Von Andreea Oance und Ana Saliste
Eigentlich stellte er sich ein Wochenende voller Rockmusik beim Nova-Rock-Festival in Nickelsdorf, Österreich, vor, einige hundert Kilometer von zu Hause entfernt. Ein heftiger Sturm führte den 32-jährigen Cristian Philipp aber zurück nach Temeswar/Timisoara. So nahm er am anderen Festival teil: Bega Boulevard.
Für Groß und Klein war das Entchenrennen im Anschluss des „Bega Boulevard“-Festivals endgültig das Highlight-Event.
Foto: Zoltán Pázmány
Um 5 Lei kaufte er eine „Ente“ für das Entchenrennen auf der Bega am Sonntag. Nicht einmal im Traum hatte er gedacht, dass aus 6.500 gelben Entchen gerade seines als erstes das „Finish“ erreichen wird. Eine Stunde später wurde er zum Gewinner des Rennens erklärt. 1.000 Euro dienen nun als „Trost“ für das verpasste Rockfestival. Cristian Philipp wird in diesem Sommer während seines Spanienurlaubs mehr Geld in der Tasche haben.
Glück ist Glück, denn eigentlich hätte Cristian Philipp bloß den vierten Platz belegen sollen. Die Gewinner der ersten drei Plätze haben sich aber in der ersten halben Stunde nicht bei den Veranstaltern gemeldet - wie die Wettbewerbsregeln vorsahen - so dass die Preise an die nächsten Teilnehmer, die anwesend waren, vergeben wurden.
Die anderen Preise aus dem Wettbewerb waren ein Navigationssystem und ein Reifensatz. Weitere zwanzig Überraschungspreise wurden vergeben, so dass insgesamt 23 Personen von den Veranstaltern einen Preis ergatterten. Auf Platz 17 plazierte sich unsere Kollegin Raluca Nelepcu.
Das Entchenrennen bedeutet jedoch nicht nur Spaß, sondern auch eine Wohltätigkeitsaktion. Das beim Bega-Boulevard-Festival eingesammelte Geld soll für die Ausstattung einer medizinischen Mobileinheit verwendet werden. Diese wird ab Herbst in jenen Ortschaften eingesetzt, wo die Bevölkerung nur schwer Zugang zu ärztlichen Diensten hat. Laut Rolf Maruhn, deutscher Konsul in Temeswar, haben sich dafür bereits Anfang der vergangenen Woche freiwillige Ärzte gemeldet.
Veranstalter des Events waren das Temeswarer Bürgermeisteramt in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), dem Deutschen Konsulat in Temeswar und dem Rotary-Club.
Mit Regenschirmen in der Hand kamen Hunderte von Temeswarern am Sonntagnachmittag an die Ufer des Bega-Kanals, um die kleinen Plastikentchen beim Schwimmen vom „Start“ an der Tineretii-Brücke bis zum „Finish“ an der Trajans-Brücke zu verfolgen und anzufeuern.
Zwar haben die Veranstalter mit 10.000 verkauften Entchen gerechnet, letztendlich waren es dann doch nur 6.500 – aber immerhin um 1.500 mehr als im Vorjahr. „Natürlich wollen wir die Anzahl der Entchen erreichen, die jedes Jahr in London auf die Themse geworfen werden – rund 170.000 Stück. Ich hoffe, dass es mit der Zeit dazu kommen wird“, sagt der Veranstalter Barmayoun AliAkbar, Präsident des Rotary-Clubs. Bei der ersten Auflage des Festivals wurden infolge des Entchenrennens über 550.000 Lei gesammelt. Das Geld wurde für die Ausstattung von elf Bildungseinrichtungen mit Wasserfiltern ausgegeben.
„Bega – Tag und Nacht attraktiv“
Unter dem Motto „Bega - Tag und Nacht attraktiv“ bot das Festival am Bega-Ufer auch in diesem Jahr eine Vielfalt an Events. Verschiedene Locations zwischen Tineretii- und Trajans-Brücke haben auch in diesem Jahr die Veranstaltungen fast rund um die Uhr beherbergt.
Kunst und Kultur aber auch Sport kamen auf ihre Rechnung - Karate-Demonstrationen und zahlreiche Ausstellungen lockten das Publikum. Viel Menschengedränge war auch beim Malerei-Stand. Hier konnten die Temeswarer, nach Anleitung von Kunstabsolventen, ihr eigenes Gemälde malen und es dann auch gleich mit nach Hause nehmen.
An der Vernissage der Ausstellung zur Stadterneuerung (eigentlich geht es um den Teilbebauungsplan am Bega-Kanal) am ersten Tag des Festivals nahmen auch der Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu und der Vizebürgermeister Adrian Orza teil. Die Ausstellung wurde vom Temeswarer Bürgermeisteramt und der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) veranstaltet. Dabei wurden das rumänisch-deutsche Kooperationsprojekt und zahlreiche Unterfangen zur Stadterneuerung, Modernisierung der Temeswarer Innenstadt und zur Sanierung der Altbauten vorgestellt. Die Ausstellung umfasste auch Stadtpläne aus den Jahren 1808, 1890 sowie 1901, die die Erweiterung des Bega-Kanals darstellten.
Das deutsche Kulturzentrum Temeswar hat auch einen Wettbewerb veranstaltet und drei Preise verliehen. Der große Preis war ein Deutschkurs in Berlin, der Gewinner des zweiten Preises bekam einen kostenlosen Deutschkurs am Kulturzentrum während der dritte Preis aus Büchern über Deutschland bestand.
Drei verletzte Personen beim Festival
Konzerte verschiedener Art von Rock- bis hin zu Folkmusik wurden auf der Bühne gegenüber dem Flora-Restaurant vorgeführt. Dana Borteanu und ihre „Freunde“ Harold Schmeltz und Daniela Török vom Deutschen Staatstheater Temeswar sangen bekannte Songs, die deutsche Band The Intersphere, der Cargo-Gitarrist Adi Barar und die Gruppe Zoom, Cristi Iacob und die Folk-Rock-Band „Pragu de Sus“ haben am Samstag- und Freitagabend für Stimmung gesorgt.
Ein Novum in diesem Jahr war die Veranstaltung eines Picknicks am Bega-Ufer. Einige Temeswarer breiteten am Sonntagmorgen, trotz des kühlen Wetters, ihre Decken auf dem Gras aus, um eine Vorspeise im Freien zu kosten. Deutschlands Konsul Rolf Maruhn nahm ebenfalls am Picknick teil.
Das Feuerwerk am Samstag ging jedoch mit einem schweren Unfall aus. Drei Personen wurden verletzt und mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus eingewiesen, nachdem Feuerwerkskörper von einem Mast mitten in die Menschenmenge herunterfielen. Schuld am Unfall trage die Firma, die die Feuershow organisiert hat, so Marian Ticu, Polizei-Chefkommissar von der Abteilung Waffen und Munition.
Hauptziel des Festivals ist die Förderung des Bega-Kanals als Freizeitmöglichkeit für Sport, Kultur und Entspannung. „Die Bega ist das innerstädtische Naherholungsgebiet und ein wichtiges Verbindungselement zwischen den Altstadtquartieren und der Innenstadt“, sagte Jochen Gauly, Leiter des GTZ-Büros Temeswar und einer der Hauptveranstalter des Festivals.
Die Gewinner der ersten drei Plätze beim Entchenrennen
Foto: Andreea Oance
Das Feuerwerk am Samstag. Später kam es auch zu Verletzungen.
Foto: Zoltán Pázmány












