Mittwoch, 10. Juni 2009

Das süße Leben des Araders Ioan Gui

Besuch im landesweit einzigen Konditoreimuseum/ Von Ana Saliste

Ob Torten oder Kuchen, Eissorten oder Pralinen, Marzipanerzeugnisse oder Obstkuchen – die vielen süßen Leckereien lassen einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Und nicht wenige sind es, die sich mal schwärmend gewünscht haben, in einer Konditorei zu arbeiten, um die leckeren Desserts zu verkosten. Doch wieviel Arbeit steckt hinter den schön verzierten Süßigkeiten und was geht alles in einem Konditoreilabor vor? Wie kommt es, dass die Sahne so fein ist und die Schokoladencreme so lecker? Wie werden die Lebkuchen so bunt verziert? Ein Einblick in die Geheimnisse der Kunst der Süßigkeiten bietet seit einiger Zeit das einzige Konditoreimuseum Rumäniens. Dieses wurde 2007 in Arad vom Konditor Ioan Gui, der über 40 Jahre in dieser Branche gearbeitet hat, eröffnet. Zahlreiche Rührmaschinen, Geräte für die Herstellung von Cremes aus dem In- und Ausland, Bücher mit originellen Kuchenrezepten sowie unterschiedliche Backformen – alle hauptsächlich aus der Zwischenkriegszeit - sind im Museum an der Nikolaus-Lenau-Straße Nr. 3 in Neuarad zu sehen.

Ioan Gui legt sorgfältig die selbst gemachten Pralinen auf einen Teller. „Man muss auch einen Tropfen Liebe hinein tun, damit sie schmecken, nicht nur Zucker“, sagt er lächelnd. Die Leckerbissen sind für seine Tochter und sein Enkelkind, die bald zu Besuch kommen. Denn nur noch für seine Familie bereitet jetzt Ioan Gui, früher einer der bekanntesten Arader Bäcker, leckere Süßspeisen. Mit echter Butter und nicht mit Margarine.

Mit natürlichen und nicht mit künstlichen Zutaten – „früher wurde alles auch nur mit Butter, Sahne oder frischem Obst vom Markt zubereitet“, pflegt Ioan Gui zu sagen. Dabei fügt er hinzu: „Schlagsahne erzeugte man nur aus Süßrahm damals, jetzt ist es schwer, echte Schlagsahne auf dem Markt zu finden“, sagt Ioan Gui, während er auf ein kleines Gerät zum Schlagen der Sahne zeigt.

Vielfältige Bonbonformen sind im Konditoreimuseum ausgestellt.

Eigentlich wollte er vor 40 Jahren im Bereich der Schwerindustrie arbeiten. Ein Gesundheitsproblem verhinderte ihn jedoch daran, diesen Weg zu gehen. So entschied sich der in Tăma{da, Kreis Bihor, geborene und 1953 nach Arad gezogene Ioan Gui für die süße Kunst und wurde Lehrling in einer Arader Konditorei. „Unser Labor hat alle Konditoreien der Stadt versorgt“, erinnert sich Gui. Er hat, wie alle anderen, mit der niederen Arbeit angefangen: Eier aufschlagen, Ofen heizen, Holz hacken.

Doch ein bedeutender Unterschied war trotzdem zwischen Gui und dem Rest der Lehrlinge zu erkennen: Er ging immer als Letzter weg und hockte ständig, so weit es möglich war, um seine Meister herum. So kam es, dass er die Geheimnisse und Tricks des Berufs recht schnell erlernte und ab und zu auch mal „stiebitzte“. Rund 40 Jahre hat Gui in dieser Branche und mit allen Geräten, die sich in einem Konditoreilabor befinden, gearbeitet.
Ioan Gui an der Maschine, die Verpackungspapier für Salonzucker herstellte.

Arad - ein Zentrum der Konditoreikunst
Im Laufe der Jahre stand er an der Seite mehrerer berühmter Arader Konditoren, darunter Klementz, Konizdofler, Drifi, Suciu oder Malca. Bilder mit all den großen „Meistern“, die in den Arader Konditoreien in und nach der Zwischenkriegszeit gearbeitet haben sowie der damaligen Feinbäckereien in der Stadt an der Marosch, hängen heute an den Wänden des kleinen Museums. „Ihnen widme ich diese Einrichtung. All diese Konditoren haben in Wien, Dresden oder Paris gearbeitet und dort die besten Rezepte ausprobiert. Arad war früher ein bedeutendes Zentrum der Konditoreikunst.



Durch dieses Museum will ich dies unterstreichen“, sagt Ioan Gui, während er sich auf einen großen Marmortisch mit Holzbeinen stützt – ein Tisch aus dem Jahre 1850, der hauptsächlich für die Vorbereitung des Zuckers und des Karamels vorgesehen war, wie Gui kurze Zeit später erläutert. „Marmor ist kalt und kühlt den Zucker. Zusätzlich ist Marmor auch sehr hygienisch“, erklärt er.

Blick in das kleine Konditoreimusem

Auf der Suche nach den besten Kochbüchern und Rezepten kam Ioan Gui um das Jahr 1970 auf die Idee, diese und die Geräte, die in einem Konditoreilabor verwendet werden, zu sammeln. Jahre später entschied er sich, einen Teil seines Hauses in ein kleines Museum umzuwandeln und das Gesammelte auszustellen. Die Maschinen, die er sich nach und nach zulegte, stammen hauptsächlich aus den 30-er Jahren und wurden mit der Zeit zu einer Sammlung von wertvollen Geräten.

„Ich habe hauptsächlich die von Hand betriebenen Maschinen gesammelt, die früher verwendet wurden. Damit umzugehen war schon anstrengend. Es erforderte viel Energie. Die elektrischen Maschinen und der Strom, den diese verbrauchten, waren damals zu teuer für eine Konditorei“, erinnert sich Gui. Die meisten Stücke seiner Sammlung hat er noch von den Meistern selbst bekommen oder erworben, nachdem diese in Rente gingen oder viele Konditoreilabors wegen der Vergenossenschaftigung geschlossen wurden.

Eine Sammlung mit 500 Exponaten
Zu den bedeutendsten Stücken zählt Ioan Gui die Maschine, die zum Schlagen des Eidotters und des Eiweißes eingesetzt wird, eine Maschine, die Mohn mahlt, sowie eine aus dem Jahre 1922, die Bonbons herstellt. In einer Vitrine hat er zahlreiche Bonbon- und Schokoladenformen nach Kategorien ausgestellt. „Jedem Regal entspricht ein Feiertag“, sagt Ioan Gui lächelnd. So entdeckt man oben Formen von Stiefeln und Nikolausstöcken, im Regal darunter liegen die Weihnachtsmänner und Rentiere und im unteren Teil der Vitrine sind die Formen für Schokoladeneier und Osterhasen zu sehen.

60 Bonbonformen hängen an der Wand. Gleich gegenüber sind Schneebesen in verschiedenen Größen und Formen. „Wertvoll ist auch die in Magdeburg hergestellte Maschine, die Verpackungspapier für Salonzucker produziert. Diese wurde mit einer Goldmedaille bei einem Wettbewerb bedacht“, fügt Ioan Gui stolz hinzu.

Er kam auch in den Besitz von wertvollen deutschen und österreichischen Fachbüchern für Konditoren, die die gesamte Handwerkskunst dieser Branche behandeln. Eines der wertvollsten Bücher ist das Werk des Patissiers Carl Gruber „Die Konditorei in Wort und Bild“ aus dem Jahre 1904. Auch das erste rumänische Werk über die Konditoreikunst entdeckt man auf den Regalen von Ioan Gui: „Manual practic al cofetariei“/„Praktisches Handbuch der Konditorei“ von Emil Frederic, 1920 veröffentlicht. Für das Buch, „Süße Kunst. Neuzeitliches Schaffen in der Konditorei“, das er 1959 von einem Arader Juden erwarb, musste der Konditor rund 500 Lei aus der Tasche ziehen. „Es war teuer, wenn man bedenkt, dass ich damals 400 Lei im Monat verdiente. Aber es hat sich gelohnt“, sagt Ioan Gui.

Rund 500 Maschinen und 500 Fachbücher, darunter ungefähr 50 aus der Zwischenkriegszeit, nennt der Sammler sein Eigen. „Die Konditorei war früher ein bedeutender Treffpunkt der Jugendlichen. Ich erinnere mich, dass die Kuchen ´Albinuţa´, ´Bucureşti´ und ´Doboş´ am häufigsten verkauft wurden. Wir sind all den Meistern, die in diesem Bereich gearbeitet haben, schuldig, diese Kunst zu ehren. Wir brauchen auch eine rumänische Geschichte der Kunst, Süßigkeiten herzustellen“, sagt Ioan Gui. Was seinen Lieblingskuchen angeht, so fällt es ihm schwer, einen einzigen zu nennen: „Ich aß nicht viel Süßes, obwohl ich ständig unter Süßigkeiten lebte. Aber ich mochte den Kuchen ´Ilde´mit Schokolade und Haselnüssen“, erinnert er sich lächelnd.

Eine Banater Schwäbin auf Weltreise (36)



Neapel: von wo die Pizza herkommt/ Von Nareda Cerdy

Eigentlich ist der Name Napoli oder auf Deutsch Neapel allgemein bekannt, aber wenn man jemanden genauer fragt: „Was weißt du eigentlich über Neapel?“, kommt nicht viel mehr als ein Allgemeines „Liegt irgendwo in Italien“ hervor.

Es ist keine große Touristenstadt an sich, aber wenn man genauer auf die Landkarte schaut, bemerkt man, dass die Stadt am Fuße des Vesuv liegt und die berühmten römischen Ausgrabungsstätten Pompeji und Herculaneum gleich an Neapel angrenzen, was die Stadt zu einem guten Ausgangspunkt macht zum näher Kennenlernen der römischen Geschichte.

Altstadtgasse in Neapel
Fotos: wikipedia


Vor allem Lizealschülern, die gerade Latein oder antike Geschichte lernen, ist ein Ausflug hierher anzuraten – Wink mit dem Zaunpfahl: vielleicht ein Klassenausflug, liebe Lehrer? Direktflüge nach Neapel gibt`s zwar nicht aus Rumänien, aber über Budapest, Wien oder München lässt es sich bei rechtzeitigem Vorausbuchen mit Billigfliegern wie Skyeurope recht preisgünstig hierher fliegen. Der Flughafen von Neapel ist ein winziger, in der Größe etwa mit Temeswar/Timisoara oder Hermannstadt/Sibiu zu vergleichen.

Richtig gute Hotels gibt es hier keine, weil die typischen Touristengruppen mit Budgets ab Mittelklasse abwärts reisen, sprich es wimmelt hier nur so von Campingplätzen. Die Atmosphäre ist typisch mediterran, eine billigere Variante von Cannes oder Nizza. Hier hat Europa Urlaub gemacht in den 60-ern und 70-ern, bevor günstige Langstreckenflüge die Tropen zugänglich gemacht haben. In allen Reiseführern steht, dass Neapel ein gefährliches Pflaster ist, dass es hier vor Taschendieben nur so wimmelt und man am besten keine Wertsachen mitnehmen sollte.

Mit Ausnahme der Wasserfront und der Altstadt sieht Neapel wie ein riesiges Zigeunerviertel aus, heruntergekommen, schmuddelig, laut und pur italienisch, in jeder Hinsicht – aber gefährdet fühlt man sich hier, zumindest als Rumäne, auf keinen Fall, eher zu Hause. Was am meisten für Neapel spricht ist das Essen. Hier wurden angeblich Pizza und Pasta erfunden und nirgends schmeckt eine Pizza Neapolitana so gut wie hier.

Von Touribuden und Feinschmeckerlokalen sollte man sich gleichermaßen fernhalten, hier isst man am besten da, wo die Einheimischen essen gehen: in kleinen, in Seitenstraßen versteckten Trattorias, wo es nur wenige Tische und kein Menü gibt, sondern der Inhaber selber vorbeikommt und das Tagesgericht empfiehlt. Mit „Antipasti della Casa“ (Vorspeise nach Art des Hauses, mit verschiedenen Wurst- , Schinken- und Käsespezialitäten, sowie gegrilltes Gemüse jeglicher Art) liegt man nie falsch und die Portionen sind so groß, vielfältig und lecker, dass man allein davon oft schon satt wird.

Italien ist ja allgemein berühmt für Mode – aber wer nach Neapel kommt, um Klamotten einzukaufen, sollte sich nicht durch die Mailand/Milano nachempfundene Einkaufsgalerie Galleria Umberto I in die Irre leiten lassen, denn hier ist man falsch am Platz. Die nobelsten Einkaufsstraßen via Mille und via Chiaia werden lediglich von mittelmäßigen, unbekannten einheimischen Designerboutiquen gesäumt und es gibt hier eng anliegende Klamotten nur für super schlanke Männer und leichte, luftige, verhüllende Mode für pummelige Frauen, jeder andere Typ von Mensch findet hier so gut wie gar nichts Passendes.

Die Altstadt von Neapel ist eine sehr schöne, typisch italienische Altstadt, mit vielen engen, verschlungenen Gassen, in denen man einen ganzen Nachmittag lang herumirren kann. An der Wasserfront ist das Nobelviertel rund um den Hafen Molo Beverello – der zweite Hafen, Mergellina, ist eher der zweitrangige.

Von Beverello aus ist es ein Katzensprung zu den Hauptsehenswürdigkeiten Neapels, die man alle an einem einzigen Nachmittag besichtigen kann. Am besten, man beginnt beim Castel Dell`Ovo, einer schönen mittelalterlichen Burg auf einer Insel in der Bucht von Neapel, mit freiem Eintritt, über eine Brücke erreichbar, von wo aus man eine sehr schöne Fotoperspektive hat. Nachdem man das Schloss erkundet hat (man kann selbständig überall herumlaufen, hochklettern, alles anschauen), an der Promenade entlang schlendern bis zum Hauptplatz der Stadt, der Piazza Plebiscito, einem großen Platz, gesäumt von dem leider nicht besichtigbaren Dom San Francesco di Paola und dem Palazzo Reale, in dem die Nationalbibliothek untergebracht ist.

Gleich hinter dem Palazzo Reale befindet sich das Castel Nuovo, eine der bekanntesten Bauwerke Neapels, eine beeindruckende Burg mit Rundtürmen, in der sich das Museo Civico, das Museum zur Stadtgeschichte Neapels befindet. Viel spannender als Neapel selbst ist allerdings ein Ausflug zum Fuße des Vesuv, nach Pompeji und Herculaneum, mit der Bahn (Circumvesuviana) in einer halben Stunde vom Stadtzentrum aus zu erreichen.

Unbedingt Wasser und was zum Essen mitnehmen, denn es gibt in den Ruinen nichts zu kaufen und man bedenke, es ist tatsächlich eine ganze antike Stadt, die man zu Fuß erkundet, sprich: Man braucht wirklich etliche Stunden, um alles oder das Meiste zu sehen. Man sollte vormittags hingehen und an einem Tag, an dem man ausgeruht ist und die Sonne nicht allzu prall scheint, damit man genug Geduld aufbringt, um alles anschauen zu können, denn es ist spannend und es lohnt sich. Pompeji fühlt sich lebendig an, wie eingefroren in der Zeit, alles ist noch da, wo es vor 2000 Jahren war – man erlebt das antike Rom live und fühlt sich in die Atmosphäre der Zeit hinein, aber vor allem versteht man, was für eine hohe Kultur und Zivilisation die Römer damals aufgebaut hatten, denn es fehlt nichts an Annehmlichkeiten, man könnte sich heute noch in einem römischen Haus in Pompeji pudelwohl fühlen.

Denn die hatten damals schon Feng-Shui Gärten, Whirlpools, Schwimmbäder und jede Menge Unterhaltung und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten, von großen und kleinen Theatern bis zur Arena. Als Souvenir aus Neapel kann man zwar auch den klassischen Kühlschrankmagneten mit dem Stadtmaskottchen Puccinella kaufen, aber man kann auch originell sein: Vor den Toren Pompejis gibt es kiloschwere, melonengroße Riesenzitronen, ein wahrlich einmaliges Andenken, auch zum Verschenken. Wenn der Koffer dafür groß genug ist.

Umsatzplus durch Billigflieger

Flughafen: Vorerst Stagnation bei Passagieren


Temeswar - Die ersten vier Monate 2009 bedeuteten für den Flughafen Traian Vuia in Temeswar zwar ein Wachstum, was die Zahl der absolvierten Flüge betrifft, bei der Anzahl der durchgereisten Passagieren war jedoch Stagnation angesagt. Genau genommen: In der Zeitspanne Januar – April 2008 waren es gar knappe einhundert Durchreisende mehr.

Flughafenhalle in Temeswar
Foto: Zoltán Pázmány


Carmen Stoica aus der Pressestelle des Flughafens sagt, dass im April die Tendenz in Sachen Passagierpräsenz steigend gewesen ist. Der Umsatz erwies sich im ersten Trimester diesen Jahres um 13 Prozent über dem Niveau des vergangenen Jahres. Für das Gesamtjahr 2009 erwartet die Flughafenverwaltung einen Anstieg der Flüge um drei Prozent und sieben Prozent mehr Fluggäste als 2008.

Etwa ein Fünftel der Fluggäste auf dem Traian-Vuia-Airport reist mit Billigfliegern. Als im Februar neue Flugverbindungen ins Portfolio aufgenommen wurden, hat sich die Anzahl der Passagiere in diesem Segment verdoppelt. Der Löwenanteil kommt Wizzair zu, die 15 Prozent ihres gesamten Rumäniengeschäftes über den Airport in Temeswar abwickelt.

Seit erstem Trimester 2009 fliegt die Low Cost-Gesellschaft Wizzair sechs neue Reiseziele an: Bergamo, Barcelona, Paris-Beauvais, Valencia und Treviso. Im Gegenzug hat die Fluggesellschaft Wind Jet ihre Verbindung von und nach Forli in Italien und damit ihren Betrieb auf dem Temeswarer Flughafen eingestellt.

Für die Urlaubszeit sind in diesem Jahr Charter-Flüge nach Griechenland, Malta, Tunesien, Montenegro und in die Türkei geplant. Die Fluggesellschaft Carpatair fliegt seit dem 28. Mai Cernauti in der Republik Moldawien und ab dem 16. Juni Perugia in Italien an.

Regelmäßig verkehren auf dem Temeswarer Flughafen die Maschinen der Gesellschaften Tarom, Carpatair, Lufthansa, Malev, Austrian Airlines und Wizzair. (st)

Berwanger-Straße im Stadtzentrum


Späte Ehrung für Temeswarer Journalisten und Schriftsteller

Laut einem Stadtratsbeschluss trägt eine neue, bisher namenlose Straße im Temeswarer Stadtzentrum (Nullzone) ab nun den Namen „Nikolaus Berwanger“.
Die Berwanger-Straße führt nicht durch Freidorf, sondern durch das künftige Business-Zentrum Temeswars.
Foto: Nicoleta Dobos
Obwohl die Passanten ein Straßenschild mit dem Namen des ehemaligen deutschen Journalisten und Schriftsteller aus Temeswar erst in zwei Monaten (dies die amtliche Prozedur) zu Gesicht bekommen werden, handelt es sich um ein schmales, jedoch ultrazentral gelegenes Gässchen. Es verbindet die Straßen Coriolan Brediceanu und Gheorghe Lazar unweit des Marktplatzes „Temeswar 700“. Der Vorschlag für diese Ehrung kam von der Temeswarer Filiale des Rumänischen Schriftstellerverbandes.


Wie seinen großen Landsmann Johnny Weissmüller hat man auch Nikolaus Berwanger gewissermaßen als Wahltemeswarer zu betrachten: Er wurde 1935 in der Gemeinde Freidorf, heute eingemeindeter Vorort, geboren. Nach Besuch der Volksschule im Heimatort und der Textilfachschule Temeswar wurde er mit 15 jüngstes Mitglied des „Deutschen Antifaschistischen Komitees“ in Rumänien. 1952 kam er als Journalist zur Tageszeitung „Neuer Weg“ in Bukarest. 1957 wurde er Mitglied der Rumänischen Kommunistischen Partei. 1958-1969 war er NW-Korrespondent für die Region Banat und 1969-1984 Chefredakteur der „Neuen Banater Zeitung“ in Temeswar.


Berwanger war Mitglied im Leitungsrat des Rumänischen Schriftstellerverbandes, Mitbegründer und Leiter des deutschen Literaturkreises „Adam Müller-Guttenbrunn“. Nach seiner Übersiedlung nach Deutschland 1984 lebte er bis zu seinem Tod 1989 in Ludwigsburg. 1987 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar und 1986-1987 zudem als Gastdozent an den Universitäten von Portland und Albuquerque (USA) tätig. Sein literarisches Werk umfasst zahlreiche Bände Lyrik und Prosa, hervorzuheben ist seine Lyrik in schwäbischer Mundart.


Als Parteifunktionär von seinen Landsleuten oft angefochten, bleibt Berwanger bestimmt für seine positive Rolle für die Banater Schwaben in einer politisch schwierigen Zeit der 70-er und 80-er Jahre, als leidenschaftlicher Verfechter der Banater deutschen Kultur und des schwäbischen Volkstums (u.a. Einführung der Dialektbeilage „Pipatsch“ in der NBZ), der banatschwäbischen Dialektdichtung und der Tradition des deutschen Journalismus im Banat in lebhafter Erinnerung.


In der gleichen Sitzung erhielten weitere vier namenlose Straßen den Namen von bekannten Temeswarer Persönlichkeiten: Karl Robert von Anjou (König von Ungarn, verlieh Temeswar im 14. Jahrhundert den Status einer Königsresidenz, Bau des Huniadenschlosses 1307-1317), Dorin Teodorescu (Tenor, erhielt post mortem auch den Titel des Ehrenbürgers), Vasile Georgevici (Militärpriester aus der Zeit der Napoleonkriege, Auszeichnung durch Kaiser Franz I.), Aurel Buteanu (Journalist, Diplomat, von den Kommunisten eingekerkerter Politiker und Leader der Bauernpartei).


In der Stadt an der Bega, die derzeit mehr als 1300 Straßen mit einer Gesamtlänge von nahezu 1000 Kilometern zählt, wurden vor und nach der Wende zahlreiche Straßen mit dem Namen deutscher Persönlichkeiten bedacht. Neben Lenau, Händel, Goethe, Heine oder Martin Luther wurden somit auch Wahltemeswarer (Anton Seiler, Karl Telbisz, Florimund Mercy, Augustin Pacha oder Joseph Nischbach) geehrt, aber auch einige waschechte Temeswarer u.a. Josef Preyer (Historiker), Franz Liebhard (Dichter), Julius Podlipny (Maler), Ludwig von Ybl (Architekt) oder Richard Waldemar Oschanitzky (Musiker) verewigt.
Balthasar Waitz

Ein Freund der Banater Schwaben

Einem Gottlober in Wien, Dorel T. Usvad, zum 60. Geburtstag

Die historischen, kulturellen, wirtschaftlichen und zivilisatorischen Leistungen der Banater Schwaben finden bei dem am 16. Juni 1949 in Gottlob geborenen und im Banat aufgewachsenen, nunmehr in Wien lebenden Dorel T. Usvad höchste Anerkennung.

Dorel Usvad (rechts) vor seiner Ausstellung über das Ceau{escu-Regime und den Aufstand in Temeswar in Wien, anlässlich des Vortrags von Werner Kremm über die Revolution vom Dezember 1989 in Temeswar
Foto: Ana Kremm


Usvads Eltern sind als griechisch-katholische Gläubige in der Zwischenkriegszeit aus dem Kreischgebiet nahe Beiu{ ins Banat zugewandert und hatten sich als Landarbeiter – den Statuts proletari agricoli gab es nur im Banat – ihren Lebensunterhalt bei schwäbischen Bauern verdient.

Den jungen und wissbegierigen Dorel zog es westwärts, und so wurde er im Mai 1966, nach illegalem Grenzübertritt, in Großbetschkerek/Zrenjanin im jugoslawischen Banat aufgegriffen und – die rumänischen Behörden zahlten damals für jeden nach Rumänien zurückgestellten Staatsbürger einen Waggon Salz – nach Temeswar abgeschoben, wo er als 17–Jähriger drei Monate verhört wurde, um schließlich eine eineinhalbjährige politische Haftstrafe in Aiud abzusitzen.

Als ehemaliger Polithäftling wurde er in kein Temeswarer Gymnasium zugelassen, und so pendelte er von Temeswar allabendlich nach Perjamosch, wo er den Abendkurs des Gymnasiums besuchte und erfolgreich absolvierte. Dennoch blieb ihm auch das Jura-Studium in Klausenburg versagt. Fremdsprachenbegabt, kam er in der damals aufblühenden Tourismus-Branche in Temeswar unter.

Auch als die Tourismusministerin Elena Udrea in Wien war, war Dorel Usvad dabei.
Foto: Hans Dama


Flucht-Pläne schmiedete er weiterhin: Es gelang ihm am 7. Dezember 1989 mit seiner schon 20jährigen Tochter zu fliehen, und auf abenteuerliche Weise gelangten beide nach Wien, wo sie auch blieben und die Familie schließlich nachfolgen konnte.

Die erste Kartophilie–Ausstellung (Post- und Ansichtskarten) am 18.8.1999 im Rumänischen Kulturinstitut (RKI) in Wien zum Thema: „Interethnisches Zusammenleben“ wurde maßgeblich von Dorel Uşvad gestaltet. Er stiftete die Gedenktafel für Alexandru Ioan Cuza in Wien. Für die Veranstaltungen „Lenau und Eminescu“ (31.01.2001) im RKI in Wien zeichnete Dorel U{vad das Programmheft und eine Fotomontage. Die Ausstellung ECCE HONMO 2000 im RKI Wien (20.12.2000), bereicherte Dorel T. U{vad um eine Ansichtskarten– und Briefmarkenausstellung und finanzierte die Herausgabe einer Ansichtskarte zum Thema: 300 Jahre Unierte (Griechisch-Katholische) Kirche in Siebenbürgen.

Bei der Eminescu-Feier (12.01.2001) im Bezirksmuseum Landstraße (3. Wiener Bezirk), wo Mihai Eminescu in der Dianagasse 8 - Ecke Adamsgasse und Gärtnergasse 5 wohnte, zeichnete Dorel U{vad für die Programmheftgestaltung; außerdem hat er vier Ansichtskarten zu diesem Thema finanziert sowie zwei Eminescu–Gedenktafeln gesponsert, die an zwei der ehemaligen Wohngebäude des Dichters angebracht wurden.

Zu Ehren des aus Lugosch stammenden und in der Zwischenkriegszeit an der Wiener Staatsoper gefeierten Startenors Traian Groz²vescu (1895–1927) wurde eine Multimedia–Schau (07.12.2001) im RKI veranstaltet, ein Film gedreht, eine Broschüre und ein Programmheft vorgelegt. U{vad hievte aus den Wiener Archiven bedeutendes Material und gestaltete ein interessantes und aufschlussreiches Programmheft.

Zum 200. Geburtsjahr von Nikolaus Lenau veranstaltet vom der Verein Banater Schwaben Österreichs, gemeinsam mit dem Institut für Romanistik der Uni Wien, der Internationalen Lenau–Gesellschaft unter der Schirmherrschaft des Kultusministeriums und der Rumänischen Botschaft, brachte Dorel U{vad und das Banater Museum in Temeswar eine Lenau–Medaille (Avers: Konterfei des Dichters; Revers: historische Banat–Karte begrenzt von den Flüssen Donau, Theiß, Marosch bzw. den Südwestkarpaten) aus Weichgoldkupfer mit einem Durchmesser von 47,7 Millimetern (Auflage: 50 Stück) mit beigefügtem Zertifikat heraus und reichte sie weiter an Museen, Sammlungen und Institutionen. Darüber hinaus finanzierte U{vad die Herstellung zweier Ansichtskarten mit Lenau–Motiven: Auflage: 500 Stück, 200 davon wurden Lenauheim geschenkt.

Für den Vortrag von Hans Dama „Wenn im Puszta-Wind leis’ ein Lied erklingt. Nikolaus Lenaus Naturgedichte“, der im Rahmen der Wiener Festwochen am 6. Juni 2002 im Bezirksmuseum Mariahilf geboten wurde, hat Dorel U{vad ebenfalls ein interessantes Programmheft gestaltet und dessen Herausgabe finanziert. Anlässlich des 80. Todestages von Adam Müller–Guttenbrunn wurden am 29. Januar 2003 neben der von Hans Dama dargebotenen Würdigung „Adam Müller–Guttenbrunn – ein Freund der Rumänen“, im Rumänischen Kulturinstitut „Aula Romaniae“ in Wien zwei von Dorel U{vad und der Familie Dan aus Regensburg gesponserte Ansichtskarten mit AMG–Motiven (Auflage: 150 Stück) vorgestellt.

Bei der Veranstaltung „Nikolaus Lenau und Mihai Eminescu: Gemeinsamkeiten und Trennendes“, Graz, 28. September 2002: Festvortrag (im Hotel Paradies) zum Auftakt einer Rumänischen Kulturwoche in Graz, wo Florin Piersic und Hans Dama Gedichte beider Dichter vortrugen, hat Dorel Usvad eine umfangreiche thematische Ausstellung präsentiert.

Anlässlich des 575. Geburtsjahres des rumänischen Fürsten Vlad III. – }epe{ (1430/32–1476) fand am 14. Dezember 2006 in Wien die Präsentation der Sonderbriefmarke mit dem Bildnis des rumänischen Fürsten statt, die von dem aus Gottlob/Banat stammenden und in Wien vielseitig wirkenden Dorel T. U{vad entworfen und finanziert wurde. Die Kleinstauflage – Stückzahl 100 – der Briefmarke mit dem Nennwert von 0,55 Euro hat einen beachtlichen Sammlerwert.

Gleichzeitig stellte Usvad drei in Farbe gehaltene und in Temeswar gedruckte Ansichtskarten mit weiteren Sepes–Motiven in Österreich vor: Schloss Ambras und in der unteren rechten Ecke sowie auf der Rückseite (Frankierstelle) das Kleinbildnis des Fürsten; das Kunsthistorische Museum Wien (Bilder des Fürsten im Kleinformat w.o.) und die Burg Forchtenstein im Burgenland, wo sich das einzige Bildnis des Fürsten in Ganzkörpergröße befindet (Bilder des Fürsten im Kleinformat w.o.).

Jede Ansichtskarte trägt den Sonderstempel mit dem jeweiligen Text in deutscher und rumänischer Sprache „DRACULA – 1431 – 2006; 575 Jahre seit der Geburt Vlad III.- Tzepesch ...“ Der rumänische Fürst ist übrigens auch auf einem Bild in der Kirche Maria am Gestade, Wien – Innere Stadt – in der Kreuzigungsgruppe (neben dem gekreuzigten Jesus, unten rechts) in Ganzkörperdarstellung zu sehen. In der Barock–Galerie des Wiener Schlosses Belvedere, im „Martyrium des hl. Andreas“, ist Vlad III.-}epe{ ebenfalls abgebildet.

Herr Usvad hat auch bei der Veranstaltung der Ausstellung „300 Jahre rumänische Kultur in Wien“ als Sponsor und Gestalter wesentlich mitgewirkt. Ihm ist es zu verdanken, dass in der Ausstellung, die in zahlreichen Städten Rumäniens gezeigt wurde, auch aus dem Banat stammende deutsche Künstler gezeigt wurden: Nikolaus Lenau, Adam Müller–Guttenbrunn, Stefan Jäger u. a. Anlässlich des 120. Erscheinungsjahres des „Abendsternes“ (Luceaf²rul: 1883) von M. Eminescu in Wien, hat Dorel Usvad im Jahre 2003 den Nachdruck von 120 Exemplaren des Gedichtes nach der im Almanach „Romania Juna“ gedruckten Version und nach Illustrationen von Miu Teisanu, Nurnu und Salmen gesponsert.

Der 150. Geburtstag I. L. Caragiales (1852–1912) war Anlass für die Würdigung des bedeutenden rumänischen Dramatikers. Für den Vortrag am 25. April 2003 im Rumänischen Kulturinstitut „Aula Romaniae“ anlässlich des Symposions „In honorem imperatoris Traiani“ (24. / 25. April 2003) hat Dorel Usvad ein umfangreiches Material gestaltet, das die Trajan-Brücke über die Donau, errichtet vom Baumeister Appolodorus von Damaskus, zeigt.

Am 9. Juni 2005 hatte Dorel U{vad im Rumänischen Kulturinstitut in Wien bei der in feierlichem Rahmen vorgestellten Festschrift „Österreich und die Banater Schwaben. An der Schwelle zum hundertjährigen Bestehen des Verbandes der Banater Schwaben Österreichs“ (1907–2007) als Ehrengabe zum 85. Geburtstag von Franz Klein, dem langjährigen Obmanns des Verbandes der Banater Schwaben Österreichs, eine umfangreiche Multimedia-Schau zu diesem Thema präsentiert.

Bei der am 8. Mai 2009 vom Verein Banater Schwaben Österreichs veranstalteten Gedenkfeier „Es begann in Temeswar …“ (1989–2009) hat Dorel T. Usvad zum Vortrag von Werner Kremm (Temeswar) durch eine umfangreichen Ausstellung mit Exponaten aus Archiven im Banat und in Wien zu diesem Thema für das Gelingen der Veranstaltung einen wesentlichen Beitrag geleistet.
Außer Usvads Bemühungen für die Erhaltung des Banater deutschen Kulturgutes muss zudem unbedingt festgehalten werden, dass er gemeinsam mit seinem in Friedrichshafen lebenden Bruder das ehemalige Haus des Gottlober Gemeindearztes Dr. Koch erstanden hat, um dort landwirtschaftliches Gerät – vor allem Maschinen – zu horten, mit denen später vielleicht einmal eine Art Banater Landwirtschaftsmuseum einzurichten wäre. „Es soll den Nachfolgegenerationen gezeigt werden“, meinte er „dass die Banater schwäbischen Bauern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf einer wesentlich höheren Entwicklungsstufe arbeiteten als viele Landwirte in anderen Teilen des binnendeutschen Raumes“.

Immer, wenn bei Veranstaltungen Probleme aufgetreten sind und man der Verzweiflung nahe war, weil nichts einwandfrei funktionierte, war Dorel U{vad der Zuversicht Spendende, der mit Konsequenz und Fleiß, mit seiner grenzenlosen Selbstlosigkeit stets Optimismus versprühte und Lösungen anzubieten imstande war und ist. Auch verfrachtete er immer wieder Landsleute aus dem Banat in sein Fahrzeug, brachte sie nach Wien und in seiner Wohnung unter, damit diese an interessanten Veranstaltungen teilnehmen konnten.

Usvad kennt „Gott und die Welt“, hat beste Beziehungen zu Archiven und Bibliotheken in fast ganz Mitteleuropa. Er bringt auf eigene Kosten TV-Teams aus Rumänien, Italien etc. nach Wien und ermöglicht ihnen den Zutritt und Filmgenehmigungen an Örtlichkeiten, die sonst tabu sind. Mir war es ein Herzensanliegen, diesen alles bewegenden Nicht-Schwaben und dessen Leistungen zu würdigen.
Hans Dama

Die scheeni Guttenbrunner Kerweitracht

Die Tracht der Banater Heck is annerscht

Enlich kumm ich derzu, iwer die Guttenbrunner Tracht zu schreiwe. Es is e Tracht vun der Banater Heck, sie is ganz annerscht wie die Tracht vun der Heed. Ich han die Tracht es erschtimol gsiehn, wie se bei em Trachtenfescht 2008 in Temeschwar de erschte Preis kriet hat. Un war beeindruckt. Zwar han ich frieher vill gheert un gelest iwer die Kerwei in Guttenbrunn, doch nie war ich derbei.


Es Karla newer der Bäsl Grete un em Vetter Niklos. Hinedran (in der rot getuppti Blusn) guckst a die Bäsl Margarete.


Un jetzer bei de Heimattäch is noch so e scheeni Tracht in de Vordergrund gerickt kumm. Un dann han ich ach die Bäsl kennegelernt, die wu die zwaa Trachte de Rosmareiner gschenkt hat. Es is die Red vun der Bäsl Grete Weidmann. Sie lebt zwar schun gudi Johre in Arad, hat mer awer genau Bescheid saan kenne. Zu Hilf is noch ihre Mann, de Vetter Niklos, kumm, awer aach die Bäsl Margarete Wagner hat so manches zu saan ghat.

Un des is die zweiti Guttenbrunner Tracht, do gsieht mer, wie scheen se a vun hinne ausschaut. Die Tracht werd vum Brigitte getraa, es is die Leiterin der Kinertanzgruppe „Hänschen Klein“
Fotos: Zoltán Pázmány



Also, des ganzi hat sich so zugetraa: Vor phaar Johr hat in Guttenbrunn noch die Bäsl Kathi Weidmann gelebt. Es Karla Sinitean-Singer un sei Mutti, die Bäsl Edith, han des Weib efters ufgsucht un sich iwer Sitten un Brauchtum in Guttenbrunn verzähle gelosst. Doch die Bäsl Kathi war schun alt, is inzwische a gstorb. Doch ihre Schwiertochter, die Bäsl Grete, hat sich bis zu guterletscht entschloss, die zwaa Kerweitrachte, die vun ihrer Nichte zruckgeblieb sin, de Rosmareiner zu verschenke. Weil sie war sich sicher, „dass des Gwand in guti Händ kummt un mit Stolz getraa werd!“


In Guttenbrunn war an der Kerwei ke Rosmareinstrauß. De Vortänzer hat so e runde Kranz getraa, wie die Kerweiphaare mit der Musich am Kulturheim ankumm sin, is noh em „Vivat“ der Vortänzer uf e Leeder gekrawelt un hat de Kranz ufm Kulturheimdach angebrung. Eigentlich is do frieher die Kerwei un Nohkerwei gfeiert gin. Am Kerweisunntach han die Buwe de Hut mitm Goldscham getraa un bei der Nohkerwei de Hut mit Strauß un Bänner.


Die Mädle ware jedsmol annerscht angezoo, doch alli Trachte han ins Au gstoch un ware wunerscheen. Sie han meischtens vier Unerreck anghat, de ganz unerschte war meh korz, dann immer länger un de blumiche Owerrock hat bis zu de Knechle geraicht. Derzu e weisses Spitzehemet, schwarzes Leiwl, e blumich gemoltes Halstuch, vore han manchmol die aa blumich gemolte Bänner runerghong. Un e weisses oder schwarzes Scherz, des was fascht so lang wie de Owerrock war. Es Halsband hat immer e Kreizl ghat. (ha)