Freitag, 1. Oktober 2010

Partnerschaftsvertrag mit Niederösterreich

Nun ist es offiziell (v.l.n.r.): ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki, Wirtschaftsministerin Petra Bohuslav, IHK-Vorsitzender Georgica Cornu und Präfekt Mircea Bacala haben ein Abkommen über die künftige Zusammenarbeit zwischen Niederösterreich und dem Verwaltungskreis Temesch unterzeichnet.
Foto: Ana Saliste


Zahlreiche Geschäftsleute an den Gesprächen interessiert
Temeswar (BZ) - Der Verwaltungskreis Temesch/Timis hat seit vergangener Woche einen neuen Partner im Bereich Wirtschaft: Niederösterreich, dessen Wirtschaftsministerin Petra Bohuslav am Freitag in Temeswar/Timisoara anwesend war. Im Regionalen Geschäftszentrum CRAFT unterzeichneten die niederösterreichische Ministerin und der Präfekt des Kreises Temesch, Mircea Bacala, einen Zusammenarbeitsvertrag. Die Vereinbarung sieht die gemeinsame Veranstaltung von Austauschen, Seminaren, Wirtschaftsmissionen und –messen sowie Firmenpartnerschaften vor. Mit unterzeichnet wurde der neue Partnerschaftsvertrag vom Präsidenten der Temescher IHK, Georgica Cornu und vom Geschäftsführer der niederösterreichischen Wirtschaftsförderungsagentur Ecoplus, Helmut Miernicki.
Das Treffen im Temeswarer Geschäftszentrum organisierte die Industrie- und Handelskammer in Zusammenarbeit mit Ecoplus International, Niederösterreichs Wirtschaftsagentur in Rumänien. Mit von der Partie war auch Ovidiu Gant, der Abgeordnete der deutschen Minderheit im rumänischen Parlament. Vertreter von sieben niederösterreichischen Firmen, die in den Bereichen erneuerbare Energie und Umwelttechnik tätig sind, waren ebenfalls in Temeswar präsent. Den rumänischen Geschäftsleuten wurde die Möglichkeit geboten, Gespräche mit den Niederösterreichern zu führen und Ideen auszutauschen. Die Kontaktbörse fand großen Anklang bei den rumänischen Firmeninhabern: Zu den programmierten Gesprächen kamen sogar mehr Teilnehmer, als ursprünglich geplant. Über 60 potenzielle Geschäftspartner aus Westrumänien hatten sich zu den Gesprächen mit den Niederösterreichern vormerken lassen.

Konsekriertes und Tirolfeier

Die 20. Kulturdekade im Banater Bergland beginnt am Freitag

wk. Reschitza - Die 20. „Deutsche Kulturdekade im Banater Bergland“ beginnt mit einer Selbstbespiegelung: Am Freitag um 11 Uhr wird in den Ausstellungsräumen des Museums des Banater Montangebiets die Fotoausstellung „20 Jahre Deutsche Kulturdekade im Banater Bergland“ eröffnet, anschließend wird ein Film der Bukarester Deutschen Fernsehsendung zum selben Thema gezeigt. Der zweite Teil des Eröffnungstags ist mit Veranstaltungen zum Tag der Deutschen Einheit – in Orschowa und Bokschan – gefüllt. Auch der Samstag ist der 20-Jahr-Feier gewidmet: Im „Lira“-Saal treten die deutschen Kulturgruppe aus Reschitza auf, gemeinsam mit Kulturgruppen aus Tirol und Südtirol. Ebenfalls Samstag beginnt in Steierdorf, um 16 Uhr, die VI.Ausgabe des Steierdorfer Blasmusikfestivals, abends mit einem Blasmusikerball.
Die eigentliche Eröffnung der 20.Kulturdekade findet am Sonntag in Tirol/Königsgnad statt, wo der 17. Heimattag der banater Berglanddeutschen organisiert wird. Anlass ist der 200. Gründungstag der Ortschaft, die mit Mitkämpfern Andreas Hofers besiedelt wurde, denen im Banat Zwangsaufenthalt verordenet wurde. Auch hier treten neben den Berglanddeutschen Abordnungen aus Tirol und Südtirol auf. Die Heimatmesse der Berglanddeutschen beginnt um 11,30 Uhr in der „Maria-Geburt“-Kirche und wird von den Bischöfen Martin Roos und László Böcskei zelebriert. Am selben Sonntag feiert auch der Steierdorfer Ortsteil Sigismund Kirchweih, die 81., während in Franzdorf/Valiug um 16,30 die 149. Kirchweihmesse zelebriert wird. Im ehemaligen Pfarrhaus von Weidenthal, heute eine römisch-katholische Fortbildungsstätte, beginnt eine Fortbildfungsveranstaltung für Jugendliche.
Die 258. Kirchweihmesse findet am Sonntag, dem Abschlusstag der Deutschen Kulturdekade, in Deutsch/Montan-Saska statt, worauf die Enzian-Tanzgruppe aus Reschitza und die deutsche Volkstranzgruppe aus Orawitza auf dem Vorplatz der Kirche Volkstänze zeigen.
Weitere Fotoausstellungen zeigen Erwin Josef Tigla (über Madrid), und Francisc Finta (Naturfotografie), Gustav und Doina Hlinka eröffnen eine Ausstellung mit naiver Malerei, Holzschnitzereien zeigt George Molin. In dieser Dekade gibt es auch wieder das „Musik- und Chortreffen der Banater Berglanddeutschen“ (zum 8. Mal am Freitag, dem 8.Oktober). Und in Bokschan findet wieder – zum sechsten Mal, das Herbstfest des Jugendforums statt, das einen Trachtenaufmarsch, ein Festkulturprogramm und einen Ball beinhaltet.
Buchvorstellungen gehören traditionell zur Kulturdekade. Vorgestellt werden die deutsche Version von Dorin Balteanus „Herkulesbad – Ein Zeitenbogen 1896-2006“ in Herkulesbad und Reschitza, Zwei Bücher von Nikolaus Rudolf Pilly aus Kalan werden in Reschitza vorgestellt: „Einsamkeit. Liederheft, den Sängern und Besingern des Banats gewidmet“ und „Despre Orsova Veche – Über Alt-Orschowa“.
Am Heimattag der Banater Berglanddeutschen wird der „Aalexander Tietz“-Preis an die Schwestern von der österreichischen Provinz der Missionsschwestern vom Kostbaren Blute, die sich in Tirol niedergelassen haben. Überreicht.

Landwirtschaft: Eine Milliarde Euro Steuerhinterziehung

Landwirtschaftsminister Valeriu Tabara bei seinem Temeswar-Besuch
Foto: Ana Saliste


Mehr Kontrollen, größere Flächen zu bewirtschaften und keine fiktiven Kühe mehr
Von Olivian Ieremiciu

Landwirtschaft kann man ohne Geld nicht betreiben. Dieser Meinung waren alle Teilnehmer, die an der Konferenz „Mediafax talks about agriculture“, von der Presseagentur Mediafax in Temeswar/Timisoara organisiert, dabei waren. Insbesondere die Geldfrage stand im Mittelpunkt der Debatten. Wie EU-Mittel aktiviert werden können, Probleme mit der Finanzierung der Landwirte durch die Banken oder wie hoch die Steuerhinterziehung in der Landwirtschaft ist, all das weckte reges Interesse.
Allein in der Landwirtschaft beträgt die Steuerhinterziehung in diesem Sommer mehr als eine Milliarde Euro. So jedenfalls die Schätzung des Landwirtschaftsministers. „Einzig im Bereich von Obst und Gemüse beträgt die Steuerhinterziehung 250 Millionen Euro in diesem Jahr. Schon allein mit diesem Geld hätte ich fast keine Probleme im Budget für die Landwirtschaft. Insbesondere kommt dies von der Nichtverwendung von Primärprodukten und der Nichtbezahlung der Mehrwertsteuer für Produkte, die importiert werden“, so Valeriu Tabara.

Gegner des Getreideimports
Die Nichtverwendung von Primärprodukten trifft den rumänischen Landwirt besonders hart. „Meistens fehlt es dem Landwirt an Kapital, er hat Schulden, zum Beispiel gegenüber denjenigen, von denen er die Pestizide gekauft hat. Daher hat er es eilig und will seine Ernte direkt vom Feld verkaufen. Auch in diesem Jahr wurde Weizen vom Feld mit 35 Bani pro Kilogramm verkauft. Am Ende der Handelskette liegt der Preis drei mal höher. Dies bedeutet für den Primärproduzenten Verlust. Und wo ist das Geld eigentlich hin?“, fragte sich der Landwirtschaftsminister und Temeswarer Hochschullehrer in aller Öffentlichkeit.
Er erzählte auch über ein für ihn inakzeptables Phänomen. „Wir importieren Weizen aus Ungarn, eine Sorte, die wir eigentlich in Lovrin, im Banat, kreiert haben.“ Er erklärte öffentlich, ein vehementer Gegner des Getreideimports zu sein: „Ich bin strikt gegen Importe. Wir haben in Rumänien so viel Potential, das wir nicht nutzen. Wir sollten eigentlich Exportieren und nicht Importe tätigen“, so der Landwirtschaftsminister.
Der weltweite Getreidepreis liegt, nicht zuletzt als Folge der Flächenbrände in Russland, so hoch wie schon seit Jahren nicht mehr. Trotzdem rechnet der Landwirtschaftsminister nicht damit, dass die Preise bei Lebensmitteln in die Höhe schießen werden. Und dies, obwohl der Preis des Mehls in letzter Zeit gestiegen ist. „Obzwar der Preis des Mehls in der letzten Zeit deutlich angezogen hat, ist der Preis des Brotes nicht besonders stark gestiegen“, sagt Tabara. „Wegen der Weltwirtschaftskrise und der Geldnot, die generell besteht. Die Geschäfte werden sich auch danach richten müssen“, erklärt Valeriu Tabara.

Agrarwirtschaft schlecht ausgehandelt
„Die Straßenproteste, die wir organisiert haben und weiterhin organisieren werden, richten sich nicht gegen die derzeitige Leitung des Landwirtschaftsministeriums. Wir wollen die EU auf uns aufmerksam machen. Rumänien stehen die geringsten landwirtschaftlichen Subventionen aus dem EU-Haushalt zur Verfügung. Es stimmt aber auch, dass das Kapitel Landwirtschaft bei den Beitrittsverhandlungen schlecht ausgehandelt wurde“, sagte Viorel Matei, Vorsitzender des Verbands der Landwirte in Rumänien.
Die oft verwendeten Floskel der Politiker, die neu im Amt sind und die Schuld für alles Schlechte, was geschehen ist, ihren Vorgängern in die Schuhe schieben, mit den Worten „Wir haben eine schwere Last geerbt“, vermied Tabara. „Ich will die Schuld für die Lage, in der sich die rumänische Landwirtschaft befindet, niemandem in die Schuhe schieben“, sagte Tabara. Dabei muss man aber auch sagen, dass Valeriu Tabara, der erst seit kurzem zum Landwirtschaftsminister ernannt wurde, einen PDL-Parteikollegen ersetzt hat.
Ein weiteres Problem, das er angesprochen hat, sind die Silos. Entweder sind sie schlecht, oder nicht vorhanden. „Durch das Lagern in den Silos sollte eigentlich die Qualität des Getreides verbessert und nicht verschlechtert werden. Qualitätsverbesserung durch Silo-Lagerung ist jedoch in Rumänien nicht der Fall. Die Qualität nach der Lagerung verschlechtert sich,“ sagte Tabara.

Brachland und Statistiken
Weiterhin wurde über die Nichtbewirtschaftung der Felder gesprochen. In Rumänien sollen schätzungsweise drei Millionen Hektar Land nicht bewirtschaftet werden. Es handelt sich sowohl um Spekulanten, die die Felder gekauft haben, um mit den Grundstückspreisen zu jonglieren, aber auch die Verwaltungen der Kommunen sind mit Schuld, da auch öffentlicher Grund- und Boden unbewirtschaftet liegen bleibt.
Die Statistiken bereiten dem Landwirtschaftsminister zusätzliches Kopfzerbrechen. Diese lauten von Institution zu Institution anders. „Wenn ich fünf Institutionen frage, wie viele Kühe in Rumänien sind, bekomme ich fünf verschiedene Antworten. Auch in diesem Jahr werden wir deshalb leider für 100.000- 150.000 fiktive Kühe Subventionen zahlen“, klagt Tabara.
Die rumänische Landwirtschaft ist wohl jener Wirtschaftszweig, der die meisten älteren Leute beschäftigt. Ungefähr 1,2 Millionen Hektar Land sind im Eigentum von über 70-Jährigen. Daher sollen sowohl Programme für die Heranziehung von Jüngeren zur Landwirtschaft geschaffen werden, als auch ein gesetzlicher Rahmen für die Förderung der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen auf 49 Jahre ausgearbeitet werden. „Wir müssen von den kleinen Flächen hin zur Großflächenbewirtschaftung. So ist es viel produktiver. In Baden Württemberg sind nach derartigen Förderungen die Flächen von 10-15 Hektar auf 100 Hektar gewachsen“, erklärte Tabara.

EU-Gelder für die Westregion

Der schwerere Verkehr in Busiasch wird durch die neue Ringstraße entlastet.
Foto: Andreea Oance
ADR Vest präsentiert erfolgreiche Projekte


Von Andreea Oance

„Die komplizierte Dokumentation oder die erste Ablehnung soll kein Grund zur Entmutigung sein. Manchmal dauert es länger, am Ende kann man aber doch eine EU-Finanzierung bekommen“, sagte vor Kurzem Kábá Gábor, Bürgermeister der Temescher Kleinstadt Hatzfeld/Jimbolia und weist auf die erfolgreiche EU-Finanzierung, die das Hatzfelder Pflegezentrum für Alte bekommen hat. „Das Sanierungsprojekt wurde zuerst abgelehnt, aber wir haben nicht aufgegeben. Die Ablehnung hat uns nur mehr ermutigt, noch einmal zu versuchen“, sagte Maria Patrolea, die Leiterin des Altenheimes. Seit der Gründung des Zentrums 1925 wurden keine umfangreichen Sanierungen mehr unternommen. Nun wurde die Gebäudeinfrastruktur durch die EU-Finanzierung der Agentur für Regionalentwicklung (ADR Vest) verstärkt. Mit 1,7 Millionen Lei wurden vor allem die Sanitätseinheiten, die Küche und der Reinigungsraum der Einrichtung saniert. Moderne Industriewaschmaschinen und eine neue Spülmaschine in der Küche wurden erworben, um somit die Arbeit der wenigen Angestellten des Zentrums zu erleichtern. Insgesamt 95 Alten wohnen derzeit im Hatzfelder Pflegezentrum. Weiter elf Plätze sind noch frei. Auch das Esszimmer wurde saniert, so dass hier auch andere Aktivitäten für Senioren veranstaltet werden. Einige Zimmer wurden neugestrichen und mit Fernsehgeräten ausgestattet.
„Die Sanierung war dringend, denn es mangelte an wichtigen Sanitätsbedingungen, aber auch an Maßnahmen gegen Brände. Das Heim riskierte, keine Genehmigung mehr zu bekommen und geschlossen zu werden“, teilte Bürgermeister Kábá mit. Maria Patrolea lies erkennen, dass das Altenpflegezentrum künftig weitere EU-Gelder beantragen wird.

Ringstraße für Bad Busiasch
Ein anderes Projekt, das EU-Finanzierung durch ADR Vest bekommen hat, ist der Bau der Busiascher Umgehungsstraße, aber auch der Straße, die die Verbindung zwischen Temeswar/Timisoara und Lugosch/Lugoj über den Kurort Busiasch/Buzias schafft. Schon seit einigen Monaten wird daran zügig gearbeitet. Der Abschnitt zwischen Großkeweresch/Chevereşu Mare und Bakowa/Bacova ist fast fertiggestellt, demnächst soll auch der Abschnitt von Bakowa bis Lugosch generalüberholt werden.
Die 4,3 Kilometer lange Ringstraße der Temescher Kleinstadt Busiasch wird den Verkehr von Temeswar nach Berzovia in Richtung Grenzübergang Stamora Moraviţa bzw. nach Lugosch umleiten. Insgesamt 19 Monaten sollen die Arbeiten an der Umgehungsstraße dauern. Dabei betragen die Baukosten rund 20 Millionen Lei – der Großteil des Geldes kommt über EU-Fonds. Obwohl die Ringstraße erst im September 2011 offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden muss, soll ein Teil dieser noch in diesem Jahr genutzt werden können, teilte vor Kurzem der Temescher Kreisratsvize Adam Crăciunescu mit. Laut Cr²ciunescu soll diese bereits am 27. September eingeweiht werden.

EU-Fonds für Klinik
Die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Temeswar wird auch über EU-Gelder verfügen. 3,1 Millionen Lei sollen in die Modernisierung des Ambulatoriums innerhalb der Klinik fließen. Insgesamt neun Monate sollen die Arbeiten dauern. Die Arbeiten sollen im Oktober starten. Am Ende soll das Ambulatorium über sechs neu eingerichtete Behandlungsräume mit EU-konformen Ausstattungen, wie zum Beispiel ein Laserstrahlengerät, verfügen. Auch die elektrischen Anlagen, die Wasser- und Kanalisationsleitung sowie die thermische Energie werden komplett ersetzt. „Die Modernisierung des Ambulatoriums ist besonders wichtig, denn die Klinik in Temeswar ist für die ganze Westregion zuständig. Schätzungsweise werden hier künftig etwa 2.305 Patienten pro Monat diagnostiziert“, sagte Marius Pricop, Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Bis die Sanierungsarbeiten fertig sind, werden die Patienten im Temescher Kreiskrankenhaus behandelt.

Fest der Temeswarer Diözese in Tschanad begangen

Tschanader Pfarrkirche: Bischof Martin Roos würdigt den Heiligen Gerhard von Sagredo.
Foto: Zoltán Pázmány


Nachbarschaftliche Beziehungen: Gläubige auch mit Fähre unterwegs

„Wir danken diesem Bischof für seinen Mut, seine Treue und seine Überzeugung und nicht zuletzt für den Glauben für unsere Kirche und Diözese“, sagt Martin Roos, Bischof der Temeswarer Diözese über den ersten Bischof in diesem Raum. Der Heilige Gerhardus von Sagredo hatte um das Jahr 1030 das erste Bistum in diesem Landstrich, in den heutigen Temescher Großgemeinde Tschanad/Cenad gegründet. Heute ist es eine Feier, die sich gewaltig von jenen von vor 30-40 Jahren unterscheidet. Damals hatten die Deutschen ihr Kirchweihfest an oder kurz vor diesem Tag begangen, der christliche Hintergrund musste jedoch immer verborgen bleiben. Heute reisen Priester aus der gesamten Gegend an, mehr als 70 waren es auch in diesem Jahr. Auch Gläubige kommen von weit her, ausgewanderte Schwaben aus der Gemeinde verlegen oft ihren Urlaub auf die zweite Septemberhälfte und nehmen neben Fotos von Haus und Garten auch gleich welche von der überfüllten Kirche am Gerhardus-Tag mit.
Bevor er zum Bischof ernannt wurde, war der aus Venedig-Murano stammende Gerhard Priester und Benediktinermönch, aber auch Erzieher des Heiligen Emmerich/Imre, des Sohnes und Nachfolgers König Stefans. Gerhard von Sagredo war nicht nur um die Verbreitung des Christentums in der Diözese bemüht, sondern leitete auch organisatorische Maßnahmen ein. Die Gründung des Tschanader Domkapitels und der Theologischen Schule gehören genauso dazu, wie die Tatsache, dass er mehrere Pfarreien ins Leben rief, Kirchen errichtete und zahlreiche Heiden taufte. 1046 nimmt das Leben des Heiligen Gerhard ein tragisches Ende. In dieser politisch, religiös und militärisch bewegten Zeit wurde er am 24. September von heidnischen Rebellen in Buda von einem Felsen in die Tiefe gestürzt. Dieser Fels trägt heute seinen Namen: Sankt Gerhardsberg.
„Trotz Multiethnischer Zusammensetzung, hat es – ausgenommen kleiner Animositäten – immer ein friedliches Nebeneinander in unserem Ort gegeben“, sagt der ehemalige Schulleiter und Rumänisch-Lehrer Gheorghe Doran. Was die Dorffeste in Tschanad betrifft, gibt es diskret unterschiedliche Meinungen, aber dabei bleibt es auch: „Uneingeschränkt von Nationalität und Religion müsste das Gerhardus-Fest eigentlich das Dorffest sein“, hatte bereits vor einem Jahr der katholische Pfarrer von Tschanad Daniel Groza gesagt. Der Geistliche argumentiert, dass das Gerhardus-Fest eben der herausragende Tag für Tschanad sei und dementsprechend auch gefeiert werden müsste. Gheorghe Doran, auch Vorsitzender des Kulturvereins „Concordia“, denkt genauso wie Bürgermeister Nikolaus Craciun, der jeder Konfession bzw. Ethnie die Möglichkeit gibt, ihr eigenes Kirchenfest zu feiern. Er unterstützt „Kirchweih“ und „Ruga“ gleichermaßen und trotzdem hat das Dorf am 24. September einen feierlicheren Anstrich als an anderen Festtagen. Den intensivsten Job machen an diesem Tag die Verkäufer am Stand für „mici“ und Bier. In manchem Dorfladen wechselt das Personal häufig, denn praktisch alle wollen – wenn auch nur für ein paar Minuten - über die Asphaltstraße im Ortszentrum, vorbei an der Gerhardus-Statue und in die katholische Kirche.
Die EU ermöglichte, mit der Fähre den Marosch-Fluss zu überqueren, da, wo er die Grenze zwischen Rumänien und Ungarn bildet. Die nach dem Ersten Weltkrieg samt Zugverbindung gesprengte Brücke hätten die Kommunen auf beiden Seiten der Marosch gern wieder in Betrieb. Die EU macht also die Reise möglich, die Behörden in den beiden Verwaltungskreisen Temesch/Timis in Rumänien und Csongrad in Ungarn würden es gerne sehen, wenn europäische Fonds auch den Brückenbau ermöglichen würden. „Die Grenzeröffnung über das Wasser für zwei Tage war schon deshalb wichtig, weil wir allgemein auf die Bedeutung der Brücke nicht nur für Rumänien und Ungarn, sondern für die EU hinweisen wollen“, sagt der Tschanader Bürgermeister Nikolaus Craciun. Ähnlich auch die Äußerungen der Kommunal- und Kreisvertreter aus Rumänien und Ungarn.
Siegfried Thiel

Gemüsemärkte: Wer faul ist, zahlt mehr

Recht teuer: Im Dacia-Gemüsemarkt kostet ein Kilo Auberginen bis zu 5 Lei.
Foto: Raluca Nelepcu


Einkaufen in der Joseph- und Fabrikstadt lohnt sich
Von Ana Saliste und Raluca Nelepcu

Die Ernte in Rumänien ist in diesem Jahr nur mäßig ausgefallen, der viele Regen hat schon manch Bauern einen Strich durch die Rechnung gezogen. Trotzdem sind auf den Märkten die Preise von Gemüse, Obst und Getreide bisher nur gering angestiegen. Die Daten des rumänischen Statistikamtes zeigen, dass die Lebensmittel nach Erhöhung der Mehrwertsteuer im Juni einen Monat später nur um 2,6 Prozent teurer geworden sind. Die Lebensmittelpreise stiegen im August um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat an. In den kommenden Monaten erwarten die Händler Preiserhöhungen von bis zu 30 Prozent bei Lebensmitteln, weil viele von ihnen auf den Import angewiesen sein werden. Erheblich teurer sollen Brotprodukte werden.
Die Temeswarer rüsten sich nun für den Winter. Viele von ihnen kaufen Gemüse und Obst vom Markt ein, denn hier können sie den Preis verhandeln. Jedoch sind die Preise auf den Märkten in Temeswar/Timisoara unterschiedlich: Für ein Kilo Tomaten, zum Beispiel, schwanken die Preise zwischen 2 und 6 Lei. Wo man Gemüse und Obst zu billigeren Preisen bekommen kann, das haben die BZ-Redakteurinnen Ana S²li{te und Raluca Nelepcu vergangene Woche recherchiert.


Dorinel Toma aus Chizatau (58) bietet Tomaten, Auberginen, Paprika und Kartoffeln im Temeswarer 700er-Markt zum Verkauf an. „Ich habe die Preise bereits seit Monaten nicht erhöht. Die Krise lässt sich aber trotzdem spüren. Im Sommer fielen die Verkäufe ziemlich schwach aus. Ich dachte damals, im Herbst wird es besser sein. Die Leute kaufen aber auch jetzt bedeutend weniger Gemüse und Obst ein im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Dorinel Toma. Der 700er Markt ist ein teurer Markt in Temeswar, wissen die Leute, und das, weil er in der Innenstadt liegt. Ein Kilo Tomaten kostet im 700er Markt zwischen 4 und 6 Lei, für ein Kilo Kartoffel muss man zwischen einem Leu und 2 Lei aus der Tasche ziehen, Auberginen werden zu 2 bis 4 Lei das Kilo angeboten.
Bedeutend bessere Preisangebote kann man im Josephstädter Markt entdecken: Tomaten kann man hier gegen 3 Lei das Kilo erwerben. Wer für den Winter Auberginen in die Gefriertruhe legen will, der kann Blaufrüchte aus Arad mit „weißem Fruchtfleisch“ zu 1,5 Lei bis 2,5 Lei das Kilo kaufen. Für ein Kilo Kraut - „geeignet für Krautwickel“ - muss man einen Leu oder 2 Lei hinblättern. Besonders gut verkauft sich auch Blumenkohl – 3 bis 3,5 Lei das Kilo – und Paprika zu 2 oder 3 Lei das Kilo. „Im vergangenen Jahr haben wir viel eingelegten Blumenkohl gegessen, deshalb habe ich in diesem Jahr mehr gekauft und weniger Gurken“, so Rodica Marcut (63) aus Temeswar, die zehn Kilo Blumenkohl erworben hat. „Ich lege etwas auch für meine zwei Kinder ein, denn die haben keine Zeit dafür“, fügt sie hinzu.
Trotz relativ gutem Preisangebot sind auch im Josephstädter Markt die Preise leicht gestiegen im Vergleich zu den vergangenen Wochen. „Ich habe vor einigen Wochen Tomaten zu 2,5 Lei das Kilo gefunden. Jetzt liegt der niedrigste Preis bei 3 Lei“, sagt Carmen Lica, die sich schon für den Winter gerüstet hat. „Ich habe Tomatensaft und Sakuska gemacht“, sagt sie. Auch die Eierpreise sind seit Sommer leicht gestiegen: Jetzt beträgt der Preis für zehn Eier im Josephstädter Markt 4 Lei, zuvor lag er bei 3 bzw. 3,5 Lei.
Die Preise für Saisonfrüchte sind auch unterschiedlich: Zwischen 2 und 5 Lei muss man für alle Produkte des Herbstes hinblättern. Ein Kilo Trauben kostet zwischen 3,5 und 5 Lei, für ein Kilo „süße Pflaumen“ – wie es auf den meisten Plakaten geschrieben steht - müssen die Temeswarer 2 Lei aus der Tasche ziehen. Diese verkaufen sich jedoch relativ schwach. „Die Leute kaufen zwei, maximal drei Kilo Pflaumen. Ab und zu finden sich Käufer, die Pflaumenkompott machen wollen und dann mehrere Kilos erwerben, sonst aber ist es ziemlich schwach“, erklärt eine Verkäuferin. „Schade um die Früchte, sie sind sehr süß“, fügt sie hinzu.

Recht billig: der„Badea Cârtan“-Markt
Der „Badea Cârtan“-Markt in der Fabrikstadt empfängt seine Kunden mit einem umfangreichen Angebot. Mehr als hundert Verkäufer kommen hierher mit ihren Landwirtschaftsprodukten, die sie dann laut Meinung vieler Temeswarer zu „guten Preisen“ anbieten. „Ich kaufe hier recht gern ein, weil die Preise niedriger als in anderen Märkten sind, wie zum Beispiel im 700er Markt“, sagt Enikö Kalman (26) aus der Fabrikstadt. Kartoffeln aus Belin] oder Arad können zu 1,5 Lei das Kilo erworben werden, Auberginen kosten hier ebenfalls 1,5 bis 2 Lei das Kilo. Wer Paprikaschoten für den Winter einlegen möchte, der kann sie hier zu 4 bis 4,5 Lei das Kilo kaufen. Gurken und Möhren gibt es zum gleichen Preis: 2,5 Lei pro Kilo. Tomaten kosten 3,5 bis 6 Lei das Kilogramm, Zwiebeln sind für 2 Lei erhältlich. Etwas teurer sind die Rekascher Tafeltrauben: 5 – 6 Lei das Kilo. Wegen den relativ niedrigen Preisen bevorzugen es viele Rentner, sogar aus entfernteren Stadtteilen wie Dacia oder Calea Aradului hierher zu kommen, um ihre Einkäufe zu erledigen.
Der „Badea Cârtan“-Markt hat jedoch einen Nachteil. Nicht für Kunden, sondern eher für die Bürger, die in Marktnähe wohnen. Der dichte Verkehr und der störende Lärm den ganzen Tag über brachte mehrmals die Bewohner auf die Palme. Dass die Händler alle Parkplätze rund um den Markt besetzen, ist ebenfalls ein Störfaktor. Anfang des Jahres beklagte sich der Bürgerrat aus der Fabrikstadt darüber, dass der Markt ein regelrechter Alptraum sei, sogar die Politikerin Maria Grapini griff damals das Problem auf. Bisher haben die Behörden aber nichts unternommen, um klare Regeln für die Verkäufer aufzustellen.

Giroker Markt mit erschwinglichen Preisen
Es ist schon bekannt, dass kleinere Märkte, die in den Stadtteilen von Temeswar eingerichtet wurden, Gemüse und Obst zu etwas höheren Preisen anbieten. Trotzdem gibt es auch solche, wo das Angebot umfangreich und die Preise erschwinglich sind. Einer davon ist der Markt im Girok-Viertel am südlichen Stadtrand. Gelbe Paprika kosten hier 2 oder 3 Lei das Kilo, rote sind für 3,5 Lei erhältlich. Ein Kilo Zwiebeln kostet 2 Lei, die Preise der Paprikaschoten schwanken zwischen 3 und 4 Lei das Kilo, Auberginen kosten – wie fast überall – 1,5 bis 2 Lei das Kilogramm. Belint-Kartoffeln kosten 1,5 bis 2 Lei das Kilo, Gurken sind für 2,5 bis 3 Lei erhältlich. Wer frische Tafeltrauben auf den Tisch stellen möchte, der kann sie vom Giroker Markt für 4 bis 4,5 Lei kaufen.
Zu den teuren Stadtteilmärkten gehört der Dacia-Gemüsemarkt. Hier präsentieren mehr als 50 Verkäufer ihre Ware. Die Preise sind hoch, und das, obwohl bekannter Weise sehr viele Rentner ihre Einkäufe hier erledigen. Ein Kilo Gurken kostet nicht weniger als 2,5 Lei, Paprikaschoten sind zu 4,5 bis 5 Lei das Kilo erhältlich. Die höchsten Preise sind jene der Auberginen: 2, 3 oder 4, ja sogar 5 Lei kostet hier ein Kilo funkelnder Auberginen. Für ein Kilogramm Möhren zahlt man im Dacia-Markt 2,5 Lei.

Größere Mengen, niedrigere Preise

Wer mit den Einkäufen für den Winter billiger auskommen möchte, der kann einen der zwei Großmärkte in Temeswar besuchen. Einer ist der sogenannte „Euro 2“-Markt, der sich hinter dem Euro-Einkaufszentrum unweit des neu eröffneten Dedeman-Baumarktes befindet. Vor den etwa 15 Hallen haben die Händler ihre Ware ausgestellt. Paprikaschoten kosten hier 3,5 Lei das Kilo, Kartoffeln rund 80 Bani und Auberginen 1,5 Lei, doch die Händler stellen eine Bedingung: Mindestens zehn Kilogramm muss man kaufen, damit sich auch für sie das Geschäft lohnt.
Jedoch ist bei manchen Produkten der Preisunterschied nicht immer relevant: Im Großmarkt im Mehala-Viertel kann man, zum Beispiel, Gemüse fast zum gleichen Preis wie im Josephstädter Markt erwerben: Die Preise für ein Kilo Kartoffel schwanken hier zwischen 1,1 und 1,3 Lei. Die Preise sind aber nur dann gültig, wenn man mindestens einen Sack von 10, 18 oder 20 Kilo kauft. Ein Kilo Kraut kostet hier 60 - 80 Bani, um etwa 20 Bani billiger im Vergleich zu den kleineren Märkten. Für ein Kilo Tomaten zahlt man zwischen 3,5 und 4,6 Lei – sogar teurer im Vergleich zu anderen Marktangeboten. Bedeutend billiger sind hier Auberginen (1,2 Lei das Kilo) und Blumenkohl (2,5 Lei) – es gilt aber die gleiche Bedingung: Davon muss man mindestens zehn Kilo kaufen. Wer jedoch kein Auto besitzt, um die Mengen befördern zu können, der muss sich mit dem Markt im eigenen Stadtteil zufriedenstellen. Für Rentner mit geringem Monatseinkommen, die sich nicht mit dem Auto fortbewegen, sind Großmärkte eher keine Alternative.