wirtschaftsmissionen und –messen sowie Firmenpartnerschaften vor. Mit unterzeichnet wurde der neue Partnerschaftsvertrag vom Präsidenten der Temescher IHK, Georgica Cornu und vom Geschäftsführer der niederösterreichischen Wirtschaftsförderungsagentur Ecoplus, Helmut Miernicki.
Das Treffen im Temeswarer Geschäftszentrum organisierte die Industrie- und Handelskammer in Zusammenarbeit mit Ecoplus International, Niederösterreichs Wirtschaftsagentur in Rumänien. Mit von der Partie war auch Ovidiu Gant, der Abgeordnete der deutschen Minderheit im rumänischen Parlament. Vertreter von sieben niederösterreichischen Firmen, die in den Bereichen erneuerbare Energie und Umwelttechnik tätig sind, waren ebenfalls in Temeswar präsent. Den rumänischen Geschäftsleuten wurde die Möglichkeit geboten, Gespräche mit den Niederösterreichern zu führen und Ideen auszutauschen. Die Kontaktbörse fand großen Anklang bei den rumänischen Firmeninhabern: Zu den programmierten Gesprächen kamen sogar mehr Teilnehmer, als ursprünglich geplant. Über 60 potenzielle Geschäftspartner aus Westrumänien hatten sich zu den Gesprächen mit den Niederösterreichern vormerken lassen.

Konsekriertes und Tirolfeier

Die 20. Kulturdekade im Banater Bergland beginnt am Freitag

wk. Reschitza - Die 20. „Deutsche Kulturdekade im Banater Bergland“ beginnt mit einer Selbstbespiegelung: Am Freitag um 11 Uhr wird in den Ausstellungsräumen des Museums des Banater Montangebiets die Fotoausstellung „20 Jahre Deutsche Kulturdekade im Banater Bergland“ eröffnet, anschließend wird ein Film der Bukarester Deutschen Fernsehsendung zum selben Thema gezeigt. Der zweite Teil des Eröffnungstags ist mit Veranstaltungen zum Tag der Deutschen Einheit – in Orschowa und Bokschan – gefüllt. Auch der Samstag ist der 20-Jahr-Feier gewidmet: Im „Lira“-Saal treten die deutschen Kulturgruppe aus Reschitza auf, gemeinsam mit Kulturgruppen aus Tirol und Südtirol. Ebenfalls Samstag beginnt in Steierdorf, um 16 Uhr, die VI.Ausgabe des Steierdorfer Blasmusikfestivals, abends mit einem Blasmusikerball.
Die eigentliche Eröffnung der 20.Kulturdekade findet am Sonntag in Tirol/Königsgnad statt, wo der 17. Heimattag der banater Berglanddeutschen organisiert wird. Anlass ist der 200. Gründungstag der Ortschaft, die mit Mitkämpfern Andreas Hofers besiedelt wurde, denen im Banat Zwangsaufenthalt verordenet wurde. Auch hier treten neben den Berglanddeutschen Abordnungen aus Tirol und Südtirol auf. Die Heimatmesse der Berglanddeutschen beginnt um 11,30 Uhr in der „Maria-Geburt“-Kirche und wird von den Bischöfen Martin Roos und László Böcskei zelebriert. Am selben Sonntag feiert auch der Steierdorfer Ortsteil Sigismund Kirchweih, die 81., während in Franzdorf/Valiug um 16,30 die 149. Kirchweihmesse zelebriert wird. Im ehemaligen Pfarrhaus von Weidenthal, heute eine römisch-katholische Fortbildungsstätte, beginnt eine Fortbildfungsveranstaltung für Jugendliche.
Die 258. Kirchweihmesse findet am Sonntag, dem Abschlusstag der Deutschen Kulturdekade, in Deutsch/Montan-Saska statt, worauf die Enzian-Tanzgruppe aus Reschitza und die deutsche Volkstranzgruppe aus Orawitza auf dem Vorplatz der Kirche Volkstänze zeigen.
Weitere Fotoausstellungen zeigen Erwin Josef Tigla (über Madrid), und Francisc Finta (Naturfotografie), Gustav und Doina Hlinka eröffnen eine Ausstellung mit naiver Malerei, Holzschnitzereien zeigt George Molin. In dieser Dekade gibt es auch wieder das „Musik- und Chortreffen der Banater Berglanddeutschen“ (zum 8. Mal am Freitag, dem 8.Oktober). Und in Bokschan findet wieder – zum sechsten Mal, das Herbstfest des Jugendforums statt, das einen Trachtenaufmarsch, ein Festkulturprogramm und einen Ball beinhaltet.
Buchvorstellungen gehören traditionell zur Kulturdekade. Vorgestellt werden die deutsche Version von Dorin Balteanus „Herkulesbad – Ein Zeitenbogen 1896-2006“ in Herkulesbad und Reschitza, Zwei Bücher von Nikolaus Rudolf Pilly aus Kalan werden in Reschitza vorgestellt: „Einsamkeit. Liederheft, den Sängern und Besingern des Banats gewidmet“ und „Despre Orsova Veche – Über Alt-Orschowa“.
Am Heimattag der Banater Berglanddeutschen wird der „Aalexander Tietz“-Preis an die Schwestern von der österreichischen Provinz der Missionsschwestern vom Kostbaren Blute, die sich in Tirol niedergelassen haben. Überreicht.

Landwirtschaft: Eine Milliarde Euro Steuerhinterziehung

Landwirtschaftsminister Valeriu Tabara bei seinem Temeswar-Besuch
Foto: Ana Saliste


Mehr Kontrollen, größere Flächen zu bewirtschaften und keine fiktiven Kühe mehr
Von Olivian Ieremiciu

Landwirtschaft kann man ohne Geld nicht betreiben. Dieser Meinung waren alle Teilnehmer, die an der Konferenz „Mediafax talks about agriculture“, von der Presseagentur Mediafax in Temeswar/Timisoara organisiert, dabei waren. Insbesondere die Geldfrage stand im Mittelpunkt der Debatten. Wie EU-Mittel aktiviert werden können, Probleme mit der Finanzierung der Landwirte durch die Banken oder wie hoch die Steuerhinterziehung in der Landwirtschaft ist, all das weckte reges Interesse.
Allein in der Landwirtschaft beträgt die Steuerhinterziehung in diesem Sommer mehr als eine Milliarde Euro. So jedenfalls die Schätzung des Landwirtschaftsministers. „Einzig im Bereich von Obst und Gemüse beträgt die Steuerhinterziehung 250 Millionen Euro in diesem Jahr. Schon allein mit diesem Geld hätte ich fast keine Probleme im Budget für die Landwirtschaft. Insbesondere kommt dies von der Nichtverwendung von Primärprodukten und der Nichtbezahlung der Mehrwertsteuer für Produkte, die importiert werden“, so Valeriu Tabara.

Gegner des Getreideimports
Die Nichtverwendung von Primärprodukten trifft den rumänischen Landwirt besonders hart. „Meistens fehlt es dem Landwirt an Kapital, er hat Schulden, zum Beispiel gegenüber denjenigen, von denen er die Pestizide gekauft hat. Daher hat er es eilig und will seine Ernte direkt vom Feld verkaufen. Auch in diesem Jahr wurde Weizen vom Feld mit 35 Bani pro Kilogramm verkauft. Am Ende der Handelskette liegt der Preis drei mal höher. Dies bedeutet für den Primärproduzenten Verlust. Und wo ist das Geld eigentlich hin?“, fragte sich der Landwirtschaftsminister und Temeswarer Hochschullehrer in aller Öffentlichkeit.
Er erzählte auch über ein für ihn inakzeptables Phänomen. „Wir importieren Weizen aus Ungarn, eine Sorte, die wir eigentlich in Lovrin, im Banat, kreiert haben.“ Er erklärte öffentlich, ein vehementer Gegner des Getreideimports zu sein: „Ich bin strikt gegen Importe. Wir haben in Rumänien so viel Potential, das wir nicht nutzen. Wir sollten eigentlich Exportieren und nicht Importe tätigen“, so der Landwirtschaftsminister.
Der weltweite Getreidepreis liegt, nicht zuletzt als Folge der Flächenbrände in Russland, so hoch wie schon seit Jahren nicht mehr. Trotzdem rechnet der Landwirtschaftsminister nicht damit, dass die Preise bei Lebensmitteln in die Höhe schießen werden. Und dies, obwohl der Preis des Mehls in letzter Zeit gestiegen ist. „Obzwar der Preis des Mehls in der letzten Zeit deutlich angezogen hat, ist der Preis des Brotes nicht besonders stark gestiegen“, sagt Tabara. „Wegen der Weltwirtschaftskrise und der Geldnot, die generell besteht. Die Geschäfte werden sich auch danach richten müssen“, erklärt Valeriu Tabara.

Agrarwirtschaft schlecht ausgehandelt
„Die Straßenproteste, die wir organisiert haben und weiterhin organisieren werden, richten sich nicht gegen die derzeitige Leitung des Landwirtschaftsministeriums. Wir wollen die EU auf uns aufmerksam machen. Rumänien stehen die geringsten landwirtschaftlichen Subventionen aus dem EU-Haushalt zur Verfügung. Es stimmt aber auch, dass das Kapitel Landwirtschaft bei den Beitrittsverhandlungen schlecht ausgehandelt wurde“, sagte Viorel Matei, Vorsitzender des Verbands der Landwirte in Rumänien.
Die oft verwendeten Floskel der Politiker, die neu im Amt sind und die Schuld für alles Schlechte, was geschehen ist, ihren Vorgängern in die Schuhe schieben, mit den Worten „Wir haben eine schwere Last geerbt“, vermied Tabara. „Ich will die Schuld für die Lage, in der sich die rumänische Landwirtschaft befindet, niemandem in die Schuhe schieben“, sagte Tabara. Dabei muss man aber auch sagen, dass Valeriu Tabara, der erst seit kurzem zum Landwirtschaftsminister ernannt wurde, einen PDL-Parteikollegen ersetzt hat.
Ein weiteres Problem, das er angesprochen hat, sind die Silos. Entweder sind sie schlecht, oder nicht vorhanden. „Durch das Lagern in den Silos sollte eigentlich die Qualität des Getreides verbessert und nicht verschlechtert werden. Qualitätsverbesserung durch Silo-Lagerung ist jedoch in Rumänien nicht der Fall. Die Qualität nach der Lagerung verschlechtert sich,“ sagte Tabara.

Brachland und Statistiken
Weiterhin wurde über die Nichtbewirtschaftung der Felder gesprochen. In Rumänien sollen schätzungsweise drei Millionen Hektar Land nicht bewirtschaftet werden. Es handelt sich sowohl um Spekulanten, die die Felder gekauft haben, um mit den Grundstückspreisen zu jonglieren, aber auch die Verwaltungen der Kommunen sind mit Schuld, da auch öffentlicher Grund- und Boden unbewirtschaftet liegen bleibt.
Die Statistiken bereiten dem Landwirtschaftsminister zusätzliches Kopfzerbrechen. Diese lauten von Institution zu Institution anders. „Wenn ich fünf Institutionen frage, wie viele Kühe in Rumänien sind, bekomme ich fünf verschiedene Antworten. Auch in diesem Jahr werden wir deshalb leider für 100.000- 150.000 fiktive Kühe Subventionen zahlen“, klagt Tabara.
Die rumänische Landwirtschaft ist wohl jener Wirtschaftszweig, der die meisten älteren Leute beschäftigt. Ungefähr 1,2 Millionen Hektar Land sind im Eigentum von über 70-Jährigen. Daher sollen sowohl Programme für die Heranziehung von Jüngeren zur Landwirtschaft geschaffen werden, als auch ein gesetzlicher Rahmen für die Förderung der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen auf 49 Jahre ausgearbeitet werden. „Wir müssen von den kleinen Flächen hin zur Großflächenbewirtschaftung. So ist es viel produktiver. In Baden Württemberg sind nach derartigen Förderungen die Flächen von 10-15 Hektar auf 100 Hektar gewachsen“, erklärte Tabara.

EU-Gelder für die Westregion

Der schwerere Verkehr in Busiasch wird durch die neue Ringstraße entlastet.
Foto: Andreea Oance
ADR Vest präsentiert erfolgreiche Projekte


Von Andreea Oance

„Die komplizierte Dokumentation oder die erste Ablehnung soll kein Grund zur Entmutigung sein. Manchmal dauert es länger, am Ende kann man aber doch eine EU-Finanzierung bekommen“, sagte vor Kurzem Kábá Gábor, Bürgermeister der Temescher Kleinstadt Hatzfeld/Jimbolia und weist auf die erfolgreiche EU-Finanzierung, die das Hatzfelder Pflegezentrum für Alte bekommen hat. „Das Sanierungsprojekt wurde zuerst abgelehnt, aber wir haben nicht aufgegeben. Die Ablehnung hat uns nur mehr ermutigt, noch einmal zu versuchen“, sagte Maria Patrolea, die Leiterin des Altenheimes. Seit der Gründung des Zentrums 1925 wurden keine umfangreichen Sanierungen mehr unternommen. Nun wurde die Gebäudeinfrastruktur durch die EU-Finanzierung der Agentur für Regionalentwicklung (ADR Vest) verstärkt. Mit 1,7 Millionen Lei wurden vor allem die Sanitätseinheiten, die Küche und der Reinigungsraum der Einrichtung saniert. Moderne Industriewaschmaschinen und eine neue Spülmaschine in der Küche wurden erworben, um somit die Arbeit der wenigen Angestellten des Zentrums zu erleichtern. Insgesamt 95 Alten wohnen derzeit im Hatzfelder Pflegezentrum. Weiter elf Plätze sind noch frei. Auch das Esszimmer wurde saniert, so dass hier auch andere Aktivitäten für Senioren veranstaltet werden. Einige Zimmer wurden neugestrichen und mit Fernsehgeräten ausgestattet.
„Die Sanierung war dringend, denn es mangelte an wichtigen Sanitätsbedingungen, aber auch an Maßnahmen gegen Brände. Das Heim riskierte, keine Genehmigung mehr zu bekommen und geschlossen zu werden“, teilte Bürgermeister Kábá mit. Maria Patrolea lies erkennen, dass das Altenpflegezentrum künftig weitere EU-Gelder beantragen wird.

Ringstraße für Bad Busiasch
Ein anderes Projekt, das EU-Finanzierung durch ADR Vest bekommen hat, ist der Bau der Busiascher Umgehungsstraße, aber auch der Straße, die die Verbindung zwischen Temeswar/Timisoara und Lugosch/Lugoj über den Kurort Busiasch/Buzias schafft. Schon seit einigen Monaten wird daran zügig gearbeitet. Der Abschnitt zwischen Großkeweresch/Chevereşu Mare und Bakowa/Bacova ist fast fertiggestellt, demnächst soll auch der Abschnitt von Bakowa bis Lugosch generalüberholt werden.
Die 4,3 Kilometer lange Ringstraße der Temescher Kleinstadt Busiasch wird den Verkehr von Temeswar nach Berzovia in Richtung Grenzübergang Stamora Moraviţa bzw. nach Lugosch umleiten. Insgesamt 19 Monaten sollen die Arbeiten an der Umgehungsstraße dauern. Dabei betragen die Baukosten rund 20 Millionen Lei – der Großteil des Geldes kommt über EU-Fonds. Obwohl die Ringstraße erst im September 2011 offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden muss, soll ein Teil dieser noch in diesem Jahr genutzt werden können, teilte vor Kurzem der Temescher Kreisratsvize Adam Crăciunescu mit. Laut Cr²ciunescu soll diese bereits am 27. September eingeweiht werden.

EU-Fonds für Klinik
Die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Temeswar wird auch über EU-Gelder verfügen. 3,1 Millionen Lei sollen in die Modernisierung des Ambulatoriums innerhalb der Klinik fließen. Insgesamt neun Monate sollen die Arbeiten dauern. Die Arbeiten sollen im Oktober starten. Am Ende soll das Ambulatorium über sechs neu eingerichtete Behandlungsräume mit EU-konformen Ausstattungen, wie zum Beispiel ein Laserstrahlengerät, verfügen. Auch die elektrischen Anlagen, die Wasser- und Kanalisationsleitung sowie die thermische Energie werden komplett ersetzt. „Die Modernisierung des Ambulatoriums ist besonders wichtig, denn die Klinik in Temeswar ist für die ganze Westregion zuständig. Schätzungsweise werden hier künftig etwa 2.305 Patienten pro Monat diagnostiziert“, sagte Marius Pricop, Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Bis die Sanierungsarbeiten fertig sind, werden die Patienten im Temescher Kreiskrankenhaus behandelt.

Fest der Temeswarer Diözese in Tschanad begangen

Tschanader Pfarrkirche: Bischof Martin Roos würdigt den Heiligen Gerhard von Sagredo.
Foto: Zoltán Pázmány


Nachbarschaftliche Beziehungen: Gläubige auch mit Fähre unterwegs

„Wir danken diesem Bischof für seinen Mut, seine Treue und seine Überzeugung und nicht zuletzt für den Glauben für unsere Kirche und Diözese“, sagt Martin Roos, Bischof der Temeswarer Diözese über den ersten Bischof in diesem Raum. Der Heilige Gerhardus von Sagredo hatte um das Jahr 1030 das erste Bistum in diesem Landstrich, in den heutigen Temescher Großgemeinde Tschanad/Cenad gegründet. Heute ist es eine Feier, die sich gewaltig von jenen von vor 30-40 Jahren unterscheidet. Damals hatten die Deutschen ihr Kirchweihfest an oder kurz vor diesem Tag begangen, der christliche Hintergrund musste jedoch immer verborgen bleiben. Heute reisen Priester aus der gesamten Gegend an, mehr als 70 waren es auch in diesem Jahr. Auch Gläubige kommen von weit her, ausgewanderte Schwaben aus der Gemeinde verlegen oft ihren Urlaub auf die zweite Septemberhälfte und nehmen neben Fotos von Haus und Garten auch gleich welche von der überfüllten Kirche am Gerhardus-Tag mit.
Bevor er zum Bischof ernannt wurde, war der aus Venedig-Murano stammende Gerhard Priester und Benediktinermönch, aber auch Erzieher des Heiligen Emmerich/Imre, des Sohnes und Nachfolgers König Stefans. Gerhard von Sagredo war nicht nur um die Verbreitung des Christentums in der Diözese bemüht, sondern leitete auch organisatorische Maßnahmen ein. Die Gründung des Tschanader Domkapitels und der Theologischen Schule gehören genauso dazu, wie die Tatsache, dass er mehrere Pfarreien ins Leben rief, Kirchen errichtete und zahlreiche Heiden taufte. 1046 nimmt das Leben des Heiligen Gerhard ein tragisches Ende. In dieser politisch, religiös und militärisch bewegten Zeit wurde er am 24. September von heidnischen Rebellen in Buda von einem Felsen in die Tiefe gestürzt. Dieser Fels trägt heute seinen Namen: Sankt Gerhardsberg.
„Trotz Multiethnischer Zusammensetzung, hat es – ausgenommen kleiner Animositäten – immer ein friedliches Nebeneinander in unserem Ort gegeben“, sagt der ehemalige Schulleiter und Rumänisch-Lehrer Gheorghe Doran. Was die Dorffeste in Tschanad betrifft, gibt es diskret unterschiedliche Meinungen, aber dabei bleibt es auch: „Uneingeschränkt von Nationalität und Religion müsste das Gerhardus-Fest eigentlich das Dorffest sein“, hatte bereits vor einem Jahr der katholische Pfarrer von Tschanad Daniel Groza gesagt. Der Geistliche argumentiert, dass das Gerhardus-Fest eben der herausragende Tag für Tschanad sei und dementsprechend auch gefeiert werden müsste. Gheorghe Doran, auch Vorsitzender des Kulturvereins „Concordia“, denkt genauso wie Bürgermeister Nikolaus Craciun, der jeder Konfession bzw. Ethnie die Möglichkeit gibt, ihr eigenes Kirchenfest zu feiern. Er unterstützt „Kirchweih“ und „Ruga“ gleichermaßen und trotzdem hat das Dorf am 24. September einen feierlicheren Anstrich als an anderen Festtagen. Den intensivsten Job machen an diesem Tag die Verkäufer am Stand für „mici“ und Bier. In manchem Dorfladen wechselt das Personal häufig, denn praktisch alle wollen – wenn auch nur für ein paar Minuten - über die Asphaltstraße im Ortszentrum, vorbei an der Gerhardus-Statue und in die katholische Kirche.
Die EU ermöglichte, mit der Fähre den Marosch-Fluss zu überqueren, da, wo er die Grenze zwischen Rumänien und Ungarn bildet. Die nach dem Ersten Weltkrieg samt Zugverbindung gesprengte Brücke hätten die Kommunen auf beiden Seiten der Marosch gern wieder in Betrieb. Die EU macht also die Reise möglich, die Behörden in den beiden Verwaltungskreisen Temesch/Timis in Rumänien und Csongrad in Ungarn würden es gerne sehen, wenn europäische Fonds auch den Brückenbau ermöglichen würden. „Die Grenzeröffnung über das Wasser für zwei Tage war schon deshalb wichtig, weil wir allgemein auf die Bedeutung der Brücke nicht nur für Rumänien und Ungarn, sondern für die EU hinweisen wollen“, sagt der Tschanader Bürgermeister Nikolaus Craciun. Ähnlich auch die Äußerungen der Kommunal- und Kreisvertreter aus Rumänien und Ungarn.
Siegfried Thiel

Gemüsemärkte: Wer faul ist, zahlt mehr

Recht teuer: Im Dacia-Gemüsemarkt kostet ein Kilo Auberginen bis zu 5 Lei.
Foto: Raluca Nelepcu


Einkaufen in der Joseph- und Fabrikstadt lohnt sich
Von Ana Saliste und Raluca Nelepcu

Die Ernte in Rumänien ist in diesem Jahr nur mäßig ausgefallen, der viele Regen hat schon manch Bauern einen Strich durch die Rechnung gezogen. Trotzdem sind auf den Märkten die Preise von Gemüse, Obst und Getreide bisher nur gering angestiegen. Die Daten des rumänischen Statistikamtes zeigen, dass die Lebensmittel nach Erhöhung der Mehrwertsteuer im Juni einen Monat später nur um 2,6 Prozent teurer geworden sind. Die Lebensmittelpreise stiegen im August um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat an. In den kommenden Monaten erwarten die Händler Preiserhöhungen von bis zu 30 Prozent bei Lebensmitteln, weil viele von ihnen auf den Import angewiesen sein werden. Erheblich teurer sollen Brotprodukte werden.
Die Temeswarer rüsten sich nun für den Winter. Viele von ihnen kaufen Gemüse und Obst vom Markt ein, denn hier können sie den Preis verhandeln. Jedoch sind die Preise auf den Märkten in Temeswar/Timisoara unterschiedlich: Für ein Kilo Tomaten, zum Beispiel, schwanken die Preise zwischen 2 und 6 Lei. Wo man Gemüse und Obst zu billigeren Preisen bekommen kann, das haben die BZ-Redakteurinnen Ana S²li{te und Raluca Nelepcu vergangene Woche recherchiert.


Dorinel Toma aus Chizatau (58) bietet Tomaten, Auberginen, Paprika und Kartoffeln im Temeswarer 700er-Markt zum Verkauf an. „Ich habe die Preise bereits seit Monaten nicht erhöht. Die Krise lässt sich aber trotzdem spüren. Im Sommer fielen die Verkäufe ziemlich schwach aus. Ich dachte damals, im Herbst wird es besser sein. Die Leute kaufen aber auch jetzt bedeutend weniger Gemüse und Obst ein im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Dorinel Toma. Der 700er Markt ist ein teurer Markt in Temeswar, wissen die Leute, und das, weil er in der Innenstadt liegt. Ein Kilo Tomaten kostet im 700er Markt zwischen 4 und 6 Lei, für ein Kilo Kartoffel muss man zwischen einem Leu und 2 Lei aus der Tasche ziehen, Auberginen werden zu 2 bis 4 Lei das Kilo angeboten.
Bedeutend bessere Preisangebote kann man im Josephstädter Markt entdecken: Tomaten kann man hier gegen 3 Lei das Kilo erwerben. Wer für den Winter Auberginen in die Gefriertruhe legen will, der kann Blaufrüchte aus Arad mit „weißem Fruchtfleisch“ zu 1,5 Lei bis 2,5 Lei das Kilo kaufen. Für ein Kilo Kraut - „geeignet für Krautwickel“ - muss man einen Leu oder 2 Lei hinblättern. Besonders gut verkauft sich auch Blumenkohl – 3 bis 3,5 Lei das Kilo – und Paprika zu 2 oder 3 Lei das Kilo. „Im vergangenen Jahr haben wir viel eingelegten Blumenkohl gegessen, deshalb habe ich in diesem Jahr mehr gekauft und weniger Gurken“, so Rodica Marcut (63) aus Temeswar, die zehn Kilo Blumenkohl erworben hat. „Ich lege etwas auch für meine zwei Kinder ein, denn die haben keine Zeit dafür“, fügt sie hinzu.
Trotz relativ gutem Preisangebot sind auch im Josephstädter Markt die Preise leicht gestiegen im Vergleich zu den vergangenen Wochen. „Ich habe vor einigen Wochen Tomaten zu 2,5 Lei das Kilo gefunden. Jetzt liegt der niedrigste Preis bei 3 Lei“, sagt Carmen Lica, die sich schon für den Winter gerüstet hat. „Ich habe Tomatensaft und Sakuska gemacht“, sagt sie. Auch die Eierpreise sind seit Sommer leicht gestiegen: Jetzt beträgt der Preis für zehn Eier im Josephstädter Markt 4 Lei, zuvor lag er bei 3 bzw. 3,5 Lei.
Die Preise für Saisonfrüchte sind auch unterschiedlich: Zwischen 2 und 5 Lei muss man für alle Produkte des Herbstes hinblättern. Ein Kilo Trauben kostet zwischen 3,5 und 5 Lei, für ein Kilo „süße Pflaumen“ – wie es auf den meisten Plakaten geschrieben steht - müssen die Temeswarer 2 Lei aus der Tasche ziehen. Diese verkaufen sich jedoch relativ schwach. „Die Leute kaufen zwei, maximal drei Kilo Pflaumen. Ab und zu finden sich Käufer, die Pflaumenkompott machen wollen und dann mehrere Kilos erwerben, sonst aber ist es ziemlich schwach“, erklärt eine Verkäuferin. „Schade um die Früchte, sie sind sehr süß“, fügt sie hinzu.

Recht billig: der„Badea Cârtan“-Markt
Der „Badea Cârtan“-Markt in der Fabrikstadt empfängt seine Kunden mit einem umfangreichen Angebot. Mehr als hundert Verkäufer kommen hierher mit ihren Landwirtschaftsprodukten, die sie dann laut Meinung vieler Temeswarer zu „guten Preisen“ anbieten. „Ich kaufe hier recht gern ein, weil die Preise niedriger als in anderen Märkten sind, wie zum Beispiel im 700er Markt“, sagt Enikö Kalman (26) aus der Fabrikstadt. Kartoffeln aus Belin] oder Arad können zu 1,5 Lei das Kilo erworben werden, Auberginen kosten hier ebenfalls 1,5 bis 2 Lei das Kilo. Wer Paprikaschoten für den Winter einlegen möchte, der kann sie hier zu 4 bis 4,5 Lei das Kilo kaufen. Gurken und Möhren gibt es zum gleichen Preis: 2,5 Lei pro Kilo. Tomaten kosten 3,5 bis 6 Lei das Kilogramm, Zwiebeln sind für 2 Lei erhältlich. Etwas teurer sind die Rekascher Tafeltrauben: 5 – 6 Lei das Kilo. Wegen den relativ niedrigen Preisen bevorzugen es viele Rentner, sogar aus entfernteren Stadtteilen wie Dacia oder Calea Aradului hierher zu kommen, um ihre Einkäufe zu erledigen.
Der „Badea Cârtan“-Markt hat jedoch einen Nachteil. Nicht für Kunden, sondern eher für die Bürger, die in Marktnähe wohnen. Der dichte Verkehr und der störende Lärm den ganzen Tag über brachte mehrmals die Bewohner auf die Palme. Dass die Händler alle Parkplätze rund um den Markt besetzen, ist ebenfalls ein Störfaktor. Anfang des Jahres beklagte sich der Bürgerrat aus der Fabrikstadt darüber, dass der Markt ein regelrechter Alptraum sei, sogar die Politikerin Maria Grapini griff damals das Problem auf. Bisher haben die Behörden aber nichts unternommen, um klare Regeln für die Verkäufer aufzustellen.

Giroker Markt mit erschwinglichen Preisen
Es ist schon bekannt, dass kleinere Märkte, die in den Stadtteilen von Temeswar eingerichtet wurden, Gemüse und Obst zu etwas höheren Preisen anbieten. Trotzdem gibt es auch solche, wo das Angebot umfangreich und die Preise erschwinglich sind. Einer davon ist der Markt im Girok-Viertel am südlichen Stadtrand. Gelbe Paprika kosten hier 2 oder 3 Lei das Kilo, rote sind für 3,5 Lei erhältlich. Ein Kilo Zwiebeln kostet 2 Lei, die Preise der Paprikaschoten schwanken zwischen 3 und 4 Lei das Kilo, Auberginen kosten – wie fast überall – 1,5 bis 2 Lei das Kilogramm. Belint-Kartoffeln kosten 1,5 bis 2 Lei das Kilo, Gurken sind für 2,5 bis 3 Lei erhältlich. Wer frische Tafeltrauben auf den Tisch stellen möchte, der kann sie vom Giroker Markt für 4 bis 4,5 Lei kaufen.
Zu den teuren Stadtteilmärkten gehört der Dacia-Gemüsemarkt. Hier präsentieren mehr als 50 Verkäufer ihre Ware. Die Preise sind hoch, und das, obwohl bekannter Weise sehr viele Rentner ihre Einkäufe hier erledigen. Ein Kilo Gurken kostet nicht weniger als 2,5 Lei, Paprikaschoten sind zu 4,5 bis 5 Lei das Kilo erhältlich. Die höchsten Preise sind jene der Auberginen: 2, 3 oder 4, ja sogar 5 Lei kostet hier ein Kilo funkelnder Auberginen. Für ein Kilogramm Möhren zahlt man im Dacia-Markt 2,5 Lei.

Größere Mengen, niedrigere Preise

Wer mit den Einkäufen für den Winter billiger auskommen möchte, der kann einen der zwei Großmärkte in Temeswar besuchen. Einer ist der sogenannte „Euro 2“-Markt, der sich hinter dem Euro-Einkaufszentrum unweit des neu eröffneten Dedeman-Baumarktes befindet. Vor den etwa 15 Hallen haben die Händler ihre Ware ausgestellt. Paprikaschoten kosten hier 3,5 Lei das Kilo, Kartoffeln rund 80 Bani und Auberginen 1,5 Lei, doch die Händler stellen eine Bedingung: Mindestens zehn Kilogramm muss man kaufen, damit sich auch für sie das Geschäft lohnt.
Jedoch ist bei manchen Produkten der Preisunterschied nicht immer relevant: Im Großmarkt im Mehala-Viertel kann man, zum Beispiel, Gemüse fast zum gleichen Preis wie im Josephstädter Markt erwerben: Die Preise für ein Kilo Kartoffel schwanken hier zwischen 1,1 und 1,3 Lei. Die Preise sind aber nur dann gültig, wenn man mindestens einen Sack von 10, 18 oder 20 Kilo kauft. Ein Kilo Kraut kostet hier 60 - 80 Bani, um etwa 20 Bani billiger im Vergleich zu den kleineren Märkten. Für ein Kilo Tomaten zahlt man zwischen 3,5 und 4,6 Lei – sogar teurer im Vergleich zu anderen Marktangeboten. Bedeutend billiger sind hier Auberginen (1,2 Lei das Kilo) und Blumenkohl (2,5 Lei) – es gilt aber die gleiche Bedingung: Davon muss man mindestens zehn Kilo kaufen. Wer jedoch kein Auto besitzt, um die Mengen befördern zu können, der muss sich mit dem Markt im eigenen Stadtteil zufriedenstellen. Für Rentner mit geringem Monatseinkommen, die sich nicht mit dem Auto fortbewegen, sind Großmärkte eher keine Alternative.

Dienstag, 21. September 2010

Trotz Strukturwandel und Regen – Neuarader feiern unbeirrt ihr Kirchenfest

Aufmarsch der Trachten. Mit dem Strauß das Vortänzerpaar Ioana Guzan und Alexandru Gaman


Vierzig Paare dabei/Jugendliche ein „lebendes Patrimonium“
Von Siegfried Thiel


Plastiküberzüge über der Trachtenkleidung, Regenschirme bei Teilnehmern und Zuschauern, Pfützen auf den Straßen und ein Festprogramm in der Sporthalle – das alles haben die Neuarader schon so oft an ihrem Kirchweihtag erlebt, dass sie nichts mehr schockieren kann. Auch am vergangenen Sonntag nicht, als es wieder einmal hieß, Kirchweih im ehemals deutschen Stadtteil der westrumänischen Stadt Arad zu feiern. Deshalb machten sie auch keine Abstriche von ihrem üblichen Programm: weder vom Tanz bei Regen im Hof des Pfarrhauses, noch von ihrem Umzug durch die Straßen des Stadtviertels. Allein ihre Festvorstellung mit geprobten Aufmärschen, kurzen Ansprachen und eingeübten Tänzen verlegten sie in den Sportsaal der Adam-Müller-Guttenbrunn-Schule.
Eine Herausforderung der besonderen Art gab der langjährige, nun scheidende Direktor der Schule, Michael Szellner, seiner Nachfolgerin Lavinia Chi{ mit auf den Weg. Ein neuer Sportsaal muss her, denn dieser zeigte sich für die 40 Trachtenpaare als viel zu klein. Dabei ist man sich im Arader Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeum gar nicht so sicher, wo denn in wenigen Monaten der Hauptsitz der Schule sein wird. Der Zusammenschluss mit einer weiteren Bildungseinrichtung, Miet- und Räumlichkeitssorgen lassen auch eine Woche nach Unterrichtsbeginn vieles zumindest in der Grauzone. Im engen Kreis debattierten der Arader Forumsvorsitzende Michael Szellner, Schulleiterin Chi{, Lehrkräfte und Vizebürgermeister Levente Bognar beim Abschied der BZ-Redakteure über die Zukunft der Schule. Auch halboffizielle Stellungnahmen hätten zu diesem Zeitpunkt kaum weiter geholfen, ausführlich wird sich die BZ mit diesem Thema noch in diesem Herbst befassen.
Es sollte lustig klingen, als Michael Szellner „drohte“, im kommenden Jahr doppelt so viele Paare aufmarschieren zu lassen, wenn bloß der Sportsaal dazu vorhanden wäre. Hinter dieser humorvollen Aussage steckte jedoch auch viel Realitätssinn, denn fast die Hälfte der Kirchweihpaare waren Kinder im Vorschul- und Grundschulalter. Sie feierten Kirchweih, wie es heute nur noch wenige Gemeinschaften im Banat zuwege bringen. Kurze, geplante Einlagen von Kirchweihpaaren während der Messe, Jauchzen auf den Straßen, Musik der Nadlaker Blaskapelle so etwas versetzt schon manchen in die Nostalgie der 70er und 80er Jahre – freier als damals können sich heute ohnehin alle entfalten. Trotzdem galt es als kleine Sensation, als bekannt wurde, dass ein ehemaliger Neuarder angereist war, der heute in Westafrika lebt. „Vierzig Jahre nach meiner Auswanderung sah ich nun gute Gelegenheit, zur Kirchweihe wieder da zu sein“, sagte er. Damit ihm ja nichts entgehen konnte, nahm er viele Szenen als Filmmaterial mit. Auch dann, als reichlich Applaus an alle aktiven Mitgestalter des Festes ging, Standing Ovations erhielt die stellvertretende Vorsitzende des Forums in Arad, Adelheid Simon.
Pfarrer Mathes Dirschl – als Mitveranstalter des Festes - hatte zum Festgottesdienst seinen Bruder und gleichzeitig Generalvikar der Temeswarer Diözese, Johann Dirschl, eingeladen. „Ich glaube, bei den Katholiken ist die Bindung zwischen Schule und Kirche stärker als bei anderen Glaubensgemeinschaften“, sagte Lavinia Chis, die im AMG-Lyzeum seit eineinhalb Jahrzehnten Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Kirche in Neuarad ist ja auch etwas mit Tradition und Bestand. Die erste kleine Kirche wurde bereits 1725 erbaut. Nachdem sie abbrannte, bauten die Neuarader in den Jahren 1754-1756 eine zweite, doch diese wurde bald zu klein. Die jetzige Kirche wurde zwischen 1814 – 1823 errichtet. In den mehr als 250 Jahren wurden laut Pfarrbrief in Neuarad mehr als 43.000 Kinder getauft, mehr als 11.000 Paare wurden kirchlich getraut und was ohnehin nicht abzuwenden ist – mehr als 37.000 Gläubige begraben. Doch daran dachte an diesem Tag keiner. Von „lebendem Patrimonium einer Tradition“ sprach Stadtvize Levente Bognar, Bettina Szellner und Adi Ardelean durften diesmal nicht nur als Medienleute ans Mikrophon, sondern auch als Kirchweihpaar: Durch die offene Gemeinschaft der Deutschen sei Kirchweih in Neuarad heute „nicht nur ein kirchliches, sondern auch ein weltliches, ja gar ein Volksfest“ geworden, sagten sie auf Deutsch und Rumänisch.

Erste Indoor-Kartbahn eingeweiht

Temeswarer Journalisten testeten die neue Kartingbahn.
Foto: Constantin Duma


Pressepokal für Journalisten veranstaltet
ao. Temeswar – Drei, zwei, eins ... los geht´s! Der Kart fliegt auf der neuen Bahn. Das Summsen der Motoren klingt wie eine Schar fleißiger Bienen. Acht Journalisten reihen sich an der Startlinie an. Weitere acht warten am Rande. Die Temeswarer Journalisten nahmen am Wochenende am ersten Karting-Pressepokal teil. Der Anlass: Die erste Indoor-Piste für Go-Kart wurde am Samstag in Temeswar/Timisoara eingeweiht.
Über 5.000 Quadratmeter hat die neue Kartbahn, die in einer alten Industriehalle an der Schager Straße eingerichtet wurde. Wenn man die überdachte Bahn mit jener außerhalb der Halle verbindet, hat man „den größten und modernsten Kreislauf in Westrumänien“, schwärmen die Organisatoren von der Firma Red Motor. Etwa hundert Gäste warteten am Samstag, dass der Start für das Kart-Rennen auf der neuen Kartingbahn freigegeben wird. Die Bahn befindet sich auf einem Gelände der Gemeinde Girok/Giroc an der Ausfahrt in Richtung Schag. Die Vertreter der Firma Red Motor brachten mehrere Go-Kart-Profifahrer zum Veranstaltungsort, die einige Runden drehten. Gleich danach starteten die Journalisten ihren Wettbewerb. Insgesamt 16 Presseleute trauten sich, die neue 400 Meter lange Kartingbahn auszuprobieren.
Die Initiative für die Einrichtung dieses Kartodroms in Temeswar gehört der italienischen Firma Moretti Est, die von ihrem Gründer Moretti Ugo geleitet wird. Der Leiter der Indoor-Kartanlage in Temeswar ist ein ehemaliger Go-Kart-Meister: der Italiener Andrea Raimondi. Dieser wird zusammen mit dem zweifachen italienischen und europäischen Meister in Go-Kart Paolo Gagliardini die Temeswarer Kartingschule leiten. „Unser Ziel ist, hauptsächlich neue Talente zu entdecken und Kinder und Jugendliche in diesem Sport auszubilden“, sagt Paolo Gagliardini. Aber nicht nur Profis können auf dem Temeswarer Kreislauf fahren, sondern auch Laien. Insgesamt 18 Karts stehen ihnen zur Verfügung. Dabei wird auch die notwendige Ausstattung gesichert: Helme, Schutzmasken aus Papier und Overalls in allen Größen sowohl für Erwachsene, als auch für Kinder. Zwischen 20 und 40 Lei kostet eine achtminütige bzw. eine zehnminütige Fahrt. Die Veranstalter versprechen, auf dem Gelände der ehemaligen Industriehalle am Stadtrand von Temeswar auch einen Laden für Kartingzubehör zu eröffnen. Derzeit befindet sich neben der Bahn auch eine Pizzeria und ein Konferenzraum.

Traditionelle Tage der Volksuni

Rundtischgespräch und Kulturprogramm
Unter dem schon vertrauten Motto „Aus Temeswar, aus dem Banat, aus Rumänien, aus Europa und aus der ganzen Welt“ veranstaltet das Demokratische Forum der Deutschen aus Temeswar am 24.- 25. September die alljährlich abgehaltenen Tage der Volkshochschule in deutscher Sprache in Temeswar. Die feierliche Eröffnung dieser fünften Auflage ist für Freitag, den 24. September, um 17 Uhr im Festsaal des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses anberaumt. Gleichzeitig sollen je eine Ausstellung der Mitglieder des Tourismus- und des Hobby-Kreises im Foyer des AMG-Hauses eröffnet werden. Für 17.30 Uhr ist ein Rundtischgespräch zum Thema „Neue Ideen für das Volksuni- Jahr 2010-2011“ vorgesehen. Die Moderation hat Dipl.Ing. Alexandrina Paul inne. Referate präsentieren u.a. VHS-Leiterin Alexandrina Paul, Prof. Else Schuster und Prof. Luise Finta. Alle VHS- und DFDT-Mitglieder, Freunde und Gäste sind am Samstag, dem 25. September, um 16 Uhr zu einem deutschen Kulturprogramm herzlich eingeladen. Im Rahmen des Programms in der Moderation von Prof. Luise Finta werden die Kulturgruppen des DFDT bzw. der Chor „Temeswarer Liederkranz“ und die Seniorentanzgruppe „Bunter Herbstreigen“ auftreten. Anschließend ist ein gemeinsamer Unterhaltungsabend anberaumt.
Bekanntlich feierte die VHS Temeswar (deutsche Vortragsreihe) im Oktober 2009 vier Jahrzehnte ihres Bestehens. Die Temeswarer deutsche Volksuni wurde im Oktober 1968 gegründet. Gründer und erster VHS-Lehrer war Prof. Erich Pfaff, Lehrer und damaliger Leiter der Temeswarer Lenauschule. Nach der Wende wurde die wertvolle Tradition der VHS als Stätte der Erwachsenenbildung ununterbrochen weitergeführt, im Rahmen des DFDT entwickelte sich die VHS zudem zu einer gutbesuchten Begegnungsstätte der Deutschen aus Temeswar. Heute liegt die Zahl der Volksunihörer bei 165. Den Volksunihörern wurde außerdem die Möglichkeit gewährt, an allerhand Kreisen, dem Handarbeit-, Bastel-, Tourismus- und Musikkreis teilzunehmen. Zu den Vortragsreihen, zweimal wöchentlich, in deutscher und rumänischer Sprache, kamen in den letzten Jahren noch regelmäßig Ausflüge, Video-Abende, Teenachmittage und verschiedene Feste hinzu.(bw)

Erster Trauben-Vollernter im Banater Winzerbetrieb

Trotz Krise: Cramele Recas investiert in Keltertechnik und Maschinen
Von Raluca Nelepcu

Der Motor brummt, während die Maschine durch die Reihen streift. Das Schüttelsystem rüttelt heftig die Reben. Traube um Traube fällt in den Behälter. Der Vollernter kann in einer Stunde die Trauben von einem halben Hektar ernten. Allgemein gesehen verrichtet die Maschine die Arbeit von ungefähr 200 Menschen. Und außerdem schafft der Vollernter das, was die Arbeiter gewöhnlich nicht tun: Er trennt automatisch und sauber die Beeren vom Stengel ab. „Diese Marke hat mir ein Deutscher empfohlen“, sagt Gheorghe Iova, Geschäftsführer des Winzerunternehmens Cramele Recas. In Rekasch hat die Traubenlese begonnen und die Mitarbeiter der Weinstuben haben zur Zeit alle Hände voll zu tun. In diesem Jahr soll aber der Vollernter wenigstens zum Teil die Arbeit der Menschen übernehmen.


Weniger Verluste
Die Traubenerntmaschine der Marke New Holland hat 200.000 Euro gekostet. Die Investitionskosten werden in rund zwei Jahren gedeckt. In Rumänien seien derartige Vollernter noch ein Novum. Bloß zwei weitere Weinproduzenten – Murfatlar und Seiden/Jidvei – würden solche Maschinen bei der Traubenernte einsetzen. „90 Prozent aller Winzerunternehmen weltweit führen die Traubenlese maschinell durch“, erklärt Iova. Im kommenden Jahr sollen weitere zwei oder drei solcher Maschinen gekauft werden. Doch auch die Reben müssen umgepflanzt werden: nicht mehr so eng nebeneinander und mit Metalldraht versehen, damit der Vollernter problemlos durchfahren kann.

Etwa 300 Menschen sind zur Zeit in vollem Einsatz auf den Rekascher Weinbergen. Knapp einhundert der Arbeiter sind feste Mitarbeiter. Die meisten Männer und Frauen stammen aus Siebenbürgen und kommen nach Rekasch extra für die Traubenlese, im Herbst. Doch wenn sich die Traubenlese weiterhin automatisiert, sollen schließlich nur die hundert festen Mitarbeiter bleiben. „Mit der Maschine haben wir weniger Verluste, als wenn wir Menschen einsetzen“, gesteht Gheorghe Iova.


Sauberer als in einer Apotheke
Beim Winzerunternehmen der Temescher Kleinstadt Rekasch/Recas ist die Wirtschaftskrise nicht zu spüren. Insgesamt zwei Millionen Euro hat das Unternehmen in den Erwerb von Traktoren und Erntemaschinen investiert. Die Modernisierung der Keltertechnik kostete die Winzerei weitere 1,7 Millionen Euro. Alles ist komplett automatisch. Auf dem Computer werden die verschiedenen Weinherstellungsverfahren programmiert. „Die moderne Ausstattung trägt dazu bei, dass die Qualität der Weine steigt. Der menschliche Fehlerfaktor wird ausgeschaltet“, sagt Ioan Georgiu, Gesellschafter bei Cramele Recas.
In einigen Tagen soll die neue Kläranlage in Betrieb genommen werden. Dafür machte das Unternehmen 700.000 Euro locker, ein „gutes Geschäft“, wie Ioan Georgiu verrät. Dass es gut ist, in Krisenzeiten Investitionen zu tätigen, hat er erfahren, als er den Preis der Kläranlage ausgehandelt und einen Rabatt von nahezu 45 Prozent erhalten hat. Ein einziger Mensch wird die Kläranlage, die ebenfalls am Computer angeschlossen ist, ab und zu überprüfen müssen.
In diesem Jahr wurde die Kapazität des Lagerraumes um drei Millionen Liter vergrößert. „Bei uns ist es sauberer als in einer Apotheke“, sagt Ioan Georgiu stolz. Insgesamt 12 Millionen Liter Wein können in den Kellern der Cramele Recas gelagert werden. In diesem Jahr sollen es 10 Millionen Liter werden, so die Prognose. In Rumänien wird die Weinproduktion um knapp eine Million Hektoliter niedriger als 2009 ausfallen. Etwa 5,5 Millionen Hektoliter Wein werden es sein, heißt es beim Arbeitgeberverband der Weinproduzenten. Dies sei aber kein Grund dafür, den Preis des Weines zu erhöhen.

Ein gutes Jahr
„Man kann nicht nur im Schatten der Weinreben liegen und nichts tun. In diesem Jahr gab es wirklich viel zu tun, um eine gute Traubenproduktion herauszuschlagen“, sagt Georgiu, wenn er nach der Ernte gefragt wird. Das wechselhafte Wetter von April bis Juni und die häufigen Niederschläge den ganzen Sommer über waren für den größten Weinbauer Westrumäniens ein großer Nachteil. Wer gute Qualität will, der muss ein bisschen nachhelfen, die Weinreben mit Blattdünger bespritzen. „Wir haben auch 2010 eine sehr gute Traubenproduktion, sowohl quantitativ, als auch qualitativ”, sagt Ioan Georgiu. „Im vergangenen Jahr war die Produktion exzellent, so wie man sie vielleicht nur einmal in 50 Jahren erleben darf“, fügt der Gesellschafter zur Erklärung hinzu. 2009 brachte Cramele Recas echte Qualitätsweine auf den Markt – infolge der Hitze und Dürre waren die Trauben besonders schmackhaft und weinrelevant geworden. Auch in diesem Jahr ist Hartley Smithers, Önologe aus Australien, im Weinberg präsent. Der Fachmann weiß genau, wann und wie die Trauben geerntet werden müssen. Sein Fachwissen kommt den Rekascher Weinstuben seit einigen Jahren zu Gute.
Rund 10 Tonnen Trauben werden in diesem Jahr im Durchschnitt pro Hektar gelesen. Die Weinreben des Weinguts Cramele Recaş erstrecken sich über insgesamt 900 Hektar, auf denen nur von 20 Hektar Tafeltrauben gelesen werden. Insgesamt 19 verschiedene Traubensorten werden auf dem Areal der Rekascher Weinstuben angebaut. Auf 130 Hektar wurden junge Reben gepflanzt, Jungpflanzungen. Die Kosten der Neuanpflanzungen belaufen sich auf 2,5 Millionen Euro, wobei 65 Prozent davon EU-Mittel darstellen. Äußerst positiv sei aber, dass der Export der Rekascher Weine um 60 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr, gestiegen ist. Cramele Recas exportiert Weine in 20 Länder der Welt, darunter nach England, in die USA, nach Deutschland, Russland und Südasien. Cramele Recas exportiert Weine in 20 Länder der Welt, darunter nach England, in die USA, nach Deutschland, Russland und Südasien.
Die klimatischen Gegebenheiten und der gute Boden in Rekasch ermöglichen den Weinanbau und die Produktion von qualitativ hochwertigen Weinen. Rumänien gehört zu den 15 größten Weinherstellern weltweit und nimmt in Europa den sechsten Platz ein, was die Weinproduktion betrifft. Die größten Weinproduzenten Europas sind Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland und Portugal.

BestJobs: Urlaube vorwiegend gestrichen

Ruck-Zuck: Mitarbeiter hatten im Sommer Urlaub
Foto: Zoltán Pázmány


Meiste Temeswarer gönnten sich eine Auszeit
„Wir sind komplet unterbesetzt, wir können uns kaum freie Tage leisten“. Für Ani T. durfte diese Situation fast wie ein Segen ankommen, denn viele Staatsbedienstete mussten im vergangenen Jahr ihre Arbeitsstelle verlassen. Sparmaßnahmen im Staatshaushalt waren nämlich angesagt und so musste manch einer um seinen bisher als sicher angesehenen Job beim Staat bangen. Egal, ob es dabei um Krankenhaus, Dorfschule oder Kommunalverwaltung ging. Und weitere Kündigungslisten wird es auch bis Ende dieses Jahres und wohl auch 2011 geben. Nicht zuletzt fürchten internationale Organismen, dass die allgemein hohe Staatsverschuldung dem Wirtschaftsaufschwung einen Dämpfer verpassen könnte.
D.L. hat in diesem Sommer komplett auf ihren Urlaub verzichtet. „Es gab die Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen und diese Chance wollte ich mir nicht ergehen lassen“, sagt die Unternehmerin. Auch ihr Personal hat so gut wie keinen Urlaub gemacht. „Hat sich ja keiner gemeldet, dass er etwa in Urlaub wollte“, sagt D.L. – unglücklich schien sie mit dieser Option auf keinen Fall. Es wäre natürlich maßlose Unterstellung, die Unternehmerin habe ihren Angestellten suggeriert, auf den Urlaub zu verzichten; doch die Firma BestJobs hat ermittelt, dass in Rumänien etwa die Hälfte aller Arbeitnehmer in diesem Jahr keinen Urlaub beantragt haben. Aus den Daten der Firma für Personalvermittlung geht hervor, dass die meisten aus Angst um ihren Arbeitsplatz keinen Urlaub genommen haben. Mehr als die Hälfte der 11.700 befragten Personen haben zugegeben, dass sie den Sommer über an ihrem Arbeitsplatz verbracht haben. Nicht wenige aber hatten sich einen Zweit- oder Nebenjob gesucht, was BestJobs schlussfolgern ließ, dass viele Rumänen auch aus finanziellen Gründen auf den Urlaub verzichtet haben. In Temeswar/Timisoara scheint diese Statistik jedoch nur bedingt gültig zu sein: „In meinem Bekanntenkreis gib es so gut wie keinen, der nicht Urlaub gemacht hat“, sagt James Krachler, Inhaber der Firma Ruck-Zuck. Auch sein Personal hat in diesem Sommer Urlaub gemacht. „Menschen sind keine Roboter. Es ist bewiesen, dass man sowohl von psychologischem als auch physischem Standpunkt Urlaub braucht“, sagt Krachler. Er ist einer der vielen in der westrumänischen Großstadt, die die Auswertung von BestJobs nicht auf ihre Firma bzw. Arbeitsplatz übertragen kann. Sicherlich hatten auch in diesem Sommer Kellnerjobs Hochkonjunktur und auch mancher Kioskverkäufer, Taxifahrer und Beamter hat seinen Arbeitsplatz auch nicht verlassen können/ wollen, ein Unterschied zu den Jahren zuvor war es jedoch kaum. Dass der ein oder andere seine Urlaubskasse geschmälert hat und die Zwei-Sterne-Pension vorgezogen hat, war nur eine bedingte Situation, denn Mitten im Urlaub zogen Bekannte des Unterzeichners in eine bessere Ferien-Unterkunft um – minimale Qualität muss auch in Krisenzeiten Grundbedingung sein.
Groß Gedanken über Urlaub machte sich jedoch nicht jeder. Laura F. ist eine der vielen, die in den kommenden Jahren einen Job im Ausland anstrebt. Heute ist sie knapp 30 und sie war bereits Journalistin, Lehrerin und nun Krankenschwester. Geringes Einkommen ließ sie wiederholt den Beruf wechseln. Nun will sie in absehbarer Zeit ihren Beruf als Krankenschwester in der Fremde ausüben. Einen Auslandsjob streben eh viele Rumänen an. 520.000 haben ihr CV seit Anfang d.J. eingereicht, doch nur 86.000 haben bisher einen Vertrag unterzeichnet. Fachleute glauben, dass bis Jahresende weitere 240.000 Verträge abgeschlossen werden. Die häufigste Antwort auf die Frage nach dem Grund eines angestrebten Auslandsjobs sind Schulden bei der Bank und sonstige akkute Geldnot, schreibt die rumänische Personalvermittlungsfirma TJobs.
Siegfried Thiel

ADR-Vest auf „Vorstellungstour“

Die Trajans-Brücke in Arad wird saniert: Die 100-Jährige Garantie ist im Jahr 2007 abgelaufen
Foto: Zoltán Pázmány


Projekte in Wert von ungefähr 125 Millionen Lei im Kreis Arad
Die Agentur für Regionalentwicklung ADR-Vest ist auf „Tournee“, um die Projekte, die durch das Programm POR 2007-2013 am Laufen (oder bereits abgeschlossen) sind, vorzustellen. Nach Hunedoara stand in der vergangenen Woche Arad auf dem Programm. In der westrumänischen Stadt wurde das historische Zentrum besichtigt, wo einige größeren Arbeiten durch die Gelder, die durch das POR 2007-2013 herangezogen wurden, durchgeführt werden. Gesamtkosten des Projekts für die Sanierung des historischen Zentrums von Arad: fast 59 Millionen Lei.
Von diesem Geld soll die Trajans-Brücke saniert werden, das Gebäude der Arader Lehrerausbildungsschule, die sogenannte „Präparandie“, ebenfalls. 4,5 Kilometer Kanalisationsnetz werden durch dieses Projekt erneuert, elf Straßen sind mit inbegriffen.
Erste Station war die Trajans-Brücke, die saniert wird. Sorin Maxim, Leiter der ADR-Vest und Gheorghe Falca, der Bürgermeister der Stadt Arad, stellten die Projekte während der Besichtigungstour vor. Die Arbeiten an der Trajans-Brücke werden voraussichtlich bis Herbst 2011 dauern. „Der Brücke ist seit 2007 die 100-Jährige Garantie abgelaufen. Die Sanierung der Brücke ist demnach notwendig. Da sie jedoch so alt ist, kann man keine richtige Renovierung vornehmen“ sagte Stefan Moldt, Manager des Projekts seitens des Bauunternehmens Technodomus. Da die Brücke gesperrt ist und Arad unter anderem auch eine Transitstadt ist, muss eine Lösung für die Flüssigmachung des Verkehrs gefunden werden. Jetzt überlegt sich das Bürgermeisteramt, ob die Brücke, die gleich in der Nähe der Trajans-Brücke gebaut werden soll, eine provisorische oder eine dauerhafte Alternative für die Überquerung des Marosch-Flusses darstellen wird. „Wir sind gerade dabei, die nötigen Papiere für die neue Brücke über die Marosch in ihrer Endfassung zu bekommen“, sagte Gheorghe Falca.
Der Besuch ging weiter Richtung „Präparandie“-Gebäude. Die Straßen auf denen es dahin ging, gehören zu jenen elf, die in Kürze Modernisierungsarbeiten unterzogen werden. Die Vertreter der Bauunternehmen klagen jedoch, dass sie immer wieder auf Gasleitungen und Rohre des Fernheizwerks treffen, die nicht in den Unterlagen vermerkt sind. Deshalb verlaufen die Arbeiten angeblich etwas schwieriger. Es ist jedoch nicht das erste Mal und es ist auch nicht der erste Bauherr, der über diese Sachlage klagt. Da es kein Novum hierzulande ist, sollten sich die Bauunternehmen vielleicht in Zukunft überlegen, mit derartigen Ereignissen zu rechnen.
Nicht nur Unerwartetes kommt auf die Bauherren zu, auch war die Bauentwürfe betrifft, scheint es Probleme zu geben. Einige der Einwohner klagten, dass die Fahrbahn zu tief liege und die Gehsteige zu hoch sind. „Wir wollen kein Klein-Venedig hier“ klagten diese. Stefan Moldt versicherte die Bewohner, dass alle Probleme beseitigt werden. Wie jedoch diese Probleme aufgetaucht sind? „Das Projekt wurde von Anfang an schlecht gemacht“, so Moldt. Und wie es dazu kam? „Na ja, es stimmt schon, dass ein Projekt von Anfang an richtig gemacht werden sollte. Nur - vor drei Jahren, als dieses Projekt konzipiert wurde, gab man ihm vielleicht nicht so viele Chancen, dass es in Zukunft auch tatsächlich umgesetzt wird. Es wurde also ein bisschen gepfuscht“, so die Erklärung von Moldt.
Beim Präparandie-Gebäude, weitere Versuchserklärungen. „Hier haben wir viel mehr Risse an Baustruktur und an den Wänden entdeckt, als erwartet. Manche würden vielleicht sagen, dass in drei Monaten nichts gemacht wurde, stimmt aber nicht“, sagte Razvan Popa, Leiter der technischen Direktion im Arader Bürgermeisteramt. Jetzt würden die Arbeiten nach Zeitplan verlaufen, sagt Popa. Das „Präparandie“-Gebäude soll in ein Museum des rumänischen Lehrwesens umgewandelt werden. Im Jahr 1812 entstand hier die erste rumänische Pädagogikschule.
Die ADR stellte jedoch nicht nur Projekte, die zur Zeit verlaufen vor, sondern auch einige, die schon durch Programme der ADR-Vest fertiggestellt wurden. So zum Beispiel ein Projekt des Privatunternehmens „Profi Beton SRL“. Die Betonfabrik wurde auch mit Hilfe von ADR-Fonds auf einen gehobenen technischen Stand gebracht.
Ein weiteres Projekt ist jenes der „Umgehungsstraße Süd“ von Ineu. Der Gesamtwert des Projekts beträgt fast 17 Millionen Lei. Der Wert des Finanzierungsvertrags beträgt 14 Millionen Lei, davon 13,7 Millionen Lei nicht rückzuzahlende Mittel. Durch die Umgehungstrasse Süd wurde „geschätzt, dass genau 2.721 (!) Fahrzeuge pro Tag weniger Ineu durchqueren werden“ (so die ADR-Daten). Die Lärmverschmutzung wird ebenfalls drastisch gesenkt werden, von schätzungsweise 70 auf etwa 45 Dezibel.
Der Vorstellungstour der Projekte der ADR ging weiter auf der sogenannten Weinstraße Paulisch/Paulis-Giorok/Ghioroc-Covasânt-Schiria/Siria. Der Wert des Projekts: mehr als 56,5 Millionen Lei. Es sollen über 24 Kilometer Kreisstraßen saniert werden. Durch eine verbesserte Infrastruktur soll die auch unter dem Namen bekannten „Arader Weingüter“ attraktiver für die potentiellen Investoren werden. Laut Aussagen von Sorin Maxim wird der Vertrag in höchstens drei Wochen unterschrieben werden. Zu den Zukunftspläne gehören auch die Sanierungen der Burgen Soimos und Siria.
Die ADR-Region-Vest wurde im Jahr 1998 ins Leben gerufen, durch die freiwillige Assoziierung der Kreise Arad, Karasch-Severin/Caras-Severin, Hunedoara und Temesch/Timis. Die West-Region ist keine eigenständige Verwaltungsstruktur und ist auch keine Rechtsperson. In Rumänien gibt es noch weitere sieben Regionen dieser Art. Das strategische Ziel ist, eine „ausgeglichene Unterstützung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Regionen in Rumänien zu schaffen, mit besonderem Augenmerk auf die spezifischen Notwendigkeiten der Region“, so die ADR.
Für das Heranziehen dieser Fonds wird im Kreis Temesch ein harter Kampf geführt. Für 416,52 Millionen Euro, die der Westregion zustehen, wurden Projekte in Wert von 804,42 Millionen Euro eingereicht. Verträge abgeschlossen wurden bereits für Projekte im Wert von 148,19 Millionen Euro, das sind ungefähr 35 Prozent der Gelder, die der Westregion insgesamt zustehen.
Olivian Ieremiciu

Krankenhäuser (fast) schuldenfrei

Beginnt jetzt ein neuer „Zyklus des Schuldenmachens“?

wk.Reschitza – Zu Beginn der vergangenen Woche hat das Gesundheitsministerium über die Gesundheitsbehörden der Verwaltungskreise die Schulden der Krankenhäuser beglichen, die per Dringlichkeitserlass der Regierung schon am 1. Juli von Städten bzw. Verwaltungskreisen übernommen werden mussten. Mit zweieinhalbmonatiger Verspätung kann nun, unter Umständen, die reale Dezentralisierung des Krankenhaussystems beginnen.
Die Verspätung ist nicht so sehr auf das Gesundheitsministerium als vielmehr auf das Finanzministerium zurückzuführen, denn dieses hat die Begleichung der über 500 Millionen Lei Schulden (die Krankenhäuser von Bukarest gar nicht mitgerechnet) hinausgezögert, mit denen die Krankenhäuser rumänienweit belastet waren.
Allein im Verwaltungskreis Karasch-Severin betrugen die Zahlungsausstände der zehn Krankenhäuser für die Zeitspanne 2009 - 30.Juni 2010, also nach anderthalb Jahren, ganze 8,192 Millionen Lei (rund zwei Millionen Euro). So die Sprecherin des Hauses der Gesundheitsversicherungen Karasch-Severin, Carmen Ghitera.
2,334 Millionen Lei machten die Arzneien aus, die von den Krankenhäusern in der genannten Zeitspanne verbraucht, aber nicht bezahlt worden sind. Man erinnert sich, dass immer wieder seitens der Pharmaunternehmen und der Pharmazeutikahändler Drohungen laut geworden sind, die Medikamentenlieferungen an die Krankenhäuser wegen hoher Zahlungsausstände zu stoppen. Ähnlich die Situation der medizinischen Verbrauchsmaterialien der Krankenhäuser: 780.000 Lei schuldeten sie bis zum Beginn dieser Woche den Lieferanten. Und insgesamt 5,078 Millionen Lei waren die Krankenhäuser des Banater Berglands für diverse andere Dienstleistungen schuldig geblieben, einschließlich der über Catering angelieferten Nahrung für die Patienten, Des Wäschereidienstes, für Fernheizung und Warmwasser.
Die höchsten Schulden hatte das Kreiskrankenhaus Reschitza (unter der Tariceanu-Regierung in „Unfallkrankenhaus Karasch-Severin“ umbenannt) beim Lieferanten für Warmwasser und Fernheizung, CET Energoterm. 1,3 Millionen Lei sind diese Woche auf dessen Konto überwiesen worden. Übrigens hat das Reschitzaer Großkrankenhaus mit seinen gut 250 Betten auch die größten Probleme gehabt mit den Arzneimitteln. Hier war es zur Regel geworden, dass die Patienten ihre zur Behandlung im Krankenhaus benötigten Arzneimittel – im „Normalfall“ auch die Verbrauchsmaterialien für Operationen – selber kaufen mussten. Ob diese dann trotzdem aufgrund der ärztlichen Rezepte auf die Rechnung des Krankenhauses gesetzt wurden, das wird (nicht nur) in Reschitza als Gerücht gestreut, ist aber nur schwer nachzuprüfen.
Laut Carmen Ghitera „ist man jetzt hinsichtlich der Schulden nahe bei Null, was auch heißt, dass jetzt die Krankenhäuser mit der Neu-Versorgung mit Arzneien und medizinischen Verbrauchsmaterialien beginnen können.“ Allerdings bleibt es fraglich, ob mit den selben Krankenhausmanagern wie bisher (denen die Regierung großteils die Posten garantiert hat), denjenigen, unter deren Leitung die Schuldenberge angehäuft oder weiter aufgebaut worden sind, künftig neue Schulden vermieden werden können. Oder beginnt, wie in vielen Bereichen, mit der Schuldenstreichung ein neuer Schuldenzyklus?
Übrigens: eine Woche bevor das Gesundheitsministerium die Schulden der Krankenhäuser abzahlen ließ, hat auch die Stadt Karansebesch das Krankenhaus der Stadt übernommen – das zweitgrößte im Verwaltungskreis Karasch-Severin. Bürgermeister Ioan Marcel Vela ließ sich dafür vom Gesundheitsminister Atilla Czeke persönlich ein Garantieschreiben ausstellen, dass die Schulden beglichen werden, weil er immer wieder wiederholte, das Krankenhaus nicht zu übernehmen, „damit anschließend die Bewohner der Stadt die Schulden abstottern müssen“.

Dienstag, 14. September 2010

Das einsame Marmordorf in den Bergen

Bloß sechs Familien leben noch in Alun

Es stirbt langsam aus, doch fast niemand will es einsehen. Zumindest jetzt noch nicht. Einer der letzten Bewohner des Dorfes Alun im Verwaltungskreis Hunedoara hängt eines Tages seinen Mantel auf der Veranda seines Hauses auf und fährt nach Hunedoara auf Jobsuche. Zidariu heißt er mit Familiennamen. Zurück wird er nicht mehr blicken. Jahre vergehen, der Mantel entfärbt sich in der Sonne. Fenster zersplittern, vom Hügel her kriecht das Gras auf Haus und Hof zu, Blumen werden zu Unkraut – die Natur frisst wieder auf, was einst eine Gemeinde von etwa einhundert Bewohnern war. Das Dorf scheint den Überlebenskampf verloren zu haben. Noch sechs Familien leben heute im einsamen „Marmordorf“ Alun im Poiana-Ruscai-Gebirge.

Er ist fast komplett weiß, der Weg, der von der Gemeinde Ghelari über Poienita Voinii ziemlich steil ins Tal führt und dann wieder bergauf schlängelt. Es ist so, als würde das Gebirge eine weiße Perlenkette tragen. Kommt man näher, so erkennt man sie: Marmorsteine verschiedener Größen pflastern den schmalen Weg, der ins „Marmordorf“ Alun führt. Noch sind keine Häuser zu sehen. Nur der imposante Marmorbruch lässt sich nach einer Kurve erblicken. Große Marmorfelsen liegen am Wegrand zerstreut. Kurze Zeit später entdeckt man schon das erste Haus der Siedlung.

Marmorruinen und Stille

Zäune, Mauern, Pferdeställe, Haustreppen – alles ist zumindest teilweise aus Marmorsteinen gebaut oder stehen auf Marmor-Bruchstein. Die meisten Bauten sind aber zu Ruinen geworden. Manche Treppen führen nicht mehr zum Hauseingang, sondern direkt ins Leere. Kellereingänge sind zu erkennen, einige Holzzäune vermodern immer mehr in den Boden hinein. Selbst der Friedhof ist von Gras und Unkraut überdeckt. Große Spinnengewebe hängen an den alten Grabstätten. Die Marmorhäuser sind stumme Zeugen und lassen das Leben im zum Teil malerisch gelegenen und nun fast leerstehenden Dorf nur noch erahnen. Es scheint, als ob alles seit Jahren erstarrt ist.

Auch die ehemalige Dorfschule steht verfallen am Straßenrand. Sie kontrastiert mit dem gepflegten Haus – eines der wenigen im Dorf - das gegenüber steht. Hier trinkt Arsenie Popa (60) gerade seinen zweiten Kaffee. Er sitzt auf einer bedeckten Terrasse mitten im Hof. Die hat er eigentlich für seinen Sohn und seine Enkeltochter eingerichtet. „Es war früher ein Stall. Meine Eltern hatten Kühe und Pferde gezüchtet“, erinnert er sich. „Vor ein paar Jahren habe ich mich mit meinem Sohn zusammengetan und eine Terrasse daraus gemacht“. Der Sohn kommt aber eher selten nach Alun. Und wenn er vorbei kommt, dann nur für ein, maximal zwei Tage. Für Arsenie Popa ist es aber viel mehr als nur ein von der Welt entferntes Ferienhaus. Es ist sein Geburtsort, sein Zuhause. „Hier habe ich meine Kindheit verbracht. Ich werde immer wieder zurück kommen, so oft ich kann“, sagt er. Obwohl der 60-Jährige in Hunedoara lebt, kommt er mindestens zweimal in der Woche nach Alun. Er trinkt Wasser von der einzigen Quelle des Dorfes, repariert das Elternhaus und genießt die Stille. „Im Winter ist es schwieriger, da der Weg schwer befahrbar ist. „Früher sind wir hier mit dem Schlitten gefahren“, erinnert er sich.

300 Jahre alte Kirche

Aus seinem Garten kann man die imposante Marmorkirche des Dorfes – die einzige solcher Art in Rumänien – sehen. Hoch thront sie über dem Dorf, als ob sie jeder Familie nachblicken wollte, die dem Ort den Rücken gekehrt hat. Das Gotteshaus wird wochenlang von niemandem betreten. Die Heilige Messe wird hier höchstens einmal im Monat zelebriert, wenn der Pfarrer der Gemeinde Ghelari nach Alun kommt. Sonst bleibt die Kirche verschlossen. Sie stammt aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Im Dorf gibt es aber noch die sogenannte „alte Kirche“, aus Holz. Diese ist über 300 Jahre alt und liegt hinter einem Haus an der Hauptstraße.

Tiefe Stille herrscht über Alun. Kein Hundebellen, keine Musik, kein Motorengeräusch, keine Menschenstimme. Nichts ist auf den sonnigen Gassen zu hören. Und trotz der Verlassenheit, trotz Spinnengeweben: Die Augen von Arsenie Popa leuchten jedes Mal, wenn er über sein Dorf erzählt. Jedes Haus hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Schicksale. Und wenn Arsenie Popa sie vorstellt, ist es so, als ob die Einwohner jedem Augenblick wieder auftauchen könnten, als hätten sie bloß für einen Moment irgendwo was zu tun gehabt. Als ob die kuriose Frau „Peuna“, die bei Hausnummer 3 lebte, gleich an die Haustür kommen würde, um ihn zu beschimpfen, weil er sich über sie lustig macht. Als ob der Chef des Marmorbruchs gleich von der Arbeit, mürrisch und ernst, zurück kommen würde. Nein, für Arsenie Popa ist das Dorf längst nicht verlassen. „Hier hat derjenige gelebt, der meine Eltern gezwungen hat, sich in die Kollektivwirtschaft, die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft einzuschreiben“, fährt der 60-Jährige fort. Ein wenig weiter entfernt zeigt er auf die Ruinen des ehemaligen Mädcheninternats. „Damals kamen in die Allgemeinbildende Schule in Alun Schüler aus allen anliegenden Dörfern. Etwa 100 Kinder waren es“, so Arsenie Popa.

Weder Geschäft, noch Apotheke

Die Jugend ist aber mit der Zeit abgewandert, nur noch die Alten sind im erstarrten Marmordorf geblieben. In den Sommermonaten kehren manche für ein paar Urlaubstage zurück und hocken gelangweilt auf den Bänken im Garten. Sie grillen, lachen und entspannen. Für ein paar Stunden wird das Dorf wieder lebendig. Dies aber nur am Wochenende. Danach verkriecht es sich wieder in die Stille. Die drei Frauen, die hier noch leben, stehen tagsüber in ihren Gartenbeeten, fast reglos, den Kopf zum Boden geneigt. Ab und zu werfen sie das Unkraut beiseite. Einmal am Tag erscheint die Silhouette von Gheorghiu] Popa auf der leeren Hauptstraße. Er geht zur Feldarbeit und denkt nicht ans Wegziehen. Der 47-Jährige muss sich um seine kranke Mutter kümmern. Denn sein Bruder ist nach Spanien ausgewandert und der Vater vor einigen Jahren gestorben.

Die Mutter, Maria Popa (68), lebt am Dorfrand. Sie ist hier geboren, hat geheiratet und ihr ganzes Leben in Alun verbracht. Ihr Haus ist, ausnahmsweise, nicht aus Marmor, sondern aus Holz. Nur die wenigen Treppen, die ins Haus führen, sind aus Marmor. „Wir wollten das Haus aus Holz bauen, da es dann wärmer hält“, sagt sie. Nach Hunedoara ist die 68-Jährige erstmals vor ein paar Jahren gefahren, da sie krank wurde und von einem Facharzt untersucht werden musste. Dass sie keine Wasserleitung hat, dass die nächste Apotheke zehn Kilometer entfernt ist und dass es im Dorf keinen einzigen Laden mehr gibt, wo sie Brot oder Wasser kaufen kann – das stört die 68-Jährige längst nicht mehr. Sie hat vor Jahren resigniert.

Der Sohn fährt einmal in der Woche nach Ghelari. Einkaufen. Wasser gibt es gleich hinter ihrem Haus – da ist eine Quelle. Ihr einziger Wunsch: Dass die weiße Marmorkirche nicht verfällt. „Schade um die schöne Kirche, sie ist einzigartig. Es war mal die Rede, dass Nonnen hierher kommen sollen und dass das ehemalige Schulgebäude saniert wird. Es sollte ein Altenheim beherbergen. Daraus ist aber nichts geworden“, sagt sie. Was passieren wird? „Ja, das Dorf wird in Kürze aussterben“, antwortet sie und streichelt die alte Tischdecke. Keine Enttäuschung ist in ihrer Stimme zu spüren. Vielleicht ein bisschen Traurigkeit und Resignation. „Wie soll es auch anders gehen?“.

Als Relikte einer anderen Zeit stehen die Ställe und Bänke in den Gärten der verfallenen Häuser. Die „alte Holzkirche“ duckt sich immer mehr hinter Bäumen und Unkraut. In ein paar Jahren wird sie von der Hauptstraße aus kaum noch sichtbar sein. Nur noch die Marmorsteine glitzern wie eh und je in der Sonne.

Ana Saliste

Besserwisser Brantsch

Informant „Mayer“ meldet am 15.5.1982 bezüglich des Nationalen Poesiefestivals „Die Schriftsteller und der Frieden“, in Temeswar, (..) dass keiner der jungen Autoren deutscher Nationalität (Wagner Richard, Totok William, Lippet Johann, Herta Müller, Horst Samson und andere) unter den Teilnehmern gewesen sei. (...) Wagner Richard sei, obwohl er Mitglied des Schriftstellerverbands ist, bei keiner der Veranstaltungen gesichtet worden.“

Recht hat er, der Informant Mayer, unser Mokka, der mich über viele Jahre denunziert hat. Denunziert hat mich auch ein gewisser Ingmar Brantsch aus Kronstadt. Aber im Westen. Er macht es heute noch. So auch im Augustheft der Zeitschrift „Deutscher Ost-Dienst“ des Bundes der Vertriebenen. Er bezeichnet mich dort als „von der Partei als ihr Funktionär jahrelang besoldet und privilegiert und auch häufig mit Staats-und Parteipreisen dekoriert.“

Was den Funktionär angeht: Ich war einfaches Parteimitglied, und sonst gar nichts. Preise habe ich insgesamt zwei erhalten. Ich erhielt den Preis des ZK des VKJ für Lyrik (1973) für meinen Debütband „Klartext“. Brantsch behauptet seit vielen Jahren, der Preis sei „für Literatur und sozialistische Ethik“ vergeben worden. Das stimmt so nicht, was durch die Urkunde, die ich besitze, jederzeit belegbar ist. Es steht darin nichts von „sozialistischer Ethik“.

Außerdem erhielt ich den Preis des Schriftstellerverbands (1980) für meinen Gedichtband „Hotel California“. Der Titel spielt auf einen Song der amerikanischen Rockband „Eagles“ an. Er wurde, folgt man der Logik des Ingmar Brantsch, im ZK in Bukarest regelmäßig bei Sitzungsbeginn anstatt der „Internationale“ gesungen.

Ingmar Brantsch hat große Verdienste bei der Verleumdung der Aktionsgruppe und Herta Müllers erworben. Schon jetzt ist ihm eine Fußnote in der Literaturgeschichte sicher. Um die Einseitigkeit in der Sache wenigstens ein bisschen abzumildern, soll hier von seinen Verdiensten im rumänischen Kommunismus die Rede sein.

Anlässlich einer Schriftstellerkonferenz schreibt Brantsch am 15. November 1968 in der „Karpaten-Rundschau“: „Die wunderbaren Möglichkeiten, die der deutschsprachigen Literatur unseres Landes in großzügiger Weise von Partei und Regierung geboten werden, berichten zu wollen, nähme viele Seiten in Anspruch und könnte erst recht nicht vollständig geschehen. Vielleicht auch deshalb nicht, weil all diese günstigen Bedingungen nicht erschöpfend ausgenutzt werden, ja, mitunter sogar durch ein Fehlen an Kompetenz, an Bildung, an Urteilskraft und allzu häufig auch durch reine Bequemlichkeit stark beeinträchtigt sind.“ Ist das nicht ein echtes Kompliment für die Rumäniendeutschen? Es ist mehr als das. Es ist eine Hommage des „homo sovieticus“ Brantsch an die Sklavensprache.

Richard Wagner

Donnerstag, 2. September 2010

„Mit ´nem kleenen Stückchen Glück“

Szene aus der Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár
Foto: Zoltán Pázmány


Temeswarer Opern- und Operettenfestival mit Gästen aus St. Pölten
Ein letztes unbeschwertes Sommerfest im Freien: Die Temeswarer Musikliebhaber konnten sich das viertägige Opern- und Operettenfestival open air nicht entgehen lassen. Die abendfüllenden Darbietungen dieser VI. Festivalsauflage im Sommergarten des Rosenparks lockten am letzten Wochenende Tausende Musikfans (Der freie Eintritt war schon ein Anreiz), nicht nur Stammpublikum sondern auch allerhand „Laien“, Spazier- und Müßiggänger, Anrainer, nostalgische Rentner, Familien mit Kindern und gar Hunden an der Leine und jede Menge Nachtfalter an. Und wenn es die echten Opernfans auch etwas befremdend empfanden: Die Düfte aus den Buden um den Sommergarten mit „mititei“, Popcorn, Pfannkuchen und Erfrischungsgetränken taten das ihre für das abendliche Fest am Begaufer. Und mit „My Fair Lady“ von Frederick Loewe, dem schäumenden, populärsten Musical der Welt, gelang der Temeswarer Staatsoper (Mitveranstalter waren die Kommunalverwaltung und das städtische Kulturhaus) am letzten Abend dann auch wirklich ein richtig „gemütliches und romantisches Kulturereignis“ (so der zufriedene Operndirektor Corneliu Murgu). Beliebte Lieder wie „Es grünt so grün“, „Ohne dich“ oder „Mit ´nem kleenen Stückchen Glück“ und andere kamen zu Gehör und wurden gar mitgesungen. Für Mariana Sarba (Eliza Doolittle) und Octavian Vlaicu (Henry Higgins) gab es dementsprechend viel Beifall. Die musikalische Leitung hatte Victor Dumanescu inne.
2.500 begeisterte Zuschauer sahen schon zum Festivalauftakt die Oper in vier Akten „Carmen“ (künstlerische Regie Marina Emandi-Tiron, musikalische Leitung Victor Dumanescu) des französischen Komponisten der Romantik Georges Bizet. In den Hauptrollen: Carmen Avarvari ( Carmen), Marius Vlad Budoiu (Don Jose) und Bogdan Zaharia (Escamillo). Für die zahlreichen Freunde der Wiener Operette und Musik gab es am Freitag Abend eines der schönsten Musikwerke des Genres, die Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár (Libretto: V. Leon und L. Stein). Zu den Hauptdarstellern - Spielleitung Mario de Carlo- gehörten Octavian Vlaicu (Mirko Zeta), Narcisa Brumar (Valencienne) und Christian Rudik (Danilo). Die Überraschung dieser Auflage bot erstmals als Gast in der Begastadt das Ballettensemble aus St. Pölten (Österreich) mit dem Ballett „Wiener Blut“ auf die unsterblichen Walzer von Johann Strauss und Franz Lehar am Samstag Abend. Für die Choreographie zeichnete Michael Fichtenbaum. Es wirkten u.a. Kristin Chantal, Daria Suzi, Anastasia Egorova, Tiago Mendes und Rory Ronilson mit. Zur Freude der Kleinsten wurde es am Sonntag, um 12 Uhr, auch eine Kindervorstellung mit der Kinderoper „Der gestiefelte Kater“ von C. Trailescu dargeboten.
Balthasar Waitz

BANAT AKTUELL

Änderungen im Fahrplan
Fahrplanänderung beim Temeswarer Nahverkehrsbetrieb (RATT) - Die Fahrgäste der Linie 44 müssen sich ab dem 1. September auf neue Veränderungen im Fahrplan einstellen: Die Buslinie Nummer 44 wurde diese Woche eingestellt und mit der Buslinie 21 ersetzt. Mit dem Fahrplanwechsel wird der Bus Nr. 21 ab heute auf folgenden Straßen verkehren: Câmpului – Levantica – Batania – Torac – Stefan cel Mare – Iepurelui – A. Saguna – Miristei – Bistritei – Albastrelelor – Tata Oancea – Martir Cornel Popescu – Bistritei – Miristei – I. Vulcan – A. Saguna.

Messe für Baumaterial und Innenausstattung
Wer sich für die neuen Markttendenzen rund um Haus und Wohnkomfort interessiert, kann am Wochenende im Temeswarer Einkaufszentrum „Iulius Mall“ vorbeischauen. Hier findet zwischen dem 3. und dem 5. September die Messe „Alles für dein Haus – Home Expo“ statt. Rund 40 Unternehmen unter anderen Möbel-, Dekorations- und Baufirmen werden im Rahmen der Messe die neuesten Erzeugnisse dieser Branche zum Verkauf anbieten.

Spielzeugaustausch bei Diverta
In den Papiergeschäften Diverta läuft derzeit eine Förderkampagne für Kindergärten und –heime: Jeder, der ein altes Spielzeug spendet, bekommt eine Gutscheinkarte, die er bis zum Ende der Kampagne einlösen kann. Für ein gespendetes Spielzeug gibt es 15 Prozent Rabatt bei jedwelcher Ware, die man in den Papiergeschäften Diverta kauft. Die Förderkampagne läuft noch bis zum 31. Oktober. Das eingesammelte Spielzeug wird an Kindergärten und Kinderheime im ganzen Land verteilt. Diverta-Geschäfte gibt es in Temeswar/Timisoara im Einkaufszentrum „Iulius Mall“ und am Libertatii-Platz.

Die Festtage des Stadtviertels Freidorf
Die Bürger des Temeswarer Stadtteils Freidorf sind am Wochenende zum Feier eingeladen: Zwischen dem 3. und 5. September finden im Petöfi-Park die „Festtage des Stadtviertels Freidorf“ statt. Rock- und Volksmusik, Mal- und Fahrradwettbewerbe sowie Fußballspiele stehen in diesem Jahr auf dem Programm. Die Veranstaltungsreihe beginnt am Freitag, dem 3. September, um 10 Uhr mit einem Fahrrad- und Malwettbewerb. Um 13 Uhr starten dann die Treffen um den Freidorfer Fußballpokal. Die Musikbands Sanctuar und Kiroptera werden am Abend, um 18 Uhr ein Konzert abgeben. Am Samstag- und Sonntagabend wird dann das „Timisul“-Ensemble des Temeswarer Kulturhauses auftreten.

Temeswarer Künstler in Heidelberg
„Refugien – Zeitgenössische Kunst aus Rumänien“ betitelt sich die Ausstellung, die im September im Foyer des Rathauses in Heidelberg zu sehen ist. Für die Werke, die ausgestellt werden, zeichnen die Temeswarer Künstler der Gruppe „Matca“: Oana Bolog Bleich, Andreea Foanene und Filip Petcu. Die Vernissage der Ausstellung findet am Montag, dem 6. September, um 18 Uhr statt. Die Schau ist bis zum 25. September zu sehen und wurde von der „A. I. Cuza“ - Gesellschaft für Literatur, Musik und Kunst e.V. in Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Temeswarer Kulturstiftung „First“ und der Stadt Heidelberg organisiert.
Zusammengestellt von Ana Saliste

Theater: Premiere, ohne Premiere

DSTT spielt nur noch Wiederholungsstücke
Von Siegfried Thiel

Gerade hatte das Deutsche Staatstheater in Temeswar (DSTT) wieder begonnen, an Zuschauern massiv dazu zu gewinnen, nun bleiben für den kommenden Herbst die Premieren aus. Mit der Hälfte des Haushalts von 2009 muss das Theater in diesem Jahr auskommen, das Geld ist derzeit jedoch so gut wie aufgebraucht. Geld sei nur noch ganz wenig da, und das reiche gerade Mal, um in den kommenden Wochen die Nebenkosten zu begleichen, sagt Lucian Varsandan, Intendant des Deutschen Staatstheaters. Zunächst wird auf die geplante Premiere von Schillers „Don Carlos“ verzichtet, von weiteren Erstaufführungen ebenfalls keine Spur. Das DSTT tritt innerhalb eines Jahres in gleich mehreren (ehemaligen) Siedlungsgebieten der Deutschen in Rumänien auf. Deshalb sehen einige gar die Chance des Theater in der Trägerschaft des Kulturministeriums, was möglicherweise ein besseres Verständnis von ganz oben auch für die personellen Belange des Theaters bedeuten könnte, denn die Idee von künftigen Personalreduzierungen ist ja noch nicht gänzlich weg vom Tisch - Auch im negativen Sinn passt das „aufgeschoben heißt nicht aufgehoben“.
Was jetzt geschieht, ist in vielen Hinsichten unprofessionell und auch gefährlich, sagt Lucian Varsandan. Nicht nur finanzmäßig sieht er ein Problem, da sich die Zuschauer nicht über lange Zeit nur Wiederholungsstücke bieten lassen, sondern er glaubt, dass auch jahrelange Aufbauarbeit verloren gehe: „Meine Kollegen sind auf einer Sommerschule in Wolfsberg/Garana und dann proben sie Monate lang keine neuen Stücke. In der Kunst kann man Qualität nur durch regelmäßiges Praktizieren erreichen“, sagt der Intendant der Banater Zeitung gegenüber.
„Es ist unsere Pflicht, Theater zu produzieren und zu verbreiten“, sagt Lucian Varsandan. Er weiß, dass es die einfache Alternative gäbe, mit Poesieabenden die Statistik zu frisieren, doch das ist für ihn nicht Sinn der Sache. Zwar hat das Deutsches Staatstheater nach Aussagen von Lucian Varsandan ein breites Repertoire, aber auch dazu sind zusätzliche Kosten gefragt; zum Beispiel, wenn Gastschauspieler in die gewünschten Rollen schlüpfen müssen.
Das Deutsche und das Ungarische Staatstheater in Temeswar wurden bei der im Juli vorgenommenen Haushaltsumschichtung vom Stadtrat nicht berücksichtigt.
Noch mehr, es geht das Gerücht, dass die Stadt dem DSTT für die zweite Jahreshälfte überhaupt kein Geld zugesagt hatte und die nächste Haushaltsumschichtung kommt eventuell erst im Oktober zur Debatte. Dabei sollte das Theater in der zweiten Hälfte 2010 seine Ausgaben um 20 Prozent drosseln – wohl auch in den kommenden Monaten, wenn dem Ensemble so gut wie Null Lei zur Verfügung stehen.

Banater Persönlichkeiten

Humorvolle Revue eine humorlosen Zeit
Einen sicheren Platz in der rumäniendeutschen Literatur und Kulturszene hat auch der aus dem Banat gebürtige Schriftsteller, Publizist und Kulturpolitiker der deutschen Minderheit, Franz Storch (geb. 11.09.1927- gest. 6.06.1982). Der gebürtige Temeswarer besuchte in der Heimatstadt das Gymnasium, war darauf in einem Chemiebetrieb tätig und kam über das Deutsche Antifaschistische Komitee als ein Mann der ersten Stunde noch im Gründungsjahr 1949 zur Tageszeitung „Neuer Weg“.1964 kam er als Redakteur zur Zeitschrift „Volk und Kultur“. Als Chefredakteur regte er 1969-1982 (Tod nach schwerem Leiden am 6. Juni 1982 in Bukarest) eine komplexe Beschäftigung mit dem Erbe und Kulturschaffen der Deutschen, von Volkskunde bis zur Kunst, Musik, Literatur und Theater, an. 1977 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Rumänischen Schriftstellerverbandes. Sein Schaffen wurde mit einem Preis des Rumänischen Schriftstellerverbandes ausgezeichnet. Zu seinem vielseitigen Werk (Prosa, Lyrik, Publizistik), in dem er die „neue“ Epoche, aber auch Kriegs- und Nachkriegszeit facettenreich und zumeist mit Humor und Satire geschildert hat, sind erstens seine Kurzprosabände „Das Pfauenrad“, „Am Rande des Kerzenscheins“, „Im Krawallhaus“, „Sonst geschah nichts“ und „Zwischenstation“ zu nennen. Postum erschienen noch „Die singende Uhr“ (1983) und „Silben im Wind“ (1987). Sein Debütband war der SF-Roman „Gebannte Schatten“ (1959). Es folgten die Romane „Drei schwere Tage“ (1968) und der Kriminalroman „Der Fall Nr. 13“ (1974). In den letzten Lebensjahren, 1977-1981, veröffentlichte er auch drei Lyrikbände.(bw)