Dienstag, 6. Oktober 2009

STOLZ DER BANATER



Der Journalist

Sever Bocu (1874 –1951) wurde in Sistarovat bei Lippa/Lipova geboren. Er studierte Journalismus in Wien und Paris und war jahrelang als Redakteur und Direktor der Arader Zeitung „Tribuna“ tätig. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er zu den Spitzen der Nationalen Partei Rumäniens, nachher war er Mitglied der Bauernpartei Rumäniens. Er war auch Vorsitzender der Bauernpartei-Filiale Temesch-Torontal, wobei er 1921 zum Abgeordneten seitens dieser Partei gewählt wurde. In der Zeitspanne 1938 – 1940 war er Temescher Gouverneur. Infolge der gefälschten Wahlen von 1946 wurde er zum letzten Mal zum Abgeordneten des Verwaltungskreises Temesch-Torontal gewählt. Das Kommunismusregime verbot aber den Abgeordneten der Bauernpartei, sich am politischen Leben zu beteiligen. Sever Bocu wurde Anfang Mai 1950 inhaftiert. Er starb am 21. Januar 1951 im Gefängnis von Sighetul Marma]iei. Zu Ehren des Journalisten und Politikers Sever Bocu wurde in Hatzfeld/Jimbolia das Pressemuseum eingerichtet. (rn)

Die Büste von Sever Bocu in der Allee der Persönlichkeiten in Temeswar. Skulptur: Eugen Florin Bârzu.
Foto: Raluca Nelepcu

Neue Weinkultur und –kulturen auf dem Silascher Berg

Großunternehmer und Hobbywinzer basteln am Image der Bakowaer Schwaben
Von Siegfried Thiel

Vom Silascher- über den Urbaniberg und bis hin zum Busiascher Bahnhof hat sich einst das Weingebiet der Bakowaer erstreckt. Den ehemaligen Namen für Qualitätsweine wieder auf ein gehobenes Level bringen, wollen Privatunternehmer, die einen Teil des Weinbergs in der Nähe des Kurortes Busiasch/Buzia{ (Verwaltungskreis Temesch/Timi{), bearbeiten. Dabei sollen alte Traditionen wieder aufleben und als Marke den Wein aus Bakowa/Bacova statt jenen aus Busiasch ins Rampenlicht rücken. Produktqualität und moderne Vermarktungsstrategien können dazu beitragen, flächenmäßig wird die Ausdehnung der ehemaligen Weindomäne der Bakowaer wohl nie mehr erreicht werden. Dass sich eine Investition in Ackerboden auf dem Weinberg lohnt, zeigen die Ankäufe, die weit mehr als das Doppelte von dem ausmachen, was heute angepflanzt ist. Sicher wird einiges an Rebbestand in den nächsten Jahren hinzukommen, doch allein schon die Investition in den Boden lohnt sich: Ein Hektar Land auf dem Weinberg in Silasch/Silagiu ist fast doppelt so teuer wie gewöhnliches Ackerland im Raum Busiasch-Bakowa.


Blick vom Silascher Berg. Im Hintergrund ist Busiasch zu sehen.

Bakowaer - Winzer durch und durch
Ein richtiges Dorf mit etwa 100 Häusern hatten sich die Bakowaer früher auf dem Silascher Berg errichtet, eine Kapelle gebaut und von Juli bis zur Traubenlese im September gab es an der Einfahrt eine Schranke, die den Zugang in den Weinberg während des Traubenreifens verhinderte, erinnert sich Karl Singer. Den heutigen Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat verbindet mit dem Weinberg eine gehörige Portion Nostalgie jener Tage, als noch in Bakowa Qualitätsweine für Kunden aus Temeswar/Timi{oara und Lugosch/Lugoj gekeltert wurden. Singer selbst hat, genauso wie viele Dorfkinder und Jugendliche der Nachkriegszeit, nicht nur seinen Appetit an Trauben und Most gestillt, sondern auch richtig Geld war im Weinberg zu verdienen. Überhaupt dann, wenn man sich der kräfteraubenden Arbeit des Traubenspritzens annahm.
Karl Singer in seinem Hobby-Weingarten

Gespritzt wurden die Trauben über viele Jahr mit Kupfervitriol-Lösung, hierzulande als „Blaustein” bekannt. „Reben zu- und aufdecken”, das war eine der großen Sorgen der Bakowaer Winzer, erinnert sich Karl Singer, „später kam man darauf, dass eine solche Sicherheitsmaßnahme vor dem Gefrieren gar nicht notwendig war“. Auch sonst hielten die Weinbauern vom Silascher Berg an Traditionen fest: Sie hatten ihre Weinreben nicht auf Spaliere gebunden – sie fanden das als viel zu kostspielig. Erst die Verstaatlichung und Umwandlung in eine Staatsfarm, sogenannte „Gostat”, brachte das Spalierkonzept. Trotz dieser moderneren Methode war die Staatsfarm ein Weg in den Verfall des Weinbergs. Zunächst stellten sich die Bakowaer den Tatsachen und arbeiteten nach der Enteignung als Angestellte der Staatsfarm in den Weingärten. Es war auch ein erheblicher Teil Hoffnung in dieser Arbeit, denn „sie hofften, dass die Amerikaner kommen werden, die Kollektivwirtschaft aufheben und die Eigentumsverhältnisse wieder herstellen. Und dann sollte ihr Weingarten nicht ungepflegt sein”, erinnert sich Singer an die Tugenden der Schwaben. Doch als weder Amerikaner kamen, noch die Löhne die täglich anfallenden Ausgaben deckten, zogen es die Bakowaer Winzer vor, in den Betrieben zu arbeiten, die die Pendler in den umliegenden Städten erreichen konnten. Damit blieben sowohl die engagierten Arbeitskräfte als auch die Fachleute weg. Den eigenen Bedarf an Wein deckten die Bakowaer aus dem ganz privaten Ertrag in Hausgarten und Hof. Die Großwirtschaft mutierte zur Staatsfarm in Busiasch, so dass Bakowa als Produzentenmarke langsam aber stetig verschwand.
1859, fast 100 Jahre nach der Dorfgründung, fanden die Bakowaer heraus, dass der granithaltige Untergrund in der Silascher Gegend ideal für den Weinbau ist. Vielleicht nicht von ungefähr: Die ersten 100 Familien waren 1763 aus dem Weinbaugebiet am Mittelrhein im Raum der späteren Gemeinde Bakowa angesiedelt. Eine Sorge wurden sie nie los – der Eisengehalt des Bodens verursacht die Oxidierung des Weines, ein Problem, mit dem sich auch die heutigen neuen Großwinzer auseinandersetzen müssen.

Nostalgie, Hobby, Privatinitiativen
Karl Singer ist mit seinem 0,3 Hektar akribisch gepflegten Weingarten zwar ein Vorzeigewinzer, doch - so wie er sich selbst nennt - nur einer, der Weinbau als Hobby betreibt. Weiter oben liegt die Domäne der alten Schweizer Winzerfamilie der Chevaliers de Bayard. Die Reben des Schweizer Unternehmers Peter Bayard erstrecken sich auf etwa sieben Hektar angepflanzten und ertragreichen Weingarten, weitere 35 Hektar – noch ungepflanzt - gehören zum Eigentum des Unternehmens. „Das Leben ist zu kurz, um Weine schlechter Qualität zu trinken”, heißt es im Werbeslogan der Domaine des Chevaliers de Bayard. Das heißt aber noch nicht, dass aus der Kelterei des Schweizers nur Weine der gehobenen Preisklasse kommen. Lokale Werbe- und Verkaufskampagnen gibt es zweimal pro Woche (Mittwoch und Samstag) auf dem Busiascher Stadtmarkt, und da wird auch reichlich ganz gewöhnlicher Tafelwein angeboten. Groß Geld zu verdienen ist mit Weinen in Rumänien noch nicht: „Langsam muss erst eine Weinkultur entstehen”, sagt der Geschäftsführer der Domäne, Joachim Reichelmann, und findet die Tatsache, dass ihre Weine die Chance haben, auf die Liste der zu Anlässen im Deutschen Bundestag konsumierten Produkte zu kommen, als einen besonderen Schritt aus der Anonymität. Vorwiegend Besucher aus Deutschland sind heute ihre Kunden, sie versuchen nun in die Gastronomie und ins Ausland zu gehen. Nachteil ist eben, dass der Wein noch nicht allzu bekannt ist.
Trotz anhaltender Dürre ist im neu möblierten Lokal der Domäne auch in diesem Jahr nicht mit Weinen minderer Qualität zu rechnen. Reben aus dem Ausland, keine überlasteten Rebstöcke, naturbelassene Weine und Anwendung westeuropäischer Technologien sind die Ansätze, die aus dem Silascher Berg, wieder das herausholen sollen, was einst die Bakowaer – gemessen an den damaligen Erwartungen und Möglichkeiten – gemacht hatten. Allein flächenmäßig wird es noch dauern. Von den ehemals Eintausend Hektar Weinberg sind heute weniger als ein Zehntel nach den Regeln moderner Winzerei angepflanzt.


In der Weinstube der Domaine des Chevaliers de Bayard : (v.l.n.r.) Joachim Reichelmann, Peter Bayard und Karl Singer

Fotos: Zoltán Pázmány

Guter Jahrgang für Weine

Minisch hat die einzige Forschungsstation in Westrumänien

Weintourismus in der Gegend bei Minisch/Minis. Dieses Angebot kommt vom Privatunternehmen Wine Princess. „Hier können Weininterressierten alle Stadien der Weinproduktion sehen“, sagt Balla Geza, Inhaber des Weinbaubetriebs Wine Princess. Außerdem können sie hier untergebracht werden und aus der Eigenproduktion kosten.
Die Arader Gegend ist besonders für Rotweine geeignet. Von der gesamten Fläche, auf der Weinreben angebaut werden, sind 80 Prozent Rotweine und 20 Prozent Weißwein. Spezifisch für die Region ist der Kadarka. Obwohl nicht ursprünglich von hier stammend, wird diese Rebe hier seit 250 Jahren angebaut.


Reichhaltiges Angebot im Präsentierladen von Wine Princess

Die Preise für eine Flasche Wein sind nicht unbedingt für jedermann: zwischen vier und 15 Euro werden dafür verlangt. Der Paketpreis, das neben dem Weinangebot eine Mahlzeit einschließt, schwankt zwischen 63 und 110 Lei, je nach Weinqualität und Speiseangebot.
Weinreben hat Wine Princess auf ungefähr 60 Hektar angebaut, davon 45 auf eigenen Grundstücken, 15 auf gepachteten. Bis vor einem Jahr wurden Weintrauben auch von den Kleinproduzenten der Gegend aufgekauft. Die Wirtschaftskrise hat jedoch auch diesen Sektor eingeholt. In diesem Jahr wurden keine Weintrauben mehr aufgekauft. Außerdem ist noch ein Großteil des Weines der vergangenen Jahre vorrätig.
Das Unterfangen hat bislang ungefähr drei Millionen Euro gekostet. Der Großteil des Geldes wurde jedoch durch Projekte aus EU-Fonds herbeigeschafft. „Am meisten hat die Technologie für die Weinproduktion gekostet“, sagt Balla Geza. Jetzt sollen Gelder für die Neupflanzung von Weinreben beschafft werden. „Die Reben sind veraltet. Für die Erneuerung des Rebbestands können wir durch Projekte EU-Gelder bekommen“, sagt Balla Geza. Bis 2013 sollen jährlich zwischen 10 und 15 Hektar neu angepflanzt werden. Drei Jahre nach dem Pflanzen kann schon geerntet werden. Worüber Balla Geza sich jedoch unzufrieden zeigt sind die Subventionen, die vom rumänischen Staat vergeben werde.


Balla Geza „inspiziert“ sein Gut

Obwohl nach Aussage von Balla Geza die Trauben erst nach der Vollreife geerntet werden, schienen die Trauben, beim Kosten, (der Redakteur ist jedoch kein Experte) etwas säuerlich zu sein.
Dieses Jahr ist nach Aussagen mehrerer Experten ein besonders guter Jahrgang für die Weinproduktion. In Sachen Weinproduktion werden die Weißweine in rostfreien Stahlbehältern, die eine Kapazität von 10.000 Liter haben, vergoren. Bei einer kontrollierten Temperatur von maximal 15 Grad werden diese zwei Monate in diesen Behältern gehalten. Danach müssen sie weitere zwei Monate in Flaschen reifen. Bei den Rotweinen ist die Lagerungszeit länger. Sie werden zwei Jahre lang in Eichenfässern gereift, danach müssen sie für weitere acht Monaten in den Flaschen reifen. Bis zur Flasche werden die Rotweine in Eichenfässern gelagert. „Wir produzieren nicht, wie andere, Millionen Flaschen. Wir konzentrieren uns mehr auf die Qualität und nicht auf die Quantität“, sagt der Unternehmensinhaber.

Einzige Forschungsstation in Westrumänien
Minisch ist jedoch eher für seine Forschungsstation bekannt. Es ist die einzige in Westrumänien, die nach EU-Beitritt noch verblieb und auf Weinbau und Weinbereitung spezialisiert ist. Hier werden auch verschiedene Arten von Weinreben erhalten. Es gibt hier eine der Weinkellereien, die von Zeit zu Zeit alte Weine zum Verkauf anbieten, gelegentlich durch Versteigerungen. „Es ist etwas für Weinliebhaber, die Preise sind ziemlich hoch. Wer jedoch ein wenig von der Sonne und dem Flair des jeweiligen Jahres schnuppern will, gibt schon das Geld dafür aus“, sagt uns Ingenieur Ioan Nacov, vom Forschungszentrum Minisch. Die ältesten Flaschen datieren aus dem Jahr 1923. Alt ist auch die Forschungsstation. Diese wurde im Jahr 1881 eröffnet. Sie finanziert sich selbst, durch die Trauben und Weine, die sie verkauft. Im Vergleich zu Wine Princess wird hier viel mehr produziert. Die Technologie ist jedoch nicht von der neuesten Generation. Ein größeres Projekt, das eigentlich auch bewilligt wurde, sollte die nötigen Gelder für die Modernisierung bringen. Mit der Wirtschaftskrise kamen jedoch auch die Probleme, nämlich Geldmangel.
Olivian Ieremiciu


Hier wird der Wein gelagert

Fotos: Zoltán Pázmány