Dienstag, 3. August 2010

Temeswarer Stadtfest mit Sparhaushalt

Adrian Despot rockte zusammen mit seiner Band „Vita de Vie“ am Freitagabend auf dem Temeswarer Domplatz.
Foto: Ana Saliste

Event-Motto: „Der grüne Regenschirm“
as. Temeswar - „Herzlich willkommen in unseren ´Karpathischen Garten´ aus dem Flachland“, mit diesen Worten begrüßte der Moderator Florin Mihoc am Freitagabend das Publikum zum Anlass des diesjährigen Temeswarer Stadtfestes. Das für diese Jahreszeit relativ kühle Wetter lockte am Wochenende zahlreiche Temeswarer Musikliebhaber auf den Domplatz. Ob Rock, Blues oder Volksmusik, für jeden war etwas dabei. Auch wenn in diesem Jahr nur Musikgruppen aus dem Inland für Stimmung sorgten, so erwiesen sich die diesjährigen Auftritte als erfolgreich.
Der Freitagabend war den Rockfans gewidmet: Die Musiker von Vita de Vie ließen eineinhalb Stunden die Fensterscheiben am Domplatz zittern. Einen erfolgreichen Auftritt hatte auch der bekannte Musiker Smiley, der auch am Freitagabend auf die Bühne kam. Am Samstagabend brachten dann „Directia 5“ das Publikum zum Tanzen und Mitsingen. Die mitsingenden Fans wurden vom Lead-Solisten mit dem Handy aufgenommen. Die Band wird bei ihren Konzerten das Publikum aus mehreren Städten aufnehmen, die musikalischsten Fans sollen dann künftig in einem neuen Video von „Direc]ia 5“ erscheinen. Auch der Sänger Mircea Baniciu hat am Samstagabend für Stimmung gesorgt. Der Abend war um so spezieller, da der am 31. Juli in Temeswar geborene Sänger seinen diesjährigen Geburtstag mit dem Temeswarer Publikum feierte. Der Sänger wurde am Samstag 61 Jahre alt. Am Sonntag waren „Publika“ und Paula Seling an der Reihe, das Publikum zu begeistern.
In diesem Jahr wurden in der Stadt an der Bega keine Feuerwerkshows veranstaltet. Das Geld, das dazu vorgesehen war, ging an die Hochwasseropfer in der Moldau. Das Temeswarer Stadtfest wurde in diesem Jahr von mehreren Umweltorganisationen gesponsert. Die Veranstaltungen standen somit unter dem Motto „Der grüne Regenschirm“. Zugleich wurden am Wochenende zahlreiche Umweltschutzaktionen veranstaltet. Die Temeswarer konnten u.a. ihre alten Geräte an einem Stand abgeben. Insgesamt 150 Stück ausrangierter Apparatur wurde eingesammelt. Damit trat Temeswar in den Wettbewerb „Die grüne Hauptstadt“ ein. Die Kampagne wurde von „Tuborg“ in die Wege geleitet und läuft bis Jahresende. Im Dezember soll dann die sauberste Stadt des Landes zur „grünen Hauptstadt“ gewählt werden.

„Zurück ins Mittelalter“

Die Kleinen waren von der ritterlichen Rüstung beeindruckt.
Foto: Die Verfasserin



Banater Museum verstärkt zum Blickfang machen/ Von Ana Saliste

Mittelalterliche Musik ertönt am Samstag auf den Fluren des Banater Museums in Temeswar/Timisoara. Auf den Treppen läuft eine Frau in einem langen blauen Kleid zu ihrem „Ritter“ hin. Die beiden beginnen leicht auf die Klänge der Musik zu tanzen. An den Wänden sind Schwerter in verschiedenen Formen und Größen ausgestellt. In der Ecke entdeckt der Besucher eine imposante Ritterrüstung. Insbesondere auf die Kleinen wirken die Exponate besonders beeindruckend. Es ist so, als ob das älteste Baudenkmal der Stadt, das Hunyadi-Schloss, für einen Tag in ein anderes Zeitalter versetzt wurde. Genauer gesagt: Ins Mittelalter.
„Das Schloss und seine Ritter“ - unter diesem Motto stand am Samstag das Banater Museum in der Temeswarer Innenstadt. Ziel des Unterfangens war, laut Monica Varga, der Leiterin des Kulturprojekts, das Publikum mit der Geschichte und Zivilisation des Mittelalters vertraut zu machen. „Wir hoffen, dass das Museum dadurch wieder in den Blickpunkt rückt. Die Veranstaltungsreihe soll aber auch die Menschen näher bringen, denn es hat das Soziale im Mittelpunkt. Es soll viel mehr als ein soziales Event verstanden werden, wo die Leute in Kontakt kommen, sich unterhalten und sich wohl fühlen“, erklärt Varga. Zugleich dient die Veranstaltung als eine „Generalprobe“ fürs nächste Jahr, wenn sich das Event mindestens auf drei Tage erstrecken soll.
„Temeswar gilt viel mehr als eine Barockstadt. Viele vergessen aber, dass die Stadt auch ein wichtiges mittelalterliches Zentrum war. Dies wollen wir in den Vordergrund rücken und hoffen, dass sich diese Veranstaltung zu einer jährlichen Tradition entwickelt“, so Dan Ciobotaru, Direktor des Banater Museums. „In spätestens zwei-drei Jahren wird das Museum durch EU-Mittel saniert, so dass wir unsere Veranstaltungen für das Publikum für einige Zeit einstellen müssen. Wir planen aber, mehrere Freilicht-Events zu organisieren“, verspricht Ciobotaru.
„Früher galten die ritterlichen Ideale, d.h. Edelmut, Loyalität und Tapferkeit als einzige Ziele im Leben. Ein Ritter lebte nur noch für seine Ideale. Außerdem gehörte zu seinen Idealvorstellungen eine weit entfernte Prinzessin. Auf dem aufwendigen Weg zu ihr, musste er an seiner Persönlichkeit feilen und sich selbst entwickeln. Je länger der Weg, desto größer die innere Entwicklung”, erklärt Monica Varga. In ihrem Vortrag sprach sie über die ritterlichen Ideale und über König Arthur und die Ritter der Tafelrunde. „Die Tugenden waren von den Rittern als einzige Instrumente zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit angesehen”, so Varga.
Die Temeswarer, die am Samstag das Banater Museum besuchten, konnten an zahlreiche Konferenzen, Symposien und Veranstaltungen zum Thema „Zurück ins Mittelalter” teilnehmen. Zugleich konnten sich Interessenten auch einige wertvolle mittelalterliche Münzen aus der Sammlung des Banater Museums ansehen. „Die mittelalterliche Münze war meist aus Metall, Silber oder Bronze hergestellt, je nach dem Wert der Münze”, erläutert der Museograph Raul Septilici. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe hielt er einen kurzen Vortrag über Wert und Bedeutung der Münzen im Mittelalter.
Anschließend stellte Caius Hera die jahrhundertealte Geschichte der Fiedel im westlichen Europa, von ihren Anfängen bis zum XX. Jahrhundert, vor. Der Musiker bot auch ein Rezital zum Thema Phantasien, Tänze und Lieder für Fiedel. Archeologin Zsuzsanna Kopeczny sprach über die „begrabene” Geschichte des Hunyadi-Schlosses und präsentierte die wichtigsten Funde, die in den letzten Jahren infolge der archeologischen Ausgrabungen im Innenhof des Museums entdeckt wurden. Es handelt sich um den mittelalterlichen Turm mit einer Seitenlänge von elf Metern, der im Innenhof entdeckt wurde, mehrere Keramikscherben, zwei Pfeilspitzen, mittelalterliche Münzen sowie Reste von gotischen Türrahmen und Kachelöfen. Zum Abschluss waren die Besucher zu einem mittelalterlichen Unterhaltungsabend eingeladen.
Das Hunyadi-Schloss mit Turm und Fassade aus gebrannten Ziegeln, dessen Architektur romanische und gotische Stilzüge aufweist, wurde 1307-1315 als Sitz des ungarischen Königs Karl I. bzw. Karl Robert von Anjou aus dem französischen Haus der Angevinen erbaut.

TEMESWAR EMPFEHLEN (7)

Gesundes Lachen und leckere Limonade am Begaufer
Alina Sabou (31) ist seit neun Jahren Journalistin. Die 31-Jährige ist nicht in Temeswar/Timisoara geboren, jedoch ist sie hier aufgewachsen. Seit einigen Jahren wohnt die Journalistin im Temescher Dorf Chisoda.
Zum Sehen: Etwa 15 Kilometer von Temeswar entfernt kommt man zum dendrologischen Park in Neubasosch/Bazosul Nou. Der zweitgrößte Park dieser Art Rumäniens beherbergt auf dem 60 Hektar Gelände über 700 Baumarten. Ich empfehle den Garten besonders an einem ultra heißen Sommertag zu besuchen. Das Erlebnis bietet die gegönnte Kühle. Wichtig ist aber die eingerichteten Alleen im Wald zu befolgen.
Zum Hören: Theaterstücke, Erzählungen, Lieder und viel gute Laune, das erwartet die Temeswarer am Donnerstag, dem 5. August, im Sommergarten des Clubs „No Name” ab 21 Uhr. „Gesagt, getan!” heißt die Improvisationsshow. Es ist keine Stand-Up-Comedy-Show und auch keine Theateraufführung – so stellen die Künstler ihre eigene Aufführung vor. Die Zuschauer können jeder Zeit auch mitmachen. Schüchtern sein gehört nicht mit!
Zum Genießen: Das Schiff mit Limonade - Seit etwa einem Monat steht am Ufer des Bega-Kanals ein neues Schiff. Das D´Arc-Straßencáfe wurde somit erweitert und lädt die Temeswarer zu einer besonderen Art von Entspannung ein. Auf dem Schiff kann man leckere und erfrischende Früchtelimonaden genießen. 7 Lei kostet eine D´Arc-Limonade. Den Renner macht die Limo mit Zuckermelone.

21.000 Palatschinken in Moneasa

Die Kommunalpolizei bastelte einen Pfannkuchen-Polizisten.
Foto: Die Verfasserin


Rekordzahl zum zehnten Pfannkuchen-Festival
Autos parken am Straßenrand, Passanten werden wie hypnotisiert vom Pfannkuchengeruch angezogen. Anlass für den Touristenzustrom im Arader Kurort Moneasa ist das zehnte Pfannkuchen-Festival.
Süßigkeiten naschen ist die allgemeine Leidenschaft, die sowohl Besucher aus Arad als auch aus den benachbarten Kreisen Temesch/Timis, Bihor und Hunedoara zusammen gebracht hat. Alle wollen mindestens einmal von den 21.000 vorbereiteten Pfannkuchen kosten. Die Leckereien werden auf der Stelle vor den Augen der Kunden gebacken. Die heißen Köstlichkeiten werden dann gleich gegessen. „Es ist heiß, pass auf, du wirst dir die Zunge verbrennen“, sagt eine Mutter zu ihrem Jungen. Doch der Kleine möchte nicht mehr abwarten und beißt herzhaft in den Pfannkuchen.
Vor zwei Jahren wurden 16.000 Pfannkuchen gebacken, die größte Pfannkuchen-Anzahl in Moneasa bis jetzt wurde aber im vergangenen Jahr registriert – 20.000 Pfannkuchen wurden damals gebacken. Ein neuer Rekord für die Veranstalter des Festivals wurde in diesem Jahr aufgestellt: „Das Fest ist von Jahr zu Jahr größer geworden, das freut mich als Veranstalter sehr. Zu unserem zehnten Jubiläum wollten wir auch etwas Besonderes haben: ein neuer Pfannkuchenrekord“, sagt Zoltán Lovás, der Hauptveranstalter des Events.
Von Tisch zu Tisch stehen die „Crépes“ im Blickfang der Besucher. „Das Auge isst auch mit“, sagt eine Temeswarerin. „Da möchte ich ein Stück von allen Sorten kosten“, fährt sie fort. Kostspielig sind die „süßen Sünden“ nicht. So zumindest lautet die Meinung der Kunden. Ab 1 Leu für einen Pfannkuchen mit Konfitüre, 2 Lei für die Schoko gefüllte - und 3-5 Lei ein XXl-Pfannkuchen. Auch Crépes mit Quark und Rosinen-, Fleisch- oder Pilzfüllung sind sehr gefragt. Doch nicht nur Süßigkeiten werden hier vorbereitet. Auch Gulasch oder Fleichprodukte frisch vom Grill und das berühmte Pecica-Brot werden hier angeboten.
Vertreter verschiedener Bürgermeisterämter aus dem Kreis Arad, Vertreter der politischen Parteien und sogar die Kommunalpolizei machen mit. Die Vertretungen der Parteien verschenken sogar kostenlose Pfannkuchen. Die Arader Polizeibeamten beteiligten sich zum ersten Mal am Festival und haben einen Polizisten aus Pfannkuchen gebastelt. Das Tablett mit dem Pfannkuchenpolizisten wurde an einen lokalen Polizisten verschenkt. Auch der Europaabgeordnete Iosif Matula machte in diesem Jahr mit einem Europa-Stand mit. Die Pfannkuchen wurden mit blauen Fähnchen geschmückt.
Die Besucher des Festivals konnten in den zwei Tagen auch Rock- und Volksmusik genießen. Vor dem Parc-Hotel und auf der Bühne des Sommertheaters in Moneasa performten in den zwei Tagen die Musikgruppen „Bere Gratis“, Autentic und Volksmusikensembles aus den Ortschaften Buteni, Graniceri, Pecica und Simand. Im Rahmen des Festivals fand aber auch ein Antiquitätenmarkt und eine Handwerkermesse statt. Handmade-Künstler stellen ihre Ware zur Schau, aber auch zum Verkauf aus.
Für die Rekord-Pfannkuchen wurden innerhalb des Festivals einige hundert Kilo Mehl, über 1.000 Eier und einige hundert Liter Milch verwendet. Eines ist jetzt schon vorgesehen: Im kommenden Jahr möchten die Veranstalter auch diesen Rekord brechen.
Andreea Oance

Herta Müller in Bukarest

Literarische „Wiedergutmachung“ durch Humanitas-Verlag/ „Die Atemschaukel“ derzeit Verkaufsschlager
Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller * wird am 27.-28. September in Bukarest weilen: Anlaß dazu bieten das 20jährige Jubiläum des hauptstädtischen Humanitas- Verlags und die Präsentation der neuen Bücherreihe mit ihrem Namen. Es ist dies der erste Besuch als Literaturnobelpreisträgerin in der alten Heimat: Am 1.-3. Oktober 2009 beteiligte sich die Autorin bekanntlich an der 3. Auflage des Internationalen Poesiefestivals in Hermannstadt zu Ehren von Oskar Pastior. Eingeplant sind im September desgleichen die Teilnahme der Schriftstellerin an einer Konferenz im Rumänischen Athenäum und eine Lesung nebst Podiumsdiskussion mit dem Philosophen, Schriftsteller und Mehrheitsbeteiligten des Verlags, Gabriel Liiceanu. In Anwesenheit der Autorin wird am 28. Dezember der Band „Reisende auf einem Bein“ in der von Humanitas eröffneten und Herta Müller gewidmeten Autorenreihe vorgestellt. Eingeplant ist auch eine Übersetzung des Romans „Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt“. Bekanntlich wurde ihr Erfolgsroman „Die Atemschaukel“ (Leaganul respiratiei- in der rumänischen Übersetzung von Alexandru Sahighian) bereits am 12. Juni bei der Buchmesse „Bookfest 2010“ vorgestellt. Derzeit hält dieser Titel, der nun in 45 Ländern erscheint, auch die Nr. 1 auf der Verkaufsliste der Humanitas-Buchhandlungen. Sahighian übersetzte für Humanitas auch den Roman „Der König verneigt sich und tötet“. Der Verlag hat derzeit mit dem Band „Der Fuchs war schon damals der Jäger“ noch ein drittes Buch von Herta Müller im Angebot.
Die systemathische Veröffentlichung von Herta Müllers Werk (in der von Denisa Com²nescu betreuten Autorenreihe von Humanitas Fiction) ist als etwas verspäteter aber gelungener Versuch einen literarischen „Wiedergutmachung“ in Rumänien zu werten. Obwohl Herta Müller schon 1982 mit „Niederungen“ im Bukarester Kriterion-Verlag ihr Buchdebüt gefeiert hatte, konnte ihr erstes Buch in rumänischer Übersetzung erst spät nach der Wende 1995 mit „Der Fuchs war schon damals der Jäger“ (Übersetzung Nora Iuga, Univers Verlag) erscheinen. Es folgte 1997 der Roman „Herztier“ (Animalul inimii- in der Übersetzung von Nora Iuga, Univers-Verlag). 2005 erschien im Polirom-Verlag auch „Este sau nu este Ion“ (Herta Müllers einziger in rumänischer Sprache geschriebener Lyrikband – surrealistische Textcollagen aus Zeitschriftausschnitten, vor allem aus der Zeitschrift „Carul cu boi“), und 2009 „Der König verneigt sich und tötet“ (Polirom).
Herta Müller debütierte jedoch schon 1969 als Lenauschülerin mit Gedichten in den NBZ-Schülerseiten. Weitere Veröffentlichungen von Lyrik und Kurzprosa in den NBZ-Seiten „Universitas“ und „Kulturbote“, in der Anthologie „Wortmeldungen“ 1972. 1981 (Die NBZ veröffentlichte ihren Furore machenden Kurztext „Das schwäbische Bad“) galt die junge Autorin auf Anhieb bei der Kritik und den Literatenkollegen als DIE große Entdeckung im rumäniendeutschen Literaturbetrieb. Im gleichen Jahr erhielt sie den AMG-Förderpreis für Prosa. Ihr vielbeachteter Bucherstling „Niederungen“ (Das Manuskript lag vier Jahre lang beim Verlag) konnte erst 1982 in stark zensierter Form und 1984 in Berlin unzensiert erscheinen. Es folgte der Band „Drückender Tango“ (1984 Kriterion Bukarest und 1988 Reinbek Hamburg). Obwohl Herta Müller im kleinen rumäniendeutschen Literaturbetrieb schon damals als literarische Größe galt, war bis 1989 durch die Securitate jeglicher Kontakt der Autorin mit dem rumänischen Publikum unmöglich gemacht worden: Herta Müller wurde einfach als Mensch und Schriftsteller totgeschwiegen, sie hatte bis 1989 striktes Publikationsverbot in Rumänien. Eine rumänische Übersetzung des für Müllers Gesamtwerk nach wie vor wichtigen Bandes „Niederungen“ gibt es leider bis heute noch nicht. Das, obwohl dieser Band schon vor der Wende nicht nur einstimmig von der deutschen Literaturkritik gelobt, sondern auch in zahlreiche Sprachen Europas, u.a. ins Dänische, Schwedische (1985), Holländische und Italienische (1987) übersetzt worden war.
Balthasar Waitz
*Anmerkung der Redaktion:
Herta Müller wurde am 17. August 1953 in der banatschwäbischen Gemeinde Nitzkydorf, Kreis Temesch, geboren.
Jochen Werz hat viele Argumente, den Standort in Lugosch auszubauen.


Allseits positive Signale/ Werzalit-Feier fast wie ein Stadtfest
Von Siegfried Thiel (Text und Foto)
Die verlassene Fabrikhalle auf der einen Seite, das moderne Motel von vis-á-vis. Wir sind am Stadtrand von Lugosch/Lugoj, wo hier und da Bürger nach Dorfmanier in ihren Gärten arbeiten. All das hat etwas mit der Rumänien-Niederlassung der deutschen Firma Werzalit zu tun. Es ist ehemaliges Industriegebiet in dem sich mittlerweile Bosse und Mitarbeiter von Werzalit heimisch fühlen. Und ihre Aussagen deuten dies unmissverständlich an: In Lugosch haben sie dies alles gleich auf einem Schlag. Dieses Wohlgefühl ist bei Werzalit aus vielen Passagen herauszuhören – ganz egal, ob der Bezug auf die Mitarbeiter, auf den Standort, oder auf die Zusammenarbeit mit der Verwaltung gerichtet ist. Obwohl der Begriff „Billiglohnland“ nur noch am Rande passt, gibt es viele Komponenten, die den Ausbau der Niederlassung nicht ausschließen.

Werzalit in Lugosch daheim
Werzalit war für Lugosch längst nicht der erste ausländische Investor, seine Bedeutung für die Region ist jedoch allgegenwärtig: Als Arbeitgeber, als Steuerzahler, sowie als Förderer sozialer, kultureller und sportlicher Projekte. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt im westrumänischen Verwaltungskreis Temesch/Timis, Marius Martinescu, sagt, das Unternehmen sei Vorreiter in einem „damals neuen Bereich der Lugoscher Wirtschaft gewesen“. 2000 siedelte die Firma aus dem baden-württembergischen Oberstenfeld ihre Osteuropa-Niederlassung in Lugosch an und konnte so „eines der Reichtümer dieser Region, die Buchenwälder, nutzen“, sagt heute Martinescu. Den Bogen über zehn Jahre Bettfederleisten und Furnier von Werzalit Lemn Tech SCS aus Lugosch spannte Francisc Boldea, seit gut zwei Jahren Bürgermeister von Lugosch. „Werzalit hat eigentlich das deutsche Umfeld in Lugosch vervollständigt, ein Umfeld, dass ohnehin von den Deutschen in Sachen Kultur und Erziehung geprägt ist“, sagte Francisc Boldea - auf deutsch natürlich. Sie alle kamen zum Fest: Klaus Brennecke, Deutschlands Konsul in Temeswar/Timisoara, der Temescher Vizepräfekt, Zoltán Márossy, der Abgeordnete Sorin Stragea. Auch Freunde, Kunden und Partner von Werzalit waren dabei, als das Unternehmen sein zehnjähriges Bestehen feierte.

Trotz Kostenanstieg: Firmenchef plant langfristig in Rumänien
Die Veranstaltung wäre wohl nicht komplett gewesen, wäre nicht der Chef der Unternehmensgruppe, Jochen Werz, höchstpersönlich angereist. „Wir sind in Lugosch langfristig gut aufgehoben“, sagt Jochen Werz der Banater Zeitung. Nicht immer war es jedoch so einfach für Werzalit und den Standort Lugosch. 1999 beschloss der damalige Vorstand der Unternehmensgruppe, sich in Westrumäniens anzusiedeln. Sie gingen nicht in eine Metropole, bauten aber, wie viele andere Unternehmer ihr Werk auf „grüner Wiese“. Stephan Rambacher, Werksleiter seit der ersten Stunde, sagt heute, dass es zwar „weder eine Wiese noch grün war, aber das, was auf dem Gebiet einer ehemaligen Konservenfabrik errichtet wurde, erfüllt uns mit Stolz“. Jochen Werz und Stephan Rambacher betonten bei der Jubiläumsfeier wiederholt die Unterstützung der Kommunalbehörden und der Vizepräfekt Márossy wies auf die Erfolgsgeschichte namens Werzalit hin, wo Inhaber und Mitarbeiter zufrieden sind; ein Aspekt, der Optimismus und Werbung für das gesamte Banat bedeutet.
Auf über acht Hektar stehen heute neue Produktionshallen, ausgestattet mit modernen Maschinen. „Innerhalb unserer Unternehmensgruppe ist dieses Werk unser Kronjuwel - das modernste, beste und profitabelste Werk“, sagt Jochen Werz und setzt mit Humor noch einen drauf: „Für einen Schwaben wie mich ist das letzt genannte Argument das Wichtigste“. Insgesamt acht Hektar umfasst das Werksgelände, 17 Millionen Euro wurden bisher investiert, einen Großteil davon in Maschinen, die das Werk immer auf dem Stand eines wettbewerbsfähigen Produzenten hielten. 2000 lief die erste Federleiste vom Band, ein Jahr später die ersten Furniere. Rückblickend werden die ersten drei Jahre bei Werzalit als schwierig angesehen, ab 2003 wurde in drei Jahren der Umsatz verdreifacht und das Unternehmen so auch finanziell auf eigene Beine gestellt. Trotz Kriseneinbruch hat der Betrieb seine „Reifeprüfung gut bestanden“, sagte Jochen Werz zu der Situation der letzten Jahre. 80 Prozent der Produktion im Werk geht derzeit ins Ausland, doch „auch der rumänische Markt wird zusehends interessanter“, sagt Rambacher, der die Geschichte der Rumänien-Niederlassung mitgetragen hat. In den Zeiten der Anfangsschwierigkeiten, „bis alles richtig abgestimmt war“ (J.Werz) hatte das Unternehmen Vertrauen in Rambacher. Heute sagt der Firmenchef, als er nach der langen Zeit von Rambacher als Werksleiter befragt wird: „Ein gut funktionierendes und erfolgreiches Team sollte man nicht verändern“.
Natürlich wird es nicht einfach in den kommenden Jahren. Rundholz wird immer teurer, „es ist spürbar teurer geworden“ und „es ist etwas, das wir letztendlich sehr genau im Auge behalten müssen“, so Jochen Werz. Auch die Lohnkostenvorteile sind für den deutschen Unternehmer ein wichtiger Standortfaktor, aber bei Werzalit denkt man langfristig. Auch in Rumänien: „Alles in der Holzindustrie ist langfristig – angefangen von den Bäumen, die Jahrzehnte brauchen, die Wälder, die sich über Jahrhunderte entwickeln und die wir nachhaltig nutzen“, sagt der Unternehmer. Und was für ihn noch wichtig ist. „Wir werden von der Verwaltung hier fair behandelt“ und die Nähe zu Westeuropa, also zum Hauptwerk und zu den Kunden wird wohl in Zukunft noch wichtiger, denn „just in time“-Lieferungen sind Argumente, die scheinbar wichtiger sind als Niedriglöhne.
Die Geschichte der Werzalit AG + Co. KG geht bis in das Jahr 1923 zurück und war, ausgenommen von einer Zeitspanne von 15 Jahren ein Familienbetrieb. Das Unternehmen hat Standorte in Deutschland, in den USA und ein einziges in einem sogenannten Billiglohnland, im westrumänischen Lugosch. Doch hier sind die Vorteile ebenfalls längst anderer Natur. Jochen Werz: „Das Personal denkt sich in den Produktionsprozess ein, gute Leute steigen zu Führungskräften auf, die Kunden planen langfristig mit uns“, und er schließt: „Es gibt viele, denen ich an dieser Stelle ´dankeschön´ sagen kann“.

Landestitel für Banater Motorradfahrer

Ionel Pascota erneut auf dem ersten Platz.
Foto: privat
Ionel Pascota erhielt doppelte Leistung
ao. Temeswar - Kein Gegner für Ionel Pascota im Geschwindigkeitsrennen. Der Temeswarer Motorradfahrer gewinnt in letzter Zeit Rennen nach dem Rennen. Seine neueste Leistung ist der Titel als Landesmeister. Dies ist der zweite Titel dieser Art für das Jahr 2010. Er schaffte den Landestitel im Moto-Rennfahren, sowohl in der 600 Kubikzentimeter-Kategorie, als auch in der Kategorie 1.000 Kubikzentimeter. Das Rennen fand in Most in Tschechien statt und war das fünfte der Landesmeisterschaft in diesem Jahr. Für Ionel Pascota und das Team „Pascota Racing Team“ in Girok/Giroc folgt die Meisterschaft für Geschwindigkeitsrennen in Karansebesch/Caransebes. Der Motorradfahrer hat als Ziel wieder eine doppelte Leistung zu schaffen: den ersten Platz für die 600- als auch für die 1.000-Kubikzentimeter-Kategorie.
Auch in der rumänischen Meisterschaft „Romanian Superbike“ ist Ionel Pascota Leitführer des Rankings. Er hat bereits 35 Punkte im Voraus und nimmt sich vor auch in der osteuropäischen Moto-Meisterschaft den selben Platz wie im Vorjahr zu erhalten und zwar den Meistertitel.
Pascota kehrte in diesem Jahr zu seinem eigenen Team in Girok, das nachdem er seit 2005 Mitglied des Clubs UCM Reschitza/Resita war. 2004 wurde Ionel Pascota infolge seiner zahlreichen Leistungen zum „Meister des Sportes“ ernannt. Die Leistungen und Ergebnisse des Banater Motorradfahrers kann man auch unter
www.pascota-racing.ro abrufen.

TEMESWAR EMPFEHLEN (6)

Rockmusik gehört einfach dazu

Der ehemalige Lenau-Schüler Lucian Blaga (26) ist gelernter Bauingenieur und als Hochschulassistent an der deutschen Abteilung für Bauingenieurwesen der TU Politehnica tätig. Der Temeswarer wohnt im Blascovici-Viertel.


Zum Hören und Sehen: Rock-Konzerte und Partys im Daos-Club an der Titulescu-Straße Nr.5, im Gebäude der ehemaligen Temeswarer Hutfabrik. Zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt, aber weit genug vom Abendgedränge auf Dom- und Opernplatz. Im „Daos“ hat man immer Platz und die Rock-Konzerte und Partys, die jede Woche von Donnerstag bis Sonntag stattfinden, bieten einem die Gelegenheit, den Alltag zu vergessen, egal, ob es sich um Soft-, Classic-Rock oder harten Black Metal handelt. Rockmusik gehört einfach zur Temeswarer Kultur dazu!
Zum Genießen: Ein Spaziergang entlang des Bega-Kanals, am Abend. Besonders im Sommer ist die Temeswarer Promenade die beste Abkühlungsoption. Man durchquert die historischen Stadtviertel und hat einen Überblick über die alte und neue Stadtarchitektur. Die Kontraste sind recht stark: Terassen, Parks und Brücken im luxuriösen bis zum verfallenen Zustand. Ein Spaziergang entlang der Bega wird dir immer ein neues Thema zum Nachdenken bieten. Ich rate auch eine Bootfahrt, mit Rudern, vom städtischen Wasserwerk bis zu den Schleusen