Mittwoch, 30. Juni 2010

Juventus-Preisverleihung in der „Triade“

Willi Gromatzki, Petrica Stefan, Peter Hochmuth und Sorina Jecza bei der Juventus-Preisverleihung
Foto: Zoltán Pázmány


Thema des diesjährigen Wettbewerbs war das Porträt

Die Temeswarer Kulturstiftung „Triade“ lud am Sonntag alle Kunstliebhaber zur achten Juventus-Preisverleihung ein. In einer feierlichen Atmosphäre und mit viel guter Laune überreichten Peter Hochmuth, Präsident des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Banat, Sorina Jecza, Leiterin der „Triade“-Stiftung, und Clubmitglied Willi Gromatzki die Preise an die jungen Künstler. Thema des diesjährigen Kunstwettbewerbs, den die Stiftung jährlich in Zusammenarbeit mit dem Deutschsprachigen Wirtschaftsclub organisiert und als Ziel die Förderung der Nachwuchskünstler hat, war das Porträt. „Die Porträtmalerei war für viele Künstler eine Form, wodurch sie ihr Geld verdienen konnten. Rembrandt oder Rubens können nicht unbenannt bleiben. Diese Malereiform ersetzte damals die noch fehlende Fotografie, die Motivation war aber die gleiche: sich sehen und sich zeigen lassen“, erläutert Jurymitglied Willi Gromatzki das diesjährige Thema. „Das Porträt ist ein Thema, das man eigentlich ziemlich schwer aufgreift, denn man stellt sich immer wieder die Frage: Worauf muss man mehr achten, auf Kreativität oder auf Ähnlichkeit?“, fügt Cristian Sida, Lehrkraft an der Temeswarer Kunsthochschule, hinzu.
Neun Künstler wurden in diesem Jahr mit Auszeichnungen bedacht. Der erste Preis ging an Petrica Stefan, für sein in warmen Ölfarben geschaffenes „Selbstporträt“. „Es ist ein Selbstporträt, das viel mehr einen Zustand und nicht einen Gesichtsausdruck oder ein Gefühl vemitteln soll. Es handelt sich nicht um Traurigkeit oder Glück, sondern um den Zustand des Malers bei der Arbeit und wie er in seinem Schaffen alles andere um sich herum vergisst“, erklärt der Künstler. Die Kunststudenten Daniel Brici und Alexandru Baciu wurden mit dem zweiten bzw. dem dritten Preis ausgezeichnet. Magdalena Marculescu, Austrian Airlines-Vertreterin in Temeswar/Timisoara, hat die Werke von Stefania Becheanu und Ionua Vacareanu mit jeweils einem Sonderpreis ausgezeichnet. Die Ehrenpreise der Jury gingen an Bogdan Nueleanu, der „mit relativ wenig Pinselstrichen und wenig Kontrast viel Expressivität in sein Werk gepackt hat“, so Willi Gromatzki, und an die Künstlerin Emanuela Madalina Pop. „Das Bild von Emanuela Madalina Pop ist eine interessante Kombination, die Gestalt sucht etwas oder sucht jemanden. Diese Suche hat die Künstlerin erfolgreich ausgedrückt“, argumentiert Willi Gromatzki die Entscheidung der Jury.
Auch die Temeswarer „Iulius Mall“ hat in diesem Jahr einen Sonderpreis gestiftet: Die Auszeichnung ging an Emanuel Alexandru Gliga. Der junge Künstler hat somit die Chance bekommen, seine Werke in der Temeswarer Mall auszustellen. An der diesjährigen Preisverleihung beteiligte sich auch die Hamburger Stiftung „Ars Pontem“, die einen Sonderpreis für die Künstlerin Alexandra Buzatu stiftete. Die Kunstwerke können noch bis Ende Juli in der Temeswarer Kulturstiftung „Triade“ (Martirilor-Straße Nr.51/45) bewundert werden.
Ana Saliste

sTRAdART soll historische Altstadt beleben


Gegenwartskunst in der Fabrikstadt vorgestellt

In Hip-Hop-Rhythmen und mit einem Grafitti-Workshop startete am Wochenende das vierte sTRAdART-Festival in der Temeswarer Fabrikstadt. Tanz- und Grafittiworkshops, Filmprojektionen sowie Tanzaufführungen standen auf dem Programm. Ziel des Unterfangens war, die Fabrikstadt zu beleben und einen Einblick in die rumänische und ausländische Gegenwartskunst zu schaffen. Das Festival lockte aber in diesem Jahr nur wenig Interessenten. Zum diesjährigen Publikum gehörten großteils Kinder, die sich aus purer Neugier um die Bühne am Trajansplatz versammelten. Den Veranstaltern machte dies jedoch nichts aus: Sie arbeiteten mit den Kleinen gut zusammen.

„Fabric“ – mit dicken Buchstaben zeichnet der 22-jährige Flavius Roua das Wort auf ein Blatt Papier. Neugierig verfolgen die Kleinen, die sich um ihn versammelt haben, seine Handbewegungen. „Versucht jetzt auf oder um dieses Wort etwas zu zeichnen, was euch anspricht oder einfach nur, was euch im Moment einfällt“, sagt er und gibt das Blatt an den Jungen weiter, der links neben ihm steht. Dabei stellt er sich immer wieder mit seinem Spitznamen vor: „Jones“, ein „nicht–kommerzieller“ aber „allgemeiner“ Name, der für „alles und nichts“ stehen soll, wie Flavius Roua zu sagen pflegt.
Mit ihrem Grafitti-Workshop versuchen die Temeswarer Grafiker „Jones“ und „Karm“ den jungen Leuten einen Einblick in die Grafitti-Kunst zu gewähren. Im Rahmen der Werkstatt wollen sie die Teilnehmer mit der Geschichte der Grafitti-Kunst und deren Basistechniken vertraut machen. „Wir bringen ihnen bei, was sie bei einer Grafitti-Zeichnung in Betracht ziehen müssen, wie sie mit den verschiedenen Sprays und Farbkombinationen umgehen sollen und wie sich Grafitti im Laufe der Zeit zu einer Kunstform entwickelt hat“, erzählt Jones. Bereits seit zwei Jahren pflegen die beiden Grafiker eine Zusammenarbeit mit dem Bürgermeisteramt und erhielten somit die Erlaubnis, die Wände unter der Brücke am Mariaplatz, POD 16, mit farbigen und lebendigen Grafitti-Zeichnungen zu bemalen.
Auch die Tanzworkshops der französischen Tänzer „Bouba“ Landrille Tchouda und Cédric Guéret sollen im Rahmen des sTRAdART zum Blickfang werden. Die Franzosen präsentieren dem Publikum originelle Hip-Hop-Bewegungen, die sie auch den Teilnehmern ihrer dreitägigen Workshops zu vermitteln versuchen. Die zwei haben 2001 das französische Tanzunternehmen „Malka“ gegründet, das sich vornimmt, mehrere Tanzarten und verschiedene Gemeinschaften zusammen zu bringen, die sich durch die Energie der urbanen Tänze verbinden lassen.
Ziel des sTRAdART-Festivals ist, den Temeswarern die urbane Kunst nahe zu bringen und somit auch die historische Fabrikstadt wieder zu beleben. Hier sollen künftig neue Entfaltungsstandorte für kulturelle Ereignisse entdeckt werden. „Wir erzielen eigentlich die Dezentralisierung der kulturellen Events, die meist nur in der Innenstadt veranstaltet werden“, erklärt Eric Baude, Leiter des Temeswarer Französischen Kulturzentrums, Hauptveranstalter des Events. „sTRAdART ist eine bedeutende Veranstaltungsreihe für unsere Stadt. Die Fabrikstadt ist ein historisches Stadtviertel, das noch einige Probleme aufweist. Wir versuchen somit die Leute durch Kunst zu erziehen und freuen uns, dass solche Events veranstaltet werden“, so der Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu in seiner Eröffnungsrede.
Ana Saliste


Grafitti-Workshop im Rahmen des vierten sTRAdART-Festivals
Foto: Zoltán Pázmány

TEMESWAR EMPFEHLEN (2)

Karl Singer ist der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat. Er wohnt im Temeswarer Fratelia-Viertel. „Für die vielfältige Palette von Wünschen, die Stadt Temeswar kennen zu lernen, sind Ratschläge teure Geschichten. Der Besucher/Tourist genießt fast den Kultus einer rettenden Erscheinung im Leben der Gemeinde – empfangen von hier vorhandenem vielsprachigem Potenzial“, sagt er. Touristen, die der Stadt an der Bega einen Besuch abstatten möchten, schlägt er Folgendes vor:

Zum Sehen: Für den Rundgänger der Stadt mit Interesse für Architektur, historische Bauten und Denkmäler sind es die Besichtigungen der Vielfalt von Kirchenbauten: die orthodoxe Kathedrale, die katholische Domkirche, die Synagoge in der Innenstadt, die Kirchen in jedem Stadtteil: Fabrikstadt, Elisabethstadt, Josefstadt, Mehala, Fratelia und Stadtzentrum – alle vermitteln ein Bild geistlicher Vorstellung von Gottnähe in ihren materiellen Darbietungen als bauliche Kunstwerke. Geschichte erzählt jede Straße, jedes Gebäude – ihre Zusammenfassung findet der Besucher sicher im Banater Museum und gut dokumentarisch belegt in der Bibliothek der Akademie. Akademische Interessen sind mit den Besuchen von fünf staatlichen und drei privaten Universitäten, mit einem guten Pensum Zeit, zu befriedigen. Immerhin studieren in Temeswar zirka 35.000 Studenten –fast eine Welt für sich.

Zum Genießen: In der Mitte dieses eigentümlichen Habitats findet man zur Pause ein mittelalterliches Restaurantkonzept, „Lancelot“, voller kulinarischer Überraschungen für jeden Besucher. Ist man übersättigt von globalisierten Essensangeboten, so findet man dennoch lokalspezifische Kulinarien im „Nora“-Restaurant in Fratelia. Für Romantik steht das Begaufer in der Innenstadt immer zur Verfügung – ein Stillstand in der „Flora“-Terrasse macht Sie bekannt mit einem der besten Köche Temeswars und dem Banater Wein.

BANATER PERSÖNLICHKEITEN

Der unsterbliche Schwabe aus Freidorf
„Ich Tarzan, du Jane“: Mit solch kindlichen Sätzen und einem kuriosen Schrei, dem Tarzanschrei, den der Mann bei Jodelwettbewerben geprobt hatte, wurde er weltberühmt. Johnny Weissmüller, ein Banater Schwabe, auch heute noch der wohl bekannteste Temeswarer in der Welt (geb. am 2. Juni 1904 in Freidorf, heute Temeswarer Stadtteil) erreichte Weltruhm als US-Schwimmer, 5facher Olympiasieger und als Hollywood-Filmstar. Im Alter von sieben Monaten wanderte er mit den Eltern in die USA aus, wo er in Chikago die typisch schwierige Kindheit der Einwandererfamilien durchmachte. Mit zwölf verließ er die Schule und schlug sich als Liftboy und Page durch. Mit 17 wurde er US-Schwimmmeister. Als bester Schwimmer seiner Zeit wurde er in Alameda/ Kalifornien 1922 der erste Mensch, der die 100 Meter-Strecke unter einer Minute bewältigte. Offiziell stellte Weissmüller 51 Weltrekorde auf, 1924 errang er fünfmal Olympiagold. 1932 begann er seine fulminante Laufbahn als Hollywood-Schauspieler. Bis 1948 spielte er die Rolle des Urwaldmenschen Tarzan in zwölf Filmen u.a. Tarzan der Affenmensch ( mit Maureen O Sullivan), Tarzans Rache, Tarzan und sein Sohn, Tarzan und die Nazis und sogar Tarzan, Bezwinger der Wüste. Darauf drehte er die sechzehnteilige Fernsehserie „Jungle Jim“. Nach 1956 erhielt er immer wenige Rollen, 1967 hatte er nur mehr eine kleine Nebenrolle in der Komödie „Won Ton“. In dieser Zeit trat er auch in der Ed Sullivan Show auf. Johnny Weismüller war fünfmal verheiratet. Entgegen zahlreicher Behauptungen soll der Star kein Alkoholiker gewesen sein. Im Alter hatte er jedoch Herzprobleme und war mehrmals wegen Bein- und Hüftbruch in Behandlung. Johnny Weissmüller starb verarmt und nach mehreren Schlaganfällen 1984 in Acapulco/ Mexiko. Bei seiner Beerdigung erklang der berühmte Schrei des Dschungelmenschen. 1965 erfolgte seine Aufnahme in die International Swimming Hall of Fame, ein Stern erinnert an den Star auf dem Hollywood Walk of Fame. Im Geburtsort Freidorf wurde eine Gedenkstätte eingerichtet. Obwohl die Temeswarer Stadtväter sich schon seit Jahren mit dem Gedanken tragen, eine Statue für den berühmten Temeswarer aufzustellen, ist es leider noch nicht dazu gekommen.(bw)

Dauerregen – das Maß allen Übels

Entschlammung des Bega-Flusses auf dem Temeswarer Stadtgebiet
Foto: Zoltán Pázmány
Anpassungsbedarf im Amt für Wasserbewirtschaftung
Von Siegfried Thiel

Die Klimaveränderungen zwingen auch die Ämter zur Bewirtschaftung der Gewässer zu besonderen Maßnahmen. Trotzdem stehen die Behörden den Naturgewalten oft machtlos gegenüber. In einem der ärmsten EU-Länder, wie Rumänien es ist, kommen noch häufige finanzielle Engpässe hinzu. Der Risikograd zu Überschwemmungen ist mancherorts zehnmal so groß wie in den viel reicheren Ländern Europas; die geringe landwirtschaftliche Produktion, brach liegendes Ackerland und daher wenig Geld für Investitionen in Entwässerungskanäle drehen sich hierzulande in einem nie enden wollenden Teufelskreis. Titu Bojin, Direktor des Amtes zur Wasserbewirtschaftung „Apele Române Banat“, schätzt, die Lage in seinem Territorium (Anm.d.Red: das gesamte Territorium der Verwaltungskreise Temesch/Timis und Karasch-Severin/Caras-Severin und Teile der Kreise Arad, Gorj, Mehedinti und Hunedoara) unter Kontrolle zu haben. Zumindest was die Flüsse angeht. Weder die Natur noch finanzielle Engpässe kann er aus seinem Amt heraus steuern bzw. beheben. Auch seine weiteren Mitarbeiter nicht, deren Anzahl innerhalb der letzten 20 Jahre von 1350 auf 600 reduziert wurde. Europaweit gebe es ein Programm, das das Umgehen mit Wassermassen voraussehe, sagt der Regionaldirektor des Wasseramtes.

Schuld am Übel: Dauerregen, Müll und Waldrodung
Ausbaggerungen der Flüsse Temesch/Timis und Bega sind zum Teil beendet oder werden in Kürze abgeschlossen. „Wir graben bis in die Tiefe, die der Fluss einst hatte“, widerlegt Titu Bojin die Vermutungen, verheerende Überschwemmungen seien Folge des vielen Schlammes auf dem Grund der Flüsse. Er gibt aber auch zu, dass noch immer reichlich Müll in die Flüsse geworfen wird. „Wasser schwemmt zwar Leergut, Müll und Abfälle weg, aber nur bis zu einem gewissen Punkt“, sagt Titu Bojin. Er findet es äußerst wichtig, dass in den Flussauen die Bäume abgeholzt wurden, sogar die serbischen Behörden habe man überzeugen können, am Unterlauf der Temesch, in Flussnähe die Bäume abzuschlagen, damit das Wasser problemlos fließen kann. Kritik übt der Leiter des regionalen Wasseramtes an der unkontrollierten Rodung von Wäldern, die als Gürtel in Flussnähe gestanden haben: „So löst sich Erdreich und gerät in die Flüsse“. Es geht jedoch nicht nur um die Flüsse, die häufig viel Wasser führen. „Große Wassermassen in einer kurzen Zeit machen heute Behörden und Bevölkerung zu schaffen und die kommen vom Regen“, sagt Bojin. Er weiß aber auch, dass in reicheren Ländern die Möglichkeit größer ist, vorbeugende Maßnahmen gegen Überschwemmungen zu treffen. Durch Deichwände aus Beton kann der Risikograd bei Hochwasser eingedämmt werden. „Wenn das kalkulierte Risiko einer Hochwasserkatastrophe in Westeuropa gelegentlich bei 500 Jahren liegt, ist dieses Risiko in Rumänien oft auf nur 50 Jahre beschränkt“, sagt Bojin. Er weist darauf hin, dass die Deiche im Banat vor 150 Jahren mit einfachen Mitteln angelegt wurden und auch heute bloß Erde zum Auffüllen verwendet wird. Nach drei-vier Tagen sei jedoch ein solcher Deich aufgeweicht, verweist Direktor Bojin.

ANIF – ohne Investitionen nicht tragbar
Bewässerungs- und Entwässerungskanäle sind zwar von der Terminologie her verschieden, jedoch meist die gleichen und dass sie oft unbenutzbar sind, hängt ebenfalls vom selben Aspekt ab: vom Geld. Nicht selten waren Hiobsbotschaften durchs Land gezogen, dass das Banat im Zuge des Klimawandels genauso wie ein Großteil Südrumäniens Gefahr läuft, ein wüstenartiges Gebiet mit kargem Ackerboden zu werden. Doch aus finanziellen Nöten ist Bewässerung vielerorts kaum noch ein Thema. Die Bauern erwarten Entgegenkommen vom Staat, um die Bewässerungen wieder aufzunehmen und die Agentur für Bodenverbesserungen (ANIF) wartet auf Berieselungen, die das Geld bringen sollen, um die Kanäle wieder betriebsfähig zu machen. „Viele der Entwässerungskanäle sind verstopft oder zugeschüttet worden, weil sich die Bauern so einen durchgehenden Weg über den Acker geschaffen haben. Unter den gegebenen Umständen ist der Fortbestand der ANIF nicht mehr gerechtfertigt“, sagt Bojin. Er ist überzeugt, dass auch der Staat nicht mehr in der Lage ist, etwas zu unterhalten, das nicht verwendet wird. Eventuell dann, „wenn die Landwirtschaft eine sehr gute Entwicklung erfährt, von der Regierung beginnend“.
Derzeit bleiben jedoch weiterhin große Landstriche unberieselt, aber auch die Trockenlegung leidet darunter. Titu Bojin zufolge sind nicht die Flüsse, ihre Beschaffenheit oder deren Wartung Schuld an den häufigen Überschwemmungen, sondern das Regenwasser, dessen Menge z.B. vergangene Woche in Temeswar/Timisoara 43 Liter/Quadratmeter in nur 35 Minuten ergeben und in anderen Gegenden Wellen ausgelöst hat, die alles in ihrem Weg mitrissen.

Junge Bauingenieure verlassen die Uni


Drei Absolventen legen Doppeldiplom-Prüfung ab
Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sowohl in Rumänien, als auch im Ausland: Das bietet die Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache an der TU Politehnica. Denn immerhin sind gute Deutschkenntnisse ein großer Pluspunkt, wenn sich ein junger Bauingenieur um einen Job bewirbt, weiß Prof. Radu Bancila, Leiter der Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache. Mehr als 20 Absolventen werden in diesem Jahr die guten Chancen nutzen können. Sie sind der 15. Absolventenjahrgang der deutschsprachigen Bauwesenabteilung der TU Politehnica in Temeswar/Timisoara, der am Freitag, dem 25. Juni, feierlich verabschiedet wird. Doch nicht, bevor die letzte Prüfung stattfindet: Die Absolventen müssen ihre Arbeiten vor einer Kommission präsentieren.
Am selben Tag findet bereits zum zweiten Mal die doppelte Abschlussprüfung im Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen der TU München und der TU Politehnica statt. Drei Studenten legen in diesem Jahr die doppelte Prüfung ab: Gabriel Irimescu und Mircea Popa aus Hermannstadt/Sibiu sowie Mircea Trînc aus Großwardein/Oradea. Diese haben vier Semester in München studiert und ihre Arbeit dort bereits vorgestellt. Im vergangenen Jahr erhielten zwei Absolventen das Doppeldiplom. Mitglied der Kommission wird in diesem Jahr Prof. Eberhard Zoller von der Technischen Hochschule in Konstanz, Deutschland, sein.
Die Abteilung mit deutscher Unterrichtssprache an der Fakultät für Bauwesen der TU Politehnica wurde 1991 ins Leben gerufen. Zwei Jahre später, am 25. Juni 1993, unterzeichnete die Temeswarer Universität einen Partnerschaftsvertrag mit der TU München. Der Austausch von Lehrkräften und Studenten sowie die ständige Unterstützung seitens des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ermöglichte die Entwicklung der Abteilung.
Die Abschlussprüfung beginnt am Freitag um 8 Uhr und wird etwa um 13 Uhr beendet. Zum Schluss werden den Absolventen ihre wohlverdienten Diplome verliehen, wobei sowohl die beste, als auch die originellste Arbeit ausgezeichnet wird. Der deutsche Konsul Klaus Brennecke wird zur Veranstaltung erwartet. Im vergangenen Jahr legten 28 Absolventen die Abschlussprüfung ab und erhielten ein Bachelor-Diplom. Im nächsten Jahr feiert die Bauwesenabteilung in deutscher Sprache ihr 20jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass soll das Programm der Abschlussveranstaltung besonders umfangreich ausfallen.
Raluca Nelepcu


Die Absolventen der deutschsprachigen Abteilung für Bauingenieurwesen mussten 2009 ihre Diplomarbeit vor einer deutsch-rumänischen Kommission vorstellen. Prof. Radu Bancila (oben rechts) zeigte sich mit den Ergebnissen seiner Studenten zufrieden.
Foto: Raluca Nelepcu

Haiducken kehrten zurück

Die legendäre Band trat zusammen mit der Temeswarer Philharmonie auf.
Foto: Raluca Nelepcu
Der Phoenix-Vogel ist in Temeswar auferstanden

Von Raluca Nelepcu und Andreea Oance

Dichte Wolken ballen sich am Himmel und irgendwie steckt in jedem die Angst, dass uns der Regen auch heute nicht verschont. Die Fans haben sich am Eingang in den Rosenpark versammelt. Sie alle warten darauf, reingelassen zu werden. An jedem Eingang in den Park gibt es Sicherheitskräfte. Das Konzert unter freiem Himmel ist nicht kostenlos wie andere Konzerte, die auf der Grünanlage in Zentrumsnähe bestritten werden. 70 Lei kostet ein VIP-Ticket für die ersten Reihen, 50 Lei ein Sitzplatz ein bisschen weiter hinten und 25 Lei der Stehplatz. Die meisten Fans haben die billigste Variante gewählt – denn immerhin wird Rockmusik sowieso nicht im Sitzen gehört. Ein besonderes Ereignis bringt heute Rocker, Biker und Nostalgiker im Rosenpark zusammen: „Symphoenix“, das wohl größte Konzert der legendären rumänischen Rockband Phoenix in den letzten 45 Jahren, findet heute in Temeswar/Timisoara statt.
Nachdem die Sängerin Sabina Abrudian die Musikliebhaber in Konzertatmosphäre versetzt hat, treten die Jungs von „Phenomenon“ auf die Bühne. Die Gitarre kreischt, der Bass brummt, das Schlagzeug bebt: Die vier jungen Männer heizen das Publikum mit bekannten Rocksongs ein. Die Schüler performen etwa eine Stunde, solange, bis dem Publikum die Lust aufs Warten vergeht. Es dunkelt schon, als „Phenomenon“ die Bühne im Applaus der Zuschauer verlassen. Es ist Zeit, Platz für die Legenden zu machen.

„Symphoenix“ mit renommierten Musikern
Fast hundert Leute stehen auf der Bühne. Zu den Phoenix-Mitgliedern hat sich der Chor und das Orchester der Staatsphilharmonie „Banatul“ gesellt. „Symphoenix“ nennt sich das Ereignis, das das Temeswarer Publikum verzaubern soll. Zu den Ehrengästen, die heute auf die Bühne treten, zählen der erste Phoenix-Leadsänger Moni Bordeianu, der Bukarester Oboe-Spieler Adrian Petrescu und die Erstsolistin der Rumänischen Oper, Tina Munteanu. Das Orchester der Banater Philharmonie dirigiert der Bukarester Daniel Jinga.
Das Konzert beginnt plötzlich, ohne Worte: Im Rosenpark erklingen die ersten Riffe des traditionellen Instrumentalstücks, mit dem Phoenix immer ihre Shows beginnt. Die etwa 2.000 Zuschauer applaudieren rhythmisch. Es folgt das Lied, das das Publikum von den Sitzen reißt: „Timisoara“ heißt der Song, der den Phoenix-Fans aus Temeswar Gänsehaut verleiht und sie in Nostalgie versetzt. Dies ist der Augenblick, der alle begeistert. Das fast zweistündige Warten hat sich gelohnt. Es ist ein Lied, das ein klein wenig von allen Hits der Band enthält, denn es spricht von Strauchdieben, Zigeunern, Flöten, einer Wiederkehr in die Heimat und dem gelben Kanarienvogel. Das Lied, das die Identität der Band festlegt – alle sollen wissen: „Dies ist die Stadt, wo wir in einer längst vergangenen Zeit geboren wurden“. („E orasul în care ne-am nascut, în vremuri ce-au trecut“…).

Keine Vorwürfe mehr
Nun kann nichts mehr schief gehen. Das Publikum ist angeregt. Neue und alte Lieder werden vorgeführt. Mit heiser Stimme versucht der Solist und Bandleader mitzusingen. Gleichzeitig kitzelt er die Gitarre. Der alte Haiducke Nicu Covaci steht vor den Leuten, die ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist. An diesem Abend scheint er seiner Stadt gegenüber keine Vorwürfe mehr zu haben. Die Verwaltung der Stadt wird zu einem alten Kumpel, mit dem er Jahre lang zerstritten war, sich dann aber doch noch versöhnt hat. Nicu Covaci scheint nicht mehr daran zu glauben, dass seine Stadt ihn verstoßen hat. Sein Publikum ist immer noch das gleiche: Jung und Alt sind gekommen, um die Songs, die früher mal so beliebt waren, live zu hören. Erst ein wenig schüchtern, dann mit Freude in den Stimmen und heftig applaudierend beginnen die Zuschauer, die schon seit Jahrzehnten bekannten Refrains mitzusingen. Die bedrückende Atmosphäre ist nun vorbei. Gute Stimmung schwebt in der Luft und das Wetter spielt diesmal auch mit, denn der Regen lässt auf sich warten. Die Stimmung steigt weiter. Die heisere Stimme beginnt ihr Herzenslied zu singen: „Strunga“. Er würde dieses Lied singen, auch wenn er wüsste, dass er danach sterben würde. Das Publikum erkennt die Geste von Nicu Covaci, als Zeichen seiner Freude. Das Konzert geht weiter mit anderen bekannten Liedern: „Mugur de fluier“, „Nunta“, „Mica Tiganiada“, „Ochi negri, ochi de Tigan“.

Publikum vermisst Mani Neumann
Das Konzert wird durch den Song „Negru Voda“ abgerundet. Ein elektrisches Lied, das mit einem „Teufelssolo“ von Ovidiu Lipan „Tandarica“ endet. Der gut 60-Jährige spielt energischer als je zuvor und beweist noch einmal, dass er seinen Spitznamen „Tandarica“ mit Ehre trägt. Kaputte Drumsticks fliegen herum – die Schläge können alles in Scherben und Splitter versetzten, so stark schlägt Ovidiu Lipan auf sein Instrument. Das Ergebnis: fabelhaft! „Ich habe die Stadt Temeswar 1975 kennengelernt. Sie hat sich seitdem nicht verändert und dafür danke ich euch“, sagt Schlagzeuger „Tandarica“, den in Rumänien wohl jeder kennt. Ovidiu Lipan ist eines der wenigen Phoenix-Mitglieder, die bisher noch nie in Konflikt mit Lead-Sänger Nicu Covaci geraten waren. Zumindest in der Öffentlichkeit nicht. Er ist der letzte der alten Phoenix-Gruppe von vor 48 Jahren, der noch geblieben ist und zusammen mit Nicu Covaci regelmäßig auftritt. Sogar Mani Neumann, der Geigenspieler, verließ die Band vor einigen Jahren. „Die Lieder klingen gut, egal, in welcher Zusammensetzung. Die Mitwirkung der Philharmoniemusiker klingt ausgezeichnet. Die Musik ist aber trotzdem nicht mehr die gleiche ohne das Geigenspiel von Mani Neumann“, sagt Valentin Serbanut, ein 27-jähriger Fan. Zum Schluss, beim Verlassen des Parks, sagt er zufrieden. „Ich habe dasselbe Gefühl wie damals, als ich vor Jahren auf meinem ersten Phoenix-Konzert war. Unabhängig von den Konflikten mit Covaci und vom Verlassen der Band durch die verschiedenen Mitglieder im Laufe der Jahre: Phoenix bedeutet die Tradition der rumänischen Rockmusik. Manchmal denke ich, Phoenix ist weit mehr als Nicu Covaci“, sagt er. Das Konzert endet spektakulär: Die Gruppe lässt den Phoenix-Vogel auferstehen. Auf der Bühne singen alle mit: Cristi Gram, Bogdan Bradu, Ionut Contras, Dzidek Marcinkiewicz, Volker Vaessen, Ovidiu Lipan, Moni Bordeianu und Nicu Covaci. Die Ehrengäste sind auch dabei, während das Publikum laut mitsingt: „Fie sa renasca numai cel ce har, are sa renasca, curatit prin jar/ Din cenusa-i proprie si din propriul scrum/ Astazi ca si mâine, pururi si acum!“

Jubiläum einer Kirche, Fest einer Glaubensgemeinschaft

Bischof DDr. Christoph Klein auf der Kanzel
Foto: Privat
100 Jahre evangelische Kirche in Reschitza – fast ein Rückblick
Von Werner Kremm

Die Hundertjahrfeier der Reschitzaer evangelischen Kirche war Grund und Anlaß des Besuchs des Bischofs der evangelischen Landeskirche AB, DDr. Christoph Klein, des Landeskirchenkurators Dr. Friedrich Philippi, des Hauptanwalts der Landeskirche, Friedrich Gunesch, aber auch des Dechants des Mühlbacher Kirchenbezirks, Dr. Wolfgang Wünsch und der jungen evangelischen Priesterschaft dieses Kirchenbezirks. Pfarrer Egon Wonner, der neben dem Banater Bergland auch Lugosch betreut, durfte auch Vertreter christlicher Schwesterkirchen begrüßen, unter anderen den rumänisch-orthodoxen Pfarrer der Kirche im Reschitzaer Stadtzentrum, Ioan Albu, den Pastor der slovakischen evangelischen Kirchengemeinde von Reschitza, Dusan Vanko, den ungarischen reformierten Pastor Attila Megyasszai-Biró oder den serbisch-orthodoxen Popen Vasa Lupulovic. Es war, wie in Reschitza üblich, intensiv gelebte Ökumene, was man hier beobachten konnte. Und die evangelischen und calvinistischen Pastoren von Reschitza gehören zu deren Vorreitern.
Das mit der Ökumene, die unbedingt Toleranz voraussetzt, das war nicht immer so. In einer von Georg Schmidt (Grevenbroich, Einleitung und Karten) und Pfarrer Walther Sinn (Semlak, Recherche und Texte zu den Kirchengemeinden) klug mit ergänzenden Fotos und Karten zusammengestellten Dokumentation (44 Seiten), die Pfarrer Egon Wonner in seine Ausstellung zum Jubiläum eingebaut hatte, ist auch, ressentimentfrei, einiges über die schwierigen Anfänge des Lutheranismus im Banat zu erfahren, Dinge, die in der Regel von den Banater Heimatbüchern und Ortschroniken totgeschwiegen werden.

Schule und Pfarrer im selben Haus
Es beginnt mit den vielgelobten Toleranzpatent des Aufklärungskaisers Joseph II: „Joseph II. erließ 1781 das Toleranzpatent für Lutheraner, Kalvinisten und Orthodoxe,“ heißt es in der Dokumentation von Schmidt und Sinn. „Dadurch wurde diesen in den österreichischen Ländern die private Ausübung ihrer Religion gestattet. Der katholischen Religion verblieb das Privileg der öffentlichen Religionsausübung. Protestantische Bethäuser unterlagen diskriminierenden baulichen Beschränkungen. Sie durften äußerlich nicht wie Kirchen aussehen. So waren zum Beispiel Rundfenster nicht gestattet. Außerdem mussten sie zumindest 50 Meter von einer Hauptstraße entfernt liegen und einen von der Hauptstraße abgewandten Eingang haben. Sie durften insbesondere keinen Turm besitzen. Ausnahme bestand für dort, `wo es nicht schon anders ist`“.
Ganz so schlimm wie im aufgeklärten 18. Jahrhundert war es in Reschitza zur Zeit des Baus der gefeierten Kirche nicht. Trotzdem hatten die evangelischen Gläubigen auch im – wegen seinem Fachleutebedarf – gegenüber dem ländlich geprägten Banat toleranteren Reschitza ihre Probleme, bis sie zum Bau einer eigenen Kirche schreiten konnten. Unter anderen haben sie zehn Jahre lang bei den serbisch-orthodoxen Gläubigen in deren Kirche Gastrecht genossen, wurde bei der Eröffnung der Jubiläumsausstellung gesagt. „Nur aufgrund von Interventionen auf Höchster Ebene“ (Dr. Wünsch) war es 1909 gelunden, die Genehmigung für die Grundsteinlegung der 2010 gefeierten Kirche zu legen. Noch schwieriger war es für die traditionell fest auf Ratio getrimmten Evangelischen, sich in ungarischer Zeit mit der deutschen Schule durchzusetzen.
1871 hatten sie ein stockhohes Haus als Schulhaus gekauft und den Pfarrlehrer Johann Pantyik aus Werschetz/Vrsac angeworben, es 1872 geweiht und Pfarrlehrer Pantyik durch den Werschetzer Pfarrer Moritz Gratz feierlich ins Amt gewählt und einführen lassen und nach anfänglich spürbarem Aufwind – 1875 wird die Schule nach Tilgung aller Kaufschulden auf die Kirchengemeinde übertragen, 1879 ganz in Besitz genommen und als deutsche Schule und Pastorenwohnung genutzt, 1890 wird ein zweiter Lehrer angestellt (gegen den Willen der verwaltenden Ungarn: ein Deutscher), 1909 Auflösung der deutschen evangelischen Schule, weil ihre Einrichtung den Gesetzen nicht entsprach – darauf gab es ein Tief (auffällig: nach der Weihe der heutigen Jubiläumskirche, 1910) und ab 1925 einen neuerlichen Aufschwung des Unterrichts in deutscher Sprache in Reschitza dank der evangelischen Schule.

Traditionell aktive Solidarität
Erster Rektor der evangelischen Schule war Koloman Hajtmaszky, vormals Hilfskaplan in Záy-Ugrócz. Am 8. Juli 1871 wurde die erste Prüfung abgenommen, war aus dem Beitrag von Bezirksdechant Dr. Wünsch anlässlich der Ausstellungseröffnung zu erfahren
Zwischen 1873 und 1959 hatte Reschitza nur zwei evangelische Pastoren, Johann Pantyik (32 Jahre lang, bis 1907) und Ferdinand Szende (zwischen 1908-1959), letzterer auch viele Jahrzehnte Bezirksdechant des Banater evangelischen Kirchenbezirks. Zu seinem 50jährigen Pfarrer-Jubiläum waren Bischof Dr. Friedrich Müller und Hauptanwalt (bzw, der spätere Landeskirchenkurator) Albert von Hochmeister am 1. September 1957 nach Reschitza angereist.
Kirchenrechtlich war die erste evangelische Kirchengemeinde 1850 eine Tochtergemeinde von Klein-Schemlak/Semlacu Mic. 1855 schloss sie sich Lugosch an, „mit der Bedingung, dass der Pastor gut deutsch, slovakisch und – wenn möglich – auch ungarisch kann“ (Dr. Wünsch). 1866 versuchte man es mit dem Anschluss ans seinerzeit wirtschaftlich sichtbar aufstrebende Steierdorf-Anina, wo Pastor Gustav Bujkosszky diente. 1871 „erklärte Senior Johann Frint die Gemeinde Reschitza als Muttergemeinde“ (Schmidt/Sinn), wobei diese von vielen evangelischen Vereinen unterstützt wurde: der Frauenverein aus Pest spendete Abendmahlsgerätschaften, die Gustav-Adolf-Vereine aus Zürich, Basel, Leyden, Bremen, Halle, Siegen, der Hauptverein schickten Unterstützungen. Persönlich spendeten Kaiser Franz Joseph I (Auch die evangelische Kirche in Ferdinandsberg/Otelu Rosu – 1862 fertiggestellt - erfreute sich der finanziellen und moralischen Unterstützung des Kaisers und Wiens – die Gedenktafel mit einer Dankesinschrift auf schwarzem Marmor soll bis auf den heutigen Tag auf dem Kirchturm der Kirche in Ferdinadsberg liegen, nachdem sie nach dem ersten Weltkrieg „vorsichtigerweise“ von dessen straßenseitigem Frontispiz abmontiert worden war.) und Deutschlands Kaiser Wilhelm. Als ein sehr spendierfreudiger hoher Beamter, dessen Arbeit eng mit Reschitza verbunden war, erwies sich der seinerzeitige Generaldirektor der „k.u.k. priv. österr.-ung. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft“ (Kürzel: StEG), Emil Kopp, der sowohl zur Gründung der evangelischen Muttergemeinde Reschitza eine Spende überreichte, als auch, als es 1875 um die Tilgung der Schulden beim Kauf des Schulgebäudes ging und Direktor Kopp mit einer Spende von beachtlichen 2000 Gulden einsprang. Ebenfalls zu seiner Zeit wurde die jährliche Unterstützung der StEG für die evangelische Schule von 240 auf 400 Gulden angehoben, wobei aber der Haupterhalt der Schule die längste Zeit über durch Kirchen- und Schulgebühren bestritten wurde.
Heute ist die evangelische Gemeinschaft im gesamten Banater Bergland, einschließlich Lugosch und die Gemeinden des Verwaltungskreises Temesch stark geschrumpft. In Reschitza ist noch von 65 evangelischen Deutschen und von 50 slovakischen Evangelischen die Rede, in Karansebesch, Ferdinandsberg, Steierdorf von ein paar Dutzend. Erfreulich, dass sich der junge Pfarrer Egon Wonner fest in seine Aufgaben gekniet hat und die Aufgabe einer Art Wanderpfarrer für Reschitza, Karansebesch, Anina, Ferdinandsberg und Lugosch mit viel Ernst wahrnimmt. Zur 100-Jahr-Feier der Kirche hatte man auch den Eindruck, dass es viel Sympathie für die und Solidatrität mit den Reschitzaer Evangelischen gibt. Traditionell waren unter den Teilnehmern an der Feier der Evangelischen in Reschitza auch viele Katholiken dabei.