Klaus Christian Brennecke (46) ist seit dem 1. Oktober als deutscher Konsul in Temeswar/Timisoara im Amt und möchte weitere fünf Jahre hier tätig sein. Über seine ersten Eindrücke und über seine beruflichen Zukunftsvorstellungen sprach BZ-Redakteurin Andreea Oance mit dem neuen Konsul.
Konsul Brennecke: „Rumänien bietet viel mehr als Sie erwarten.“
Sie sind seit Oktober als deutscher Konsul in Temeswar im Amt. Was haben Sie für die Jahre, die sie hier verbringen werden, vor?
Der Luxus, den ich hier erlebe, ist, dass ich zu einem Posten gekommen bin, in einer Stadt und in einer Region, in der man schon ungeheuer viel vorfindet. Ich freue mich über ein äußerst hohes Niveau der bilateralen Zusammenarbeit. Ich bin natürlich am Anfang meiner Tätigkeit und immer noch dabei, mich zu orientieren, d.h. meine Zeit verbringe ich im Moment damit, dass ich Kontakte knüpfe und jeden Tag neue Partner kennenlerne. Auf dieser Weise möchte ich mir langsam ein Bild von dem verschaffen, was es auf Ebenen der Zusammenarbeit hier gibt und was man daraus machen kann. Ich werde sehr froh sein, wenn wir das gegenwärtige Niveau halten können. Schließlich sind unsere Länder längst Partner in der EU und die Zusammenarbeit insofern ist ja gar nichts Spektakuläres, sondern eigentlich eine politische Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit.
Rumänien - das hat sich eigentlich aus meinem ersten Posten ergeben. Das war Budapest, fast fünf Jahre, unmittelbar nach der politischen Wende und im Anschluss daran Sofia, Bulgarien, für weitere vier Jahre. Wenn man sich die Geographie anschaut, ist Rumänien das dazwischen gelegene Land und es war irgendwie das, was mir als Erfahrung noch fehlte. Die Vorstellung Europas als Ganzes finde ich sehr faszinierend: so viele verschiedene Sprachen, Kulturen und religiöse Prägungen. Darum hatte ich schon nach der Erfahrung mit Ungarn und Bulgarien eine große Neugier, nach Rumänien zu kommen. Rumänien ist ein von der Orthodoxie geprägtes Land, aber gleichzeitig der östlichste Staat, in dem eine romanische Sprache gesprochen wird. Nun ist Temeswar und das Banat innerhalb Rumäniens besonders faszinierend, vor allem wegen der in Jahrhunderten gewachsenen Kultur und Multikulturalität sowie dem friedlichen Zusammenleben der Minderheiten. Das ist eine Art Musterbeispiel für einen europäischen Prozess des Zusammenwachsens. Es ist also schon über zehn Jahre her, dass diese Idee in mir gewachsen ist. Ich habe mich immer wieder bemüht, einen Posten in Rumänien zu bekommen und es hat sich im letzen Jahr ergeben, dass ein besonders attraktiver Posten frei wurde - der des Konsuls hier in Temeswar. Ich bin glücklich, hier zu sein.
Wie finden Sie Temeswar im Vergleich zu den anderen Städten, wo Sie tätig waren?
Die Multikulturalität ist selbstverständlich, die habe ich bereits erwähnt. Das ist etwas, was man spürt. Man trifft Menschen, die bilingual sind, manche sogar dreisprachig und völlig problemlos zwischen ihren mehreren Muttersprachen, sozusagen, wechseln. Allein das ist schon faszinierend. Die Stadt findet man schon überaus charmant vor, aber natürlich im Vergleich zu den Städten, die Sie bereits erwähnt haben, ist die Stadt schon ziemlich klein. Temewar ist zwar die „Metropole des Banats“ - ich hoffe, dass ich jetzt nichts Falsches gesagt habe - aber dennoch im Vergleich zu den Millionenstädten, wo ich war, ist Temeswar eine überschaubare Stadt. Man kann vieles zu Fuß erledigen, das Zentrum ist kompakt und unser schönes Konsulat liegt auch sehr günstig hier am Bega-Ufer mit Blick auf die Kathedrale. Die Wege zu unseren Partnern sind ja gar nicht lang, das ist auf jeden Fall ein Vorteil im Vergleich zu den großen Metropolen, wo man schrecklich viel Zeit damit verbringt, von einem Punkt zu dem anderen zu kommen. Die Stadt ist zwar klein, doch sie wirkt nicht provinziell. Für einen Menschen, der immer in großen Städten gelebt hat, hatte ich schon ein bisschen Bedenken – hoffentlich wird es mir nicht langweilig! Nun sehe ich, dass das kulturelle Angebot vielfältig und reichhaltig ist, dass jemand wie ich, der sich für Theater und Musik interessiert, kaum einen freien Abend haben wird.

Ihr Vorgänger war sehr beliebt in Temeswar. Wie schwer fällt es Ihnen, in seine Fußstapfen zu treten?
Erstens ist es ja ein sehr großes Glück, dass ich einen Vorgänger hatte, der sehr beliebt war. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es anders gewesen wäre. Es ist natürlich für mich viel leichter, auf die erfolgreiche Arbeit meines Vorgängers aufzubauen. Um ehrlich zu sein: Ich habe gar keine Angst oder ein ungutes Gefühl und denke auch nicht, dass es schwer sein wird, daran anzuschließen, denn zur Professionalität in unserem Beruf gehört, dass wir alle sozusagen auch ersetzbar sind. Natürlich, wenn ein Konsul, wie im Falle meines Vorgängers, fünf Jahre an einem Ort war, mit dem er sich identifiziert hat, äußerst engagiert und ungeheuer fleißig jahrelang gearbeitet hat, dann wird natürlich der Nachfolger schon daran gemessen. Andererseits ist das Amt des Konsuls unabhängig von der Person, d.h. ein Nachfolger hat unter Umständen einen anderen Stil und wird sicherlich manche Sachen auch anders machen – das sehe ich völlig wertneutral. Ich habe nicht vor, irgend jemanden zu imitieren, sondern ich möchte authentisch sein. Ich möchte während der Zeit dieser Arbeit meinen persönlichen Stempel aufdrücken, aber ich habe momentan keinen konkreten Plan dafür.
Welche Projekte Ihres Vorgängers werden Sie fortsetzen?
Es gehört zur Professionalität, dass man keinen abrupten Wechsel herbeiführt oder sagt „hiermit ist Schluss, alles wird jetzt neu gemacht“. Es ist ein äußerst normaler Wechsel im Rahmen der Rotation im diplomatischem Dienst in der Person des Behördenleiters, nichts weiter. Es ist nicht wie bei einem Regierungswechsel, wenn unter Umständen eine andere politische Richtung die Macht übernimmt und jetzt sagt, wir kommen mit einem neuen Programm. Es ist selbstverständlich, dass man fortführt, was begonnen worden ist.
Wie interessant ist noch Rumänien für die deutschen Investoren, vor allem, da die ganze Welt nun von der Wirtschaftskrise betroffen ist?
Die Wirtschaftskrise ist an keinem Ort dieser Welt spurlos vorbeigegangen. Rumänien bleibt nach wie vor hoch attraktiv gerade für deutsche Investoren auf Grund harter Standortfaktoren, die auch von einer Krise nicht wegradiert werden können. Zum Beispiel die geographische Lage ist krisenunabhängig, die Nähe zu Deutschland, die gute verkehrstechnische Anbindung, die insbesondere auch im Vergleich zu anderen Regionen Rumäniens sehr günstig ist. In der Region gibt es trotz der hohen Beschäftigungszahl, die selbst zu Krisenzeiten noch nah an der volkswirtschaftlich definierten Vollbeschäftigung liegt, immer noch qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte, also ein Potenzial, auf das ein Investor bauen kann. Und natürlich ein sehr wichtiger Faktor ist die Stellung und Verbreitung der deutschen Sprache.
Wenn Sie für Temeswar Werbung in Deutschland machen müssten, wie würde der Text lauten, um Temeswar bzw. Rumänien attraktiv zu beschreiben?
Ganz spontan fällt mir ein Werbeslogan ein, den leider schon jemand anders gefunden hat. Ich würde sagen: „Rumänien - oder gerne auf Temeswar eingegrenzt - viel mehr als Sie erwarten!“ In Deutschland herrscht leider noch viel Unwissen über Rumänien. Es gibt Vorurteile, die sich auf uralte Zeiten beziehen, die längst überwunden sein müssten, die sich aber irgendwie hartnäckig in den Köpfen eingenistet haben. Andererseits habe ich bemerkt, dass diejenigen, die dieses Unwissen haben, meistens überhaupt noch nie in Rumänien gewesen sind. Diese äußern ihre Meinung, die gar nicht freundlich ist, obwohl sie das Land überhaupt nicht kennen. Umgekehrt: Diejenigen, die ich getroffen habe und die in Rumänien waren, die sind ausnahmslos von diesem Land begeistert. Das finde ich großartig! Die Kenntnis muss erweitert und der Tourismus gefördert werden, um Rumänien auch für breitere Massen attraktiv zu machen. Das Land muss einfach besucht werden, um eine positive Meinung zu entwickeln und Vorurteile abzubauen. Um das Interesse zu wecken, würde ich sagen: „Rumänien bietet viel mehr als Sie erwarten!“
Fotos: Zoltán Pázmány











