Informant „Mayer“ meldet am 15.5.1982 bezüglich des Nationalen Poesiefestivals „Die Schriftsteller und der Frieden“, in Temeswar, (..) dass keiner der jungen Autoren deutscher Nationalität (Wagner Richard, Totok William, Lippet Johann, Herta Müller, Horst Samson und andere) unter den Teilnehmern gewesen sei. (...) Wagner Richard sei, obwohl er Mitglied des Schriftstellerverbands ist, bei keiner der Veranstaltungen gesichtet worden.“
Recht hat er, der Informant Mayer, unser Mokka, der mich über viele Jahre denunziert hat. Denunziert hat mich auch ein gewisser Ingmar Brantsch aus Kronstadt. Aber im Westen. Er macht es heute noch. So auch im Augustheft der Zeitschrift „Deutscher Ost-Dienst“ des Bundes der Vertriebenen. Er bezeichnet mich dort als „von der Partei als ihr Funktionär jahrelang besoldet und privilegiert und auch häufig mit Staats-und Parteipreisen dekoriert.“
Was den Funktionär angeht: Ich war einfaches Parteimitglied, und sonst gar nichts. Preise habe ich insgesamt zwei erhalten. Ich erhielt den Preis des ZK des VKJ für Lyrik (1973) für meinen Debütband „Klartext“. Brantsch behauptet seit vielen Jahren, der Preis sei „für Literatur und sozialistische Ethik“ vergeben worden. Das stimmt so nicht, was durch die Urkunde, die ich besitze, jederzeit belegbar ist. Es steht darin nichts von „sozialistischer Ethik“.
Außerdem erhielt ich den Preis des Schriftstellerverbands (1980) für meinen Gedichtband „Hotel California“. Der Titel spielt auf einen Song der amerikanischen Rockband „Eagles“ an. Er wurde, folgt man der Logik des Ingmar Brantsch, im ZK in Bukarest regelmäßig bei Sitzungsbeginn anstatt der „Internationale“ gesungen.
Ingmar Brantsch hat große Verdienste bei der Verleumdung der Aktionsgruppe und Herta Müllers erworben. Schon jetzt ist ihm eine Fußnote in der Literaturgeschichte sicher. Um die Einseitigkeit in der Sache wenigstens ein bisschen abzumildern, soll hier von seinen Verdiensten im rumänischen Kommunismus die Rede sein.
Anlässlich einer Schriftstellerkonferenz schreibt Brantsch am 15. November 1968 in der „Karpaten-Rundschau“: „Die wunderbaren Möglichkeiten, die der deutschsprachigen Literatur unseres Landes in großzügiger Weise von Partei und Regierung geboten werden, berichten zu wollen, nähme viele Seiten in Anspruch und könnte erst recht nicht vollständig geschehen. Vielleicht auch deshalb nicht, weil all diese günstigen Bedingungen nicht erschöpfend ausgenutzt werden, ja, mitunter sogar durch ein Fehlen an Kompetenz, an Bildung, an Urteilskraft und allzu häufig auch durch reine Bequemlichkeit stark beeinträchtigt sind.“ Ist das nicht ein echtes Kompliment für die Rumäniendeutschen? Es ist mehr als das. Es ist eine Hommage des „homo sovieticus“ Brantsch an die Sklavensprache.
Richard Wagner



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