Gäste aus Marburg an der Drau/ Slowenien bei der 20. Auflage der „Deutschen Literaturtage in Reschitza“: Hier die Gruppe unter der Leitung von Veronika Haring (1.v.l.n.r.)Foto: Werner Kremm
Reschitza - Was gar nicht mehr vorgeführt werden musste: Die deutschen Literaturtage in Reschitza, deren XX. Jubiläum am letzten Wochenende begangen wurde, sind längst keine Reschitzaer Angelegenheit allein, sondern schon zu einer bedeutenden Veranstaltung der deutschen Kultur und Literatur in Rumänien geworden. Unterstrichen wurde Grundkonzept und nachhaltige Auswirkung schon bei der Eröffnung durch den Hauptorganisator Erwin Josef Tigla und betont durch Carol König, Direktor im Rumänischen Kulturministerium im modernen Museum des Banater Montangebiets. Das DFBB hat da einem lokalen deutschen Kulturforum, im Rahmen einer allbekannten kleinen deutschen Kulturszene, zu einer überregionalen Tradition verschafft, was das reichhaltige Programm aber auch die Präsenz von Teilnehmern aus dem In- und Ausland nun zum wiederholten Male belegt.
Dass es die deutsche Kultur und Literatur hierzulande wert sei, gepflegt zu werden und erhalten zu bleiben, zeigt schon die wiederholte Präsenz mancher Teilnehmer: Edith-Guip Cobilanschi (Temeswar) war schon zum 17. Mal, Joachim Wittstock (Hermannstadt) zum 14., Annemarie Podlipny-Hehn (Temeswar) oder Carmen Elisabeth Puchianu (Kronstadt), jeweils zum 12. Mal mit dabei.
Zum Auftakt wurde die Ausstellung „Übermalungen“ (17 Exponate) der aus Lowrin stammenden Malerin, Schriftstellerin, Fotografin und Übersetzerin Ilse Hehn (Ulm) eröffnet: Die Übermalung des Alltagsgrau durch blickfängliche Farben ließ das Publikum eine neue und überraschende grafisch-fotografische Substanz entdecken. Mit ihrem Vortrag „Literaturtreffen in Reschitza oder (m)eine Maienliebe“ hielt Dr. Carmen Elisabeth Puchianu auf ihre humorvolle Art Rückblick auf die unvergesslichen Augenblicke der Jahr für Jahr abgehaltenen Literaturtreffen. Joachim Wittstock (Hermannstadt), eine der wichtigsten Stimmen der rumäniendeutschen Literatur, erinnerte in seinem Essay „Das Banatbild eines Siebenbürgers“ einfühlsam an unvergessene Literaturträger des Banater Berglands Otto Alscher, Anton Breitenhofer, Josef Puwak, Rolf Bossert und Alexander Tietz. Helmfried Hockl „Straßen der Erinnerung“ wurden von Edith Guip- Cobilanschi vorgestellt.Zum Abschluss des ersten Tages las Balthasar Waitz zwei Texte aus einem in Vorbereitung befindlichen Prosaband.
Anklang beim Publikum aber auch angeregte Diskussionen erweckten am Samstag in der Deutschen „Alexander Tietz“-Bibliothek zwei Buchpräsentationen: Annemarie Podlipny-Hehn stellte ihr kürzlich erschienenes Buch „DA-SEIN“, das ihre und die Memoiren des verstorbenen Malers Julius Podlipny über die Zeitspanne eines bewegten Jahrhunderts wiedergibt, vor. Ingmar Brantsch (Köln) referierte anhand seines Bandes „Ich war kein Dissident“. Als eigenwillige Stimme der rumäniendeutschen Lyrik ,die unweigerlich an Anemone Latzina erinnert, erwies sich erneut Carmen Elisabeth Puchianu, die Unveröffentlichtes mit ihrer typischen Ironie und Selbstironie vorlas. Anschließend war Prosa von Michael Astner ( Jassy) und Robert Gabriel Elekes ( Kronstadt) zu hören. Wertvolle Anleitungen gab Ilse Hehn auf ihre eigene Art zur literarischen Verarbeitung von Dasein und Welt mit ihren Lesungen aus den Bänden „In zehn Minuten reisen wir ab...“ und „Randgebiet“. Veronika Haring (Marburg an der Drau/ Slowenien) präsentiert die Anthologie „Zwischenmenschliche Bindungen“, worauf eine Lesung mehrerer Autoren aus Slowenien folgt. Viel Anklang fand auch der Deutsche Volkstumsabend mit Musik, Gesang und Tanz im Lyra-Saal des Reschitzaer Kunstlyzeum. Zum Abschluss der Literaturtage war am Sonntag eine literarische Reise an die Donau vorgesehen. Am Nachmittag wurde dann im Alten Theater „Mihai Eminescu“ von Orawitza in Premiere das Stück „Stühle für den neuen Mieter“, frei nach E. Ionesco, in der Adaption und gespielt von Robert Gabriel Elekes und Carmen Elisabeth Puchianu, alias „Duo Bastet“ (Transilvania-Uni Kronstadt), ein gerngesehener Traditionsgast aus Siebenbürgen, aufgeführt.
Balthasar Waitz




