Jochen Werz hat viele Argumente, den Standort in Lugosch auszubauen.Allseits positive Signale/ Werzalit-Feier fast wie ein Stadtfest
Von Siegfried Thiel (Text und Foto)
Die verlassene Fabrikhalle auf der einen Seite, das moderne Motel von vis-á-vis. Wir sind am Stadtrand von Lugosch/Lugoj, wo hier und da Bürger nach Dorfmanier in ihren Gärten arbeiten. All das hat etwas mit der Rumänien-Niederlassung der deutschen Firma Werzalit zu tun. Es ist ehemaliges Industriegebiet in dem sich mittlerweile Bosse und Mitarbeiter von Werzalit heimisch fühlen. Und ihre Aussagen deuten dies unmissverständlich an: In Lugosch haben sie dies alles gleich auf einem Schlag. Dieses Wohlgefühl ist bei Werzalit aus vielen Passagen herauszuhören – ganz egal, ob der Bezug auf die Mitarbeiter, auf den Standort, oder auf die Zusammenarbeit mit der Verwaltung gerichtet ist. Obwohl der Begriff „Billiglohnland“ nur noch am Rande passt, gibt es viele Komponenten, die den Ausbau der Niederlassung nicht ausschließen.
Werzalit in Lugosch daheim
Werzalit war für Lugosch längst nicht der erste ausländische Investor, seine Bedeutung für die Region ist jedoch allgegenwärtig: Als Arbeitgeber, als Steuerzahler, sowie als Förderer sozialer, kultureller und sportlicher Projekte. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt im westrumänischen Verwaltungskreis Temesch/Timis, Marius Martinescu, sagt, das Unternehmen sei Vorreiter in einem „damals neuen Bereich der Lugoscher Wirtschaft gewesen“. 2000 siedelte die Firma aus dem baden-württembergischen Oberstenfeld ihre Osteuropa-Niederlassung in Lugosch an und konnte so „eines der Reichtümer dieser Region, die Buchenwälder, nutzen“, sagt heute Martinescu. Den Bogen über zehn Jahre Bettfederleisten und Furnier von Werzalit Lemn Tech SCS aus Lugosch spannte Francisc Boldea, seit gut zwei Jahren Bürgermeister von Lugosch. „Werzalit hat eigentlich das deutsche Umfeld in Lugosch vervollständigt, ein Umfeld, dass ohnehin von den Deutschen in Sachen Kultur und Erziehung geprägt ist“, sagte Francisc Boldea - auf deutsch natürlich. Sie alle kamen zum Fest: Klaus Brennecke, Deutschlands Konsul in Temeswar/Timisoara, der Temescher Vizepräfekt, Zoltán Márossy, der Abgeordnete Sorin Stragea. Auch Freunde, Kunden und Partner von Werzalit waren dabei, als das Unternehmen sein zehnjähriges Bestehen feierte.
Trotz Kostenanstieg: Firmenchef plant langfristig in Rumänien
Die Veranstaltung wäre wohl nicht komplett gewesen, wäre nicht der Chef der Unternehmensgruppe, Jochen Werz, höchstpersönlich angereist. „Wir sind in Lugosch langfristig gut aufgehoben“, sagt Jochen Werz der Banater Zeitung. Nicht immer war es jedoch so einfach für Werzalit und den Standort Lugosch. 1999 beschloss der damalige Vorstand der Unternehmensgruppe, sich in Westrumäniens anzusiedeln. Sie gingen nicht in eine Metropole, bauten aber, wie viele andere Unternehmer ihr Werk auf „grüner Wiese“. Stephan Rambacher, Werksleiter seit der ersten Stunde, sagt heute, dass es zwar „weder eine Wiese noch grün war, aber das, was auf dem Gebiet einer ehemaligen Konservenfabrik errichtet wurde, erfüllt uns mit Stolz“. Jochen Werz und Stephan Rambacher betonten bei der Jubiläumsfeier wiederholt die Unterstützung der Kommunalbehörden und der Vizepräfekt Márossy wies auf die Erfolgsgeschichte namens Werzalit hin, wo Inhaber und Mitarbeiter zufrieden sind; ein Aspekt, der Optimismus und Werbung für das gesamte Banat bedeutet.
Auf über acht Hektar stehen heute neue Produktionshallen, ausgestattet mit modernen Maschinen. „Innerhalb unserer Unternehmensgruppe ist dieses Werk unser Kronjuwel - das modernste, beste und profitabelste Werk“, sagt Jochen Werz und setzt mit Humor noch einen drauf: „Für einen Schwaben wie mich ist das letzt genannte Argument das Wichtigste“. Insgesamt acht Hektar umfasst das Werksgelände, 17 Millionen Euro wurden bisher investiert, einen Großteil davon in Maschinen, die das Werk immer auf dem Stand eines wettbewerbsfähigen Produzenten hielten. 2000 lief die erste Federleiste vom Band, ein Jahr später die ersten Furniere. Rückblickend werden die ersten drei Jahre bei Werzalit als schwierig angesehen, ab 2003 wurde in drei Jahren der Umsatz verdreifacht und das Unternehmen so auch finanziell auf eigene Beine gestellt. Trotz Kriseneinbruch hat der Betrieb seine „Reifeprüfung gut bestanden“, sagte Jochen Werz zu der Situation der letzten Jahre. 80 Prozent der Produktion im Werk geht derzeit ins Ausland, doch „auch der rumänische Markt wird zusehends interessanter“, sagt Rambacher, der die Geschichte der Rumänien-Niederlassung mitgetragen hat. In den Zeiten der Anfangsschwierigkeiten, „bis alles richtig abgestimmt war“ (J.Werz) hatte das Unternehmen Vertrauen in Rambacher. Heute sagt der Firmenchef, als er nach der langen Zeit von Rambacher als Werksleiter befragt wird: „Ein gut funktionierendes und erfolgreiches Team sollte man nicht verändern“.
Natürlich wird es nicht einfach in den kommenden Jahren. Rundholz wird immer teurer, „es ist spürbar teurer geworden“ und „es ist etwas, das wir letztendlich sehr genau im Auge behalten müssen“, so Jochen Werz. Auch die Lohnkostenvorteile sind für den deutschen Unternehmer ein wichtiger Standortfaktor, aber bei Werzalit denkt man langfristig. Auch in Rumänien: „Alles in der Holzindustrie ist langfristig – angefangen von den Bäumen, die Jahrzehnte brauchen, die Wälder, die sich über Jahrhunderte entwickeln und die wir nachhaltig nutzen“, sagt der Unternehmer. Und was für ihn noch wichtig ist. „Wir werden von der Verwaltung hier fair behandelt“ und die Nähe zu Westeuropa, also zum Hauptwerk und zu den Kunden wird wohl in Zukunft noch wichtiger, denn „just in time“-Lieferungen sind Argumente, die scheinbar wichtiger sind als Niedriglöhne.
Die Geschichte der Werzalit AG + Co. KG geht bis in das Jahr 1923 zurück und war, ausgenommen von einer Zeitspanne von 15 Jahren ein Familienbetrieb. Das Unternehmen hat Standorte in Deutschland, in den USA und ein einziges in einem sogenannten Billiglohnland, im westrumänischen Lugosch. Doch hier sind die Vorteile ebenfalls längst anderer Natur. Jochen Werz: „Das Personal denkt sich in den Produktionsprozess ein, gute Leute steigen zu Führungskräften auf, die Kunden planen langfristig mit uns“, und er schließt: „Es gibt viele, denen ich an dieser Stelle ´dankeschön´ sagen kann“.