Mittwoch, 5. August 2009

Temeswar, Klein-Wien?

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Foto: Zoltán Pázmány


Mit bestem Dank

Die Redaktion

Büsten, Würdigungen, Auszeichnungen


Vielerlei Ehrungen zum Temeswarer Stadtfest




Zentralpark: Bürgermeister Ciuhandu enthüllt Büste.


Foto: Zoltán Pázmány


Temeswar (BZ) - „Persönlichkeiten, die die Stadt Temeswar/Timisoara und das Banat geprägt haben“, betonte Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu bei der Enthüllung von sieben Büsten im Zentralpark. Anlass der Enthüllungen und Ehrungen war das Temeswarer Stadtfest (3.August). Durch die gesamte neuere Geschichte des Banats ziehen die Persönlichkeiten: Vom Befreier des Banats von der Türkenherrschaft, Eugen von Savoyen, und dem ersten Gouverneur Florimund Mercy, über zwei Bürgermeister aus dem 19. Jahrhundert, Carol Küttel und Janos Török (u.a. dafür bekannt, dass unter ihrer Stabführung der öffentliche Nahverkehr bzw. Straßenbeleuchtung eingeführt wurde), bis hin zu Aurel Cosma (erster Präfekt des Verwaltungskreises von damals, Temesch/Timis - Torontal), dem ersten Bürgermeister von Temeswar unter rumänischer Verwaltung (ab 1919), Stan Vidrighin, und zum ehemaligen Minister Sever Bocu. Diese Namen und Büsten sind die ersten, die in der Temeswarer Allee der Persönlichkeiten stehen, weitere kommen bald hinzu. Eine Büste wurde auch auf dem Petru-Maior-Platz an der Doroban]ilor-Straße enthüllt – jene von General Virgil Economu, unter dessen Kommando die rumänischen Truppen 1919 in die Stadt eingezogen waren.


Auf einer außerordentlichen Stadtratssitzung wurde 28 Personen die Ehrenbürgerwürde zuteil. Als einzige Frau erhielt diesmal Mechtild Gollnick diese Auszeichnung. Sie setzt die Arbeit ihres verstorbenen Gatten fort, und unterstützt seit Jahren notleidende Kinder in Temeswar und Umgebung. Der Ehrenbürgerwürde zeige ihr, dass ihre Arbeit anerkannt wird, und dass das Geld der Sponsoren aus Westeuropa gut angelegt ist. „Leider gibt es noch Menschen, die unsere Hilfe notwendig haben“, sagt Mechtild Gollnick. Ausgezeichnet wurde auch der langjährige Alcatel-Direktor, Dan Bedros, sowie 26 Spieler und Betreuer des Fußballvereins Poli Temeswar, die 1980 den Rumänienpokal nach Temeswar geholt hatten.


Die Securitate liest Zeitung

Jede Institution hatte ihren Aufpasser von der Geheimpolizei, den für sie Zuständigen. Er ging in dem Objekt ein und aus, redete mit dem Institutionsleiter offiziell und nebenher verschaffte er sich durch seine Informanten im Haus die Details, diesmal inoffiziell.


Seine Macht über die Institution, deren Sicherheitskontrolle sein Auftrag war, begründete er durch sein inoffizielles Wissen. Mit Hilfe dieses Wissens trat er dem Leiter der Institution gegenüber in eine Position der Macht, aus der heraus er ihn unter Druck zu setzen versuchte, ja, sogar gefügig zu machen, und damit Einfluss zu nehmen, auf die Ausrichtung des Blattes und auf dessen Personalpolitik.


Das war zwar alles offiziell von der Partei geregelt, aber ein Chefredakteur wie Nikolaus Berwanger wusste den Spielraum, den die Vorgaben übrig ließen, vielfältig zu nutzen. Für die Leser, seine Schwaben, das Banat und für sich selbst.


Der Zuständige lebte vom Amtsmissbrauch. Die Securitate führte eine parasitäre Existenz. Nach offizieller Lesart hätte sich ihr Auftrag auf sicherheitsrelevante Fragen zu beschränken gehabt, auf deren Feststellung und Lösung. Was aber sollte schon bei eine Regionalzeitung sicherheitsrelevant sein? Außer, man unterstellt den Redakteuren staatsfeindliche Umtriebe, und manchmal, wie im Fall Berwanger, sogar dem Chefredakteur.


Das Arbeitsklima der NBZ, die Aktivitäten ihres Chefredakteurs und seiner verdächtigen Umgebung waren Gegenstand der heimlichen Berichterstattung durch fünf Kollegen: „Voicu“, „Sergiu“, „Luca“, „Victoria“ und „Liza“. Ihre Beiträge für die Staatssicherheit hatten herzlich wenig mit der Sicherheit des Staates zu tun, umso mehr aber mit Intrige und Missgunst. Sie sind unterschiedlichen Gewichts.


Die mit Abstand größte kriminelle Energie entfaltete die Figur „Voicu“. Er übersetzte, interpretierte und denunzierte nicht nur die Gedichte seines Chefs und die seines Kollegen Horst Samson, sondern auch ganz gewöhnliche kritische Zeitungsartikel.


Der Mann arbeitete bis kurz vor seiner Ausreise bei der Zeitung. Durch seine Denunziation ist es 1982 zu einer Hausdurchsuchung bei Horst Samson und zur Konfiskation eines Manuskripts von William Totok, mit weitreichenden Folgen. „Voicus“ Bindungen an die Securitate überdauerten seine Zeit in Rumänien. Er traf sich bei Besuchsreisen auch später noch mit Padurariu und Konsorten.


Eine Nachfrage bei ihm blieb ohne Ergebnis. Er behauptete sogar, er könne sich an den Namen „Voicu“ nicht erinnern. Mag sein, denn nach der Ausreise trug er den Namen „Schneider“, und wer weiß schon, wie er sonst noch genannt worden sein mag, auf den Schleichwegen, die er gegangen ist und vielleicht heute noch geht.


Richard Wagner

Erinnerung an die k.u.k. Glanzzeit

Temeswarer feiern mit Prinz Eugenius


Dass die Temeswarer noch immer eher an Großkundgebungen oder an Meetings zur Unterstützung der Lokalelf Poli gewohnt sind, zeigte sich an der etwas kargen Zahl der Teilnehmer und Schaulustigen anlässlich des Festes der Eugen-von-Savoyen-Straße in der historischen Innenstadt am vergangenen Samstag. Veranstalter dieses ersten Straßenfestes nach deutschem Modell in der Begastadt war der Kulturverein „Ariergarda“. Mit dem Fest der Emanoil-Ungureanu-Straße, ehemals Piaristen- und Ballgasse, und dem Start eines ersten touristischen Stadtbrands hatte das junge Team schon im Herbst 2008 gemeinsam mit der Stadt Temeswar/ Timisoara sein Langzeitprojekt zur Wiederbelebung der 16 Altgassen aus dem historischen Stadtkern erfolgreich begonnen.


Die symbolische Übergabe der kaiserlichen Eule der ehemaligen Piaristengasse

Foto: C. Duma

Das multikulturelle Event, das den Start zu den diesjährigen Festlichkeiten im Rahmen des Temeswarer Stadtfestes gab, fand seinen Niederschlag auch in einem kulturell-touristischen Portal www.banatkult.net. Im Versuch, die k.u.k. Glanzzeit heraufzubeschwören, setzten die Organisatoren auf historische Requisite bzw. eine Kutsche mit einem Nonius-Paar vom bekannten Izvin-Pferdegestüt (für Kinder wurden Gratisfahrten angeboten), auf zwei Reiter vom kürzlich gegründeten Reitklub „Morisena“ aus Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare auf eine Schar Jugendliche in Kleidung des 18. Jahrhunderts aber auch auf die Sperrung der Straße für den Autoverkehr. Nach der symbolischen Übergabe der kaiserlichen Eule der ehemaligen Piaristengasse führte Historiker Ioan Ha]egan mit einer kurzen geschichtlichen Darstellung von Haus zu Haus. Allen Interessenten wurde darauf das Straßenportal in der Weinstube Eugen von Savoyen, im Keller des ehemaligen Palais von Peter Solderer, Temeswarer Bürgermeister 1722-42, präsentiert. Die Ariergarda-Mitglieder lasen aus ihren literarischen Texten zum Thema „Der Wein in der Temeswarer Literatur“. Am Nachmittag kam es zu einer angeregten Diskussion mit Fachleuten über die Sanierung der Temeswarer Altbauten und einem Foto-Workshop mit Camil Mihaiescu. Bis in die späten Abendstunden reihten sich mehrere Kulturevents in den Räumen vorgenannten Weinkellers aneinander u.a. Konzerte mit Jazz und klassischer Musik, eine Ausstellung mit Werken Temeswarer Maler und ein literarischer Abend.

Balthasar Waitz

Größter Bierkrug der Welt aufgestellt

Temeswar: Stadtfest mit wenig Publikum/ Von Andreea Oance und Olivian Ieremiciu



Nur wenig Interesse zeigten die Temeswarer für das Stadtfest am Wochenende. Und das trotz dem vielfältigen Kulturprogramm, das das Bürgermeisteramt anlässlich der Feierlichkeiten bot. Eine doppelte Bedeutung hatte die Feier in diesem Jahr: 990 Jahre werden begangen, seitdem Temeswar/Timisoara zum ersten Mal in einem königlichen Schreiben des byzantinischen Kaisers Basileios II. erwähnt wurde und 90 Jahre, seitdem die rumänischen Truppen in Temeswar einmarschierten und das Banat durch das Königreich Rumänien einverleibt wurde. Zahlreiche Veranstaltungen wurden vorbereitet, doch die Temeswarer bevorzugten, bei der Hitze zu Hause zu bleiben.


Wenig Begeisterung für Konzerte am Domplatz

Mircea Baniciu&Kappl und deren Spezialgäste Horia Crisovan und A.G. Weinberger waren die Künstler, die am ersten Tag der Feier auf der Bühne am Domplatz performten. Sie bestiegen die Bühne am Freitagabend und unterhielten die Zuschauer mit bekannten rumänischen Liedern. Der 31. Juli war nicht nur der erste Tag des Stadtfestes, sondern auch der Geburtstag des Temeswarer Musikers Mircea Baniciu, der 60 Jahre alt wurde.



Der Temeswarer Musiker Mircea Baniciu und seine Freunde am ersten Tag der Feier

Foto: Cristian Boldisteanu


Vor allem Kinder und Jugendliche zeigten am Samstagabend Begeisterung, als der Sänger Smiley und die Musikgruppe Simplu auf die Bühne traten. Das meist erwartete Ereignis fand jedoch am Sonntagabend statt, als unter dem Motto „Oldies but Goldies“ die Band No Mercy und der Sänger Francesco Napoli am Domplatz konzertierten. Das Konzert lockte um einige Zuschauer mehr als an den Vorabenden aus dem Haus. Trotzdem konnte der Erfolg der Konzerte aus den vergangenen Jahren nicht erreicht werden.


Wegen Zuschauermangel am Wochenende mussten einige Veranstaltungen, die auf dem Programm des Stadtfestes standen, gestrichen werden. Einige Workshops sowie eine Modeschau mit historischen Kostümen fanden nicht mehr statt. Der „Temeswarer Ausweis“ sollte am Samstag verteilt werden, wurde jedoch erst Montag den Temeswarern zuteil. Alle Bürger der Stadt, auch jene, die nicht in Temeswar geboren sind, jedoch hier leben, und einen „Temeswarer Ausweis“ haben wollten, konnten in der Temeswarer Innenstadt einen bekommen. Der Ausweis beinhaltet Infos bezüglich der Stadtgeschichte und soll das Lokalbewusstsein der Bürger fördern, sagte Vizebürgermeister Adrian Orza vor dem Stadtfest. Alle Ausweise haben dieselbe Serie: TM 03081919 – das Datum, an dem das Banat an das Königreich Großrumänien angeschlossen wurde.


Riesenbierkrug am 700-er Markt

Der größte Bierkrug der Welt befindet sich seit Montag in Temeswar. Dieser wiegt fast drei Tonnen, ist aus Inox und wurde gestrichen, um den Zinn nachzuahmen. Aus diesem Material wurden nämlich in früheren Zeiten die Bierkrüge angefertigt. Die Konstruktion, die in unmittelbaren Nähe des 700-er Marktes aufgestellt wurde, misst fast sechs Meter und hat einen Durchmesser von drei Metern. Der Krug hat außerdem eine Kapazität von 11.000 Litern. Das Projekt ist auf Initiative der Staatsphilharmonie „Banatul“ aufgestellt worden.


11.000 Liter Bier - so viel passen in den wohl größten Bierkrug der Welt


„Der größte Krug befindet sich zurzeit in Malaysia und ragt ungefähr drei Meter in die Höhe. Wir haben diesen Krug fast doppelt so hoch gebaut, um sicher zu sein, dass keiner in naher Zukunft einen ähnlichen baut“, sagte Coriolan Gârboni, Leiter der Akademischen Kulturstiftung in Temeswar und gleichzeitig Leiter der Staatsphilharmonie „Banatul“. Er fügte hinzu, dass der Bierkrug im Herbst ins Guiness Book der Rekorde eingetragen werden kann. Erst muss ein Team von Schiedsrichtern den Krug messen und sich versichern, dass es wirklich der größte Krug der Welt ist. Falls dies geschieht, wird der Krug mit Bier gefüllt und die Temeswarer zu einem Maß eingeladen. Auch aus diesem Anlass floss Bier, das unentgeltlich ausgegeben wurde - viele Temeswarer drängten sich, das Hopfengebräu zu kosten.


Ein anderes Ereignis fand kurz davor statt: Die Enthüllung der Büste des Oberst Virgil Economu. Diese wurde am Petru-Maior-Platz in der Doroban]ilor-Straße aufgestellt. Economu führte am 3. August 1919 die rumänischen Truppen nach Temeswar. „Er schaut in die Ferne, in Richtung der Stadt, die er befreit hat“, ist der Meinung Gheorghe Ciuhandu, Bürgermeister von Temeswar. Am Ereignis nahm auch das 32. Infanteriebataillon „Mircea“ („Die Gelben Skorpione“) teil. Diese haben unter anderen an zahlreichen Missionen im Irak teilgenommen.



Enthüllung der Büste von Virgil Economu

Fotos: Zoltán Pázmány

BANAT AKTUELL


Gerhardinum-Schüler nach Dingelstädt

Eine Schülergruppe des Temeswarer Gerhardinum-Lyzeums wird am 10. August nach Dingelstädt, Deutschland, reisen. Gastgeber ist das „St. Josef“-Gymnasium, zu dem das römisch-katholische Lyzeum in Temeswar Partnerschaftsbeziehungen pflegt. In diesem Jahr werden 800 Jahre seit der Gründung von Dingelstädt begangen. Der Gerhardinum-Chor unter der Leitung von Flóra Tóth wird aus diesem Anlass in der thüringischen Stadt auftreten.


Wohnungen für junge Familien

80 junge Familien aus Temeswar haben ab dieser Woche eine neue Wohnung. Am Montag wurden 50 Ein-Zimmer-Wohnungen und 30 Zwei-Zimmer-Appartements der Nationalen Agentur für Wohnungsbau (ANL) von ihren neuen Bewohnern bezogen. Die Nutznießer sind nicht älter als 35 Jahre. Die Investition beläuft sich auf rund 8,2 Millionen Lei. Das Bürgermeisteramt hat zwei weitere Grundstücke von über sechs Hektar für den Wohnungsbau zur Verfügung gestellt, an der Urseni- und Moschnitza-Straße.


Musiktage in Orawitza

Das Alte Mihai-Eminescu-Theater veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Karasch-Severin/Cara{-Severin und dem Bürgermeisteramt vom 7. bis zum 15. August die Musiktage der Stadt Orawitza/Oravi]a. Das Festival beginnt am 7. August um 19 Uhr mit einem Konzert, dargeboten von den Klavierspielern Massimiliano Valenti (Italien) sowie Manuela und Drago{ Mih²ilescu, Initiatoren des Events. Vom 8. bis zum 12. August werden im Alten Theater und in der Orawitzaer Schule Nr. 3 Musikwerkstätten organisiert. Am 13. und 14. August treten im Alten Theater die jungen Klavierspieler auf, die an den Kursen teilgenommen haben. In der römisch-katholischen Kirche findet am 15. August um 19 Uhr ein Konzert statt, dargeboten von der Cello-Spielerin Alexandra Gu]u, der Gesangssolistin Simina Ivan (Sopran) von der Wiener Staatsoper und dem Mihailescu- Klavierduo.


Pilot-Kläranlage für Aquatim

Durch eine Spende des Fraunhofer-Instituts aus Deutschland wurde in Temeswar eine Pilot-Kläranlage eingerichtet. Die Gesellschaft für Siedlungswasserwirtschaft Aquatim arbeitet schon seit einiger Zeit mit dem Fraunhoferinstitut zusammen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden Fachleute ausgebildet und Informationen im Bereich der Abwasserklärung ausgetauscht. Immer mehr Städte weltweit nutzen derartige Technologien zur Wiederaufwertung des Brauchwassers. Das so gewonnene Wasser kann zum Beispiel für die Bewässerung in der Landwirtschaft bedenkenlos verwendet werden.


Rekordbesucherzahl für Neptun-Freibad

Das Neptun-Freibad in Arad rühmt sich im Monat Juli mit einer Rekordbesucherzahl. Vom 1. bis zum 31. Juli gingen fast 100.000 Personen durch das Tor des Schwimmbads – die Einnahmen aus dem Ticketverkauf betragen etwa 450.000 Lei. 92.000 Tickets wurden abgerissen, hinzu kommen die 1500 Abos, die Anfang der Saison abgeschlossen wurden. Die Modernisierung des Freibads wird im August fortgesetzt, nachdem im Juli das Kinderbecken am Eingang von der Decebal-Brücke in Betrieb genommen und der naheliegende Spielplatz neu eingerichtet wurde.


Zusammengestellt von Raluca Nelepcu und Olivian Ieremiciu

Andreea Foanene eine Künstlerin in der Puppenwelt

Temeswarer Filip Petcu restauriert als Hobby und Beruf / Von Andreea Oance


Andreea Foanene hat schon immer gemalt, so weit sie sich erinnern kann. „Ich war ganz anders als andere Kinder. Anstatt draußen zu spielen, hatte ich es lieber zuhause gemalt“, erzählt die 25-jährige Künstlerin. Als sie schon in der zweiten Klasse war, hatte sie bereits ihre erste Eigenausstellung. Blumen und meistens Portraits hatten sie damals inspiriert und gemalt. „Eigentlich malen die Kinder, das was sie erleben. Ich war damals sehr von den Gesichtern der Menschen, die um mich lebten, beeindruckt. Ich erinnere mich, dass meine Urgroßmutter noch lebte und ich ihre faltiges Gesicht sehr kurios fand“, sagt Andreea Foanene.

Sie wurde in Dragasani geboren und hat schon ab 1999 dem Kunstlyzeum in Ramnicu Vâlcea, danach in Hermannstadt/Sibiu besucht. Ab 2003 hat sie auf der Kunsthochschule der Westuniversiät in Temeswar/Timisoara studiert und ihre Leidenschaft für Kunst weiter ausgeübt.

Andreea Foanene weiß, dass es nicht leicht ist heutzutage dem Publikum Kunst von guter Qualität anzubieten. Dies ist was sie mit ihren Werke immer wieder beweisen will. „Ich habe verstanden wie wichtig es ist, dem Publikum deine Vorstellungen zu erklären, damit du nicht falsch verstanden sein sollst“, sagt die Künstlerin.


Künstlerin Andreea Foanene und ihre Puppen.


„Die Wiederbewohnung der Kindheit“ („Relocuirea copilariei“) hieß die Ausstellung der Künstlerin, die März dieses Jahres in der „Calina“-Gallerie in Temeswar stattgefunden hat. Damit verknüpfte sie zwei Projekte und anderen auch ihre Masterarbeit. Selbst hergestellte Puppen wurden innerhalb der Ausstellung präsentiert. Zu diesem Anlass hat die junge Künstlerin auch drei Workshops für Kinder veranstaltet. Etwa 70 Kinder beteiligten sich an diesen. „Ich habe mich mit den Kindern unterhalten und war sehr beeindruckt zu entdecken, wie meine Kunst durch deren Augen gesehen wird“, sagt Andreea Foanene.

Die Puppen werden auch weiterhin einen großen Einfluss auf Andreea Foanene haben. „Ich werden mich ein ganzes Jahr hundertprozentig der Kunst zu widmen“, sagt Künstlerin Foanene. Dafür beginnt sie schon ab diesem Sommer. Eineinhalb Monaten wird sie zusammen mit ihrem Freund in der Türkei und in Georgien reisen. „In meiner Reise möchte ich über Puppen dokumentieren. Welche Materialien benutzt werden und welche eigentlich die Anfrage und das Angebot auf der Markt diesbezüglich ist. Die Puppen sind eigentlich die Antwort der zeitgenössischen Anfrage“.

An der Uni hat sie ihren Freund Filip Petcu kennengelernt. Sie waren Kommilitonen innerhalb derselben Fakultät. Filip Petcu (25) hat jedoch an der Abteilung für Restaurationen studiert. Als Schüler des Nikolaus Lenau-Lyzeums hat er erst in der 11. Klasse entdeckt, dass die Malerei und vor allem die Ikonenmalerei eine sehr interessantes Bereich sein. Somit entschied er sich: er würde weiterhin Restauration und Malerei studieren. Ein Jahr lang hat er sich für die Aufnahmeprüfung vorbereitet. Zeichnen, Farbe und Komposition hat er sehr fleißig und voller Begeisterung studiert. Filip Petcu schloss 2007 die Fakultät für Bildende Kunst, Abteilung „Restauration und Konservierung“ ab und machte danach sein Masterstudium in „Ikonen – Malerei und Restauration“.


Filip Petcu – erhält das Kulturerbe der Ikonen.


Während seines Studiums beteiligte er sich an zahlreichen Restaurierungen landesweir und hatte dabei zahlreiche Gruppenausstellungen, unter anderen auch Ikonen aus der Kollektion der Banater Mitropolie und hat auch die Kapelle des Lyzeums „Coriolan Brediceanu“ in Lugosch/Lugoj bemalt.

„Ich habe seit Kurzem begonnen mit einer anderen Technik zu arbeiten: die Encaustic: Malen mit heißem Wachs. Dies wurde schon lange vor der der Ölmalerei, zirka 800 n.Ch., eingesetzt. Auch namhafte Künstler, wie Da Vinci, setzte flüssige Wachsfarben für seine Werke ein“, erzählt Filip Petcu.

Doch sein größtes Ziel ist das Attest als Restaurator zu bekommen. Dafür hat er einen Kurs in Bukarest abgeschlossen muss jedoch noch zwei Jahren warten, bis er endgültig Restaurator sein werden kann.

In der nahen Zukunft reist er zusammen mit seiner Freundin Andreea Foanene. In der Türkei beteiligen sie sich als Mitglieder der Gemeinschaft für Lebensqualität (Asocia]ia pentru Calitatea Vie]ii) bei dem Programm „Jugend in Aktion“ („Youth in Action“). Dieses Programm fördert die Kreativität und die Innovation im Jugendbereich. „Nach dem Rückkehr möchten wie eine gemeinsame Ausstellung veranstalten und den Leuten zeigen, dass was wir auf unserer Reise erlebt haben“, schließt Filip Petcu.


Die beiden Künstler bereiten eine gemeinsame Expo vor.

Fotos: privat

Mit fünf schon vier Eigenausstellungen

Hrisanty-Adriana ist die kleine Picasso Temeswars /Von Ana Saliste


Hrisanty-Adriana malt gern – genauso wie jedes Kind in ihrem Alter. Doch die lebendigen Farbkombinationen aus ihren Bildern haben die Aufmerksamkeit mehrerer Künstler aus dem In- und Ausland erregt. Rund 60 Bilder hat die Kleine bislang sowohl in der Temeswarer Iulius Mall als auch in Wien ausgestellt.


„Früher habe ich nicht so schön gemalt wie jetzt“, erinnert sich Hrisanty-Adriana, während sie Gelb aus einer Tube auf die Farbpalette tropft. Mit ernster Miene sucht sie sich einen Pinsel aus und beginnt eine Pyramide zu malen. Auf einer der Zeichnungen, die um sie herum liegen, entdecken wir ihren Hund, Picky, in hellen Wasserfarben dargestellt. Ganz schnell geht Hrisanty in ihr Zimmer, um Picky, ihr Lieblingsspielzeug, zu bringen und es uns vorzustellen. Die Ähnlichkeit zwischen dem Spielzeug und der Zeichnung ist bemerkenswert.



Die fünfjährige Hrisanty-Adriana bereitet sich auf eine Ausstellung in Paris vor.

Foto: Zoltán Pázmány


Farbig und lebendig, so könnte man ihre Malereien bezeichnen. Lauter Naturmotive, von Blumen und Wäldern bis hin zur Donau und zum Schwarzen Meer, all das kann man in ihren Zeichnungen entdecken. „Sie kann sich sehr schnell Sachen visuell merken. Wenn wir unterwegs sind und dann nach Hause zurückkommen, kann sie die besuchten Ortschaften detailliert wiedergeben“, sagt ihre Mutter. „Ich male nur wenn ich will, manchmal auch zehn Zeichnungen an einem Tag, manchmal jedoch keine“, fügt Hrisanty hinzu.


Die junge Hrisanty, auch die „kleine Picasso Temeswars“ genannt, hat schon vier Eigenausstellung in der Stadt an der Bega und eine im Wiener Pygmalion-Theater hinter sich. Sie wird derzeit von der Künstlerin Ecaterina Neagu betreut und ist die kleinste Teilnehmerin der Malereiabteilung innerhalb der Temeswarer Volkskunstschule. „Sie lässt mich nicht mit Ölfarben malen“, sagt Hrisanty ein bisschen traurig. Dabei greift ihre Mutter lächelnd ins Gespräch ein. „Sie hat noch keine Maltechnik, dass sie mit Ölfarben malen könnte“, sagt sie. Zu ihren Lieblingsfarben zählt Hrisanty Blau, Gelb und Grün.


Das Talent der Kleinen wurde von der Künstlerin Maria Sperlea entdeckt, nachdem sie ihre Zeichnungen bei einer Malereiausstellung für Kinder in Dumbravita gesehen hat. „Die Ausstellungen sind danach eine nach der anderen gekommen“, sagt Adrianas Mutter, Denisa Abrudan. Am 9. Mai beteiligte sich die Kleine am Europatag und stellte im Dorfmuseum aus, wo sie und ihre Mutter mit mehreren Honorarkonsulaten in Kontakt kamen. Kurze Zeit später wurden sie nach Wien eingeladen, um im Pygmalion-Theater auszustellen. Nun bereitet sich die Kleine für eine Ausstellung in Paris vor, die im August eröffnet wird. Im September sind dann ihre Werke in einem Glassaal in Clermont-Ferrand zu sehen. Dass die zahlreichen Reisen für sie anstrengend sind, weist die Mutter von der Hand: „Sie ist so energisch, dass ich kaum Schritt halten kann. Für mich ist es viel anstrengender als für sie, aber es macht auch sehr viel Spaß“, sagt Denisa Abrudan. „Ich mag auch Fahrrad fahren und tanzen“, fügt Hrisanty stolz hinzu und zeigt uns einige Cha-Cha-Schritte. Für die nächsten zwei Wochen legt sie aber sowohl das Fahrrad als auch den Pinsel beiseite und freut sich auf einen Urlaub am Meer. „Wenn ich zurückkomme, werde ich ganz bestimmt das Meer malen“, sagt sie lächelnd.

Beschlussvorlagen im Schnellverfahren

Wärmeenergie teurer, Josephstädter Markt bleibt unverändert

Von Olivian Ieremiciu


Die Temeswarer Stadträte wollen Urlaub machen. Daher haben sie auf der jüngsten Stadtratstagung über 58 Projekte im Schnelldurchlauf abgestimmt. Meist wurden die Beschlussvorlagen nach dem Motto: „Wer ist dafür? Keine Änderungsvorschläge der Beschlussvorlage? Der Beschluss ist angenommen“ abgestimmt. Lediglich bei einigen Projekten, wie die Verteuerung der Gigakalorie , die Rehabilitierung der Stadtmitte oder die Schaffung eines modernen Markts im Josephstädter Viertel (an der Stelle des jetzigen Marktes) gab es einige Streitpunkte.


Wärmeernergie wird teurer

Die Stadträte haben entschieden, dass die Wärmeenergie ab dem 1. August um rund 15 Prozent teurer wird. Bislang mussten die Temeswarer 162 Lei für die Gigakalorie berappen, nach dem Beschluss des Stadtrats kostet die Gigacalorie künftig 187 Lei. „Die Temeswarer werden auch nach der Preisänderung die billigste Wärmeenergie in Rumänien haben. In Arad wird für die Gigakalorie 205 Lei verlangt, in Târgu Mure{ kostet diese 193 Lei“, sagte der Bürgermeister der Stadt Temeswar/Timi{oara, Gheorghe Ciuhandu. Er gab auch den Grund dafür an, wieso eine derartige Preiserhöhung notwendig ist: „Der Realpreis der Gigakalorie ist 288 Lei, wir berechnen sie mit 162 Lei. Der Preisunterschied von 126 Lei kommt aus dem Staatshaushalt, der 72 Lei beisteuert und aus dem Stadthaushalt, der 28 Lei beisteuert. Die restlichen 26 Lei sind die Verluste von Colterm“, fügte der Bürgermeister hinzu. Ohne die Preiserhöhung würde Colterm ab Januar zahlungsunfähig sein. Die Stadträte der PNL- und PDL-Fraktion stimmten dagegen. Die Beschlussvorlage kam trotzdem durch. Colterm liefert Wärmeenergie für 95.000 Nutznießer, das heißt, dass ungefähr 270.000 Temeswarer noch am Fernheizungssystem angeschlossen sind.


Sanierung des Josephstädter Markts abgelehnt

Die Stadträte haben das Projekt abgelehnt, da in einer Woche der Preis für den neuen Markt um 1,2 Millionen...zurückgegangen ist. Laut Stadtrat Ciprian Jichici lag der Anfangswert bei 6,1 Millionen Euro, nach einer Woche wurde dieser mit 4,9 Millionen Euro vorgestellt. „Es ist unerhört. Ich verstehe nicht, wie in einer Woche der Preis um 1,2 Millionen Euro niedriger ausgefallen ist. Wir spielen hier mit Zahlen“, sagte Jichici. Der PDL-Ratsherr Ovidiu Ciuhandu zeigte sich mit dem Projekt unzufrieden. „Brauchen wir wirklich einen Markt auf zwei Stockwerken? Im Projekt habe ich gesehen, dass auch einige Boutiquen entstehen sollen. Es wird eher ein kleineres Mall als ein traditioneller Bauernmarkt entstehen“, sagte der Ratsherr. Er schlug eine Umgestaltung des Projekts vor. Aura Junie, Direktorin für Stadtplanung beim Bürgermeisteramt, meint, dass das Projekt in einigen Monaten wieder zur Abstimmung anstehen wird. „Für jetzt heißt es, dass der Josephstädter Markt und die Gegend unverändert bleiben. Der Anfangswert wurde nach den Durchschnittspreisen errechnet, wir haben von IPROTIM, die mit diesem Projekt beauftragt wurde, verlangt, sich an den Niedrigstpreisen zu orientieren. Daher der letztendliche Preisunterschied“, so Aura Junie. Das Josephstädter Markt, in seinem heutigen Bestehen, wurde in den achtziger Jahren errichtet. Vor fünf Jahren wurde ein Projekt zur Sanierung des Marktes vorgelegt. Es wurde jedoch von einem Bürger blockiert. Diesem wurde ein Teil des Grundstücks, auf dem der Markt gebaut ist, rückerstattet. „Wir wollten das Grundstück kaufen, es war jedoch nicht möglich“, meinte der Bürgermeister.


Der Josephstädter Markt bleibt (noch) unverändert


3,3 Millionen Euro für den Kinderpark

Das Kinderpark „Ion Creang²“ aus Temeswar wird modernisiert. Dieser wurde vor fünf Jahren geschlossen, nachdem sich ein Kind auf einer alten Spielanlage verletzt hatte. Die Arbeiten sollen 2010 starten und werden voraussichtlich elf Monate dauern. Der Park wurde 1858 angelegt und erstreckt sich auf 66.000 Quadratmetern. Die Spielanlagen wurden 1987 eingeführt. Im Jahr 2008 hatte der damalige Präfekt des Kreises Temesch, Ovidiu Dr²gnescu, die Sanierung des Parks durch einen gerichtlichen Beschluss verhindert. Er beschuldigte das Bürgermeisteramt, durch die Sanierung und Neugestaltung die Grünanlage um 10.000 Quadratmeter zu verkleinern. Außerdem sollte die Errichtung einiger Gebäude, unter anderem auch einer Diskothek verhindert werden.


Sanierung des Stadtzentrums

Das „Städtische Ensemble Corso“ soll umgestaltet werden. Die Kosten der Sanierung: 10 Millionen Euro. Die EU-Axe, durch welche die Gelder beantragt werden können, deckt 7 Millionen Euro. Diese kann jedoch aufgestockt werden. Ein Teil der Gelder wird aber aus dem Haushalt der Stadt kommen müssen. Die Genehmigung seitens des Kreisrats soll am 5. August erfolgen. Das Projekt beinhaltet auch einen Vorschlag für einen Abriss: die des viel umstrittenen „Aquariums“ bei der Oper. „Es ist jedoch nur eine Abrissempfehlung, wir können das nicht erzwingen. Zurzeit gibt es einen Gerichtsbeschluss, der uns dies verbietet. Nachdem das Projekt angenommen wird und wir die nötige Finanzierung bekommen, ziehen wir vors Gericht, werden unsererseits versuchen, ein Urteil zu erzwingen, um dieses Gebäude abzureißen“, sagte der Bürgermeister. Er erinnerte außerdem an die „Bastei-Erfahrung“. „Eineinhalb Jahre haben wir da verloren. Wir haben uns also entschieden, erst die Gelder zu bekommen und erst danach vors Gericht zu ziehen“, fügte der Bürgermeister hinzu. Bei einigen Preisen zeigte sich der PDL-Ratsherr Ovidiu Ciuhandu etwas verwundert: „500.000 Euro für den Entwurf und weitere 200.000 Euro für die Baustelleneinrichtung? Ziemlich viel“, so der Demokratliberale.


3,3 Millionen Euro fließen in den Kinderpark

Englischkurse für Busiascher Kurpersonal

Zehn Angestellte mit internationalen Diplomen




Der Busiascher Kurort soll wieder belebt werden.
Foto: Zoltán Pázmány



Busiasch - Zehn Angestellte verschiedener Berufsebenen und –kategorien des Temescher Kurunternehmens Busiasch/Buzia{ haben vor Kurzem einen Englischkurs abgeschlossen. Konkret geht es um Restaurantchefs und Empfangsdamen, die im Unternehmen arbeiten. Die Angestellten haben zum erfolgreichen Abschluss des Kurses ECDL-BULATS-Diplome bekommen, die von der Europäischen Union anerkannt sind.
Die Kurse wurden innerhalb der Temeswarer Firma ITC-ELINF abgehalten. Das Kurunternehmen Busiasch ist das erste Banater Unternehmen, das dieses Fortbildungsprogramm genutzt hat. Weitere zehn Angestellte lernen derzeit mit dem Rechner professionell umzugehen, 20 werden künftig in Sachen Lebensmittelsicherheit ausgebildet.
Das Programm läuft bis November 2009 und gehört zu einem größeren Projekt, das den Tourismus in dieser Gegend verbessern und fördern soll. Finanziert wird es von der Europäischen Union und der Rumänischen Regierung, durch das Phare-Programm „Die Weiterbildung des Personals zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit im Tourismusbereich“. Die kommunalen Behörden wollen den Kurort wieder auf jenes Niveau bringen, auf dem er sich schon einmal befunden hat. Dabei bildet die Aufwertung des Personals durch Fortbildung und die Erhöhung von dessen Dienstleistungsfähigkeit eine Priorität.
„Wir haben das Parc-Hotel durch Renovierungen auf drei Sterne aufgewertet. Auch das Personal muss also dementsprechend qualifiziert sein“, sagt Alina [tefan, Rechtsberaterin des Kurunternehmens.
Als Folge der Privatisierung vor rund sechs Jahren durch den Investmentfonds SIF Transilvania (die BZ berichtete) begann vor drei Jahren ein Ausbauprogramm in zwei Etappen, das bis 2012 laufen soll. Die Heil– und Kurbäder in der Kleinstadt Busiasch, rund 30 Kilometer von Temeswar/Timi{oara entfernt, werden derzeit saniert und modernisiert. In der Zeitspanne 2005 – 2008 wurden Investitionen in Höhe von 14,8 Millionen Lei umgesetzt. Weitere drei Millionen Euro kamen in diesem Jahr hinzu. Vor Kurzem wurde das Parc-Hotel modernisiert und mit einer neuen Fassade, einem Schwimmbecken und einem Konferenzraum bedacht. Dazu sollen 46 Zimmer des Buzia{-Hotels künftig auf vier Sterne aufgewertet werden.
Das Angebot der Kurbäder - seit 1819 als solche anerkannt – reicht von der Behandlung von Erkrankungen (Blutkreislaufstörungen, Leiden des zentralen Nervensystems, Ernährungsstörungen, Berufskrankheiten, Rheuma) bis hin zur Entspannung.
Ana Saliste


Straußgewinner mit und ohne Verpflichtungen





Siebenbürger Sachsen spielen zum Sanktannaer Kirchweihfest auf/ Von Helen Alba


Das Demokratische Forum der Deutschen, das Bürgermeisteramt, die Heimatortsgemeinschaft (HOG) Sanktanna/Santana sowie die deutsche Ortsschule luden am ersten August-Wochenende zum 141. Kirchweihfest ein. Sanktanna ist die einzige Banater Ortschaft, in der bei diesem Fest drei Rosmareinsträuße geschmückt und mit Stolz getragen werden. Mit dem kleinen Strauß wird der Priester nach dem Festgottesdienst eingeladen. Der mittlere wird abwechselnd vom ersten und zweiten Geldherrn versteigert, der Straußgewinner nimmt diesen mit nach Hause, wo er ihn nach Belieben aufbewahrt. Wer den großen Strauß „lezitiert“/gewinnt, der ist für einen Abend Vortänzer und hat die Verpflichtung, mit seinem Mädchen im folgenden Jahr als erster Geldherr das Kirchweihfest in die Wege zu leiten und anzuführen.


Baumaufstellen und Einladen der Ehrengäste

Am Kirchweihsamstag wurde ein etwa 15 Meter hoher Baumstamm, der auf dem Dachboden des ehemaligen Sanktannaer Bauernvereinshauses (heute Kulturheim und Sitz des deutschen Forums) von Jahr zu Jahr aufbewahrt wird, mit Buchsbaumsträußen geschmückt und aufgestellt. Martin Reinholz Sen., Vorsitzender des deutschen Forums Sanktanna, kennt sich da bestens aus. Er hat in seiner Jugendzeit schon als Kirchweihtänzer mitgeholfen und legt seit 1994 jährlich Hand an, bis der Kirchweihbaum vor dem Kulturheim steht und das Fest beginnen kann. Tatkräftig unterstützt wurde er heuer von Sohn Martin (erster Geldherr) und Claudius Höniges (zweiter Geldherr).

Am Nachmittag des gleichen Tages wurden die Ehrengäste eingeladen. Die Kirchweihtänzer trafen sich beim zweiten Geldherrn, dieser lud seine Eltern zum Fest ein. Die Blaskapelle spielte drei Tänze. Danach ging es durch die Straßen der Marktgemeinde. Die Jungs zogen paarweise durch den Ort. Würdenträger, Ortsbewohner und deren Gäste wurden besucht, mit dem Kirchweihwein geehrt und eingeladen, der „Kerwei“ beizuwohnen. Auch die Eltern der ersten und zweiten Geldfrau wurden eingeladen und spät am Abend fanden sich die „Puschabuwe“ beim ersten Geldherrn ein.


Feierlicher Gottesdienst in der Mutter-Anna-Kirche

23 Kirchweihpaare marschierten am vergangenen Sonntag durch Sanktanna. Den feierlichen Gottesdienst zelebrierte Ioan Ciurar, Pfarrer in Pankota/Pancota. Die Kirchenchöre aus Sanktanna, Pankota und Galscha/Galsa untermalten musikalisch die heilige Messe. Das Schlusslied „Großer Gott wir loben Dich“ wurde von Bernhard Staffendt auf der Trompete geblasen. Stolze Eltern, Hermine und Martin Reinholz, begleiteten den Kirchweihzug. Ihre drei Kinder Martin, Johanna und Maximilian waren in diesem Jahr mit dabei.


20 Faltenröcke auf einen Streich

Regina Müller ist 75 Jahre alt, lebt seit vielen Jahren in Deutschland und reist jährlich, drei Wochen vor dem Kirchweihfest, nach Sanktanna. Nicht nur weil sie Heimweh hat. Sie kommt, um die Trachtenkleider der Mädchen herzurichten. Und das ist nicht so einfach. Eine Kirchweihtracht besteht aus sechs bis sieben in Falten gelegte Röcke und dem „Patschur“ (Joppe). Bis erstere „in Stecken gerafft werden“, vergehen mehrere Stunden, denn der Oberrock hat eine Breite von fünf Metern. Und an einer Joppe ist stundenlang zu bügeln, bis diese der Regina-Neni beim Betrachten und Anprobieren gefällt. Sie hat in diesem Jahr 20 Röcke gerafft und fünf Joppen gebügelt. Sonja Arend, zweite Geldfrau, steht ganz still. Ihr wird das Trachtenkleid anprobiert, denn beim Aufmarsch müssen die acht Röcke und der „Patschur“ tadellos sitzen. Sie kommt nun schon seit vier Jahren mit ihren Eltern, die in Sanktanna geboren sind, aus dem Allgäu/Deutschland angereist, um „mitzumachen und die Tradition weiter zu führen“.


Siebenbürger Sachsen blasen den Kirchweihmarsch

Die Sanktannaer Kirchweihtracht, die heute getragen wird, wurde um die Jahrhundertwende angefertigt. Sie wird auch als „weiß-schwarz-Tracht“ bezeichnet. Alle Bestandteile außer der Schürze (die schwarz ist), sind weiß. Die weiße Farbe steht für Ehrlichkeit und Sauberkeit, Schwarz soll Finsternis und Rückschläge versinnbildlichen, die die Sanktannaer immer wieder verkraften mussten.

Als Besonderheit des 141. Kirchweihfestes kann die Anreise der Blaskapelle „Henndorfer Musikanten“ aus Deutschland genannt werden. Es sind Musikanten, die aus Henndorf/Br²deni in Siebenbürgen stammen und nach dem Kirchweihfest in ihren Heimatort weiterreisen, um dort das Heimatortstreffen mitgestalten und mitfeiern zu können. Ihr Kapellmeister ist Bernhard Staffendt.


Vor einem Jahr Vortänzerin – heuer erste Geldfrau

Johann Kappes, in Sanktanna geboren, ersteigerte den großen Rosmareinstrauß im vergangenen Jahr und schenkte diesen seiner Tochter Anne-Sophie. Die Familie Kappes wohnt in Möckmühl/Deutschland, Mutter Brigitte kommt sogar aus Frankreich. Johann Kappes betonte, dass man das Gefühl, geehrt durch sein Heimatdorf „gespielt“ zu werden, nicht beschreiben kann. Er ist stolz auf seine Tochter, die bei hochsommerlichen Temperaturen in diesem Jahr als erste Geldfrau das Sanktannaer Trachtenkleid anlegte und allen stolz voranschritt.


24-Jähriger zum 19. Mal dabei

Innerhalb der Veranstaltung wurden Sanktanner, die sich für das Wohl und Wehe ihrer Landsleute eingesetzt haben, geehrt und mit einer Urkunde und der Jubiläumsmedaille der HOG ausgezeichnet. Unter ihnen, um nur einige zu nennen: Claudius Höniges ist mit seinen nun 24 Jahren zum 19. Mal beim Kirchweihfest als erster oder zweiter Geldherr dabei gewesen; Karin und Erich Reinert (er stammt aus Tschene/Cenei) haben sich um die Anreise der Blaskapelle „Henndorfer Musikanten“ bemüht; Harald Groh hat 17 Mal beim Sanktannaer Kirchweihfest mitgemacht. Mihai Scarlatescu, Vizebürgermeister in Sanktanna, für die gute Zusammenarbeit mit der HOG.


Die HOG hilft immer mit

Josef Lutz, HOG-Vorsitzender, ist sich dessen sicher, dass die Sanktannaer in Europa angekommen sind und auch von den Westeuropäern angenommen werden. Er wünscht sich, dass aus dem reichen Schatz heimatlicher Verbindungen und Beziehungen Impulse für den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Gemeinschaft entstehen mögen. Alle Sanktannaer, ob hüben oder drüben, entscheiden oder verweigern durch ihr Tun und Lassen, wie es damit weiter geht.

Josef Lutz betont: „Betrachtet man den Aufmarsch, so wird einem heute die enorme gesellschaftliche Bedeutung dieser Veranstaltung bewusst. Es ist das Kirchweihfest, das der deutschen Bevölkerung ein Überleben im Glauben an ihre Tradition, Kultur, und Religion ermöglicht hat. Sanktanna ist ja die Wiege unserer Kultur, es kommen aber auch immer wieder neue Elemente hinzu“. Früher waren es in Sanktanna nur römisch-katholische Deutsche, Jugendliche, die in einem gewissen Alter, die „Kerwei tanzten“. Heute sind auch Kinder, Schüler anderer Nationalitäten und anderen Glaubens dabei. „Tradition kann man nicht kaufen, sie wird gelebt und man soll sie so hinnehmen, wie sie Jahr für Jahr Änderungen erlebt. Und alle Leute fühlen sich gut. Nicht nur, weil die HOG solche Feste materiell, sondern auch geistig unterstützt. Ich halte es für schlimm und intellektuell hoch gefährlich, eine geistige Unabhängigkeit von der materiellen abhängig zu machen. Es ist nicht nur so, dass wir einfach anreisen. Wir helfen mit, die Kirchweihsprüche zusammen zu stellen, wir tanzen Walzer und Polka und sind ganz einfach ausgelassene Sanktannaer in Kirchweihstimmung“, fügt Josef Lutz hinzu.



Beim Schmücken des Kirchweihbaumes. Josef Lutz (links) gibt dazu Anleitungen.



Mihai Scarlatescu wird zum Fest eingeladen.



Das Trachtenkleid sitzt. Sonja Arend lächelt stolz, Regina Müller ist zufrieden.



Vorneweg das erste Geldherrenpaar Anne-Sophie Kappes und Martin Reinholz jun.



„Es ist doch schön, wieder dabei gewesen zu sein!“

Fotos: die Verfasserin