Mittwoch, 24. Juni 2009

6.500 Entchen für medizinische Mobileinheit

Bega-Boulevard-Festival soll Fluss promoten

Von Andreea Oance und Ana Saliste


Eigentlich stellte er sich ein Wochenende voller Rockmusik beim Nova-Rock-Festival in Nickelsdorf, Österreich, vor, einige hundert Kilometer von zu Hause entfernt. Ein heftiger Sturm führte den 32-jährigen Cristian Philipp aber zurück nach Temeswar/Timisoara. So nahm er am anderen Festival teil: Bega Boulevard.


Für Groß und Klein war das Entchenrennen im Anschluss des „Bega Boulevard“-Festivals endgültig das Highlight-Event.

Foto: Zoltán Pázmány


Um 5 Lei kaufte er eine „Ente“ für das Entchenrennen auf der Bega am Sonntag. Nicht einmal im Traum hatte er gedacht, dass aus 6.500 gelben Entchen gerade seines als erstes das „Finish“ erreichen wird. Eine Stunde später wurde er zum Gewinner des Rennens erklärt. 1.000 Euro dienen nun als „Trost“ für das verpasste Rockfestival. Cristian Philipp wird in diesem Sommer während seines Spanienurlaubs mehr Geld in der Tasche haben.

Glück ist Glück, denn eigentlich hätte Cristian Philipp bloß den vierten Platz belegen sollen. Die Gewinner der ersten drei Plätze haben sich aber in der ersten halben Stunde nicht bei den Veranstaltern gemeldet - wie die Wettbewerbsregeln vorsahen - so dass die Preise an die nächsten Teilnehmer, die anwesend waren, vergeben wurden.

Die anderen Preise aus dem Wettbewerb waren ein Navigationssystem und ein Reifensatz. Weitere zwanzig Überraschungspreise wurden vergeben, so dass insgesamt 23 Personen von den Veranstaltern einen Preis ergatterten. Auf Platz 17 plazierte sich unsere Kollegin Raluca Nelepcu.


Das Entchenrennen bedeutet jedoch nicht nur Spaß, sondern auch eine Wohltätigkeitsaktion. Das beim Bega-Boulevard-Festival eingesammelte Geld soll für die Ausstattung einer medizinischen Mobileinheit verwendet werden. Diese wird ab Herbst in jenen Ortschaften eingesetzt, wo die Bevölkerung nur schwer Zugang zu ärztlichen Diensten hat. Laut Rolf Maruhn, deutscher Konsul in Temeswar, haben sich dafür bereits Anfang der vergangenen Woche freiwillige Ärzte gemeldet.

Veranstalter des Events waren das Temeswarer Bürgermeisteramt in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), dem Deutschen Konsulat in Temeswar und dem Rotary-Club.


Mit Regenschirmen in der Hand kamen Hunderte von Temeswarern am Sonntagnachmittag an die Ufer des Bega-Kanals, um die kleinen Plastikentchen beim Schwimmen vom „Start“ an der Tineretii-Brücke bis zum „Finish“ an der Trajans-Brücke zu verfolgen und anzufeuern.


Zwar haben die Veranstalter mit 10.000 verkauften Entchen gerechnet, letztendlich waren es dann doch nur 6.500 – aber immerhin um 1.500 mehr als im Vorjahr. „Natürlich wollen wir die Anzahl der Entchen erreichen, die jedes Jahr in London auf die Themse geworfen werden – rund 170.000 Stück. Ich hoffe, dass es mit der Zeit dazu kommen wird“, sagt der Veranstalter Barmayoun AliAkbar, Präsident des Rotary-Clubs. Bei der ersten Auflage des Festivals wurden infolge des Entchenrennens über 550.000 Lei gesammelt. Das Geld wurde für die Ausstattung von elf Bildungseinrichtungen mit Wasserfiltern ausgegeben.


„Bega – Tag und Nacht attraktiv“

Unter dem Motto „Bega - Tag und Nacht attraktiv“ bot das Festival am Bega-Ufer auch in diesem Jahr eine Vielfalt an Events. Verschiedene Locations zwischen Tineretii- und Trajans-Brücke haben auch in diesem Jahr die Veranstaltungen fast rund um die Uhr beherbergt.


Kunst und Kultur aber auch Sport kamen auf ihre Rechnung - Karate-Demonstrationen und zahlreiche Ausstellungen lockten das Publikum. Viel Menschengedränge war auch beim Malerei-Stand. Hier konnten die Temeswarer, nach Anleitung von Kunstabsolventen, ihr eigenes Gemälde malen und es dann auch gleich mit nach Hause nehmen.


An der Vernissage der Ausstellung zur Stadterneuerung (eigentlich geht es um den Teilbebauungsplan am Bega-Kanal) am ersten Tag des Festivals nahmen auch der Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu und der Vizebürgermeister Adrian Orza teil. Die Ausstellung wurde vom Temeswarer Bürgermeisteramt und der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) veranstaltet. Dabei wurden das rumänisch-deutsche Kooperationsprojekt und zahlreiche Unterfangen zur Stadterneuerung, Modernisierung der Temeswarer Innenstadt und zur Sanierung der Altbauten vorgestellt. Die Ausstellung umfasste auch Stadtpläne aus den Jahren 1808, 1890 sowie 1901, die die Erweiterung des Bega-Kanals darstellten.


Das deutsche Kulturzentrum Temeswar hat auch einen Wettbewerb veranstaltet und drei Preise verliehen. Der große Preis war ein Deutschkurs in Berlin, der Gewinner des zweiten Preises bekam einen kostenlosen Deutschkurs am Kulturzentrum während der dritte Preis aus Büchern über Deutschland bestand.


Drei verletzte Personen beim Festival

Konzerte verschiedener Art von Rock- bis hin zu Folkmusik wurden auf der Bühne gegenüber dem Flora-Restaurant vorgeführt. Dana Borteanu und ihre „Freunde“ Harold Schmeltz und Daniela Török vom Deutschen Staatstheater Temeswar sangen bekannte Songs, die deutsche Band The Intersphere, der Cargo-Gitarrist Adi Barar und die Gruppe Zoom, Cristi Iacob und die Folk-Rock-Band „Pragu de Sus“ haben am Samstag- und Freitagabend für Stimmung gesorgt.


Ein Novum in diesem Jahr war die Veranstaltung eines Picknicks am Bega-Ufer. Einige Temeswarer breiteten am Sonntagmorgen, trotz des kühlen Wetters, ihre Decken auf dem Gras aus, um eine Vorspeise im Freien zu kosten. Deutschlands Konsul Rolf Maruhn nahm ebenfalls am Picknick teil.


Das Feuerwerk am Samstag ging jedoch mit einem schweren Unfall aus. Drei Personen wurden verletzt und mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus eingewiesen, nachdem Feuerwerkskörper von einem Mast mitten in die Menschenmenge herunterfielen. Schuld am Unfall trage die Firma, die die Feuershow organisiert hat, so Marian Ticu, Polizei-Chefkommissar von der Abteilung Waffen und Munition.


Hauptziel des Festivals ist die Förderung des Bega-Kanals als Freizeitmöglichkeit für Sport, Kultur und Entspannung. „Die Bega ist das innerstädtische Naherholungsgebiet und ein wichtiges Verbindungselement zwischen den Altstadtquartieren und der Innenstadt“, sagte Jochen Gauly, Leiter des GTZ-Büros Temeswar und einer der Hauptveranstalter des Festivals.


Die Gewinner der ersten drei Plätze beim Entchenrennen

Foto: Andreea Oance


Das Feuerwerk am Samstag. Später kam es auch zu Verletzungen.

Foto: Zoltán Pázmány

Doppelte Abschlussprüfung an der Bauwesenfakultät


Studienausfahrt nach Orawitza und Anina auf dem Programm


rn. Temeswar - Die erste doppelte Abschlussprüfung im Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen der TU München (TUM) und der TU Politehnica Temeswar/Timisoara (UPT) findet am 29. Juni in Temeswar statt. Gleichzeitig wird die erste Bachelorprüfung für den vierjährigen Studiengang und die Diplomprüfung für den fünfjährigen Studiengang abgehalten.


Die Abteilung mit deutscher Unterrichtssprache an der Fakultät für Bauwesen der TU Politehnica wurde 1991 ins Leben gerufen. Zwei Jahre später, am 25. Juni 1993, unterzeichnete die Temeswarer Uni einen Partnerschaftsvertrag mit der TU München. Der Austausch von Lehrkräften und Studenten sowie die Unterstützung seitens des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ermöglichte die ständige Entwicklung der Abteilung. In diesem Jahr wird der 14. Absolventenjahrgang verabschiedet. „Die Absolventen werden von der Wirtschaft sehr gut aufgenommen, gleichzeitig trägt die Abteilung zur Vertiefung der deutsch-rumänischen Beziehungen bei“, sagt Prof. Dr.-Ing. Radu Bancila, der die Abteilung leitet. Die Prüfung soll zwischen 8.30 und 13 Uhr stattfinden, wobei am Nachmittag (18 – 19.30 Uhr) die Resultate der Abschlussprüfung feierlich verkündet werden.


Zu den Feierlichkeiten werden Gäste aus dem In- und Ausland erwartet, darunter der deutsche Konsul in Temeswar, Rolf Maruhn, der Koordinator des Kooperationsvertrags TUM/UPT, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Thomas Wunderlich und Wolfgang Störmer, Geschäftsführer des Bayerischen Bauindustrieverbands. Für Dienstag, den 30. Juni, ist eine Studienausfahrt nach Orawitza/Oravita und Anina geplant.

Die Woche im Überblick

Konsularkorps in Temeswar gegründet

Zehn Honorar- und Berufskonsuln der verschiedenen Länder haben den Sitz in Temeswar/Timisoara. Die westrumänische Stadt wurde somit zur Stadt mit den meisten Konsuln und Konsulaten in Mittel- und Osteuropa. Dies führte zur Gründung eines Konsularkorps. Die Gründungsakte wurde am Wochenende, im Rahmen des „Bega Boulevard“-Festivals unterzeichnet. Ziel des Korps ist, die Öffentlichkeit über die Arbeit der Konsulate zu informieren, engen und effektiven Kontakt mit den lokalen Behörden aufrecht zu erhalten und für eine bessere Zusammenarbeit untereinander zu sorgen. (ao)


Arbeitslosenzahl steigt im Kreis Temesch

Die Arbeitslosenquote des Verwaltungskreises Temesch/Timis nimmt zu. Die Zahl liegt zurzeit bei 2,97 Prozent, was in dieser Gegend seit über zehn Jahren nicht mehr der Fall gewesen ist, wie der Online-Nachrichtendienst timisoaraAzi mitteilt. Bis Mai diesen Jahres sind über 10.000 Personen im Kreis Temesch arbeitslos geblieben, wobei drei Viertel davon Arbeitslosengeld bekommen. Die meisten Arbeitslosen stammen aus der Automotive-Branche, aber auch Personen, die im Einzelhandel oder im Bauwesen tätig gewesen sind, blieben ohne festen Arbeitsplatz. Zu Jahresbeginn wurden über 500 Temescher Firmen aufgelöst und mehr als 1200 unterbrachen ihre Tätigkeit. (rn)


Festival für Straßenkunst

Das Französische Kulturzentrum organisiert auch in diesem Jahr das bereits zur Tradition gewordene Straßenfest sTRAdART. Fabric Mobile Art heißt das Projekt, das die historische Fabrikstadt in ein neues Licht stellen wird. Junge Künstler werden vom 26. Juni bis zum 2. Juli die Kunst auf die Straße holen: In der Fabrikstadt ist ein buntes Kulturprogramm, an dem sich die Bürger kostenlos beteiligen können, vorgesehen. Es ist bereits das dritte Mal in Folge, dass sTRAdART in Temeswar organisiert wird. Das Projekt kam mit Unterstützung des Elysée-Fonds für deutsch-französische Projekte, des Bürgermeisteramtes und des Stadtrats sowie der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) zustande. Auch das Deutsche Kulturzentrum ist an der Veranstaltung des Festes beteiligt. (rn)


FC Timisoara – vier Etappen fern der Stadt

Die Stadionschlacht, die die Temeswarer Fußballfans beim Pokalfinale in Târgu Jiu verursacht haben, hat schwerwiegende Folgen für die Mannschaft. Der FC Timisoara darf die nächsten vier Pflichtspiele mit Heimrecht nicht auf eigenem Feld austragen. Der neu gewählte Austragungsort muss mindestens 100 Kilometer von Temeswar entfernt liegen. Außerdem müssen die Temeswarer eine Geldbuße in Höhe von 50.000 Lei an den Rumänischen Fußballverband zahlen. (rn)

Arbeit für den Frieden in Großsanktnikolaus


27 Freiwillige aus drei Ländern in Rumänien zu Gast


Großsanktnikolaus - 27 Jugendliche aus drei Ländern werden Ende der Woche in der Temescher Kleinstadt Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare erwartet. Unter dem Motto „Arbeit für den Frieden – Versöhnung über den Gräbern“ treffen sich hier Jugendliche im Alter von 16 bis 27 Jahre aus Deutschland, der Republik Moldau und Rumänien. Zwei Wochen lang werden die freiwilligen Teilnehmer unter der Leitung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. die Kriegsgräber- und Gedenkstätten in der Temescher Stadt pflegen. Die Jugendlichen werden auf vier Friedhöfen in Großsanktnikolaus arbeiten.


Doch nicht nur Arbeit steht auf dem Programm der Gäste. Sie werden sich kennenlernen, gemeinsame Freizeit erleben und sich mit der deutschen und europäischen Geschichte auseinandersetzen. Reisen und Stadtführungen durch die Umgebung werden unternommen, Museen und andere Gedenkstätten besichtigt. Temeswar, Diemrich/Deva, Hunedoara, Karlstadt/Alba-Iulia und der Stausee Surduc sind nur einige der Reiseziele.


Gemeinsam aktiv für Frieden und Verständigung – seit Jahren veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten sowie Workcamps in Deutschland aber auch im Ausland. Tausende junge Menschen aus ganz Europa kommen jedes Jahr in den Workcamps und Jugendbegegnungsstätten des Volksbundes zusammen. Die Tätigkeit des Volksbundes in Deutschland ist auf Landesverbände aufgeteilt. Im Laufe der Zeit hat der Landesverband Baden-Württemberg in Rumänien mehrere Workcamps veranstaltet: in Jassy/Iasi, Kronstadt/Brasov und Cisnadie. Einige dieser Camps waren mit deutsch-rumänischen Gruppen, einige auch nur mit Teilnehmern aus Deutschland. Das Workcamp in Großsanktnikolaus wird in diesem Jahr zum ersten Mal vom Landesverband Thüringen veranstaltet.

Andreea Oance



Workcamp Freiburg 2007: Jugendliche pflegen Kriegsgräber.

Foto: Andreea Oance

Von den Tücken der Poesie


Zu dem Lyrikband „Grammatik der Vergangenheit“ von Eugen D. Popin, Anthropos Verlag Temeswar


„Was ich zu sagen habe, steht in meinen Gedichten“: Mit diesem auf „testamentarische“ Art auf der Umschlagrückseite seines schmalen Bändchens angebrachten Zitat von Sam Hamill setzt der Lyriker Eugen D. Popin sein uneingeschränktes Vertrauen in die Macht der Poesie und seines lyrischen Ichs. Der 1951 in Tschakowa/Ciacova geborene Lyriker und Übersetzer, der schon vor der Wende Deutschland zu seiner Wahlheimat gemacht hat, ist Mitglied des Deutschen und des Rumänischen Schriftstellerverbandes (Zweigstelle Hermannstadt/Sibiu) hat sein Daheim in zwei Sprachen und Kulturen zu seinem Vorteil umgemünzt: Seinem Debüt mit „Schiffahrten“ (Litera-Verlag 1985) folgten reihum zahlreiche Lyrikbände in Deutschland und Rumänien (Facla, Hestia, Anthropos Temeswar/Timisoara) aber auch in Italien (Venedig). Gleichzeitig scheute er aber auch nicht vor der aufwendigen Kleinarbeit des Übersetzers ins Deutsche oder Rumänische (u.a. Kurt Tucholsky, Rolando Certa, Harald Grill).



„die Poeme/ sind die Unendlichkeit/ wo ich dich/ ewig/ finden darf“: So Popins knapper, wortkarger Fünfzeiler „die Poeme“ (Auf 56 Seiten reiht der Autor Kurz- bis Kürzesttexte von bis zu Zweizeilern aneinander): Beharrlich bleibt der Lyriker beim modernen Prosagedicht, bei dem durchgehend aussparenden lyrischen Duktus, der mit knappen Worten und ohne Reim zurechtzukommen hat. Vom Stoff her wie auch thematisch verarbeitet der Lyriker seine Alltagserfahrungen, vornehmlich das so schwierig gewordene und dem Zerreißen nahen Ich-Du-Verhältnisses. Und da gelingt es Popin mitunter, kurzatmig und prosaisch das Gefühl der kleinen Liebe unseres hektischen Stadtalltags treffsicher einzufangen: „täglich telefonieren/ einmal im Monat/ miteinander schlafen“(Sehnsucht). Alle Tücken und Gefahren für Form und Aussage, die die gesuchte Knappheit einer solchen Poesie bescheren kann, läßt somit ein Zweizeiler wie „ich hasse dich/ ich Dich auch“ (Liebe als Stereophonie) auf den ersten Blick erkennen. Von den üblichen Schönheitsfehlern bzw. Druckfehlern, Akkusativ- und Dativ-Sünden soll hier nicht geredet werden.

Balthasar Waitz

Werbung als Form der Demokratie

Rückläufig: Ausgaben und Auflagen


Temeswar - Die beruflichen Eigenheiten konnte der bekannte Hochschulprofessor Marcel Tolcea bei seinem Seminar über die Perspektiven der Werbung nicht ganz ablegen. Obwohl als Seminar-Debatte angekündigt, hielt Tolcea einen ausführlichen Vortrag über Werbung und deren Präsentationsarten. Zwar garnierte er sie mit humorvollen Einlagen und persönlichen Erfahrungen, entfremdete jedoch wieder, als er mit vielen Statistik-Beispielen aufwartete, die sich auf die Verhältnisse in den USA aus verstrichenen Zeiten bezogen. Veranstalter war die Industrie und Handelskammer, die zusammen mit dem Temescher Presseverband, sowie mit Unternehmern und Journalisten aus Serbien ein internationales Mix zwischen Wirtschaft und Presse organisiert hatte.


„Werbepausen im Fernsehen sind ideale Momente, um auf die Toilette zu gehen“, so in etwa hätte klingen können, was Marcel Tolcea anschaulich wiedergab. Umso kurioser, dass TV-Werbung nach wie vor Spitzenwerte aufweist. In der Hierarchie in Rumänien – was sich wohl weltweit in ähnlicher Reihenfolge auflisten ließe – folgen: Rundfunk, Printmedien, In- und Outdoor sowie TV Screen und zuletzt die Internetwerbung. Obwohl Ende 2008 noch reichlich Optimismus in der rumänischen Werbebranche, rechnen Experten in diesem Jahr mit einem Rückgang der Werbeeinnahmen von 530 Millionen Euro auf 450 Mio Euro. Dabei belegte Rumänien unter den Staaten des ehemaligen Ostblocks bloß Platz zehn was die Werbeausgaben betrifft. Präsenz zeigen, nicht unbedingt verkaufen, müsse das Ziel der Werbekampagnen sein. Nicht zuletzt müsse eine Werbung auch informieren und vorbeugen, sagt Tolcea, der vor allem den Advertorial (Werbeartikel) als effizient sieht. Advertorial, der jedoch nicht vom Auftraggeber selbst, sondern von Journalisten verfasst wird.


Der Hochschullehrer wies darauf hin, dass Werbung eine Form der Demokratie darstellt – vor allem deshalb, weil sie der Presse die Unabhängigkeit sichert. Wie es jedoch mit Werbeanteilen und unabhängiger Presse in derzeitiger Wirtschaftskrise bestellt ist, betonte die Hochschullehrerin Mariana Cernicova: Seit Herbst 2008 haben in Temeswar sechs Zeitungen (Printausgaben) Konkurs gemeldet. (st)



Professor Tolcea bei seinem Vortrag

Foto: Zoltán Pázmány

Deutsche Schulen im Abi-Fieber


Lenau-Absolventen wollen in Österreich studieren

Sie haben ihren Studienplatz so gut wie sicher: Monica Haurilet und Cristina Topor, Schülerinnen des Nikolaus-Lenau-Lyzeums in Temeswar/Timisoara, werden ab Herbst in Deutschland studieren. Sie haben ein DAAD-Stipendium erhalten, wie Prof. Helene Wolf, Leiterin der Lenau-Schule, vor kurzem mitteilte. 92 Schüler des deutschen Lyzeums in Temeswar befinden sich zurzeit im Abi-Fieber. Sie müssen heute die mündliche Prüfung in Deutsch ablegen. „Die Schüler orientieren sich nach dem Abschluss mehr in Richtung Österreich, auch weil es näher liegt“, sagt Helene Wolf. Die 14 Schüler der Deutschen Spezialabteilung haben die schriftlichen Prüfungen bereits hinter sich und müssen sich nur noch den mündlichen stellen.


Auch die Absolventen der deutschen Abteilung am Diaconovici-Tietz-Lyzeum in Reschitza überlegen, sich für einen Studienplatz in Deutschland zu bewerben. „Ungefähr 30 Prozent der Schüler haben sich Gedanken gemacht, mindestens ein paar Semester in Deutschland zu studieren. Wir verabschieden in diesem Jahr eine besondere Klasse, mit sehr guten Lernergebnissen“, sagt Schulleiter Mircea Iacob Meila. Hier sind es 14 Schüler – eine Klasse mit Informatik-Profil – die das Abitur in deutscher Muttersprache ablegen. Gleichfalls 14 Schüler beenden in diesem Jahr ihr deutschsprachiges Studium am Coriolan-Brediceanu-Nationalkolleg in Lugosch/Lugoj. „Vor einigen Jahren waren es doppelt so viele Absolventen der deutschen Abteilung“, erinnert sich Physiklehrer Peter Schlupp. Die deutsche Abteilung hat vor einigen Jahren ihr Profil geändert: Aus einer Philologie-Klasse wurde eine für Naturwissenschaften. „Die meisten Schüler wählen nach dem Abschluss Studiengänge mit technischem Profil“, erklärt Peter Schlupp die Profil-Umstellung.


93 Schüler des Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeums in Arad stellen sich in diesem Jahr den Abitur-Prüfungen. Es handelt sich um vier Klassen: eine Philologie- und eine Informatik-Klasse mit Unterricht in der Muttersprache Deutsch sowie zwei Klassen (Philologie und Mathematik-Informatik) mit Deutsch als Fremdsprache. „Etwa 15 Schüler haben den Wunsch, im Ausland zu studieren“, sagt Schulleiter Michael Szellner. Die Jahrgangsbeste, die mit rein 10 abschlossen hat, wird mit einem Vollstipendium in Deutschland Informatik studieren. Die meisten Absolventen des deutschen Lyzeums in Neuarad orientieren sich in Richtung Temeswar, Klausenburg/Cluj-Napoca oder Bukarest. Viele bleiben aber auch in Arad, so Szellner. „Die guten Ergebnisse unserer Schüler bei den verschiedenen Olympiaden, wie zum Beispiel bei jener für Geschichte, haben dazu geführt, dass unsere Schüler gebührenfreie Studienplätze angeboten bekommen haben“, sagt der Arader Schulleiter.


Heute und morgen legen die Schüler der deutschen Schulen die mündliche Prüfung in Deutsch ab. Am 26. Juni wird die Prüfungsreihe mit dem schriftlichen Examen in Rumänisch fortgesetzt. Es folgt die Deutsch-Prüfung am 29. Juni und jene im Pflicht-Fach des Profils am 30. Juni. Die letzten zwei Prüfungen finden am 1. und 2. Juli statt: ein weiteres Profil- sowie ein Nichtprofil-Fach. Das Fiebern nimmt am 5. Juli ein Ende: Dann werden nämlich die Ergebnisse verkündet.

Raluca Nelepcu


Lenau-Schüler legten gestern die mündliche Prüfung in Rumänisch ab.

Foto: Zoltán Pázmány

Ein Jahr Garantie für 30-Millionen-Euro-Projekt

Der Schuldenberg der Stadtverwaltung nimmt zu


Arad – Nur ein Jahr Garantiefrist für ein Dreißig-Millionen-Euro-Projekt. Dies, Teil eines Vertrags, über den die Modernisierung und Sanierung der Straßen in Arad vorgenommen werden soll. Konkret geht es um die Verkehrstrassen zwischen dem westlichen und südlichen Stadtteil. Falls aber ein Jahr nach der Übergabe Probleme auftauchen, so muss das Arader Bürgermeisteramt selbst mit diesen zurecht kommen und die Kosten dafür tragen. Diese Summen kämen zu den zwei Millionen Euro hinzu, die jährlich an die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (BERD) für den aufgenommenen Kredit zurückgezahlt werden müssen.

Das Projekt sieht Bauarbeiten an Straßen und Verkehrsrouten in den Vierteln F²t-Frumos, UTA-Platz (Piata UTA) und Podgoriei-Platz (Pia]a Podgoriei) vor. Die Sanierungsarbeiten haben im Juli 2007 begonnen und sollen bis Jahresende beendet werden. Laut Corina Draghici, Pressesprecherin des Arader Bürgermeisteramtes, sind schon manche Straßen kurz vor der Fertigstellung. Nur die Straßenbahnlinien und die Leuchtampeln müssen noch ersetzt werden. Die gesamte Investitionssumme beläuft sich auf rund 30 Millionen Euro, 20 Millionen davon sind ein Kredit der BERD aus dem Jahr 2007. Die Arader Stadtverwaltung muss das Darlehen bis 2017 in Jahresraten abbezahlen.

Ab 2010 soll die zweite Etappe des Projektes beginnen. Bauarbeiten an Straßen, Gehsteigen und Verkehrstrassen in den Vierteln Pia]a Roman², Avram Iancu, Calea Timisoarei sowie auf dem Revolu]iei-Boulevard sollen dabei unternommen werden. Die Gesamtbauzeit wurde auf 18 Monate festgelegt. Dabei steigt der Schuldenberg des Arader Bürgermeisteramtes um so mehr, da es in diesem Jahr ein weiterer Kredit von rund 13 Millionen Euro von BERD beantragt hat. Ab 2012 wird die Stadtverwaltung neben den zwei Millionen Euro Rate, weitere 800.000 Euro im Jahr zurückzahlen müssen. Trotz Wirtschaftskrise sei die Summe nicht zu hoch für die Stadtverwaltung, so Corina Draghici. „Wir haben eine Haushaltsverschuldung von rund elf Prozent. Diese kann bis auf 30 Prozent steigen – so viel erlaubt das Gesetz. Für uns ist es gar nicht viel. Die Schulden können auch in Krisenzeiten abbezahlt werden“, sagt sie.

Ana Saliste


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Die Straßenbahnlinien an der Tribunul-Dobra-Straße werden zurzeit ersetzt.

Foto: privat

15. Bogaroscher Heimatortstreffe

Die Kerch is am Zammfalle

Anfang Juni han sich die Bogaroscher Landsleit in Sinsheim/Deitschland zu ihrem 15. Treffe zammgfunn. De Vetter Josef Prunkl, Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Bogarosch, hat alles scheen organisiert. Un es sin ihrer villi kumm, aus alli Teeler, wu die Bogaroscher halt verstreit lewe, aach aus Brasilien un Amerika sin Landsleit angereist. Un es war e Freed mit anzuschaue, wie se sich naner begriesst un umarmt han, manche Träne sin gfloss un es is so richtich verzählt gin: vun derhem, awer a iwers Lewe do in Deitschland, Erinnerunge sin ausgetauscht gin. Un dann is de Vetter Prunkl ans Mikrofon, hat alli Anwesendi begriesst un dernoh hat er iwer die Bogarocher Kerch un die Friedhof gered. Die Kerch, also ich weess des mit Sicherheit, die schaut stark krallewatschich aus. Es kennt sogar sin (wann weiter nix gschieht), dass die Kerch eeni vun de erschte im Banat is, die zammfallt. De Friedhof is vernohlässicht, es Gras wuchert. Un drum is e Spendenufruf gstart gin. Doch do sin ich mer nit so sicher, ob der grosse Anklang gfunn hat, weil de Vetter Prunkl hat betont, dass im vergangene Johr bloss 50 Euro for de Friedhof gspend gin sin. Ja liewi Bogaroscher Landsleit, was is los? Des froo ich mich schun längscht. Weil in de meischte Banater Derfer git doch was unernumm!? Ich han mer schun lang gewunsch, bei so eem Bogaroscher Treffe derbei zu sin. Un heier hat des dann geklappt. Bissl Herzkloppe han ich schun ghat. Vor villi Johre han ich mei Bogaroscher alli gekennt. Doch ufmol han ich Ängschter ghat, weil villi han ich seider villi Johre nit gsiehn. Doch es war dann ganz eenfach. Die meischte han ich wieder erkannt, bei manche han ich studiere misse, wie mer uns die Hand gedrickt han – mir sin halts alli älter gin. Doch es war e scheene Nohmittach, for mich un sicher for villi anri unvergesslich. Hinerher stell ich mer awer die Froch: was soll mit unsrer Bogaroscher Kerch passiere? Kenne mer des wirklich zulosse, dass se insterzt? Ich kann leider nix weiter mache als nochmols e Ufruf starte: Bogaroscher, losst des doch nit zu! Helen Alba

Es Bogaroscher Treffe git immer in der Stadthalle Sinsheim abghal


Es „Duo Paloma“ hat zum Tanz ufgspillt. De Leiter is de Hans Griffaton, der in de 70er Johre e Begriff im Banat war un immer geere Musich gemacht hat
Bilder: privat