Recht teuer: Im Dacia-Gemüsemarkt kostet ein Kilo Auberginen bis zu 5 Lei.
Foto: Raluca NelepcuEinkaufen in der Joseph- und Fabrikstadt lohnt sich
Von Ana Saliste und Raluca Nelepcu
Die Ernte in Rumänien ist in diesem Jahr nur mäßig ausgefallen, der viele Regen hat schon manch Bauern einen Strich durch die Rechnung gezogen. Trotzdem sind auf den Märkten die Preise von Gemüse, Obst und Getreide bisher nur gering angestiegen. Die Daten des rumänischen Statistikamtes zeigen, dass die Lebensmittel nach Erhöhung der Mehrwertsteuer im Juni einen Monat später nur um 2,6 Prozent teurer geworden sind. Die Lebensmittelpreise stiegen im August um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat an. In den kommenden Monaten erwarten die Händler Preiserhöhungen von bis zu 30 Prozent bei Lebensmitteln, weil viele von ihnen auf den Import angewiesen sein werden. Erheblich teurer sollen Brotprodukte werden.
Die Temeswarer rüsten sich nun für den Winter. Viele von ihnen kaufen Gemüse und Obst vom Markt ein, denn hier können sie den Preis verhandeln. Jedoch sind die Preise auf den Märkten in Temeswar/Timisoara unterschiedlich: Für ein Kilo Tomaten, zum Beispiel, schwanken die Preise zwischen 2 und 6 Lei. Wo man Gemüse und Obst zu billigeren Preisen bekommen kann, das haben die BZ-Redakteurinnen Ana S²li{te und Raluca Nelepcu vergangene Woche recherchiert.
Dorinel Toma aus Chizatau (58) bietet Tomaten, Auberginen, Paprika und Kartoffeln im Temeswarer 700er-Markt zum Verkauf an. „Ich habe die Preise bereits seit Monaten nicht erhöht. Die Krise lässt sich aber trotzdem spüren. Im Sommer fielen die Verkäufe ziemlich schwach aus. Ich dachte damals, im Herbst wird es besser sein. Die Leute kaufen aber auch jetzt bedeutend weniger Gemüse und Obst ein im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Dorinel Toma. Der 700er Markt ist ein teurer Markt in Temeswar, wissen die Leute, und das, weil er in der Innenstadt liegt. Ein Kilo Tomaten kostet im 700er Markt zwischen 4 und 6 Lei, für ein Kilo Kartoffel muss man zwischen einem Leu und 2 Lei aus der Tasche ziehen, Auberginen werden zu 2 bis 4 Lei das Kilo angeboten.
Bedeutend bessere Preisangebote kann man im Josephstädter Markt entdecken: Tomaten kann man hier gegen 3 Lei das Kilo erwerben. Wer für den Winter Auberginen in die Gefriertruhe legen will, der kann Blaufrüchte aus Arad mit „weißem Fruchtfleisch“ zu 1,5 Lei bis 2,5 Lei das Kilo kaufen. Für ein Kilo Kraut - „geeignet für Krautwickel“ - muss man einen Leu oder 2 Lei hinblättern. Besonders gut verkauft sich auch Blumenkohl – 3 bis 3,5 Lei das Kilo – und Paprika zu 2 oder 3 Lei das Kilo. „Im vergangenen Jahr haben wir viel eingelegten Blumenkohl gegessen, deshalb habe ich in diesem Jahr mehr gekauft und weniger Gurken“, so Rodica Marcut (63) aus Temeswar, die zehn Kilo Blumenkohl erworben hat. „Ich lege etwas auch für meine zwei Kinder ein, denn die haben keine Zeit dafür“, fügt sie hinzu.
Trotz relativ gutem Preisangebot sind auch im Josephstädter Markt die Preise leicht gestiegen im Vergleich zu den vergangenen Wochen. „Ich habe vor einigen Wochen Tomaten zu 2,5 Lei das Kilo gefunden. Jetzt liegt der niedrigste Preis bei 3 Lei“, sagt Carmen Lica, die sich schon für den Winter gerüstet hat. „Ich habe Tomatensaft und Sakuska gemacht“, sagt sie. Auch die Eierpreise sind seit Sommer leicht gestiegen: Jetzt beträgt der Preis für zehn Eier im Josephstädter Markt 4 Lei, zuvor lag er bei 3 bzw. 3,5 Lei.
Die Preise für Saisonfrüchte sind auch unterschiedlich: Zwischen 2 und 5 Lei muss man für alle Produkte des Herbstes hinblättern. Ein Kilo Trauben kostet zwischen 3,5 und 5 Lei, für ein Kilo „süße Pflaumen“ – wie es auf den meisten Plakaten geschrieben steht - müssen die Temeswarer 2 Lei aus der Tasche ziehen. Diese verkaufen sich jedoch relativ schwach. „Die Leute kaufen zwei, maximal drei Kilo Pflaumen. Ab und zu finden sich Käufer, die Pflaumenkompott machen wollen und dann mehrere Kilos erwerben, sonst aber ist es ziemlich schwach“, erklärt eine Verkäuferin. „Schade um die Früchte, sie sind sehr süß“, fügt sie hinzu.
Recht billig: der„Badea Cârtan“-Markt
Der „Badea Cârtan“-Markt in der Fabrikstadt empfängt seine Kunden mit einem umfangreichen Angebot. Mehr als hundert Verkäufer kommen hierher mit ihren Landwirtschaftsprodukten, die sie dann laut Meinung vieler Temeswarer zu „guten Preisen“ anbieten. „Ich kaufe hier recht gern ein, weil die Preise niedriger als in anderen Märkten sind, wie zum Beispiel im 700er Markt“, sagt Enikö Kalman (26) aus der Fabrikstadt. Kartoffeln aus Belin] oder Arad können zu 1,5 Lei das Kilo erworben werden, Auberginen kosten hier ebenfalls 1,5 bis 2 Lei das Kilo. Wer Paprikaschoten für den Winter einlegen möchte, der kann sie hier zu 4 bis 4,5 Lei das Kilo kaufen. Gurken und Möhren gibt es zum gleichen Preis: 2,5 Lei pro Kilo. Tomaten kosten 3,5 bis 6 Lei das Kilogramm, Zwiebeln sind für 2 Lei erhältlich. Etwas teurer sind die Rekascher Tafeltrauben: 5 – 6 Lei das Kilo. Wegen den relativ niedrigen Preisen bevorzugen es viele Rentner, sogar aus entfernteren Stadtteilen wie Dacia oder Calea Aradului hierher zu kommen, um ihre Einkäufe zu erledigen.
Der „Badea Cârtan“-Markt hat jedoch einen Nachteil. Nicht für Kunden, sondern eher für die Bürger, die in Marktnähe wohnen. Der dichte Verkehr und der störende Lärm den ganzen Tag über brachte mehrmals die Bewohner auf die Palme. Dass die Händler alle Parkplätze rund um den Markt besetzen, ist ebenfalls ein Störfaktor. Anfang des Jahres beklagte sich der Bürgerrat aus der Fabrikstadt darüber, dass der Markt ein regelrechter Alptraum sei, sogar die Politikerin Maria Grapini griff damals das Problem auf. Bisher haben die Behörden aber nichts unternommen, um klare Regeln für die Verkäufer aufzustellen.
Giroker Markt mit erschwinglichen Preisen
Es ist schon bekannt, dass kleinere Märkte, die in den Stadtteilen von Temeswar eingerichtet wurden, Gemüse und Obst zu etwas höheren Preisen anbieten. Trotzdem gibt es auch solche, wo das Angebot umfangreich und die Preise erschwinglich sind. Einer davon ist der Markt im Girok-Viertel am südlichen Stadtrand. Gelbe Paprika kosten hier 2 oder 3 Lei das Kilo, rote sind für 3,5 Lei erhältlich. Ein Kilo Zwiebeln kostet 2 Lei, die Preise der Paprikaschoten schwanken zwischen 3 und 4 Lei das Kilo, Auberginen kosten – wie fast überall – 1,5 bis 2 Lei das Kilogramm. Belint-Kartoffeln kosten 1,5 bis 2 Lei das Kilo, Gurken sind für 2,5 bis 3 Lei erhältlich. Wer frische Tafeltrauben auf den Tisch stellen möchte, der kann sie vom Giroker Markt für 4 bis 4,5 Lei kaufen.
Zu den teuren Stadtteilmärkten gehört der Dacia-Gemüsemarkt. Hier präsentieren mehr als 50 Verkäufer ihre Ware. Die Preise sind hoch, und das, obwohl bekannter Weise sehr viele Rentner ihre Einkäufe hier erledigen. Ein Kilo Gurken kostet nicht weniger als 2,5 Lei, Paprikaschoten sind zu 4,5 bis 5 Lei das Kilo erhältlich. Die höchsten Preise sind jene der Auberginen: 2, 3 oder 4, ja sogar 5 Lei kostet hier ein Kilo funkelnder Auberginen. Für ein Kilogramm Möhren zahlt man im Dacia-Markt 2,5 Lei.
Größere Mengen, niedrigere Preise
Wer mit den Einkäufen für den Winter billiger auskommen möchte, der kann einen der zwei Großmärkte in Temeswar besuchen. Einer ist der sogenannte „Euro 2“-Markt, der sich hinter dem Euro-Einkaufszentrum unweit des neu eröffneten Dedeman-Baumarktes befindet. Vor den etwa 15 Hallen haben die Händler ihre Ware ausgestellt. Paprikaschoten kosten hier 3,5 Lei das Kilo, Kartoffeln rund 80 Bani und Auberginen 1,5 Lei, doch die Händler stellen eine Bedingung: Mindestens zehn Kilogramm muss man kaufen, damit sich auch für sie das Geschäft lohnt.
Jedoch ist bei manchen Produkten der Preisunterschied nicht immer relevant: Im Großmarkt im Mehala-Viertel kann man, zum Beispiel, Gemüse fast zum gleichen Preis wie im Josephstädter Markt erwerben: Die Preise für ein Kilo Kartoffel schwanken hier zwischen 1,1 und 1,3 Lei. Die Preise sind aber nur dann gültig, wenn man mindestens einen Sack von 10, 18 oder 20 Kilo kauft. Ein Kilo Kraut kostet hier 60 - 80 Bani, um etwa 20 Bani billiger im Vergleich zu den kleineren Märkten. Für ein Kilo Tomaten zahlt man zwischen 3,5 und 4,6 Lei – sogar teurer im Vergleich zu anderen Marktangeboten. Bedeutend billiger sind hier Auberginen (1,2 Lei das Kilo) und Blumenkohl (2,5 Lei) – es gilt aber die gleiche Bedingung: Davon muss man mindestens zehn Kilo kaufen. Wer jedoch kein Auto besitzt, um die Mengen befördern zu können, der muss sich mit dem Markt im eigenen Stadtteil zufriedenstellen. Für Rentner mit geringem Monatseinkommen, die sich nicht mit dem Auto fortbewegen, sind Großmärkte eher keine Alternative.