Ob Torten oder Kuchen, Eissorten oder Pralinen, Marzipanerzeugnisse oder Obstkuchen – die vielen süßen Leckereien lassen einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Und nicht wenige sind es, die sich mal schwärmend gewünscht haben, in einer Konditorei zu arbeiten, um die leckeren Desserts zu verkosten. Doch wieviel Arbeit steckt hinter den schön verzierten Süßigkeiten und was geht alles in einem Konditoreilabor vor? Wie kommt es, dass die Sahne so fein ist und die Schokoladencreme so lecker? Wie werden die Lebkuchen so bunt verziert? Ein Einblick in die Geheimnisse der Kunst der Süßigkeiten bietet seit einiger Zeit das einzige Konditoreimuseum Rumäniens. Dieses wurde 2007 in Arad vom Konditor Ioan Gui, der über 40 Jahre in dieser Branche gearbeitet hat, eröffnet. Zahlreiche Rührmaschinen, Geräte für die Herstellung von Cremes aus dem In- und Ausland, Bücher mit originellen Kuchenrezepten sowie unterschiedliche Backformen – alle hauptsächlich aus der Zwischenkriegszeit - sind im Museum an der Nikolaus-Lenau-Straße Nr. 3 in Neuarad zu sehen.
Ioan Gui legt sorgfältig die selbst gemachten Pralinen auf einen Teller. „Man muss auch einen Tropfen Liebe hinein tun, damit sie schmecken, nicht nur Zucker“, sagt er lächelnd. Die Leckerbissen sind für seine Tochter und sein Enkelkind, die bald zu Besuch kommen. Denn nur noch für seine Familie bereitet jetzt Ioan Gui, früher einer der bekanntesten Arader Bäcker, leckere Süßspeisen. Mit echter Butter und nicht mit Margarine.
Vielfältige Bonbonformen sind im Konditoreimuseum ausgestellt.
Eigentlich wollte er vor 40 Jahren im Bereich der Schwerindustrie arbeiten. Ein Gesundheitsproblem verhinderte ihn jedoch daran, diesen Weg zu gehen. So entschied sich der in Tăma{da, Kreis Bihor, geborene und 1953 nach Arad gezogene Ioan Gui für die süße Kunst und wurde Lehrling in einer Arader Konditorei. „Unser Labor hat alle Konditoreien der Stadt versorgt“, erinnert sich Gui. Er hat, wie alle anderen, mit der niederen Arbeit angefangen: Eier aufschlagen, Ofen heizen, Holz hacken.
Arad - ein Zentrum der Konditoreikunst
Im Laufe der Jahre stand er an der Seite mehrerer berühmter Arader Konditoren, darunter Klementz, Konizdofler, Drifi, Suciu oder Malca. Bilder mit all den großen „Meistern“, die in den Arader Konditoreien in und nach der Zwischenkriegszeit gearbeitet haben sowie der damaligen Feinbäckereien in der Stadt an der Marosch, hängen heute an den Wänden des kleinen Museums. „Ihnen widme ich diese Einrichtung. All diese Konditoren haben in Wien, Dresden oder Paris gearbeitet und dort die besten Rezepte ausprobiert. Arad war früher ein bedeutendes Zentrum der Konditoreikunst.
Blick in das kleine Konditoreimusem
Auf der Suche nach den besten Kochbüchern und Rezepten kam Ioan Gui um das Jahr 1970 auf die Idee, diese und die Geräte, die in einem Konditoreilabor verwendet werden, zu sammeln. Jahre später entschied er sich, einen Teil seines Hauses in ein kleines Museum umzuwandeln und das Gesammelte auszustellen. Die Maschinen, die er sich nach und nach zulegte, stammen hauptsächlich aus den 30-er Jahren und wurden mit der Zeit zu einer Sammlung von wertvollen Geräten.
Eine Sammlung mit 500 Exponaten
Zu den bedeutendsten Stücken zählt Ioan Gui die Maschine, die zum Schlagen des Eidotters und des Eiweißes eingesetzt wird, eine Maschine, die Mohn mahlt, sowie eine aus dem Jahre 1922, die Bonbons herstellt. In einer Vitrine hat er zahlreiche Bonbon- und Schokoladenformen nach Kategorien ausgestellt. „Jedem Regal entspricht ein Feiertag“, sagt Ioan Gui lächelnd. So entdeckt man oben Formen von Stiefeln und Nikolausstöcken, im Regal darunter liegen die Weihnachtsmänner und Rentiere und im unteren Teil der Vitrine sind die Formen für Schokoladeneier und Osterhasen zu sehen.
Er kam auch in den Besitz von wertvollen deutschen und österreichischen Fachbüchern für Konditoren, die die gesamte Handwerkskunst dieser Branche behandeln. Eines der wertvollsten Bücher ist das Werk des Patissiers Carl Gruber „Die Konditorei in Wort und Bild“ aus dem Jahre 1904. Auch das erste rumänische Werk über die Konditoreikunst entdeckt man auf den Regalen von Ioan Gui: „Manual practic al cofetariei“/„Praktisches Handbuch der Konditorei“ von Emil Frederic, 1920 veröffentlicht. Für das Buch, „Süße Kunst. Neuzeitliches Schaffen in der Konditorei“, das er 1959 von einem Arader Juden erwarb, musste der Konditor rund 500 Lei aus der Tasche ziehen. „Es war teuer, wenn man bedenkt, dass ich damals 400 Lei im Monat verdiente. Aber es hat sich gelohnt“, sagt Ioan Gui.
Rund 500 Maschinen und 500 Fachbücher, darunter ungefähr 50 aus der Zwischenkriegszeit, nennt der Sammler sein Eigen. „Die Konditorei war früher ein bedeutender Treffpunkt der Jugendlichen. Ich erinnere mich, dass die Kuchen ´Albinuţa´, ´Bucureşti´ und ´Doboş´ am häufigsten verkauft wurden. Wir sind all den Meistern, die in diesem Bereich gearbeitet haben, schuldig, diese Kunst zu ehren. Wir brauchen auch eine rumänische Geschichte der Kunst, Süßigkeiten herzustellen“, sagt Ioan Gui. Was seinen Lieblingskuchen angeht, so fällt es ihm schwer, einen einzigen zu nennen: „Ich aß nicht viel Süßes, obwohl ich ständig unter Süßigkeiten lebte. Aber ich mochte den Kuchen ´Ilde´mit Schokolade und Haselnüssen“, erinnert er sich lächelnd.







