Dienstag, 29. Dezember 2009

Neujahrswunsch


Die Banater Zeitung wünscht ihren Lesern einen guten Rutsch ins Neue Jahr, viel Gesundheit und Glück!
Foto: Zoltán Pázmány

Montag, 28. Dezember 2009

Leserbrief

18. Dezember 2009


Sehr geehrtes Redaktionsteam und Gestalter der Pipatschseite

Die kommenden Festtage geben mir die Gelegenheit, mich bei Ihnen für all Ihre Einsätze für das Wohle unserer Schwowâleit im Banat und Weltweit, Verständnisse und Entgegenkommen aber auch für die korrekte Abwicklung des jeweiligen Tätigkeitsbereiches in unserer „Mottersproch in der Pipatschseite“ noch einmal zu danken. Es ist für mich mittlerweile gute Tradition, am Ende eines arbeitsreichen Jahres, Rückschau zu halten und „DANKE an Euch“ zu sagen.

Weihnachten beschränkt sich nicht auf zwei Feiertage, sondern schließt sowohl den Heiligen Abend als auch die ganze Adventszeit ein. Allenthalben schmückt sich die Welt mit Tannenzweigen und anderem winterfesten Gewächs.

Adventszeit heißt: Hoffnung und Vorfreude, Weihnachten sollte das Fest der Familie bleiben. Für uns Christen ist das Mysterium von Bethlehem ein zentrales Ereignis der Heilsgeschichte und dadurch auch die Geschichte der Menschheit.

Wenn in der Silvesternacht Feuerwerkskörper durch die Lüfte im finstern zischen sind heitere und angeheiterte Menschen dabei. Wenn Leute sich zurufen „Prosit Neujahr“ ist der Klang der Kirchenglocken unüberhörbar. Möge uns der liebe Gott auch weiterhin so schützen dass wir viel Freude, Vertrauen und Erfolg an unserer original schwowischâ Zeitung aber auch an uns selber mit unserer Familien haben.

Die Pipatschseite ist und bleibt ein Grundstock für eine Bibliothek und ein Rückschlagwerk für spätere Generationen. Beim Genießen der Bilder und Lesen der Texte in Schwäbischer Mundart sind auch die unermüdliche ehrenamtliche Arbeit und der selbstlose Einsatz jedes einzelnen und des Professionellen zu erkennen.

Wünsche allen eine besinnliche Adventszeit und ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest, wie auch ein erfolgreiches, gesundes und zufriedenes Neues Jahr.

Josef Lutz

(Vorsitzender HOG Sanktanna)

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Nachwehen zum Wahl-Misserfolg

PSD-Vorsitzender in der Zwickmühle

st. Arad - Es sieht verworren aus an der Spitze der Arader Sozialdemokraten (PSD). Zum einen reicht Marius Lazar seine Demission als Vorsitzender der Kreisorganisation ein, dann wird diese vom Exekutivbüro zurückgewiesen und er selbst plädiert dafür, dass die Vorsitzenden nicht ständig gewechselt werden. Die Entscheidung wurde auf Ende Januar vertagt, wenn in Anwesenheit der Parteispitzen aus Bukarest die Wahlergebnisse der PSD in Arad bei den Präsidentschaftswahlen genau unter die Lupe genommen werden.

Die Entscheidung, abzudanken, währt bei Marius Lazar seit einigen Wochen: genauer gesagt, seit dem 8. Dezember, als klar war, dass die Arader PSD bei der Stichwahl für das Präsidentenamt glatt durchgefallen ist. Nur knapp über 36 Prozent der Wähler hatten im westrumänischen Verwaltungskreis Arad für den PSD-Kandidaten, Mircea Geoana, gestimmt. In neun von 14 Ortschaften, in denen die PSD im Kreis Arad den Bürgermeister stellt, habe der PDL-Kandidat Traian B²sescu „vernichtend“ gewonnen, sagt Laz²r und weist darauf hin, dass es Bürgermeister gäbe, die ihre finanzielle Abhängigkeit von der Kreisverwaltung nicht ablegen können und die befände sich nun mal in Händen der PDL. Solche Aussagen sind unweigerlich auch als Kritik an eventuell zu geringen Bemühungen der Bürgermeister im Wahlkampf zu deuten.

Der letzte Platz auf Landesebene, was den Prozentsatz der abgegebenen Stimmen für Mircea Geoana, betrifft, hat die PSD im Kreis Arad gehörig durcheinander gewirbelt. Noch mehr, auch die Zukunft des Kreisvorsitzenden Marius Lazar ist unklar. Hätte Geoana die Stichwahl gewonnen, wäre er – so Insiderinformationen – als persönlicher Berater des neuen Staatschefs nach Bukarest gegangen, nun dürfte er in der Gunst der Parteispitzen gewaltig gesunken sein. Das Exekutivbüro in Arad hat Lazar zwar sein Vertrauensvotum bis zu den Kommunalwahlen von 2012 gegeben, wie die Bukarester Zentrale darüber denkt, wird Ende Januar in Arad entschieden, wenn in Anwesenheit der Bukarester in Arad eine „sachliche Analyse der Wahlergebnisse angesagt ist“, so der Arader PSD-Vorsitzende.

Gedenktafel für erschossene Lenau-Schülerin



Laura Negrutiu verstarb im Alter von neun Jahren


rn. Temeswar - Laura Andreea Negrutiu saß gemütlich im Sessel und sah fern, in der Geborgenheit der Wohnung ihrer Großeltern in der Piatra-Craiului-Straße. Es war der 23. Dezember 1989. Auf den Straßen von Temeswar/Timisoara wurde noch immer geschossen. Laura Andreea Negru]iu ahnte kaum etwas von der Revolte draußen. Sie war erst neun Jahre alt und besuchte die vierte Klasse der Lenau-Schule. Plötzlich drang eine Kugel durch die Wand und traf das Mädchen, das auf der Stelle verstarb.

In Erinnerung an Laura Andreea Negrutiu wurde heute eine Gedenktafel am Gebäude der kleinen Lenau-Schule am Domplatz angebracht. Anwesend waren unter anderen Generalschulinspektor Dumitru Tomoni, Traian Orban von der Gedenkstätte der Revolution, Lenauschulleiterin Helene Wolf und Evá Paul, die Tante der erschossenen Lenau-Schülerin. „Ihre Mutter war Ungarin, ihr Vater Rumäne und sie beschlossen, das Mädchen auf die Lenau-Schule zu schicken. Laura sollte eine europäische Erziehung bekommen“, sagte Evá Paul bei der Enthüllung der Gedenktafel. Sie zeigte den Anwesenden ein Bild ihrer verstorbenen Enkelin. Die Mutter von Laura Andreea erlitt kurze Zeit nach dem Tod ihrer Tochter einen Herzinfarkt. Ihr Vater ist schwer krank.

Laura Andreea Negrutiu ist eines der sieben Schüler, die während der Revolution 1989 in Temeswar ums Leben gekommen sind. Fünf wurden am 17. Dezember, zwei – darunter auch Laura Andreea – am 23. Dezember erschossen.


Evá Paul vor der Gedenktafel ihrer verstorbenen Nichte. Laura Andreea Negrutiu wurde in der Wohnung ihrer Großeltern erschossen.

Foto: Zoltán Pázmány


Geschenkt

In der Weihnachtszeit denkt man mit Vorliebe an das Gute, mehr noch, man holt es nach, wie ein Versäumnis. Wem erlaubt schon seine Arbeit und der damit verbundene Stress das ganze Jahr über, das Gute zu pflegen. So bleibt es zwischen den Jahren endgelagert.

Das wissen nicht nur die Betroffenen, das wissen alle Beteiligten. Es ist die Zeit, in der nicht nur die Politiker ihre ominösen Sonntagsreden halten sondern alle Wohlmeinenden dieser Welt. Und weil das Gute in der Regel über Spenden finanziert wird, bemühen sich die einschlägigen Vereine in diesen Wochen so nachdrücklich um den Spender, dass man ihre Anstrengungen schon als Hartnäckigkeit bezeichnen muss. Die Konkurrenz ist groß.

Es sind nicht nur die Prominenten-Sendungen im Fernsehen, die das zum Handeln nötige Kleingeld einbringen sollen, sondern auch ganz normale Briefe. Im Computer-Zeitalter lässt sich auch Einwurfpost persönlich gestalten. Mehr denn je kommt es auf das Layout an.

Dazu gehört die persönliche Anrede. Und dazu wiederum eine aktuelle Adressenkartei. Das Weihnachtsgeschäft hat viele Facetten. Dass auch der Adressenhandel dazu gehört, mag auf den ersten Blick erstaunen. Was aber soll ein Verein ohne eine brauchbare Adressenkartei, ohne eine möglichst umfassende Liste all jener, die finanziell in der Lage sind, und auch zum Spenden bereit, weil sie die Spende mit einer Steuerspartrick verbinden und daraus wiederum ihren Nutzen ziehen. Es ist ohnehin alles eine Geldfrage, warum also nicht auch das Gute über die Währung wirksam werden lassen.

Die Spendenaktionen im Weihnachtsvorfeld haben Tradition, auch was ihre Rituale angeht, trotzdem bedienen ihre Organisatoren sich zunehmend der Formen des Entertainments, wie die Erlebnisgesellschaft sie im Angebot hat. So kochen Schauspieler für den Weltfrieden und Models ziehen sich für das Überleben der Eisbären aus.

Die Weihnachtszeit ist die Zeit des Privaten, könnte man denken, und vielleicht war es auch mal so. Jetzt aber ist auch das Private in der Hand von uns Plaudertaschen, die selbst ihre technischen Neuerungen, zur immer schnelleren Mitteilung von allem und jedem nutzen, zum allgemeinen planetaren Klatsch: Twitter, Facebook, partiell Youtube.

Kommunikationsmöglichkeiten? Der ganze Kram im Medienladen ist nichts als Spielzeug. Wo aber das Private öffentlich wird, auch wenn es spielerisch geschieht, entwertet es sich selbst, und auch das Öffentliche. Es wird zum Hintergrund der Beliebigkeit, die wir zu beklagen pflegen, und die nichts weiter ist als die Selbstregulierung unserer Lebensweise. Alles ist schließlich Umsatz. Auch das Geschenk.

Richard Wagner

Weihnachtsgruß

Liebe Mitbrüder! Brüder und Schwestern im Herrn!

Alle Enden der Erde schauen

das Heil unseres Gottes! (Ps 98,3)

Rettung und Heil bleibt die alte Sehnsucht, aber auch die Verheißung Gottes an die Menschheit. Im Alten Bund, der schließlich als nicht endgültig empfunden wird und selbst die Propheten nach einem neuen Ausschau halten, steht die Verheißung, dass der Messias jener sein wird, der das Haus Jakobs neu errichten wird. Die Gefangenschaft des Volkes Gottes in Babel und die Rückkehr des „heiligen Restes“ (vgl. Jes/Jer) wird schließlich das große Symbol dafür, dass Gott sein Volk nicht verlassen hat und ihm eine neue Chance gibt. Gott schafft den neuen Anfang, nicht der Mensch.

Gottes Sohn wird Mensch in der konkreten Zeit, „in den Tagen des Kaisers Augustus“ (vgl. Lk 2,1), doch nicht in Rom oder sonst in einer der großen Weltstädten, sondern in der Stadt Davids, in Betlehem, „denn so steht es geschrieben beim Propheten“ (vgl. Mt 2,5). Es ist zugleich die „Fülle der Zeit“ (Gal 4,4), die Gott herbeigeführt hat. Das nennt man „Verheißung“ und „Erfüllung“, denn Gott ist getreu „und kann sich selbst nicht verleugnen“ (2 Tim 2,13). - Gottes Sohn wird Mensch, doch nicht irgendwo, sondern inmitten des auserwählten Volkes, in seinem Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf” (Joh 1,11). Es kam nicht sein, was nicht sein darf: „Schau nach und lies: Aus Galilea kommt kein Prophet!” (Jn 7,52).

Gottes Sohn „ist gesetzt zum Falle, aber auch zur Auferstehung vieler, zum Zeichen, dem man widersprechen wird” (Lk 2,34). Damals wie auch heute: An Ihm scheiden sich die Geister. Für die einen ist dies alles zu einfach und nicht akzeptabel; Gott soll so konkret sein? Offenbart er sich tatsächlich so einfach? Kann er sich überhaupt, will er sich überhaupt, uns Menschen zeigen? Und warum gerade in Jesus von Nazareth? Unter den Armen des Volkes, in einem Stall? Für andere gibt es überhaupt keinen Gott und sie organisieren oft marktschreiereisch eine Gegenkampagne: „Es gibt keinen Gott!” Da und dort dringen sie mit ihrem Geschrei durch, wie damals bei Pilatus. Das macht uns selbst manchmal unsicher und lässt Fragen offen!

Die Zeiten werden rauher und kälter. „Die Liebe vieler erkaltet“ (Mt 24,12), sie werden gleichgültiger und lau im Dienste Gottes, müde in der Arbeit und im Dienst am Nächsten. Weihnachten war vor zwanzig Jahren ein Wendepunkt in der Geschichte unseres Landes und dieser Bischofsstadt. Damals waren wir der Überzeugung, dass es einen Gott gibt, der die Geschicke der Menschheit leitet, bestimmt und in Händen hält. Es war sinnfällig, dass Gott der Herr der Geschichte ist. Freiheit ist etwas Heiliges und ein Geschenk des Himmels, doch es bedeutet auch Verantwortung, Gewissenhaftigkeit und kann nicht gelebt werden ohne Gott und die feste Bindung an Seine Ordnung. Freiheit ohne Gott ist Bestialität und Chaos und endet in Verderben.

Weihnachten ist das Fest der Menschwerdung Gottes: Gottes Sohn wird Mensch durch den Geist Gottes aus einer Jungfrau. Das ist schwer zu verstehen, noch schwerer zu erklären und anscheinend ganz schwer anzunehmen. Aber ebenso schwierig scheint die Hinwendung des Menschen, der Aufstieg des Menschen zu Gott zu sein. Die Gefahr dabei ist der Stolz, die Hybris, die Habsucht und zuletzt jede Art von Sünde, mit der wir uns, die wir doch Menschen und Geschöpfe Gottes sind, gegen Gott auflehnen und so tun, als ob wir absolute Wesen wären und ohne Gott leben könnten. Die Geburt des Erlösers zu Betlehem war und bleibt der Wendepunkt der Geschichte, der menschlichen Existenz. Weihnachten ist die Chance des Menschen zur Umkehr und zur erneuten Hinwendung zu seinem Schöpfer und Erlöser.

Möge uns Gott, der für uns Mensch geworden ist in Jesus Christus, beistehen, dass uns Rück- und Heimkehr zu ihm gelingen mögen - in unseren Familien, in unserem Bistum und Land, vor allem aber im Herzen eines jeden von uns, denn von hier aus nimmt alles seinen Anfang: Umkehr, Friede und Heil.

Temeswar,

am Vortag des Weihnachtsfestes im Jahr des Herrn und der Erlösung 2009

+ Martin, Bischof von Temeswar

Hoher Besuch in Temeswar

Botschafter Andreas von Mettenheim zu Gast


Andreas von Mettenheim, deutscher Botschafter in Bukarest, wählte ein besonderes Ereignis für seinen Besuch in Temeswar/Timisoara: den 20. Jahrestag der rumänischen Revolution. Der Botschafter war Ende letzter Woche in der Stadt an der Bega zu Gast und traf hier Lokalpolitiker, als auch Vertreter der deutschen Gemeinschaft. Ihn begleitete der deutsche Konsul in Temeswar, Klaus Brennecke.

„Ich bin überhaupt neu in Rumänien, erst zwei Monate hier und der Besuch in Temeswar hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Deutschland und Rumänien haben 1989 eine wichtige Phase in ihrer Geschichte erlebt. Vor dem Fall der Mauer hat man in Deutschland gerufen: ´Wir sind das Volk´. Im Dezember 1989 haben die Bürger von Temeswar das selbe gerufen. Es ist für mich heute ein emotionaler Moment, an diesem Jubiläumstag hier sein zu können“, sagte Andreas von Mettenheim im Kreisratsgebäude. Hier traf er den Temescher Präfekten Mircea B²cal² und den Kreisratsvorsitzenden Constantin Ostaficiuc. „Wir haben eben nicht über die Vergangenheit gesprochen, sondern über die Zukunft. In der deutsch-rumänischen Zukunft nimmt Temeswar und die gesamte Region eine besondere Rolle ein. Temeswar ist ein erstklassiger Wirtschaftsstandort und über seine historischen Bezüge und seine kulturelle Verbindung zu Deutschland ist es auch ein ganz besonderer Anknüpfungspunkt für Deutschland und Rumänien“, teilte Botschafter von Mettenheim der Presse mit. Wenn die Krise überwunden sein wird – dafür gebe es in Deutschland, als auch in Rumänien bereits erste Anzeichen – würden sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Banat intensivieren, sagte der Botschafter.

Andreas von Mettenheim hatte volles Programm in Temeswar: Er besichtigte das Continental-Reifenwerk, stattete dem Nikolaus-Lenau-Lyzeum, der Gedenkstätte der Revolution und dem Deutschen Kulturzentrum einen Besuch ab, traf die Mitglieder des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs, Journalisten, Vertreter der deutschen Foren im Banat und der deutschsprachigen Studiengänge und Forschungseinrichtungen in Temeswar. Am Freitagabend beteiligte sich Andreas von Mettenheim an einem Kerzenumzug vom Haus des reformierten Pfarrers László Tökés bis zur orthodoxen Kathedrale und zur Temeswarer Staaatsoper - eine Wiedergabe des Umzugs der Revolutionäre 1989 gedacht.

Raluca Nelepcu



Botschafter Andreas von Mettenheim (links) traf den reformierten Pfarrer László Tökés (rechts). Mit dabei, Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu.



Der deutsche Botschafter besichtigte das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus. Helmut Weinschrott (links) führte den Diplomaten durch das Museum zur Ansiedlungsgeschichte der Banater Schwaben.

Fotos: Zoltán Pázmány

Was hast du im Dezember 1989 gemacht?


Lenau-Schüler sammelten Antworten in einem Buch


Vor einem Jahr wussten sie so gut wie gar nichts über die Revolution 1989 in Temeswar/Timisoara, nun haben sie ein Buch dazu veröffentlicht: Die Schüler der zehnten Klasse der deutschen Spezialabteilung am Nikolaus-Lenau-Lyzeum stellten vor Kurzem die Ergebnisse ihres Projekts vor. „Was hast du im Dezember 1989 gemacht?“ nennt sich das zweisprachige Buch (rumänisch und deutsch), das die Jugendlichen mit Unterstützung der Stadt Temeswar herausgegeben haben. Der Band enthält Interviews und Berichte der Zeitzeugen der Revolution in Temeswar. Zudem liegt ein Stadtführer zu den Denkmälern der Revolution vor. Die Idee zum Projekt hatte Geschichtslehrerin Brigitte Röllig.



„Mich hat es positiv überrascht, dass meine Geschichtslehrerin, die ja aus Deutschland kommt, sich um dieses Projekt gekümmert hat. Ich fand das Thema interessant und wollte mehr darüber erfahren. Die spannendsten Sachen erfährt man, wenn man mit Zeitzeugen spricht“, sagt die Schülerin Diana Panta. Sie hat mit dem 46jährigen Caius Jebelean ein Gespräch geführt. In dem Bericht erzählt Jebelean, wie er sich an der Revolte beteiligt hat und wie er an seinem Geburtstag, dem 22. Dezember, den Schüssen entkommen ist. Insgesamt 28 Zeitzeugenberichte enthält das Buch, dabei wurden deutlich mehr Interviews geführt. „Wir haben die interessantesten und aussagekräftigsten gewählt“, verrät der Schüler Harald Weisz. Wie viele seiner Kollegen hat er ein Familienmitglied interviewt: seinen Vater Holger Weisz. „Und am zweiten oder dritten Weihnachtstag, genau weiß ich das nicht mehr, gab´s umständehalber eine Strompanne und darauf brach bei uns im Haus die Panik aus, denn Astrid und Erika riefen ganz entgeistert: Papa, Ceausescu ist zurückgekommen, er hat uns wieder den Strom gekappt“, erinnert sich Holger Weisz.

Das Projekt wurde vor einem Jahr in die Wege geleitet. In einer Geschichtsstunde mussten die Schüler aufschreiben, was sie über die Revolution 1989 wissen. „Ich nehme an, es kam ziemlich wenig heraus“, sagt Harald Weisz. „Wenn wir jetzt einen Test schreiben würden, würde das ganz anders sein“, fügt er hinzu. Helene Wolf, Leiterin der Lenau-Schule, musste als erste auf die Frage „Was hast du im Dezember 1989 gemacht?“ antworten. Ihre Antwort ist nicht im Buch enthalten, trotzdem äußerte sich die Schulleiterin diesbezüglich der Banater Zeitung gegenüber: „Am 16. Dezember war ich zu Hause, am 17. Dezember besuchte ich meine Mutter und sie erzählte mir, dass Schüler zu ihr gekommen waren (sie war Lehrerin) und sie zum Haus von László Tökés gerufen hatten. Um die Mittagszeit flogen schon die Hubschrauber über Temeswar. Ich wollte am Nachmittag mit Mann und Kindern nach Hause, ich gab es aber auf, weil uns Leute entgegenkamen, die uns warnten, dass auf die Passanten geschossen wird. Ich ging mit den Kindern nach Hause, mein Mann und meine Mutter zogen aber los und kehrten voll Freude und Hoffnung zurück“. Das Projekt zur Dezemberrevolution 1989 in Temeswar wurde sowohl in der Schule, als auch im Rathaus während des Besuchs des deutschen Botschafters Andreas von Mettenheim vorgestellt.

Raluca Nelepcu

„Es ist viel schwieriger, frei zu sein, als unfrei“

Gespräch mit der Lyrikerin und Essayistin Ana Blandiana



Mit 19 war sie bereits als „Tochter eines Volksfeindes“ abgestempelt worden und aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Vier Jahre lang durfte sich die Lyrikerin Otilia Valeria Coman (mit dem literarischen Pseudonym Ana Blandiana) nicht an der Universität inskribieren. Obwohl sie 1988 mit Publikationsverbot belegt wurde, war ihr Werk weder staatstragend noch ausdrücklich regimekritisch. Niemals konnte sie etwas anderes als ihre eigenen Gedanken, Erwartungen und Enttäuschungen schriftlich niederlegen. Und niemals konnte sie jemand anderer als sie selbst sein.

Sie selbst: eine Lyrikerin, die in ihren Versen nach Freiheit und Demokratie strebte.


Eine Essayistin, die am 22. Dezember in Weinen ausbrach. Eine Dichterin, die mit dem „Kater Arpagic“ auch die Herzen der Kinder für sich gewann und dabei das für einen Lyriker wichtigste Geschenk bekam: „Ein Kindheitszeugnis“, wie sie zu sagen pflegt. Und nicht zuletzt eine Frau, die von ihrem Mann schon in der ersten Stunde, nachdem sie sich kennengelernt hatten, einen Heiratsantrag bekam.

Über 20 Jahre Demokratie, über Hoffnungen und Enttäuschungen und über Zukunftspläne führte Ana Blandiana ein Gespräch mit BZ-Redakteurin Ana Saliste.



Sie haben bei der Revolution für Freiheit und Demokratie gekämpft. Wieviel davon ist jetzt, nach 20 Jahren, erreicht worden?

Die einzige unbestrittene Sache ist der Gewinn der Freiheit. Natürlich hat sich das Land in vielen Bereichen zum Guten entwickelt, es bleibt aber noch weit entfernt von unserer damaligen Vorstellung eines freien Staates. Es ist wahr, dass das, was wir uns vorgestellt hatten, viel mehr mit der Illusion und nicht mit der Wahrheit zusammenhängt. Die erste große Entdeckung ist, dass es viel schwieriger ist, frei zu sein, als unfrei. Trotz allem Pessimismus konnte ich mir niemals vorstellen, dass in 20 Jahren fast kein einziger Punkt der Proklamation von Temeswar, die am 11. März 1990 verlesen wurde, eingehalten wurde.



Wie hatten Sie damals den Mut aufgebracht, realistische Gedichte zu schreiben?

Vielleicht klingt das ein bisschen übertrieben, aber es fiel mir leichter, so zu schreiben. Es wäre viel schwieriger gewesen und es hätte mich viel mehr gekostet, Oden zu schreiben. Ich war ich selbst, ganz einfach. Es gibt da ein Axiom: Meine einzige Pflicht ist, das zu schreiben, was ich denke. Das ist meine einzige Verpflichtung. Der zweite Schritt ist, das was ich schreibe, auch zu veröffentlichen. Wenn ich Glück hatte, wurde ich veröffentlicht, wenn nicht, halt nicht...


Sie haben schon als Jugendliche mit dem Stigmat „Tochter eines Volksfeindes“ zurecht kommen müssen. Sie hatten Publikationsverbot und konnten sich vier Jahre lang nicht an der Uni einschreiben.

Ja, sie haben herausgefunden, dass ich unter einem falschen Namen schreibe. Aus Großwardein/Oradea, wo ich damals wohnte, wurde ein Brief an alle Publikationen aus dem ganzen Land geschickt. Den Brief habe ich nach 1989 in einigen Archiven aus Jassy/Ia{i gefunden. So weit war es gekommen...Es war ein Text, in dem es gesagt wurde, dass sich unter dem Pseudonym „Ana Blandiana“ die Tochter eines Volksfeindes versteckt und es wurde darauf aufmerksam gemacht, meine Gedichte nicht mehr zu veröffentlichen. Damals war die wahrscheinlich schwierigste Zeitspanne meines Lebens. Ich begann ein Leben als Ausgeschlossene. Hätte ich nicht das Glück gehabt, so schnell zu heiraten, wäre es wahrscheinlich schlimmer geworden. Der Brief wurde aber zu einem Vorteil, als ich bei der Revista Contemporana debütierte. Die Neuen wurden meist mit Desinteresse behandelt, mich kannten sie aber alle aus dem Brief und so wurden sie schon von Anfang an auf mich aufmerksam.


Ihr Mann hat Ihnen schon in der ersten Stunde Ihrer Bekanntschaft einen Heiratsantrag gemacht.

(lacht) Ja, er hat mir damals einen schlechten ersten Eindruck gemacht. Er schien mir sehr unernst. Aber ich habe auch irgendwie darauf reagiert, im Sinne, dass ich ihn schon vom ersten Augenblick an vor meiner Mutter beschützt habe. Ich habe ihr nicht gleich vom Heiratsantrag erzählt, damit sie nicht eine schlechte Meinung von ihm hat. Ich hatte ihn also von Anfang an geschützt. Es war eine romantische Geste, die er dann bezahlen musste, nachdem wir ein halbes Jahr später, heiraten. Er hatte Probleme bei der Zeitschrift „Tribuna“, wo er damals arbeitete. E sind so viele Geschichten...



Wollen Sie die mal in einem Buch zusammentragen?

Ja... ich arbeite gerade daran. Ich hoffe nur, dass ich es fertig schreiben werde. Besser gesagt, dass ich mit dem Schreiben aufhören kann (lacht). Das Buch heißt „Falsches Traktat der Manipulation“. Es ist ein Essay über die Art, in der wir nicht das leben, wofür wir uns entschieden haben, sondern wir werden von den Personen um uns beeinflusst. Jedes Ereignis beeinflusst und manipuliert dich in irgendeiner Weise. Die Bücher, die du liest, die Freunde und Feinde... Das Buch soll eher meine Memoiren enthalten. Die Fakten sind also mit Ereignissen aus meinem Leben „illustriert“.



Ihr Mann ist auch Schriftsteller, ist das das Geheimnis Ihrer langen Ehe?

Ja, ganz bestimmt. Vielleicht ist das auch das Schönste in meinem Leben. Die Tatsache, dass wir seit so vielen Jahren zusammen sind. Wir scherzen auch oft, dass in unserer Familie die Zensur nicht verschwunden ist. Dies hauptsächlich, weil wir immer unsere Texte gegenlesen und falls einem etwas nicht gefällt, dann wird der Text verändert. Ich war ständig von meinem Mann beschützt, ich fühlte das. Unsere Zusammenarbeit besteht nicht nur in der Literatur, sondern auch in der „Alian]a Civica“/Bürgerlichen Allianz und in der Organisation der Gedenkstätte in Sighetul Marmatiei. Das finde ich einfach großartig.



Schreibt ihr auch zusammen?

Nein, ganz im Gegenteil. Ich kann nur dann schreiben, wenn ich nicht zu Hause bin. Früher konnte man Häuser des Kulturministeriums ziemlich kostengünstig mieten, wenn du Mitglied im Schriftstellerverband oder einem anderen Schaffensverband warst. Die meisten Bücher habe ich in einem Haus in Sinaia geschrieben. Ich muss immer komplett aus meinem Leben raus, wenn ich schreibe. Ich erinnere mich, dass ich als Kind etwas Interessantes über Puschkin gelesen hatte. Als er in ein Zimmer kam, nahm er zuerst alle Gemälde von den Wänden und erst nachher fing er an zu schreiben.



Nun, vielleicht eine Klischeefrage: Wie haben Sie die Lyrik entdeckt?

Es ist die einzige Frage, die ich vielleicht nicht beantworten kann. Alles was ich dazu sagen kann ist, dass ich mich an keine Zeitspanne in meinem Leben erinnern kann, in der ich nicht geschrieben habe. Alle um ich herum kannten mich als eine Schriftstellerin. Auch meine Mutter, wenn sie mich bestrafen wollte, sagte: „So, kleine Schriftstellerin, jetzt mal in die Ecke mit dir!“



Ihre Bücher wurden in 23 Sprachen übersetzt. Wie schwer war es, über die Grenzen hinweg zu kommen?

Die meisten sind nach 89 erschienen. Nur vier oder fünf sind vor der Revolution in Polnisch, Ungarisch und Deutsch erschienen. Ich hatte damals aber nichts mit meinen Übersetzungen zu tun. Als ich Veröffentlichungsverbot hatte, nach dem Skandal mit dem Kater Arpagic, haben sie mich zum Zentralkomitee der Rumänischen Kommunistischen Partei gerufen und mich gefragt, wie ich den Text zur Übersetzung ins Ausland geschickt habe. Ich weiß es bis heute nicht, wie es dazu kam. Mein letztes Buch ist in Südkoreea erschienen. Ich habe es eines Tages ganz einfach bekommen. In den meisten Fällen treffe ich dann früher oder später die Übersetzer. Am meisten mag ich die Bücher in den Sprachen, die ich nicht kenne. Ich stelle mir dann vor, dass die Übersetzungen sehr gut sind. Generell ist die Übersetzung der Gedichte eine schwierige Sache. Man hat Glück, wenn man von einem anderen Schriftsteller übersetzt wird. In Deutschland und Serbien war dies der Fall.



„Wir sind ein vegetatives Volk“ haben Sie 1985 in einem Gedicht geschrieben. Wie sind wir jetzt?

Dieselbe Frage wurde mir am 22. Dezember gestellt, als sie mich bis zum Radiosender auf den Armen trugen. Ich gelangte in die Sendekabine, von wo man live sendet, wo höchstens drei Personen reinpassen. Diesmal waren es an die 50 Menschen. Sie haben mir im Chor diese Frage gestellt. Ich begann zu weinen und habe natürlich „nein“ gesagt. Es war ein sehr dramatischer Augenblick für mich damals. Heute kann ich nicht mehr so entschlossen „nein“ sagen. Es gibt Momente, da reagieren wir nicht als bewusstes Volk.



Nach dem Gedichtband mit dem Kater Arpagic, der bei Kindern großen Erfolg hatte, haben Sie sich gefreut, dass sie ein „Kindheitszeugnis“ bekommen haben.

Ja, weil die Kindheit für einen Künstler am wichtigsten ist. Es hat mich eine Aussage von Brâncu{i immer beeindruckt: „In dem Moment, wenn wir aufhören, Kinder zu sein, existieren wir gar nicht mehr als Künstler“. Ich habe keine Kindergedichte geschrieben, ich habe ganz einfach gespielt. Dass Kinder dann meine Gedichte adoptiert haben, als ob diese nur für sie waren, war für mich wie ein Kindheitszeugnis. Das heißt, ich bin ein einzigartiges Kind.


Ana Blandiana beim Besuch der Temeswarer Gedenkstätte der Revolution

Fotos: Zoltán Pázmány

Dieses Jahr: Symbolische Geschenke


Temeswarer geben zu Weihnachten weniger aus


Weihnachten in Krisenzeiten bringen auch „Krisengeschenke“ mit sich: Wegen der Wirtschaftskrise wollen die Temeswarer in diesem Jahr knapp um die Hälfte weniger als in den vergangenen Jahren für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Da viele mit einer schlechteren finanziellen Lage im kommenden Jahr rechnen, richten sie sich hauptsächlich nach kleinen „symbolischen“ Geschenken. Was in den weihnachtlichen Krisenzeiten jetzt „in“ ist – dazu hat die BZ eine kurze Umfrage durchgeführt.

Typische Winterartikel stehen in diesem Jahr ganz oben auf der Einkaufsliste: Handschuhe und Mützen für Männer, Schals für Frauen. Die sind auch nicht zu teuer und für diese Jahreszeit nützlich. Auch warme Socken werden verschenkt. „Mit einem Paar schöne warme Handschuhe kann man nicht falsch liegen. Im vergangenen Jahr habe ich meinem Sohn Kleidung gekauft, jetzt aber werde ich ihm Handschuhe und vielleicht einen Schal kaufen“, sagt die 42-jährige Carmen Bobescu.

Manche planen auch, Literatur zu verschenken. „Es gibt verschiedene Sonderangebote in den Buchhandlungen. Die Gelegenheit werde ich mal nutzen. Was passt denn besser zu einem warmen Glühwein und zu Lebkuchen, als ein interessantes Buch?“, sagt der 31-jährige Adrian Stancu.


Warme Socken und Schals werden in diesem Jahr zu Weihnachten am meisten verschenkt.

Foto: Zoltán Pázmány


Großeltern wollen ihr Weihnachtsgeld hauptsächlich für ihre Enkelkinder ausgeben und versuchen, trotz Krise, schöne Geschenke unter den Tannenbaum zu stellen. „Seit ich in Rente gegangen bin, geht es mir finanziell nicht mehr so gut wie früher. Für Freunde und Verwandte werde ich kleine Geschenke kaufen, Handschuhe oder Weihnachtsdekorationen. Meinen Enkelkindern versuche ich aber etwas Schönes zu schenken. Spielzeug und Puppen. Dafür habe ich schon gespart“, lächelt die 65-jährige Maria Demetrovici.

Wer jedoch in diesem Jahr ein schenkungsfreudiger Weihnachtsmann sein möchte, der will jedoch nichts riskieren und lässt seine Freunde und Verwandte, ihre Geschenke selbst auswählen. „Falls ich meinem Freund etwas kaufen will, so nehme ich ihn mit, damit er genau das bekommt, was er sich wünscht. Es ist zu riskant, viel Geld für etwas auszugeben, wenn man nicht sicher ist, dass es das richtige Geschenk ist. Besser keine Überraschung, als keine Freude am Geschenk“, sagt die 24-jährige Georgia Diaconu.

Männer freuen sich insbesondere über Unterhaltungselektronik und Sportartikel, Frauen hingegen wünschen sich Schmuck, Parfüm und Kosmetikartikel. Jugendliche bevorzugen ihre Geschenke in den Einkaufszentren zu besorgen. Handgemachte Schmuckstücke wie zum Beispiel Ohrringe und Halsketten aus silbernem Draht und Holz, stehen auf ihrer Einkaufsliste. Erwachsene und Rentner richten sich viel mehr nach „nützlichen“ Geschenken und erwerben diese meist auf dem Weihnachtsmarkt, da dieser direkt in der Innenstadt liegt und Produkte für jedermann führt.

Ana Saliste

Wirtschaftkrise holt Temeswarer Weihnachtsmarkt ein

Die Stände mit Lebensmitteln haben am meisten Erfolg


Einen ärmeren Weihnachtsmann, das werden die meisten Rumänen in diesem Jahr zu Heiligabend erwarten müssen – die Wirtschaftskrise ist da! Das scheinen fast alle Händler des Weihnachtsmarktes in der Innenstadt von Temeswar/Timisoara einstimmig zu sagen. Obwohl es in diesem Jahr 66 Häuschen am Opernplatz sind - mehr als im vergangenen Jahr – sind die Temeswarer bei ihrem Einkaufszug sehr zurückhaltend und jeder Leu wird durch und durch gerechnet.

„Im vergangenen Jahr zu dieser Zeit haben wir vielleicht das Doppelte und sogar noch mehr verkauft. Heuer ist es sehr trist. Die Leute kommen, sehen sich die Ware an und gehen dann wieder weg“, sagt ein 45-jähriger Händler. Er steht am Opernplatz zwölf Stunden am Tag, von 10 Uhr morgens bis 22 Uhr. „Es lohnt sich fast gar nicht, dass ich den ganzen Tag in der Kälte stehe“, fügt er hinzu.

Von der ganzen Ware, die am Weihnachtsmarkt zum Verkauf steht, werden die roten Christkind-Mützen am meisten verkauft. 15 Lei kostet so eine Mütze, doch wenn diese noch mit leuchtenden Sternchen beschmückt ist, geht der Preis bis auf 30 Lei in die Höhe. Auf den Verkauf von Mützen scheinen wohl die meisten Händler ihre Hoffnung gesetzt zu haben. Oft bieten sie aber noch einen passenden Schal oder manchmal sogar passende Handschuhe dazu. „Die Preise sind dieselben, wie im vergangenen Jahr – umsonst aber, die Kunden sind davon nicht sehr beeindruckt. Sie haben eben kein Geld mehr“, sagt eine Händlerin. Zusammen mit ihrem Häuschennachbarn verkaufte sie auch im vergangenen Jahr Spielzeug, Weihnachtsdekorationen und Sportartikel der Temeswarer Mannschaft „Poli“. „Nicht einmal damit haben wir mehr Glück“, sagt der Mann. Wenn die Kitsch-Serienware wegen der Krise an den Ständen unverkauft bleibt, scheint nun auch die früher sehr geschätzte Handmadeware nicht mehr den selben Erfolg wie in den vergangenen Jahren zu haben. 160 Lei kostet eine traditionelle Astrahan-Mütze und 10 Lei die handgestrickten Wollsocken.

Der Bereich, wo aber die Krise nicht zu spüren scheint, ist jener mit Nahrungsmitteln. Die Stände und Häuschen, wo der Gulasch, die Krautwickel, die Bratwürste und andere Leckerbissen zubereitet werden, locken durch dichte Rauchwolken und feinen Geruch zahlreiche Kunden an. Dem, der bloß zum Spazieren in der Innenstadt ist, läuft das Wasser im Mund zusammen, und er stürzt sich ganz einfach auf die rumänischen aber auch ungarischen Spezialitäten. Zwischen 10 und 12 Lei kostet ein Teller Gulasch, von einem ungarischen Koch zubereitet. „Die Nachbarn bieten um zwei Lei teureres Gulasch. Sie haben aber mehr Glück und das, weil sie auch einige Tische und Stühle haben“, sagt ein ungarischer Händler. Angeschlossen an die warme Malzeit muss auch etwas zum Naschen gekauft werden: die Kürtos Colács kosten 10 Lei das Stück und für Fans französischer Leckereien, können Croissants und Früchtekuchen ab 1 Leu gekauft werden. Um den Durst braucht sich keiner Sorgen zu machen, dieser wird sofort mit einem Glas Früchtetee oder Glühwein gelöscht. Ein Plastikbecher davon kostet drei Lei.

Andreea Oance



Die Kunden überlegen sich zwei Mal, bevor sie Geld ausgeben.

Foto: Zoltán Pázmány

Arader Motorradfahrer mit Wohltätigkeitsaktion

Timisoara Bikers werden heute zu Weihnachtsmännern


rn. Arad/Temeswar – Auf zwei Rädern kam in diesem Jahr zum ersten Mal der Weihnachtsmann in Arad. Ungefähr 50 Arader Motorradfahrer trafen sich am Samstag vor dem Rathaus und fuhren zu drei Kinderheimen und einem Altenheim. Im Voraus hatten sie Gelder eingesammelt, um den etwa 60 Kindern und Alten eine Freude zu bereiten.

Es ist die erste Aktion dieser Art in Arad. Zwei derartige Veranstaltungen gab es in den Vorjahren in Temeswar/Timi{oara. Die Mitglieder des Vereins „Timi{oara Bikers“ zogen ihre Weihnachtsmannkostüme an und schwangen sich aufs Motorrad, um eine Parade der besonderen Art in der Stadt zu organisieren. Die Veranstaltung hatte einen Wohltätigkeitszweck: Es wurden Gelder eingesammelt, die dann an Kinderheime in Temeswar und der Umgebung gespendet wurden. Am Samstag sollte die Bike-Parade in Temeswar stattfinden, die Motorradfahrer wagten sich aber nicht auf die Straße, weil überall Glatteis war und keine Schneeräumung vorgenommen worden war. Im Capitol-Saal der Staatsphilharmonie „Banatul“ organisierten sie trotzdem ein Kulturprogramm für Kinder. Am Abend fanden im Stadtzentrum Konzerte statt: „Blues Delivers“ aus Serbien und die Rockband „Cargo“ aus Temeswar heizten trotz Minus-Temperaturen die Temeswarer ein.

Heute soll sich – falls das Wetter es zulässt – der Weihnachtsmann aufs Motorrad schwingen. Die Mitglieder von „Timisoara Bikers“ wollen die bereits zur Tradition gewordene Parade der Weihnachtsmänner auf zwei Rädern heute organisieren. Die Gelder, die infolge der Sammelaktion gewonnen wurden, gehen an das Kinderheim Nr. 1 und den „P.P. Neveanu“-Kindergarten in Temeswar sowie an das Kinderzentrum in Rekasch/Recas.

Reptielien und Wirbellose ausgestellt

Wanderausstellung in Arad angekommen


ao. Arad - Das Museumskomplex in Arad beherbergt seit vergangener Woche eine besondere Ausstellung: Lebendige Reptilien können in der Abteilung für Naturwissenschaften (George Enescu-Platz Nr.1) bis am 7. Februar 2010 gesehen werden.

Die Reptilienausstellung in Arad ist landesweit die größte dieser Art. Diese ist bis jetzt durch verschiedene Städte Rumäniens gewandert und war in Museen für Geschichte und Naturwissenschaft in Hermannstadt/Sibiu, Neumarkt/Târgu Mures und Bukarest sowie im Delphinarium in Konstanza/Constan]a zu sehen. Das Arader Publikum kann während des Besuchs im Naturwissenschaften-Museum auch Infos bezüglich der jeweiligen Reptilien und Wirbellose aus verschiedenen Kontinenten bekommen. Rund 120 Reptilienarten aus Asien, Afrika, Europa, Australien und Amerika sind in Arad ausgestellt. Der Star der Expo ist das afrikanische Zwergkrokodil. Dieses wird auch Stumpfkrokodil genannt, kann bis zu 1,9 Meter lang werden und ist eine der kleinsten Krokodilarten der Welt.

Die Expo bietet eine gute Gelegenheit sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene, Informationen bezüglich seltener Reptilien- und sogar bedrohter Arten zu erhalten. Innerhalb der Ausstellung können auch Biologiestunden und Schulprojekte abgehalten werden – alles unter Aufsicht von Fachleuten. Die Veranstalter bieten auch eine Führung durch die Ausstellung in mehreren Sprachen: Rumänisch, Ungarisch und Englisch. Das Termin für solche Besuche muss zwei Tage vorher unter der Telefonnummer 0257.281.847 gemeldet werden. Die Ausstellung kann bis am 7. Februar 2010 von Dienstag bis Sonntag täglich zwischen 9 und 17 Uhr besucht werden.



120 Reptilien sind in Arad ausgestellt. Im Bild: der kolumbianische Leguan.

Foto: privat