Donnerstag, 13. Mai 2010

Fest der deutschen Literatur in Reschitza

Gäste aus Marburg an der Drau/ Slowenien bei der 20. Auflage der „Deutschen Literaturtage in Reschitza“: Hier die Gruppe unter der Leitung von Veronika Haring (1.v.l.n.r.)
Foto: Werner Kremm

Deutsche Literaturtage mit XX. Auflage
Reschitza - Was gar nicht mehr vorgeführt werden musste: Die deutschen Literaturtage in Reschitza, deren XX. Jubiläum am letzten Wochenende begangen wurde, sind längst keine Reschitzaer Angelegenheit allein, sondern schon zu einer bedeutenden Veranstaltung der deutschen Kultur und Literatur in Rumänien geworden. Unterstrichen wurde Grundkonzept und nachhaltige Auswirkung schon bei der Eröffnung durch den Hauptorganisator Erwin Josef Tigla und betont durch Carol König, Direktor im Rumänischen Kulturministerium im modernen Museum des Banater Montangebiets. Das DFBB hat da einem lokalen deutschen Kulturforum, im Rahmen einer allbekannten kleinen deutschen Kulturszene, zu einer überregionalen Tradition verschafft, was das reichhaltige Programm aber auch die Präsenz von Teilnehmern aus dem In- und Ausland nun zum wiederholten Male belegt.
Dass es die deutsche Kultur und Literatur hierzulande wert sei, gepflegt zu werden und erhalten zu bleiben, zeigt schon die wiederholte Präsenz mancher Teilnehmer: Edith-Guip Cobilanschi (Temeswar) war schon zum 17. Mal, Joachim Wittstock (Hermannstadt) zum 14., Annemarie Podlipny-Hehn (Temeswar) oder Carmen Elisabeth Puchianu (Kronstadt), jeweils zum 12. Mal mit dabei.
Zum Auftakt wurde die Ausstellung „Übermalungen“ (17 Exponate) der aus Lowrin stammenden Malerin, Schriftstellerin, Fotografin und Übersetzerin Ilse Hehn (Ulm) eröffnet: Die Übermalung des Alltagsgrau durch blickfängliche Farben ließ das Publikum eine neue und überraschende grafisch-fotografische Substanz entdecken. Mit ihrem Vortrag „Literaturtreffen in Reschitza oder (m)eine Maienliebe“ hielt Dr. Carmen Elisabeth Puchianu auf ihre humorvolle Art Rückblick auf die unvergesslichen Augenblicke der Jahr für Jahr abgehaltenen Literaturtreffen. Joachim Wittstock (Hermannstadt), eine der wichtigsten Stimmen der rumäniendeutschen Literatur, erinnerte in seinem Essay „Das Banatbild eines Siebenbürgers“ einfühlsam an unvergessene Literaturträger des Banater Berglands Otto Alscher, Anton Breitenhofer, Josef Puwak, Rolf Bossert und Alexander Tietz. Helmfried Hockl „Straßen der Erinnerung“ wurden von Edith Guip- Cobilanschi vorgestellt.Zum Abschluss des ersten Tages las Balthasar Waitz zwei Texte aus einem in Vorbereitung befindlichen Prosaband.
Anklang beim Publikum aber auch angeregte Diskussionen erweckten am Samstag in der Deutschen „Alexander Tietz“-Bibliothek zwei Buchpräsentationen: Annemarie Podlipny-Hehn stellte ihr kürzlich erschienenes Buch „DA-SEIN“, das ihre und die Memoiren des verstorbenen Malers Julius Podlipny über die Zeitspanne eines bewegten Jahrhunderts wiedergibt, vor. Ingmar Brantsch (Köln) referierte anhand seines Bandes „Ich war kein Dissident“. Als eigenwillige Stimme der rumäniendeutschen Lyrik ,die unweigerlich an Anemone Latzina erinnert, erwies sich erneut Carmen Elisabeth Puchianu, die Unveröffentlichtes mit ihrer typischen Ironie und Selbstironie vorlas. Anschließend war Prosa von Michael Astner ( Jassy) und Robert Gabriel Elekes ( Kronstadt) zu hören. Wertvolle Anleitungen gab Ilse Hehn auf ihre eigene Art zur literarischen Verarbeitung von Dasein und Welt mit ihren Lesungen aus den Bänden „In zehn Minuten reisen wir ab...“ und „Randgebiet“. Veronika Haring (Marburg an der Drau/ Slowenien) präsentiert die Anthologie „Zwischenmenschliche Bindungen“, worauf eine Lesung mehrerer Autoren aus Slowenien folgt. Viel Anklang fand auch der Deutsche Volkstumsabend mit Musik, Gesang und Tanz im Lyra-Saal des Reschitzaer Kunstlyzeum. Zum Abschluss der Literaturtage war am Sonntag eine literarische Reise an die Donau vorgesehen. Am Nachmittag wurde dann im Alten Theater „Mihai Eminescu“ von Orawitza in Premiere das Stück „Stühle für den neuen Mieter“, frei nach E. Ionesco, in der Adaption und gespielt von Robert Gabriel Elekes und Carmen Elisabeth Puchianu, alias „Duo Bastet“ (Transilvania-Uni Kronstadt), ein gerngesehener Traditionsgast aus Siebenbürgen, aufgeführt.
Balthasar Waitz

Die Buchmesse in der Krisenzeit

„Gaudeamus“ 2010: Viele Veranstaltungen, wenige Höhepunkte
Nicht gerade glücklich war die Planung der VI. Auflage der traditionellen Buchmesse „Gaudeamus“ in Temeswar/Timisoara für das Wochenende vom 5. bis zum 9. Mai. Die Messeveranstalter Radio România, Radio Temeswar in Kooperation mit der Temeswarer Kommunalverwaltung hatten heuer mit ihrer Veranstaltung im Riesenzelt am Domplatz nicht nur mit der allgemeinen Krise und Geldknappheit, sondern auch mit dem reichhaltigen Weekendprogramm von sich völlig überlappenden Film-, Theater- und Musikfestivals bis zu den populären Rassehunde- und Auto-Shows eine harte Konkurrenz. Nicht zu vergessen die das Zelt wie Pilze umgebenden Terassen am Domplatz. Konzept und vorrangige Erziehungszwecke - Die Messe ist erstens dem Schulbuch gewidmet - der Gaudeamus-Karawanne, die seit 2009 durch die wichtigsten Universitätszentren Craiova, Klausenburg/Cluj Napoca, Temeswar und Konstanza/Constanta führt, ist schon goldrichtig. 65 Exposanten, darunter auch wichtige Verlage wie Humanitas, RAO, Polirom, Nemira, Corint, Niculescu, TEORA, All aber auch der Adevarul-Holding (mit Gesamtangebot) und viele kleine Verlage hatten sich in Temeswar ein Stelldichein gegeben. Die Ankündigung der Expo als „Fest des Buches“ von Messedirektor Vladimir Epstein stimmte wohl mit der großen Vielfalt der Veranstaltungen im Rahmen der Messe überein, dem Buchangebot konnte sie nur zum Teil entsprechen. Für einen gewissen Anreiz sorgte schon der freie Eintritt, was vor allem Kinder und Jugendliche nutzen konnten. Vom Buchangebot war hier jedoch viel zu wenig von den Neuigkeiten der jeweiligen Verlage in den Regalen, desto mehr von den vielen Ladenhockern (die übrigens auch in den naheliegenden Buchhandlungen Humanitas, Carturesti oder Noi schon seit Wochen zu haben sind), die man zu ermäßigten Preisen bis zum Mindestpreis von 5 Lei erstehen konnte. An allen Ecken und Enden gab es dafür ein alternatives Angebot auf CD und DVD, mittendrin bot eine Privatfirma aggressiv gar ein „Wunderlösungsmittel“ für Brillenputzen (nur 30 Lei!?) an. Es fehlten also nur TV-Geräte, CD/DVD-Recorder....Haushaltsgegenstände und Autozubehör.
Schon zur Eröffnung wurde das 55. Jubiläum von Radio Temeswar und 20 Jahre seit dem Bestehen der Sendungen in ungarischer, tschechischer, slowakischer und bulgarischer Sprache feierlich begangen. Bei dieser Gelegenheit wurde der historische Dokumentarfilm „Die Legenden des Banats“ auf DVD präsentiert. Der Streifen erinnert an einige der geschichtlichen Helden des Banats u.a. der Heyducke Petru Vancea oder Achmed Pascha. Am Samstag lasen einige Temeswarer Schriftsteller, darunter Robert [erban, Eugen Bunaru, Radu Pavel Gheo aus ihren Werken. Im Programm standen Treffen mit Vertretern der Verlage, Präsentationen von Neuerscheinungen, die Zonenphase des Lesewettbewerbs „Mircea Nedelciu“, ein Buchbinder- und ein Theater-Atelier. Am Eingang war ein Messekorb eingerichtet, die hier gesammelten Buchschenkungen sollen den Bibliotheken vom Lande zukommen. Am Sonntag, dem 9. Mai, überreichte Ioan Coriolan Gârboni, Ehrenvorsitzender dieser Auflage, die
Gaudeamus-Preise 2010. Das war`s mal wieder.
Balthasar Waitz

Deutsche Investition durch Großmühle vervollständigt

Symbolträchtiger Mühlenstart im Verwaltungskreis Temesch. Im Bild (v.l.n.r.): Paul Milata, Klaus Brennecke, Marko Walde
Foto: Zoltán Pázmány
ATON Transilvania unter die Top Five der Mehlproduzenten
Von Siegfried Thiel
Als der CEO der ATON Transilvania, Dr. Paul Milata, Deutschlands Konsul in Temeswar/Timisoara, Klaus Brennecke, und Marko Walde, Geschäftsführer der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer in Bukarest, per Fernbedienung die Mühle in Mercydorf/Carani als neueste Investition der ATON Transilvania, starteten, hatten die Spitzen der Politik und Verwaltung aus dem Verwaltungskreis Temesch/Timis gefehlt. Dass Tiberiu Lelescu, Chef des Temescher Landwirtschaftsamtes, und der Bürgermeister von Sanktandres/Sânandrei, Dorel Demea, zugegen waren, blieb so gut wie unbeachtet – vor allem der Diskretion wegen, mit der die beiden am Event teilnahmen. Elf Millionen Euro hat ATON Transilvania in die neue High-Tech-Mühle investiert, die die höchste Kapazität in Rumänien hat
Wegen dem Fernbleiben der Kommunalbehörden kommt es nicht von ungefähr, dass nach Lobesworten an die Investoren, harsche Kritik an die Behörden folgte. Marko Walde: „Firmeneinweihungen sind beruflich mit Abstand das beste, was mir passieren kann“. Dass sich jedoch niemand aus dem Landwirtschaftsministerium für die ATON-Projekte und -Investitionen so richtig zu interessieren schien, stand auf der Schattenseite der Veranstaltung. Getätigt in Zeiten der Wirtschaftskrise, im Lebensmittelsektor und von erheblichem Ausmaß – dies alles sieht Walde als High-Lights „eines der größten deutschen Investitionen der letzten Jahre in Rumänien“. In knappen Zahlen das ATON-Engagement in Rumänien vermerkt: 260 Millionen Euro Investitionsgelder, die Bearbeitung von 20.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, 550 Arbeitsplätze in mehreren Sparten und seit Mitte vergangener Woche die größte Mühle Rumäniens in Betrieb.
Die deutsche ATON GmbH – die im Holding System funktioniert – kam 2006 über die ATON Transilvania auf den rumänischen Markt. Diese erstand die 1993 gegründete Vital&Heyl, die damals eine Tageskapazität von 260 Tonnen in vier Mühlen schaffte. Wegen der veralteten Technologie, hat der neue Inhaber drei Mühlen stillgelegt.
500 Tonnen Weizen – dies die Tageskapazität der neuen Anlage „Moara Carani 5“ in Mercydorf, die somit zur größten Mühle Rumäniens wird. „Diese Mühle ist zwar die größte in Rumänien, doch wir haben nicht die größte Mahlkapazität im Land“, räumt Paul Milata eventuelle Fehleinschätzungen aus. Trotzdem mutiert ATON mit ihrer neuen Produktionsanlage unter die ersten fünf Mehlproduzenten Rumäniens. Zu den 500 Tonnen kommen nämlich noch 120 hinzu, die eine weitere Mühle des Unternehmens pro Tag aufnehmen kann. Für Konsul Brennecke ist die Investition ein klarer Beweis, dass „das Vertrauen in den Standort Westrumänien trotz stürmischer Krisenzeiten nicht verloren gegangen ist“. Und Paul Milata knüpft an den Gedanken des Diplomaten an: "Durch diese Mühle bezeugen wir unsere langfristige Planung als strategischer Investor in Rumänien".
Insgesamt nur 21 Mann werden den technischen Part der Mühle in ihrem 24-Stunden-Ablauf bestreiten. „Es ist die einzige Mühle in Rumänien, die in einem integrierten System funktioniert - vom Getreideanbau über Ernte, Lagerung in Getreidespeichern bis hin zur Lieferung von Fertigprodukten. “Zunächst bedarf es einer Einlaufzeit von etwa einem Monat, bis die volle Produktionskapazität möglich ist“, sagt Obermüller Marius B²d²u
ATON Transilvania ist die Rumänienniederlassung der deutschen ATON GmbH und tätigt außer dem Bereich Landwirtschaft noch Investitionen in Metallkonstruktionen, elektrische Energie, Wasser- und Abwasser, Steinbrüche und Kiesgruben sowie in einen Industriepark.

„Music Reflexion 2010“

Pianistin Adriana Dogariu und Walter Hilgers veranstalten das Projekt „Music Reflexion 2010“.
Zoltán Pázmány

Walter Hilgers erneut in Temeswar/ Von Ana Saliste

„Wir sind ohne Bildung, noch mehr, wir sind zum Leben,/zum richtigen und einfachen Sehen und Hören, zum/glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen/verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal das/Fundament einer Kultur, weil wir selbst davon nicht/überzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben“. Der Text ertönt aus den Lautsprecherboxen im dunklen Konzertsaal des Temeswarer Musikkollegiums „Ion Vidu“. Zugleich werden Videoprojektionen ausgestrahlt. Erst wenn der Nietzsche-Text zu Ende ist, entdeckt der Zuschauer das Ensemble auf der Bühne. Denn bei diesem Konzert soll alles ineinander fließen. Der Szenenwechsel soll nicht vernommen werden. Nur noch die kleinen Lichter an den Notenpulten beleuchten den Saal, da ertönt leise Johannes K. Hildebrandts „Klangschatten II“ für Kammerorchester. Ein originelles Spiel mit Details, Videoprojektionen, Musik und Emotionen – dies wollte Prof. Walter Hilgers von der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ aus Weimar mit seinem neuen Projekt „Music Reflexion 2010“ zeigen.
Die Vorstellung, die am Dienstag, den 11. Mai, in Temeswar/Timisoara Premiere feierte, ist Teil des Projekts „Panoramic XX“, das von der Universitätsassistentin und Pianistin Adriana Dogariu und dem Konzertpianisten und Hochschullehrer Sorin Dogariu in die Wege geleitet wurde. Ziel des Projekts ist, die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts zu fördern. Dazu wurden Walter Hilgers aus Weimar und Prof. Stefan Wilke von der Universität Erfurt eingeladen, ein Live-Kammermusikkonzert zu gestalten. Rund 30 Studenten und Lehrkräfte der Temeswarer Musikhochschule nehmen daran teil.
„Die Idee zu einem solchen Konzert stammt von den Kulturabenden ´Der Dialog der Künste´, die vom Kunstkritiker Deliu Petroiu seinerzeit veranstaltet wurden. Ich habe daran teilgenommen, als ich noch Schülerin war. Ich wollte nun diese wundervolle Stimmung wieder beleben“, erklärt Adriana Dogariu.
Das Konzert wird heute um 19 Uhr im Lugoscher Theatersaal aufgeführt. Am Donnerstag, den 13. Mai, um dieselbe Uhrzeit, ist das Konzert im Lira-Saal des Reschitzaer Lyzeums für Musik und bildende Kunst „Sabin P²utza“ anberaumt.
Es handelt sich um eine originelle Verflechtung von Musik des 19. und 20. Jahrhunderts, Videoprojektionen und Textauszügen. Eine Show, in der der Scheinwerfer nie still steht. Ein Detail nach dem anderen wird dem Zuschauer hervorgehoben. Und somit bleibt auch der Blick nie still. Ähnlich wie der Dirigentenstab. Mal zögert er länger und verbleibt kurz auf etwas gerichtet, mal springt er in Sekundenschnelle von einem Punkt zum anderen. Von einer Hand, die über das Klavier gleitet bis zu einem Instrumentenspieler, von Walter Hilgers in seinem weißen Künstlerhemd bis hin zu den Videoprojektionen. Mal wird Musik von Igor Strawinski gespielt, mal ertönt Erich Kästners Stimme aus den Lautsprechboxen. Und Kästners kritische Apelle an die Menschheit kommen nicht von ungefähr: Denn schon gleiten die Gedanken zu den „Herren der Bank und Industrie/ Minister und General“. Ob es sich um die Herren von heute oder die zu Kästners Zeiten handelt? Das soll der Zuschauer selbst bestimmen. Alles soll in Gedanken Verbindungen herstellen, jeder Musikklang, jeder Textabschnitt. Der Zuschauer kann sich aber auswählen: „Er kann entweder nur die Musik genießen oder er kann sich darüber Gedanken machen, was die Texte und die Musik eigentlich vermitteln“, sagt Walter Hilgers. Die „freudige, lustige Musik der 20er Jahre“, so Hilgers, soll jedoch ein ernstes Problem ans Licht bringen: Der Zuschauer wird dazu gebracht, über die „Schätze der Welt“ zu reflektieren. „Die Vorstellung soll die Menschen in einer positiven Art ermahnen, welche wertvollen Sachen sie mit der Welt in der Hand haben, die immer wieder durch Krieg kaputt gehen“, erläutert Walter Hilgers.
Musik von Igor Strawinski, Johannes K. Hildebrandt, Paul Bowles, Bohislav Martinu, Paul Hindemith, Dan Dediu und Mario Wiegand wechselt sich mit Texten von Friedrich Nietzsche und Erich Kästner und den vielfältigen Videoprojektionen ab, die Prof. Stefan Wilke dazu ausgewählt hat.
„Mich hat diese Kombination zwischen Musik und Video immer fasziniert. Die Projektionen können eine aufwendige Bühnenausstattung sehr leicht ersetzen“, erklärt Walter Hilgers. Ein ähnliches Projekt ist künftig für Italien und Deutschland vorgesehen. Auch in Temeswar soll das Unterfangen zu einer jährlichen Tradition werden. Der Name wird aber immerhin der gleiche bleiben: „Music Reflexion 2010“, auch wenn es im Jahre 2011 neu umgesetzt wird. „Zwanzig – Zehn, das ist ein fester, kompakter Begriff. Damit können sich die Menschen immer identifizieren“, schließt Hilgers.



„Weiterreichung der Armut“ im Gesundheitswesen

Das Temeswarer Kinderkrankenhaus „Louis Turcanu“ und alle die dazu noch gehörenden Kliniken sollen in diesem Jahr in kommunale Hände übergehen.
Foto: Zoltán Pázmány


Debatte um die Dezentralisierung der Krankenhäuser / Von Ana Saliste

Ab dem 1. Juli soll die Verwaltung der Krankenhäuser in lokale Hände übergeben werden. Dadurch wird deren Finanzierung von der Kreiskrankenkasse und den lokalen Verwaltungsstrukturen übernommen. Das Vorhaben zielt darauf ab, dass das Gesundheitssystem besser den
Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen soll. Landesweit werden Rundtischgespräche veranstaltet, an denen Krankenhausmanager, Lokalbehörden und Bürgermeister teilnehmen, um die Schwerpunkte der Dezentralisierung im Gesundheitswesen hervorzuheben.
In Temeswar/Timisoara kamen vor Kurzem Krankenhausmanager und Bürgermeister aus dem Verwaltungskreis Temesch/Timis zusammen, um über die Dezentralisierung des Gesundheitssystems zu diskutieren. Vier Krankenhäuser in Temeswar (das Kinderkrankenhaus „Louis Turcanu“, das Krankenhaus für ansteckende Krankheiten „Victor Babes“, die Klinik für Gynäkologie und Frauenheilkunde „Dr. Dumitru Popescu“, das Städtische Krankenhaus) und weitere sieben aus dem Verwaltungskreis müssen noch dieses Jahr aus der Trägerschaft des Gesundheitsministeriums in jene der Kommunalverwaltungen übergehen. Livius Cârstea, Vertreter der Sanitas-Gewerkschaft, warnt: „Es ist klar, dass der Staat kein guter Verwalter ist. Gerade deshalb muss diese Übergabe sehr ernst genommen werden und transparent sein. Wir reden hier über eine Weiterreichung der Armut. Der Staat hat ab Juli kein Geld fürs Gesundheitssystem mehr und schiebt die Verantwortung auf die Kommunalbehörden“.
Und noch eins steht dadurch fest: „Dezentralisierung bedeutet nicht, dass für das Gesundheitswesen mehr Geld veranschlagt wird“, ließ Prof.Dr. Stefan-Iosif Dragulescu, Rektor der Temeswarer Medizin- und Pharmaziehochschule, erkennen. Der Wechsel würde aber den Kommunalverwaltungen eine bessere Verwaltung der Krankenhäuser ermöglichen und dies sei eigentlich der Kern der Sache, so Dr²gulescu. Gesundheitsminister Attila Cseke versichert, das Ministerium werde die medizinische Betreuung nicht im Stich lassen und es weiterhin unterstützen.
Auch Dr. Horia Cristian, Temeswarer PNL-Abgeordneter, stimmt zu, die Übergabe sei nicht leicht, jedoch notwendig: „Die Ausbildung von kompetenten Krankenhausmanagern ist zwar keine leichte Sache, wir müssen aber den Übergang durchziehen“, so Horia Cristian. „Ein Bürgermeister kennt viel besser die Probleme, mit denen sich die Krankenhäuser in seiner Stadt konfrontieren und weiß genau, wo angepackt werden muss. Er kennt auch die Infrastruktur besser“, fügte er hinzu. Ob die Kommunen damit klar kommen werden? Der Lugoscher Bürgermeister Francisc Boldea bringt Optimismus auf: „Ich bin nicht entsetzt, ich kann es kaum erwarten. Es ist eine große Herausforderung für uns. Wir müssen uns nur an die Arbeit machen“, so Boldea.
Beim Rundtischgespräch kam auch Dorin Vancea, Manager des Temeswarer Krankenhauses „Victor Babes“ zu Wort: „Das Hauptproblem an der ganzen Sache ist, dass die Krankenhäuser mehr Geld für einen Patienten ausgeben müssen, als die Krankenversicherung zusichert. Die Durchschnittssumme für die Behandlung eines Patienten liegt im Ausland bei etwa 1500 Euro. In Rumänien ist diese zehnmal geringer und liegt bei rund 150 Euro“, so Dorin Vancea. „Die Übergabe, finde ich aber, ist eine gute Sache, auch wenn in diesem Jahr, meiner Meinung nach, nicht mehr viel gemacht werden kann“, fügte er noch hinzu.
373 Krankenhäuser werden bis zum 1. Juli in kommunale Hände übergehen - etwa 85 Prozent der gesamten Krankenhäuser in Rumänien. Nur noch 62 medizinische Einrichtungen bleiben unter der Trägerschaft des Gesundheitsministeriums. Es handelt sich dabei um die Kreis-Notfallkrankenhäuser aus den wichtigsten Universitätszentren, die Psychiatriekrankenhäuser und die auf die Behandlung von einem einzigen Krankheitstypus spezialisierten Krankenhäuser.