Mittwoch, 11. November 2009

„Ich bin glücklich, hier zu sein“

Gespräch mit Klaus Brennecke, deutscher Konsul in Temeswar

Klaus Christian Brennecke (46) ist seit dem 1. Oktober als deutscher Konsul in Temeswar/Timisoara im Amt und möchte weitere fünf Jahre hier tätig sein. Über seine ersten Eindrücke und über seine beruflichen Zukunftsvorstellungen sprach BZ-Redakteurin Andreea Oance mit dem neuen Konsul.



Konsul Brennecke: „Rumänien bietet viel mehr als Sie erwarten.“

Sie sind seit Oktober als deutscher Konsul in Temeswar im Amt. Was haben Sie für die Jahre, die sie hier verbringen werden, vor?
Der Luxus, den ich hier erlebe, ist, dass ich zu einem Posten gekommen bin, in einer Stadt und in einer Region, in der man schon ungeheuer viel vorfindet. Ich freue mich über ein äußerst hohes Niveau der bilateralen Zusammenarbeit. Ich bin natürlich am Anfang meiner Tätigkeit und immer noch dabei, mich zu orientieren, d.h. meine Zeit verbringe ich im Moment damit, dass ich Kontakte knüpfe und jeden Tag neue Partner kennenlerne. Auf dieser Weise möchte ich mir langsam ein Bild von dem verschaffen, was es auf Ebenen der Zusammenarbeit hier gibt und was man daraus machen kann. Ich werde sehr froh sein, wenn wir das gegenwärtige Niveau halten können. Schließlich sind unsere Länder längst Partner in der EU und die Zusammenarbeit insofern ist ja gar nichts Spektakuläres, sondern eigentlich eine politische Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit.

Mailand, Bonn, Berlin, Budapest, Sofia, Baku (Aserbaidschan) - Sie waren in interessanten Städten im Dienst. Wie sind Sie denn nach Temeswar gekommen und wieso gerade Rumänien?
Rumänien - das hat sich eigentlich aus meinem ersten Posten ergeben. Das war Budapest, fast fünf Jahre, unmittelbar nach der politischen Wende und im Anschluss daran Sofia, Bulgarien, für weitere vier Jahre. Wenn man sich die Geographie anschaut, ist Rumänien das dazwischen gelegene Land und es war irgendwie das, was mir als Erfahrung noch fehlte. Die Vorstellung Europas als Ganzes finde ich sehr faszinierend: so viele verschiedene Sprachen, Kulturen und religiöse Prägungen. Darum hatte ich schon nach der Erfahrung mit Ungarn und Bulgarien eine große Neugier, nach Rumänien zu kommen. Rumänien ist ein von der Orthodoxie geprägtes Land, aber gleichzeitig der östlichste Staat, in dem eine romanische Sprache gesprochen wird. Nun ist Temeswar und das Banat innerhalb Rumäniens besonders faszinierend, vor allem wegen der in Jahrhunderten gewachsenen Kultur und Multikulturalität sowie dem friedlichen Zusammenleben der Minderheiten. Das ist eine Art Musterbeispiel für einen europäischen Prozess des Zusammenwachsens. Es ist also schon über zehn Jahre her, dass diese Idee in mir gewachsen ist. Ich habe mich immer wieder bemüht, einen Posten in Rumänien zu bekommen und es hat sich im letzen Jahr ergeben, dass ein besonders attraktiver Posten frei wurde - der des Konsuls hier in Temeswar. Ich bin glücklich, hier zu sein.

Wie finden Sie Temeswar im Vergleich zu den anderen Städten, wo Sie tätig waren?
Die Multikulturalität ist selbstverständlich, die habe ich bereits erwähnt. Das ist etwas, was man spürt. Man trifft Menschen, die bilingual sind, manche sogar dreisprachig und völlig problemlos zwischen ihren mehreren Muttersprachen, sozusagen, wechseln. Allein das ist schon faszinierend. Die Stadt findet man schon überaus charmant vor, aber natürlich im Vergleich zu den Städten, die Sie bereits erwähnt haben, ist die Stadt schon ziemlich klein. Temewar ist zwar die „Metropole des Banats“ - ich hoffe, dass ich jetzt nichts Falsches gesagt habe - aber dennoch im Vergleich zu den Millionenstädten, wo ich war, ist Temeswar eine überschaubare Stadt. Man kann vieles zu Fuß erledigen, das Zentrum ist kompakt und unser schönes Konsulat liegt auch sehr günstig hier am Bega-Ufer mit Blick auf die Kathedrale. Die Wege zu unseren Partnern sind ja gar nicht lang, das ist auf jeden Fall ein Vorteil im Vergleich zu den großen Metropolen, wo man schrecklich viel Zeit damit verbringt, von einem Punkt zu dem anderen zu kommen. Die Stadt ist zwar klein, doch sie wirkt nicht provinziell. Für einen Menschen, der immer in großen Städten gelebt hat, hatte ich schon ein bisschen Bedenken – hoffentlich wird es mir nicht langweilig! Nun sehe ich, dass das kulturelle Angebot vielfältig und reichhaltig ist, dass jemand wie ich, der sich für Theater und Musik interessiert, kaum einen freien Abend haben wird.



Klaus Brennecke bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Temeswar.

Ihr Vorgänger war sehr beliebt in Temeswar. Wie schwer fällt es Ihnen, in seine Fußstapfen zu treten?
Erstens ist es ja ein sehr großes Glück, dass ich einen Vorgänger hatte, der sehr beliebt war. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es anders gewesen wäre. Es ist natürlich für mich viel leichter, auf die erfolgreiche Arbeit meines Vorgängers aufzubauen. Um ehrlich zu sein: Ich habe gar keine Angst oder ein ungutes Gefühl und denke auch nicht, dass es schwer sein wird, daran anzuschließen, denn zur Professionalität in unserem Beruf gehört, dass wir alle sozusagen auch ersetzbar sind. Natürlich, wenn ein Konsul, wie im Falle meines Vorgängers, fünf Jahre an einem Ort war, mit dem er sich identifiziert hat, äußerst engagiert und ungeheuer fleißig jahrelang gearbeitet hat, dann wird natürlich der Nachfolger schon daran gemessen. Andererseits ist das Amt des Konsuls unabhängig von der Person, d.h. ein Nachfolger hat unter Umständen einen anderen Stil und wird sicherlich manche Sachen auch anders machen – das sehe ich völlig wertneutral. Ich habe nicht vor, irgend jemanden zu imitieren, sondern ich möchte authentisch sein. Ich möchte während der Zeit dieser Arbeit meinen persönlichen Stempel aufdrücken, aber ich habe momentan keinen konkreten Plan dafür.

Welche Projekte Ihres Vorgängers werden Sie fortsetzen?
Es gehört zur Professionalität, dass man keinen abrupten Wechsel herbeiführt oder sagt „hiermit ist Schluss, alles wird jetzt neu gemacht“. Es ist ein äußerst normaler Wechsel im Rahmen der Rotation im diplomatischem Dienst in der Person des Behördenleiters, nichts weiter. Es ist nicht wie bei einem Regierungswechsel, wenn unter Umständen eine andere politische Richtung die Macht übernimmt und jetzt sagt, wir kommen mit einem neuen Programm. Es ist selbstverständlich, dass man fortführt, was begonnen worden ist.

Wie interessant ist noch Rumänien für die deutschen Investoren, vor allem, da die ganze Welt nun von der Wirtschaftskrise betroffen ist?
Die Wirtschaftskrise ist an keinem Ort dieser Welt spurlos vorbeigegangen. Rumänien bleibt nach wie vor hoch attraktiv gerade für deutsche Investoren auf Grund harter Standortfaktoren, die auch von einer Krise nicht wegradiert werden können. Zum Beispiel die geographische Lage ist krisenunabhängig, die Nähe zu Deutschland, die gute verkehrstechnische Anbindung, die insbesondere auch im Vergleich zu anderen Regionen Rumäniens sehr günstig ist. In der Region gibt es trotz der hohen Beschäftigungszahl, die selbst zu Krisenzeiten noch nah an der volkswirtschaftlich definierten Vollbeschäftigung liegt, immer noch qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte, also ein Potenzial, auf das ein Investor bauen kann. Und natürlich ein sehr wichtiger Faktor ist die Stellung und Verbreitung der deutschen Sprache.

Wenn Sie für Temeswar Werbung in Deutschland machen müssten, wie würde der Text lauten, um Temeswar bzw. Rumänien attraktiv zu beschreiben?
Ganz spontan fällt mir ein Werbeslogan ein, den leider schon jemand anders gefunden hat. Ich würde sagen: „Rumänien - oder gerne auf Temeswar eingegrenzt - viel mehr als Sie erwarten!“ In Deutschland herrscht leider noch viel Unwissen über Rumänien. Es gibt Vorurteile, die sich auf uralte Zeiten beziehen, die längst überwunden sein müssten, die sich aber irgendwie hartnäckig in den Köpfen eingenistet haben. Andererseits habe ich bemerkt, dass diejenigen, die dieses Unwissen haben, meistens überhaupt noch nie in Rumänien gewesen sind. Diese äußern ihre Meinung, die gar nicht freundlich ist, obwohl sie das Land überhaupt nicht kennen. Umgekehrt: Diejenigen, die ich getroffen habe und die in Rumänien waren, die sind ausnahmslos von diesem Land begeistert. Das finde ich großartig! Die Kenntnis muss erweitert und der Tourismus gefördert werden, um Rumänien auch für breitere Massen attraktiv zu machen. Das Land muss einfach besucht werden, um eine positive Meinung zu entwickeln und Vorurteile abzubauen. Um das Interesse zu wecken, würde ich sagen: „Rumänien bietet viel mehr als Sie erwarten!“

Fotos: Zoltán Pázmány

BANAT AKTUELL


Riesenlampe am 700-er Markt

Temeswar/Timisoara fährt auf der Schiene der gigantischen Projekte fort. Morgen werden 125 Jahre gefeiert, seitdem in Temeswar und somit zum ersten Mal in Europa die elektrische Straßenbeleuchtung eingeführt wurde. Aus diesem Anlass soll eine Riesenlampe aufgestellt werden. Daneben, zwei weitere Lampen: ein Modell, das vor 125 Jahren verwendet wurde, und eine Lampe der heutigen Tage. Das Event soll am 700-er Markt stattfinden, Aufstellungsort wird der Platz sein, wo zurzeit der Riesenbierkrug steht. Der Bierkrug soll neben der Bierbrauerei aufgestellt werden. Aus „objektiven Gründen“ könnte jedoch der Termin, an dem die Beleuchtungskörper aufgestellt werden, auf den 20. November verlegt werden, wie Coriolan Gârboni, Leiter des Projekts, verkündet. (oi)

Diet Sayler stellt bei Triade aus

Am Sonntag, dem 15. November, findet in der Temeswarer Kulturstiftung „Triade“ (Martirilor-Straße, Nr. 51/45) die Vernissage der Ausstellung „Norigrame“ des in Nürnberg lebenden Künstlers Diet Sayler statt. Kuratoren der Ausstellung sind Ileana Pintilie, Livius Ciocârlie und Marcel Tolcea. Aus diesem Anlass wird auch die Monographie „Diet Sayler. La pittura non mente / Painting does not lie” („Diet Sayler. Die Malerei lügt nicht”) vorgestellt. Die Ausstellung ist bis am 9. Dezember zu sehen. Diet Sayler ist 1939 in Temeswar geboren. 1973 wandert er nach Deutschland aus. Der Künstler hat in der ganzen Welt ausgestellt und wurde 1994 mit dem „Ionel Jianu”-Preis ausgezeichnet. (as)

Gedichte aus dem Himmel geworfen
50.000 Manifeste mit Gedichten werden am 16. Dezember in Temeswar, am 14. Dezember in Jassy/Iasi und am 22. Dezember in Bukarest aus einem fliegenden Hubschrauber geworfen. Das Projekt wurde vom Künstler Mihai Zgondoiu in die Wege geleitet und steht unter dem Motto 20.rEvolution (rum. „20.rEvolu]ie”). Zehn Temeswarer Schriftsteller (Petru Iliesu, Ion Monoran, Serban Foarta, Marcel Tolcea, Ioan Craciun, Eugen Bunaru, Simona Constantinovici, Monica Stanila, Costel Stancu, Robert Serban) und zehn Autoren aus Bukarest (Mircea Dinescu, Ana Blandiana, Liviu Ioan Stoiciu, Cassian Maria Spiridon, Florin Iaru, Nicolae Prelipceanu, Denisa Comanescu, Varujan Vosganian, Cornelia Maria Savu, Dan Mircea Cipariu) unterzeichnen die Gedichte. (as)

Straße Busiasch-Lugosch generalüberholt
Die Schlaglöcher im Asphalt, die den Autofahrern auf der Route Busiasch/Buzias-Lugosch/Lugoj jede Menge Probleme bereiten, sollen im nächsten Jahr verschwinden. Die 30-Kilometer-Straße, die den Kurort mit der Stadt Lugosch verbindet, wird generalüberholt, verspricht der Temescher Kreisrat. Dies jedoch erst, nachdem die Arbeiten an der Straße Temeswar-Lugosch, die über Rekasch/Recas führt, beendet werden. Zurzeit wird dieser Straße der letzte Schliff verliehen – nach dem Beenden der Arbeiten soll eine Ausschreibung zur Bestimmung der Baufirma, die sich um die Strecke Busiasch-Lugosch kümmern wird, stattfinden. Die Generalüberholung dieser Strecke soll voraussichtlich im März 2010 beginnen, wobei sich die Gesamtinvestition auf etwa 16 Millionen Euro beläuft. (rn)

Die Stadt in Pastellfarben

Künstler schufen die „Visitenkarte“ von Temeswar/ Von Ana Saliste


Der Künstler im grünen Pullover nimmt die blaue Farbe in die Hand. Hellblau ist der Himmel über dem Temeswarer Domplatz, hellblau soll er auch in der Pastellzeichnung über die bereits skizzierte Dreifaltigkeitssäule sein. Nachdem Horia Bojin ein bisschen an der Zeichnung feilt, legt er eine kurze Pause ein und reibt sich die Hände, um sich die Finger zu wärmen. Danach schaut er sich die bunten Stifte an, die um der Zeichnung herum liegen, und entscheidet sich diesmal für Gelb. Die Gitarrenklänge von Gheorghe Fikl ertönen leise neben ihm und den anderen Künstlern, die auf den hölzernen Bänken malen. Vorbeigehende Fußgänger bleiben mindestens für ein paar Minuten stehen: Manche Musikliebhaber verfolgen konzentriert die Handbewegung auf der Gitarre. Andere blicken den Künstlern neugierig über die Schulter. Etwa so verlief die zweite städtische Pastellwerkstatt in Temeswar/Timisoara, die die Stadt an der Bega für ein paar Tage in eine Open-Air-Werkstatt verwandelte. „Ein Treffen, eine Zeichnung, ein Glas Wein... diese Werkstatt kreist um das Wort ´Freundschaft´“, äußert sich der Künstler Cristian Sida zum Projekt.


Die Künstler bei der städtischen Werkstatt am Temeswarer Domplatz

Foto: Privat


Zwölf renommierte Künstler (Ana Adam, Sorin Bijan, Horia Bojin, Elicondiu Iovan, Gheorghe Fikl, Tiberiu Giuca, Matyas Laszlo, Septimiu Sârbu, Aurelian Scorobete, Cristian Sida, Nada Stojici und Leon Vreme) haben für vier Tage ihre Werkstätte auf die Temeswarer Straßen versetzt, um die Stadt in bunten Pastellfarben zu erfassen. In der Nähe der Bega-Brücken, am Temeswarer Domplatz, in der Innenstadt – die Künstler wechselten mehrere Male den Ort ihrer improvisierten Werkstatt, um vielfältige Bilder zu malen. „Die Stadt, der Regenschirm, der Künstler, das Pastell“ war das Motto der diesjährigen Auflage. „Die Temeswarer müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass in Temeswar renommierte Künstler leben. Die Werkstatt soll auch den Architekturstil und die Stimmung der Stadt hervorheben“, sagt Stelian Cirt, Leiter der Temeswarer Kulturstiftung „Rubin“, Hauptveranstalter des Ereignisses. „Temeswar ist mein Universum, mein Zuhause, frische Luft, der Knoten, der meine Wege verbindet, die Freunde, die Häuser, die Zeichnungen – Erinnerungen mit Aprikosengeruch“, sagt Nada Stojici.
Die Technik des Pastells besteht in einer trockenen Malweise auf einem rauhen und oft auch getönten Untergrund. Durch die Farbkonsistenz sind sehr weiche Übergänge der Farbkonsistenz möglich. „Jeder Künstler verwendet diese Technik, um seine Gedanken zu skizzieren. Es ist eine Technik, die man nicht in der Schule erlernt. Sie ist eng mit dem Herbst verbunden“, sagt Horia Bojin, Bildhauer und künstlerischer Leiter des Projekts.
Die Werke sind ab morgen im Temeswarer Stadtatelier zu sehen. Die Ausstellung ist bis Ende November zu besichtigen und ist Teil des umfangreichen Kunstprojekts „Die Kunst in der Straße“, das 2003 in die Wege geleitet wurde. Hauptveranstalter des Unterfangens sind die Kulturstiftung „Rubin“ und die Temeswarer Stadtverwaltung. „Die Werke können auch als eine Visitenkarte der Stadt verstanden werden“, schließt Stelian Cirt.

DSTT mit Lesung auf Deutschland-Tournee


Literatur zum 20. Jahrestag der Revolution

bw. Temeswar - „Die Sehnsucht namens Freiheit“ betitelt sich die Lesung, die das Temeswarer Deutsche Staatstheater (DSTT) in Premiere, am 25. November, um 19 Uhr, im Studio-Saal des DSTT veranstaltet. Die Lesung zum Jahrestag der Rumänischen Revolution soll, 20 Jahre nach der politischen Wende, diesen Wandel anhand von literarischen Texten, Aussagen der Zeitzeugen aus der unmittelbaren Vor- und Nachwendezeit sowie von biographischen Rückblenden in die Privatsphäre dokumentieren. Für die Konzeption, Textauswahl und künstlerische Leitung zeichnet DSTT-Intendant Lucian M. Varsandan. Für die Übersetzung der Texte ins Deutsche zeichnete Stafette-Autorin Henrike Bradiceanu-Persem. Die Mitwirkenden sind die jungen Schauspieler Ioana Iacob, Andreea Nistor und Alex Halka. Mit diesem Programm unternimmt das DSTT am Monatsende eine Gastreise mit vier Vorführungen nach Deutschland: Je eine Vorstellung ist in München (29. November), Nürnberg (1. Dezember), Berlin (2. Dezember) und in Ulm (3. Dezember) anberaumt.
Derzeit ist das Deutsche Staatstheater mit zwei Inszenierungen am Theater-Landesfestival in Bukarest präsent. Am 15.- 22. November veranstaltet das DSTT in Temeswar/Timisoara die erste Auflage des internationalen Festivals „Eurothalia“. Mit „Komödie im Dunkeln“ von Peter Shaffer (Regie: Zeno Stanek, Wien) ist für den 12. Dezember schon die nächste Premiere programmiert.

Nach sieben Jahren: Umgehungsstraße von Temeswar (fast) fertig


Die Autobahn Temeswar - Arad soll ab 2011 befahrbar sein/ von Olivian Ieremiciu


Boc und Berceanu inspizieren die Temeswarer Umgehungsstraße

Foto: Zoltán Pázmány


Interimspremier Emil Boc und Interimsminister Radu Berceanu zeigen sich zufrieden über die Arbeiten an der Temeswarer Umgehungsstraße. Im Verlauf des Besuchs, den sie vor Kurzem in Temeswar/Timisoara abstatteten, meinten die beiden, dass die Umgehungsstraße im Dezember befahrbar sein wird. Zurzeit wird noch an der Überführung in Richtung Lugosch/Lugoj bei Remetea Mare gearbeitet. Die Temeswarer Umgehungsstraße hat insgesamt drei Überführungen und fünf Kreuzungen. Die Errichtung der insgesamt 12,6 Kilometer langen Straße dauerte sieben Jahre. „Wenigstens aus Respekt der Regierung für die Temeswarer, wird 20 Jahre nach der Revolution die Umgehungsstraße eingeweiht“, sagte Boc.
Die 12,6 Kilometer stellen ungefähr ein Viertel der Umgehungsstraße, die ganz Temeswar umringen würde. Der Teil, der in Kürze befahrbar sein soll, verbindet die Aradului-Straße mit Lugojului-Straße. Womit stark gerechnet wird, ist, dass nachdem die Straße befahrbar sein wird, die Stadt vom Schwerverkehr entlastet wird.
Die beiden Interims haben unter anderen auch den „Japanese money“ (deutsch: “japanisches Geld)“ kennengelernt. So jedenfalls nannte Berceanu den Repräsentanten der Japanischen Bank, die die Gelder für die Umgehungsstraße bereitgestellt hat.
Was die Autobahn Temeswar - Arad angeht, zeigten sich die beiden Politiker aus Bukarest zuversichtlich, dass diese bis 2011 fertiggestellt wird. Ein Problem zurzeit stellen die zahlreichen archäologischen Fundstätten dar. Auf der Strecke, die die beiden Weststädte verbindet, sind es im Kreis Arad an sechs, im Kreis Temesch/Timis sogar elf Stätten. In Kürze sollen die ersten archäologischen Untersuchungen ausgewertet werden.



Solarstrom vom Papst für Berufsschüler


Temeswarer Technisches Kolleg mit im Projekt
Von Siegfried Thiel


Was hat das Privathaus von Papst Benedikt XVI. in Pentling mit Solarstrom und Berufsschulen in Osteuropa zu tun? Bisher rein gar nichts, doch seitdem es das EU-Comenius Projekt „generation-e“ (Europa-Generation) gibt, umso mehr. Die Europa-Berufsschule in Weiden/Deutschland zieht zusammen mit ihren Projekt-Partnern Nutzen daraus, dass Papst Benedikt sein Privathaus in Pentling/Bayern zur Verfügung stellt, um auf dem Dach eine Photovoltaikanlage zu montieren. Der Erlös aus dem eingespeisten Strom kommt den Partnern aus dem Comenius-Projekt zugute: Der Schule aus Weiden, dem Technischen Kolleg „Colegiul Tehnic de Vest“ in Temeswar/Timisoara, sowie den Berufsschulen in Trebic (Tschechien), Spisska Nova Ves (Slowakei) und Oroslavje (Kroatien). Das so eingenommene Geld – geschätzte 3000 Euro pro Jahr - soll zu Austausch und Bildung zwischen und in den fünf Partnerschulen verwendet werden. Die Anlage in Pentling wird am 26. November eingeweiht. „Es ist ein wunderbares Gefühl, dabei zu sein, wenn die rumänische Fahne auf dem Haus des Papstes wehen wird”, sagt Simona Alina Lazar, Projektkoordinatorin im Temeswarer Technischen Kolleg.
„Päpstlicher Solarstrom für die berufliche Jugend Europas e.V.“ heißt der Förderverein, der eigens dazu gegründet wurde, um das Angebot zusammen mit den Projektpartnern aus den fünf Ländern umzusetzen und an die Berufsjugend aus den fünf Partnerschulen zu verteilen. Die Schüler der Europa-Berufsschule aus Weiden haben selbst Hand angelegt, der Förderverein bemühte sich ebenfalls, um dieses Projekt.



Comenius-Treffen der Partnerschulen – erste Strategien entwickeltArchivfoto: Privat


Dass sich Projekt und Förderverein nicht an Eliteschulen wenden, hat so seinen guten Grund: „Andere haben Programme und Stipendien. Wer gut ist, wird noch weiter gefördert“, sagt Pfarrer Peter Zillich, der an der Berufsschule in Weiden Religion unterrichtet. „Als Vertreter der Kirche hat man immer auch einen Blick auf die sozial Schwächeren oder in unserem Fall auch auf die weniger Begabten“, sagt der aus dem Banat stammende Geistliche. Und weil Comenius-Projektleiter Martin Krauß und Pfarrer Zillich – beide im Vorstand des Förderverein für Päpstlichen Solarstrom – an einer Berufsschule unterrichten, wollten sie sowohl die technische als auch die soziale Komponente unter einen Hut bringen. Bindeglied war der Temeswarer Unternehmer James Krachler, der einst selbst in Weiden unterrichtet hat, und heute als Unternehmer in Temeswar mit dem Technischen Kolleg vor Ort zusammenarbeitet. „Motivation und EU-Integration zugleich, für die Schüler ihrer Schule“, sieht Simona Laz²r in diesem internationalen Comenius-Projekt für Schulpartnerschaften, das die Verwendung neuer Technologien, Interkulturalität und Umweltschutz am Beispiel der Photovoltaik verbindet. Außer der technischen Komponente sei der „kulturelle Teil ganz wichtig, weil es zu einem Austausch unter Jugendlichen aus den Partnerländern kommt“, aber auch die Lehrer selbst neues hinzulernen können“, sagt Martin Krauß, Koordinator dieses Comenius-Projektes und Lehrer an der Berufsschule in Weiden. Soziale Probleme von Schülern, die in finanzielle Notlagen geraten und in der Berufsausbildung stehen, sollen mit dem Erlös aus dem „Päpstlichen Strom“ gelindert werden. Mit jährlichen etwa 3000 Euro rechnet der Förderverein. Papst Benedikt der XVI. selbst hat schriftlich zugesagt, dass der Stromerlös in den kommenden zwanzig Jahren dem Projekt zur Verfügung steht, „damit auch nach uns diese Unterstützung fortgeführt werden kann“, sagt Peter Zillich.

Der Wirtschaftskrise zum Trotz: Temeswarer Flughafen legt zu


Am Temeswarer Airport: Kein Halt vor Wirtschaftskrise
Foto: Zoltán Pázmány

Bilanzen liegen über den Prognosen der Flughafengesellschaft / Von Siegfried Thiel

Um neun Prozent ist die Anzahl der Passagiere in den ersten neun Monaten 2009 im Vergleich zur gleichen Zeitspanne des Vorjahres auf dem internationalen Flughafen “Traian Vuia” in Temeswar/Timisoara gestiegen. Die meisten wurden im August abgefertigt, als fast ein Viertel mehr ankamen und abreisten, als dies im August 2008 der Fall war. In Zahlen festgehalten, waren es im Urlaubsmonat genau 111.751 – wie aus einer Pressemitteilung der Flughafenverwaltung hervorgeht. Insgesamt wurden von Januar - Ende September 739.349 Passagiere in Temeswar registriert. Diese Steigerung bei den Passagieren kommt nicht von ungefähr: Ab Juni d.J. nahm die Zahl der gestarteten und gelandeten Maschinen stetig zu. Das bedeutendste Wachstum wurde im Juli verzeichnet, als der Flugbetrieb um 18 Prozent größer war als im Juli des Vorjahres. Der Zusatz an Passagieren und Flugzeugen geht nicht zuletzt auf die sieben Destinationen zurück, die im ersten Dreiviertel Jahr hinzu gekommen sind. Neue Verbindungen gibt es nach Perugia, Cernăuţi, Valencia, Paris, Bergamo, Treviso und Barcelona. Dazu kamen während des Sommers die Urlaubs-Charterflüge, mit denen die Gesellschaft bereits im Frühjahr gerechnet hatte. Im Gleichklang mit diesen steigenden Zahlen liegen auch Einnahmen und Ausgaben der Temeswarer Flughafengesellschaft. Der Umsatz in den ersten drei Trimestern ist um zehn Prozent gestiegen. Die Gesamteinnahmen stiegen um 16 Prozent, die Ausgaben gingen ihrerseits um 33 Prozent gegenüber 2008 nach oben. Aus Eigenmitteln hat die Gesellschaft in Flughafenüberwachung, in neue Gebäudeflügel und in die Erneuerung der Rollbahn investiert. „Die Passagiere bleiben wegen der Wirtschaftskrise weg”, so ähnlich klangen Anfang des Jahres die Meldungen über den Internationalen Flughafen Traian Vuia in Temeswar – nach Optimismus sah das nicht aus. Die Statistiken vom ersten Quartal widerlegten bereits solche anfänglichen Hiobsbotschaften und nach neuen Monaten liegen die Zahlen sogar über dem, was sich die Flughafenverwaltung als Jahresdurchschnitt ausgerechnet hatte. Die ersten vier Monate 2009 bedeuteten für den Flughafen Traian Vuia in Temeswar zwar ein Wachstum, was die Zahl der absolvierten Flüge betrifft, bei der Anzahl der durchgereisten Passagieren war jedoch Stagnation angesagt. Genau genommen: In der Zeitspanne Januar – April 2008 waren es gar knappe einhundert Durchreisende mehr. Carmen Stoica aus der Pressestelle des Flughafens sagt, dass bereits im April die Tendenz in Sachen Passagierpräsenz steigend gewesen ist. Der Umsatz erwies sich im ersten Trimester diesen Jahres um 13 Prozent über dem Niveau des vergangenen Jahres. Für das Gesamtjahr 2009 erwartete die Flughafenverwaltung einen Anstieg der Flüge um drei Prozent und sieben Prozent mehr Fluggäste als 2008.

Schweinegrippe-Alarm im Kreis Temesch




Impfung gegen Schweinegrippe, ab Ende November auch in Rumänien Foto: Zoltán Pázmány

Beamte müssen Mundschutzmasken tragen

Atemnot, Schnupfen, Fieber, Hals- und Kopfschmerzen – ob es sich um eine einfache saisonale Grippe handelt oder ob es die befürchtete Schweinegrippe ist – dazu können nur Laborbefunde eine genaue Antwort geben. Labors in Bukarest, die derzeit überfordert sind. Das Schweinegrippe-Virus beunruhigt seit Monaten die Menschen in aller Welt. Wie gefährlich AH1N1 wirklich ist, kann nur andeutungsweise ermessen werden. Mit der Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Juni, die höchste Pandemiestufe, sechs, auszurufen, wurden in den letzten Monaten Milliarden Euro für Medikamente und Impfstoff ausgegeben. Impfstoff, dessen Wirkung noch Zweifel unter Experten hervorruft. Nun wird auch die Alarmstufe der WHO in Frage gestellt.
Experten kritisieren, dass die WHO vor der Entscheidung im Sommer ihre Definition einer Pandemie geändert hat. Das Kriterium, dass davon erst bei einer hohen Zahl von Todesopfern zu sprechen sei, wurde auf der Internetseite der WHO geändert, steht in der deutschen Zeitschrift „Der Spiegel“. Das aus dem Schwein stammende H1-Eiweiß, das mit dem aktuellen Schweinegrippevirus jetzt auch zum Menschen übertragen wurde, unterscheidet sich vom H1 der saisonalen Grippeviren nur um etwa 25 Prozent, schreibt die Zeitschrift weiter. Das Virus sei also nicht viel gefährlicher als eine saisonale Grippe. Je nach Schwere der saisonalen Grippe sterben an einer solchen jedes Jahr schätzungsweise 40.000 Menschen in der EU. Trotzdem schlägt die EU-Kommission Alarm, was die Schweinegrippe angeht: Jeder dritte Europäer könnte nach Angaben der Kommission an der Schweinegrippe erkranken. 5.000 Menschen in 195 Ländern sind nachweislich bisher an ihr gestorben. Die Erklärung der Experten: Pandemieviren sind neu entstandene Erreger und dem menschlichen Immunsystem deswegen unbekannt – deshalb ist die Menschheit ihnen so schutzlos ausgeliefert.

In Rumänien wurde das Virus bei nahezu 800 Personen nachgewiesen. Acht Personen wurden in der vergangenen Woche allein in Temeswar/Timisoara mit AH1N1 diagnostiziert. Die große Anzahl an Erkrankungen ist auf das Eindringen des Virus in Schulen und öffentliche Institutionen zurückzuführen. Das Temescher Polizeiinspektorat teilte vor Kurzem mit, dass alle Beamten in Temeswar, die mit dem Publikum arbeiten, Mundschutzmasken tragen müssen.
In allen rumänischen Krankenhäusern wurde Quarantäne angesagt und der Patientenbesuch seitens der Angehörigen limitiert. „Wir können nicht genau sagen, bis wann die Quarantäne dauern wird. Ich glaube, sie wird für die gesamte kalte Saison gültig sein“, sagt Dana Spac, Pressesprecherin des Temescher Gesundheitsamtes. „Es wurden auch separate Eingänge für Notfälle eingerichtet. Wenn jemand mit Grippesymptomen kommt, wird er durch einen separaten Eingang eingewiesen“, erklärt Dana Spac.
Ausschüsse zur Grippebekämpfung wurden bereits in jeder Schule ab September gegründet, so die Vorschrift des Gesundheitsministeriums. Wenn Schüler Krankheitssymptome aufweisen, müssen sie zum Facharzt. Mundschutzmasken wurden in den Temeswarer Schulen noch nicht verteilt. „Wir wissen noch nicht, wie diesbezüglich vorgegangen wird. Entweder wir bekommen die Masken für die Schulen direkt aus Bukarest oder es wird dafür Geld zugeteilt und wir kaufen sie von hier”, sagt Spac. Die Schutzimpfungskampagne gegen die neue Grippe beginnt am 26. November. Rumänien gehört zu den acht EU-Staaten, die die Impfung selbst produzieren. Hätte unser Land die Impfung importieren müssen, so hätte man den Wirkstoff erst Anfang 2010 bekommen und (angeblich) zu einem viel höheren Preis.
Ana Saliste


Diebstahl als Tischtennisball

Keiner will schuld sein an gemeinschaftsgefährdenden Diebstählen/ Von Werner Kremm

Reschitza
– Die sich wieder häufende Zahl an Dienstählen von Eisen aus in Betrieb befindlichen Anlagen bewog die Leitung des Reschitzaer Hüttenwerks TMK, sich an Polizei, Präfektur, Stadt und Kommunalpolizei zu wenden und um Unterstützung durch erhöhte Wachsamkeit zu bitten. Die Reaktionen auf das Schreiben der TMK-Leitung waren unterschiedlich, grundsätzlich jedoch mit einem einzigen Tenor: „Bewacht euch euer Eisen selber!“
Leider ist das nicht so einfach. Denn das Eisen, das das Stahlwerk sich besser selber bewachen soll, befindet sich zwar auf Grundstücken von TMK, diese sind aber nicht eingezäunt (Und was würde sich ändern, wenn sie es wären? Schrottdiebe haben sich vor einigen Jahren direkt aus dem umzäunten Hof des Werks bedient und mit den Wachtleuten Schlägerei-Scharmützel geliefert.) und also von überall aus Reschitza/Resita zugänglich. Will sagen: Alle Ordnungskräfte haben ihren Anteil an der Verantwortung, zumal die Diebstähle, wie weiter unter ersichtlich, die Öffentlichkeit in der Stadt gefährden.

Kann Schrott identifiziert werden?
Die erste und offensichtlichste Verantwortung tragen die Ankaufstellen für Alteisen, die wahllos aufkaufen, was ihnen angeboten wird. Das war schon so, als sie die Kanaldeckel von Reschitza ankauften, die keuchend von Zigeunerkindern und Gelegenheits-Schrottsammlern angeschleppt wurden. Seit nun in fast ganz Reschitza die eisernen Kanaldeckel durch welche aus Stahlbeton ersetzt wurden, haben die am Rande der Gesellschaft lebenden sich umorientiert. Sie zerschneiden stählerne Stützpfeiler von Wasserleitungen, die zu lebenswichtigen Betrieben führen und sie bringen das Leben der Stadt in Gefahr. Weitgehend bewusst.
„Wir sind in der Situation der Havarie der Zuleitungsrohre von Sekuler Stausee zum 10.000-Kubikmeter-Wasserbehälter für Reschitza, von wo aus sich das städtische Heizkraftwerk CET Energoterm, das Maschinenbauwerk UCMR, die Sauerstofffabrik der Firma „Messer“ und das Stahlwerk TMK versorgen. Die Stützpfeiler der Zuleitung vom Sekuler Stausee befinden sich auf dem Gelände des ehemaligen Kokschemischen Werks UCC im Terova-Tal. Sie sind zersägt worden und wir arbeiten jetzt mit Havariestatus, weil die Zuleitungsrohre verbogen und teilweise zerstört sind. Selbst die Eisenbrücke zur Kontrolle der Leitungen von Oben her ist gestohlen worden, so dass dort kaum noch Leitungsinspektionen durchgeführt werden können. Es ist das vierte Mal in diesem Jahr, dass die Zuleitung den Dieben zum Opfer fiel.“

Die Leitung des Reschitzaer Hüttenwerks fordert Unterstützung von der Polizei, um die Schrottdiebe zu fassen.

Foto: Zoltán Pázmány

Besitzer und Diebe als Opfer
Das Schreiben der TMK-Leitung ist insofern fair, als es die Schuld an der Havariesituation nicht den Dieben direkt in die Schuhe schiebt. Die machen es aus Not und wenn sie erwischt werden, bezahlen sie dafür mit ihrer Freiheit. Aber: „Die Aufkaufgesellschaften für Schrott ermutigen diesen Vandalismus, indem sie krass die Gesetzgebung ihres Tätigkeitsbereichs übertreten.“ In der Logik der Sache muss aber auch weitergefragt werden: weiß das Stahlwerk nicht, von wem es Schrott ankauft? Und können diejenigen, die in der Schrottwirtschaft des Stahlwerks tätig sind, nicht die Schrotthändler identifizieren, die ihnen erkennbare Teile abgesägter Träger der Wasserleitung oder einer Eisenbrücke verkaufen? Quasi wird der Geprellte damit ja doppelt geprellt.
Da kommt auch die warnende Drohung des Stahlwerks fast schon komisch an: „Wir teilen Ihnen mit, dass, sollte der Füllstand des Wasser-Rückhaltebeckens unter sein Minimalniveau sinken, wir gezwungen sein werden, die Wasserversorgung der aufgezählten Unternehmen zu stoppen.“ Also auch des Stahlwerks TMK? Das sich also hiermit selber den Wasserhan zudrehen würde.
Den Ping-Pong-Ball schickt der amtierende Polizeichef von Reschitza, Polizei-Chefkomissar Cornel Bajau, umgehend zurück: „Wir haben das TMK-Schreiben erhalten. Wir haben bei TMK wiederholt Kontrollen durchgeführt bezüglich von Risikosituationen. Und festgestellt, dass sie nicht ins Wacht-Optimum eingereiht werden können. Die Vertragsfirma, die für ihren Wachtdienst verantwortet, ist personell unterbesetzt. Uns bleibt jetzt nichts anderes übrig, als die Diebe zu stellen, die Eisen stehlen.“

Der Herr Präfekt verfügt

Präfekt Octavian Tunea: „Nachdem das Schreiben bei mir anlangte, habe ich verfügt, dass das Polizeiinspektorat und das Rathaus Reschitza die Situation untersuchen und geeignete Maßnahmen treffen. Zugleich habe ich Maßnahmen eingeleitet, damit die Firmen, die sich mit Schrotthandel beschäftigen, keine identifizierbaren Objekte mehr annehmen, von denen anzunehmen ist, dass sie von öffentlichem oder privatem Interesse sind. Das Kreisinspektorat der Polizei hat mir durch seine schriftliche Antwort versichert, dass es Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen im Stahlwerk TMK und auf dessen Gelände durchführen wird.“
Das Rathaus Reschitza hat die ihm unterstellte Kommunalpolizei angewiesen, im Bereich der Diebstahlversuchungen – das ist nachgewiesernermaßen jedes Gelände, unabhängig von seinem Besitzer, wo es in Betrieb befindliche oder abgestellte Eisenkonstruktionen gibt - seine Kontrollen zu intensivieren. Präfekt Tunea: „Wir müssen uns implizieren, denn, obwohl es sich bei TMK um eine private Firma handelt, arbeitet sie doch auf dem Gebiet unseres Verwaltungskreises.“
Ja, und die Diebe sind Bürger von Reschitza – was sogar dem Präfekten bekannt sein müsste.




19. Blues-Jazz Gala in Temeswar

Spitzenauftritt: Sir Blues und Sascha Bota / Von Raluca Nelepcu


„Der Blues ist wie der Stein. Er hilft dir, über den Fluss zu kommen, ohne nass zu werden“. Die Worte von Jimmy Hendrix sind „die beste Definition des Blues“, sagte Vali Racila, der „Sir Blues“ Rumäniens, am Samstagabend in Temeswar/Timisoara. Er sang von Leid und Liebe, von Trauer und Glück – von Leben. Drei Gitarren wechselte der Blues-Mann während seines Auftritts - das Publikum lauschte atemlos seiner musikalischen Darbietung. Dann wurden die Musikliebhaber aufgefordert, mitzusingen. „If you ain´t got no money, you gonna lose your honey“ – „Wenn du kein Geld hast, wirst du deine Liebe verlieren“: Die Texte der Songs lockten ein Lächeln auf die Gesichter im Saal.




Sir Blues Vali Racila wechselte drei Gitarren während seines Auftritts.



Am Wochenende fand in Temeswar die 19. Blues-Jazz Gala statt. Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung von Béla Kamocsa, dem Lead-Sänger der Bega Blues Band, der im Dezember seinen 65. Geburtstag feiert. Mit Unterstützung des Kommunalrats und der Staatsphilharmonie „Banatul“, ganz ohne Sponsoren, so wurde die bereits zur Tradition gewordene Gala im Capitol-Saal mitten in der Stadt organisiert. Moderator des Events war, wie schon seit Jahren gewohnt, Florian Lungu, in der rumänischen Jazzszene als „Mosu“ bekannt.
Insgesamt sechs Musiker/Gruppen – jeweils drei pro Abend – bildeten den Line-Up der Gala. Das Puiu Pascu Trio eröffnete die Konzertreihe am Samstag. Auf die Bühne trat Puiu Pascu zusammen mit den beiden Söhnen der verstorbenen Jazz-Sängerin Anca Parghel, Ciprian (Kontrabass) und Tudor (Schlagzeug). Ein Lied im Bossa-Nova-Stil, einer brasilianischen Musikrichtung, bot das Trio zum Schluss seines Auftritts und ergatterte reichlich Applaus. Es folgte die Temeswarer Bega Blues Band, die zwei Musiker zu Gast hatte: den Gitarrenspieler Mircea Bunea und Sascha Bota, den Sohn von Bass-Spieler Johnny Bota, der an der elektrischen Geige die Band seines Vaters begleitete. „Er ist halb so alt wie sein Vater und hat die halbe Geige seines Vaters dabei“, stellte ihn Florian Lungu vor, der gleich noch ein paar Witze auf Lager hatte. Den ersten Konzertabend rundete das Grencso Quartett aus Budapest, Ungarn, ab – eine Gruppe, die viel improvisierte und damit das Publikum sofort eroberte.



Sascha Bota (rechts) spielte zusammen mit der Band seines Vaters Johnny Bota (links).

Fotos: Raluca Nelepcu


Für den zweiten Konzertabend waren ebenfalls drei Musiker/Gruppen anberaumt: Vali Racila, das Teodora Enache Trio und die Gruppe Quantum Field aus Novi Sad, Serbien. Sir Blues spielte auch in diesem Jahr zusammen mit Sascha Bota. Es war der einzige Auftritt, der die Zuschauer von ihren Sitzen riss und sie zum mitsingen bewog. Teodora Enache, von Florian Lungu „Nachtigall der Karpaten“ genannt, bekam viel Beifall. Der letzte Auftritt war jener der serbischen Gruppe Quantum Field, die für wenige, aber dafür „echte“ Jazzliebhaber spielte. Viele hatten den Saal noch vor Mitternacht verlassen.


Fotografische Reise durch die Donauländer

Schüler aus Temeswar und Arad mit dabei

Die Reise begann in Deutschland und führte durch Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien und die Ukraine. Es war allerdings eine fotografische Reise, dargestellt von 270 Schülern aus den neun Ländern, die die Donau durchfließt. 30 analoge Einwegkameras wurden von Land zu Land befördert, von Schule zu Schule, von Kinderhand zu Kinderhand. Das Projekt wurde von Christine Frick in die Wege geleitet und gewann den „nachbarschaft.moe“-Wettbewerb, der vom MitOst-Verein in Zusammenarbeit mit der Schering-Stiftung ausgeschrieben worden war. Mit von der Partie, 17 Fünftklässler des Nikolaus-Lenau-Lyzeums in Temeswar/Timisoara und 26 Schüler des Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeums in Arad. Auf ihrer Reise nach Orschowa/Orsova begleitete sie der Lehrer Martin Schwägerl.
Das Ergebnis des Ausflugs an die Donau wurde vor einer Woche in der Lenau-Schule vorgestellt. Im Festsaal wurden die Banner mit den aufgenommenen Bildern aufgehängt und die Fotos, die das „Making of“ des Projekts dokumentieren, ausgestellt. „Ich hoffe, dass diese Reise ein Anfang für weitere Kontakte ist, dass auch auf institutioneller Ebene eine Brücke entsteht. Konkret geht es um Schulpartnerschaften“, sagt Martin Schwägerl. Während der Busfahrt konnten sich die Schüler auch an einem Quiz beteiligen. „Wen stellt die Skulptur an der Donau dar?“ oder „Nach welchem Modell wurde das alte Theater in Orawitza gebaut?“ waren Fragen, die die Fünftklässler beantworten mussten. Die besten Schüler wurden mit Preisen belohnt.






Christine Frick erklärt, wie das Projekt „donauabwärts“ entstanden ist.Foto: Zoltán Pázmány


Es waren Schüler deutscher Schulen und Bildungseinheiten, an denen verstärkt Deutsch unterrichtet wird, die mitmachten. Projektleiterin Christine Frick beförderte die Kameras von einem Land zum anderen. Die Schüler arbeiteten in Dreiergruppen, wobei jeder Teilnehmer drei Bilder knipsen durfte. „Es war sehr schön, weil viele Kinder dabei waren. Wie haben uns gegenseitig kennengelernt“, sagt Lisa-Marie Luncz. „Es war gar nicht schwierig, wir mussten je drei Fotos schießen“, erklärt Andrei Ardelean. Beide besuchen die sechste Klasse des Nikolaus-Lenau-Lyzeums in Temeswar. Die Arbeit mit der Kamera gefiel den Teilnehmern, weil sie „interessant und kreativ“ war. „Mir ist klar geworden, dass 20 Jahre seit dem Fall des Eisernen Vorhangs vergangen sind, weil die Kinder nicht mehr wussten, wozu der Drehknopf an der Kamera verwendet wird“, sagt Christine Frick. Damit wird der Film vorgespult, was den meisten Schülern unbekannt war.
Das donauabwärts-Projekt soll diese Woche auch in Arad vorgestellt werden. Es besteht der Wunsch, ein Geräusch-Projekt ins Leben zu rufen. Dabei sind Kinder gefragt, Geräusche in ihrer Umgebung aufzunehmen.
Raluca Nelepcu

Städteranking: Arad auf Platz zehn


Gute Plazierung westrumänischer Metropolen

Arad - Laut einer vor Kurzem veröffentlichten Studie der Zeitschrift „Capital“ ist das Leben in den Städten immer noch dem Leben auf dem Lande vorzuziehen. Dies jedenfalls, wenn es um Sachen Komfort geht. In der besagten Studie belegt Arad den zehnten Platz. Im Ranking ist Temeswar/Timi{oara sogar auf dem zweiten Platz der Städte, in denen es sich zu wohnen lohnen würde. Den ersten Platz belegt Bukarest.
Im Vergleich zu der Statistik von 2006 sind die Tendenzen relativ gleich geblieben. Die Städte aus Westrumänien und aus Siebenbürgen plazierten sich auch diesmal vor denen aus Südrumänien.
Arad belegte in dieser Studie den fünften Platz in Sachen Infrastruktur und Mobilität. Andererseits gibt es auch etwas weniger erfreuliche Aspekte zu verzeichnen: Die Stadt an der Marosch/Mure{ ist eine der letzten im Ranking, wenn es um Grünanlagen geht.
Bukarest ist in gleich fünf Sparten führend: Gesundheitswesen, Transport, Bildung, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsmarkt. Und dies obwohl in der Hauptstadt Rumäniens die Lebenskosten die höchsten im ganzen Land sind und überfüllte Straßen den meisten Einwohnern tagtäglich zu schaffen machen. Klausenburg/Cluj-Napoca hat die Höchstnote für die Bereiche Handel, Freizeitaktivitäten und Gesundheitswesen bekommen.
Boto{ani liegt vorne in Sachen niedrige Lebenskosten, Drobeta Turnu Severin hat Glück mit seinem milden Klima. Trotz gutem Klima ist Drobeta Turnu Severin am Ende des Rankings zu finden, unter anderem hat die Stadt großen Bedarf was Freizeitbeschäftigung angeht.Jene, die Sicherheit auf der Straße suchen sollten – falls sie sich nach dieser Statistik richten - nach Ploie{ti umziehen: Die Stadt hat nämlich eines der niedrigsten Verbrechensraten in Rumänien.
Am anderen Ende der Rangliste befinden unter anderen Baia Mare, das wegen der erhöhten Umweltverschmutzung Punkte verloren hat. Piatra Neam] wurde von der Lage des Arbeitsmarkts nach unten gezogen.
Das Ranking sieht wie folgt aus: Bukarest, Temeswar, Klausenburg/Cluj, Constan]a, Jassy/Ia{i, Hermannstadt/Sibiu, Kronstadt/Brasov, Großwardein/Oradea, Neumarkt/Târgu Mure{, Arad. Die Rangliste wurde mit Städten, die über 100.000 Einwohner zählen, aufgestellt.
Was die Bewertung anbelangt, wurden zwölf Kriterien verwendet: Arbeitsmarkt (Arbeitslosigkeit und Gehälter), Wettbewerbsfähigkeit in der Wirtschaft (BIP und Export), Infrastruktur in Sachen Transport (Auf Straßen, Schienen, in der Luft und im Nahverkehr), Gesundheitswesen, Bildung, Lebenskosten, Freizeitaktivitäten, Handel, Umwelt, Klima, öffentliche Sicherheit (Verbrechensrate) und Höhe der Kommunalsteuern.
Olivian Ieremiciu


Arad vorne in der Infrastruktur, abgeschlagen bei den Grünanlagen
Foto: Zoltán Pázmány

Schule wegen Schweinegrippe geschlossen


Zwei Fälle auch im AMG-Lyzeum nachgewiesen

Arad – Die erste Schule aus dem Kreis Arad wird wegen der Schweinegrippe geschlossen. Drei Schüler des Araders Nationalkollegs „Moise Nicoar²“ wurden mit der Krankheit diagnostiziert. Die Schule wurde eine Woche lang geschlossen, um eine weitere Ansteckung mit dem Virus der neuen Grippe, AH1N1, zu vermeiden.
Der erste Fall von neuer Grippe in den Arader Schulen wurde vergangene Woche bei einem Schüler des Nationalkollegs „Moise Nicoar²“ nachgewiesen. Ein Schüler der 9. Klasse war es, der sich mit dem Virus AH1N1 von einer Schülergruppe aus England angesteckt hat. Andere 16 Personen werden verdächtigt, sich angesteckt zu haben. Nun wurden insgesamt drei Fälle innerhalb des Nationalkollegs nachgewiesen. Die Schule bleibt sieben Tage, bis Freitag, geschlossen. In der Zwischenzeit soll die Schule gemäß der Hygienemaßnahmen des Gesundheitsministeriums desinfiziert werden, sodass die Schüler in Sicherheit wieder den Unterricht beginnen können.
Zwei weitere Fälle wurden auch im Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeum nachgewiesen. Zwei Neuntklässler, die sich zusammen mit den Schülern der „Moise Nicoar²“-Kollegs am internationalen Theaterfestival „Amifran“ beteiligt haben. „Noch wurde die Schule nicht geschlossen. Die Schüler kommen aus verschiedenen Klassen, so dass nur diese zwei IX. Klassen geschlossen wurden. Alle Schüler dieser Klassen wurden für eine Woche nach Hause geschickt. Auch Schüler anderer Klassen haben sich am Theaterprojekt beteiligt und sind mit Schülern aus anderen Länder in Kontakt gekommen. Diese zeigen aber noch keine Symptome auf. Wenn noch ein Fall auftaucht, wird die Schule ganz bestimmt geschlossen“, sagt Michael Szellner, Leiter der Arader AMG-Schule. Zurzeit wurden in der AMG-Schule Schutzmasken an alle Lehrer verteilt. Sie müssen sie nur dann benutzen, sagt Schulleiter Szellner, wenn sie die Klassen wechseln.
Bis zum Redaktionsschluss der Banater Zeitung betrug die Zahl der Angesteckten insgesamt 32 Personen – 21 Kindern und elf Erwachsene. Fünf davon mussten ins Krankenhaus eingewiesen werden, um spezielle Behandlung gegen der neuen Grippe zu bekommen. Keiner davon litt an Komplikationen der Krankheit.
Künftig könnten auch andere Schulen und Kindergärten aus Sicherheitsgründen geschlossen werden, damit die Ansteckung mit dem Virus AH1N1 gestoppt werden kann.
Andreea Oance