Donnerstag, 19. Februar 2009

Till Eulenspiegel narrt im AMG-Haus


Zahlreiche Teilnehmer beim DFDT-Faschingsfest


Erwartungsvolle Gesichter harrten des Kommenden. Die Anwesenden waren gespannt, welche Überraschung der Nachmittag bieten wird. Und es ging los: tänzelnd marschierten die Faschingsnarren ein. Im Festsaal des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses Temeswar/Timi{oara wurde am vergangenen Wochenende das Faschingsfest des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar gefeiert. Mit und ohne Maske – so hieß es in der Einladung. Maskiert waren Mitglieder des „Temeswarer Liederkranzes“ und der Seniorentanzgruppe „Bunter Herbstreigen“. Die Zuschauer – ohne Maske – applaudierten, der Faschingstrubel begann.

Für die Kellnerinnen und Kellner war es nicht einfach. Sie mussten sowohl auf die Tanzschritte als auch auf Glas und Tasse achten.

Foto: Zoltán Pázmány

Adrette Kellnerinnen im Minirock und schnurrbärtige Kellner zeigten den „Kellnertanz“. Nach einer kurzen Pause, sie musste wegen Maskenwechsel eingelegt werden, stiegen die Faschingsnarren auf die AMG-Haus-Bühne. Volkslieder mit geänderten Texten, humorvolle Einlagen und die Stampfpolka ließen Karnevalsstimmung aufkommen. Regie der Darbietungen führte Prof. Luise Finta, DFDT-Vorsitzende.


Der Faschings-Sonderpreis 2009 wurde Till Eulenspiegel zugesprochen. Sein Kostüm war eigens für dieses Fest angefertigt worden. Weitere Preise errangen: ein immer Unzufriedener, der Betrunkene, der Würfel, das Blumenmädchen u.a. Auch die gesamte Chor- und Tanzgruppe wurde ausgezeichnet. Bemerkenswert war der Eifer zum Mitmachen. „Narren-Senioren“ oder auch umgekehrt, „Senioren-Narren“, ließen Sorgen und Alltag daheim und zeigten sich von einer humorvollen Seite, die in dieser närrischen Zeit schon seit eh und je Tradition im Banat war.


Der Fasching oder die Fastnacht ist ein Vorfrühlingsfest. Letztfasching ist der Höhepunkt dieser Periode und umfasst Rosensonntag, auch rasender Sonntag genannt (bedeutet umher schwärmen, ausgelassen sein), Faschingsmontag und Faschingsdienstag. Während des Faschings werden allerlei Possen getrieben. Schwabenbälle wurden in Temeswar seit 1920 fast jährlich bis zum Zweiten Weltkrieg in Begleitung von Trachtenpaaren aus vielen Dörfern begangen. Vom Krieg unterbrochen begann man sie erst wieder in den 60er Jahren abzuhalten. Zum Unterschied von früher, als nur ledige Jugend beteiligt war, setzen später auch Verheiratete diese Tradition fort.


Früher war Letztfasching schulfrei, es wurde auch nicht gearbeitet. Später wurde der Höhepunkt des Festes auf Samstag und Sonntag verlegt. Die Bauern gaben an den Faschingstagen Schüsse auf das Wetter des beginnenden Landwirtschaftsjahres ab. Eine allgemeine Wetterregel sagt: Wie der Faschingssonntag wird das Frühjahr, wie der Faschingsmontag der Sommer und wie der Faschingsdienstag wird der Herbst sein. Eine alt überlieferte Sitte verlangt, am Faschingssonntag soll man tanzen gehen. Wenn man beim Tanzen hoch springt, wird der Hanf, dessen Anbauzeit bevorsteht, hoch wachsen. Und getanzt wurde an diesen Tagen von nachmittags bis in die frühen Morgenstunden.

Helen Alba

Das Schweizer Glück


In welchem Land herrscht zur Zeit das größte Vertrauen in die EU? Das ist eine Frage, die selbst den fünfzig Fernseh-Blondinen zu schaffen machen würde. Da es an dieser Stelle ohnehin nichts zu gewinnen gibt, außer vielleicht der einen oder anderen Erkenntnis, wollen wir auch gleich die richtige Antwort verraten: Es handelt sich um die Schweiz.


Dort hat unlängst ein Referendum über die Verlängerung des 2002 mit der EU eingegangenen Freizügigkeitsabkommens stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit wurde auch über die schrittweise Ausweitung des Vertrags auf Bulgarien und Rumänien entschieden. Die Regelung betrifft das Niederlassungs- und das Arbeitsrecht für EU-Bürger.


Die Schweizer stimmten mit 60% für die Beibehaltung der offenen Grenze zur EU. Die Eidgenossen haben es wieder einmal geschafft, ihren berühmten Sonderstatus zu sichern. Das Geheimnis des viel beneideten Landes: Es bildet die Ausnahme und orientiert sich trotzdem am Regelfall. Die Schweiz ist zwar nicht EU-Mitglied, aber durch eine Vielzahl von Vereinbarungen und Abkommen den regulären Mitglieds-Staaten weitgehend gleichgestellt.


Ansonsten ist die Schweiz bekanntlich neutral. Und diese Neutralität ist es, um die das Land von den versammelten Spießern des Kontinents beneidet wird. Sie wären gerne allesamt und höchstpersönlich neutral, wie die Schweiz. In die Sprache der restlos Begeisterten übersetzt, hieße das, reich und sorglos. So als würden die Schipisten für den Schweizer arbeiten oder gar das Geld in den Tresoren.


Fakt ist, die Schweiz ist nicht nur reich, sie ist auch teuer. In die Schweiz geht man nicht, um zu sparen, sondern um ungestört seine Ersparnisse auszugeben. Die Schweizer bieten dafür beste Konditionen. Diskretion lautet das geschätzte Gebot. Gemeint ist damit das, was in anderen Ländern mit dem nicht ganz so feinen „stillschweigend“ umschrieben wird. Darin sieht man bereits den Unterschied zwischen der Schweiz und dem Rest des Kontinents.


Anders gesagt: Die Schweizer entscheiden selber über alles, und zwar so, dass ihre Entscheidung allen anderen ebenfalls in den Kram passt. So gilt die Nichtmitgliedschaft der Schweiz in der EU als clever und die durchaus ähnliche Distanz Norwegens als ärgerlich.


Der traditionell gute Ruf der Schweiz hat im Lauf der Zeit dazu geführt, dass sich die verschiedensten Gebiete Europas als Schweiz bezeichnen, um zumindest touristisch auf sich aufmerksam zu machen. Als wäre die Armani-Uhr aus Hongkong tatsächlich eine Armani-Uhr. Die Schweizer sehen es gelassen. Selbst wenn der Kosovo sich demnächst zur Schweiz des Balkans erklären sollte, würde es die Schweizer nicht aus der Ruhe bringen. Aus gutem Grund.

Richard Wagner

Neue Impulse für Jugendseelsorge

Zoltan Kocsik, neuer Spiritual im „Gerhardinum“


Zum Spiritual, dem geistlichen Begleiter des Temeswarer römisch-katholischen „Gerhardinum“-Lyzeums, ernannte Diözesanbischof Martin Roos am 1. Februar den Pfarrer Zoltan Kocsik. Der 27jährige, der die Nachfolge von Zsolt Szilvágyi – Der bisherige Spiritual und Jugendpfarrer der Diözese Temeswar wurde bekanntlich mit dem Amt des Generalvikars betraut – antrat, ist wie sein Vorgänger ein gebürtiger Arader. Kocsik wurde am 24.01.1982 in Petschka/ Pecica geboren, wo er auch seine Kindheit verbracht und die Grundschule besucht hat. In der Zeitspanne 1996- 2000 besuchte er das „Gerhardinum“.


Der neue Spiritual und Jugendseelsorger Zoltan Kocsik

Foto: Zoltan Pázmány

Nach einem zweijährigen Studium der Theologie in Karlsburg/ Alba Iulia besuchte er 2002-2006 die Theologische Fakultät von Fulda (Deutschland). Die Diakonweihe durch Bischof Martin Roos erfolgte am 19. August 2006, am 11. Juli 2007 wurde er ebenfalls vom Diözesanbischof im Hohen Dom zum Priester geweiht. Ab September 2007 war er Kaplan in der Pfarrei Arad-Sega, als solcher versah er auch den Religionsunterricht im deutschen AMG-Lyzeum von Neuarad.


Dem Spiritual, als Amt häufig in Konvikten (Internaten) oder römisch-katholischen Priesterseminaren anzutreffen, obliegt die geistliche Begleitung der Schülerschaft des traditionsreichen „Gerhardinum“-Lyzeums. Die 1992 gegründete katholische Erziehungseinrichtung setzt den Geist des 1948 vom kommunistischen Regime geschlossenen Piaristen-Gymnasiums (in seiner Glanzzeit Banater Elite-Schule mit Absolventen wie Adam Müller Guttenbrunn oder Ioan Slavici) fort. Derzeit zählt die Schule 108 Schüler, davon sind 70 im Internat. Seit der Gründung sind zehn Absolventen Priester, je einer Jesuiten- bzw. Franziskanerpater geworden. Pfarrer Kocsik, der siebente Spiritual seit der Gründung (seine Vorgänger: Nikolaus Lausch, Veniamin Palie, Miklos Csaba, Zoltan György, Attila Andó und Zsolt Szilvágyi) hat gleichzeitig auch die komplexen Aufgaben des Jugendpfarrers und Studentenseelsorgers der Diözese übernommen. Was heißt das? „ Ich habe eine wichtige pastorale Aufgabe in der Diözese“, bekennt Pfarrer Kocsik.


Es sei erstens kein Acht-Stunden-Arbeitstag, da er für alle Belange der Diözesanjugend zuständig ist, neue Impulse zu geben hat, an den Jugendtreffen dabei und mit Jugendlichen unterwegs sein und sich stets in Jugendprojekten engagieren muss. Konkret stehen Jugendtreffen in den Erzdechanaten, Diözesantreffen, Exerzitien mit den Jugendlichen in der Fastenzeit (25. Februar- 12. April). Vorerst bereiten sich die Jugendlichen für die Faschingsbälle, u.a. am 19. Februar für die Schüler vom „Gerhardinum“, am 20. Februar in Fatschet und am 21. Februar, um 17 Uhr, für die Diözesanjugend im hauseigenen Sportsaal, vor.

Balthasar Waitz



Stendl-Retrospektive in Ulm


Umfangreiches Begleitprogramm von März bis Juni


Reschitza/Ulm (BZ) – Am 11. März um 19 Uhr wird im Donauschwäbischen Zentralmuseum (DZM) in Ulm eine große Stendl-Retrospektive mit rund 60 Gemälden, Zeichnungen und Collagen aus vier Jahrzehnten eröffnet. Es ist die erste DZM-Sonderausstellung des Jahres 2009 und sie wird bis am 14. Juni dem Publikum zugänglich sein. Jeden zweiten Sonntag ab 14 Uhr gibt es öffentliche Sonderführungen durch die Ausstellung (am 22. März, 12. und 26. April, 10. und 24. Mai und am 14. Juni).


Der am 18. Februar 1939 in Reschitza geborene Hans/Ion Stendl besuchte die Kunsthochschule Bukarest (Abteilung Monumentalkunst, heute nennt sich die Hochschule „Akademie für Bildende Kunst“), wo er nach deren Abschluss fast vierzig Jahre lang als Lehrer, zuletzt als deren Dekan, tätig war. Als Künstler ist er unter die Postmodernisten eingestuft worden. Er hat ins Zentrum seines Schaffens die Erforschung des menschlichen Körpers gestellt und nutzt dazu eine Vielzahl von Erkenntnissen seiner bedeutenden Vorgänger, die er gern und kreativ zitiert. Stendl ist ein Meister der Zeichnung, des Grundhandwerks eines bildenden Künstlers. Mittels surrealer Verfremdung realisiert Stendl die Fusion zwischen Ideen und Techniken alter und moderner Kunst und schafft einmalige neue Kunstwerte, indem er dem Betrachter völlig neue Perspektiven auf Altbekanntes eröffnet. Für die Ausstellung hat das Donauschwäbische Zentralmuseum die Broschüre „Ion Stendl-Retrospektive“ drucken lassen, die sein in Stuttgart lebender Sohn Peter Stendl graphisch betreut hat.


Zum Begleitprogramm der Ulmer Stendl-Retrospektive gehören u.a. der Vortrag „Die Banater Berglanddeutschen in Rumänien“ (E.J.Tigla, 13. März), die Buchvorstellung „Zweieinhalb Störche – Roman einer Kindheit in Siebenbürgen“ (Claudiu Florian, 19. März), „Musik aus den Donauländern (Ulmer Trio, 23. April), der Vortrag „Städtebauliche Entwicklung in Temeswar/Timisoara“ (Mihai Opri{s 28. Mai) sowie für Kinder von 7 – 14 Jahren unter dem Titel „Das Bild vom Menschen“ museumspädagogische Begleitprogramme für interessierte Schülergruppen.


Zur Ausstellungseröffnung gibt es Grußworte von Sabine Mayer-Dölle, der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Donauschwäbisches Zentralmuseum, von der rumänischen Generalkonsulin in München, Brandusa Predescu, vom Staatssekretär im Ministerium für Kultur, kultische Angelegenheiten und nationales Kulturgut Virgil Nitulescu. Die Einführung zur Ausstellung macht Prof. Dr. Ruxandra Demetrescu von der Bukarester Akademie für Bildenden Kunst.

Hans Stendl vor zwei seiner Michelangelo-Meditationen, die er dem Reschitzaer Museum des Banater Montangebiets geschenkt hat: „Die Michelangelo-Säule (links) und „Alter Ego I“.

Foto: wk

Die Förderung in einem Krisenjahr

BMI-Zuwendungen von 103.000 Euro für Banater Wirtschaftsstiftung


An der kürzlich abgehaltenen Jahresplanungskonferenz in Hermannstadt/ Sibiu zum Thema Fördermittel der BRD zugunsten der deutschen Minderheit in Rumänien, war auch das DFDB und die Banater Wirtschaftsstiftung vertreten. Angesichts der allgemeinen Finanz- und Wirtschaftskrise muss man sich, laut BVIK-Geschäftsführer Horst Martin, mit den Konferenzergebnissen im allgemeinen zufrieden erklären. Eine gute Grundlage für die Fortsetzung der Fördertätigkeit wird schon durch das Gleichbleiben des BMI-Fördermittelsatzes für 2009 gewährt: Auch heuer wurden Fördermittel von rund 1,6 Millionen Euro bereitgestellt, davon für Wirtschaftshilfen 379.000 Euro.



4.800 Euro flossen 2008 in die Renovierung des Forumssitzes von Dognatschka/ Dognecea.

Foto: BVIK

Das Novum ist heute eine Umverteilung der Gesamtmittel: Die Gelder wurden heuer nicht nach dem bekannten Verteilerschlüssel auf Regionen (40 Prozent für die Banater Wirtschaftsstiftung) verteilt. Diesmal wurde für jede Region der gleiche Sockelbetrag in Höhe von 30.000 Euro bestimmt. Für das Banat ergab das letztlich eine Kürzung bzw. die Zuwendung von rund 103.000 Euro. Im Vergleich dazu konnte der BVIK 2006 Förderprojekte im Wert von 144.524 Euro, 2007 von 167.700 Euro und im Vorjahr von 116.300 Euro in die Tat umsetzen.


Die Folge ist, dass sich dadurch auch die für gemeinschaftsbezogene Projekte eingeplante Summe auf maximal 25.750 Euro (im Vorjahr noch 30.000 Euro) reduziert.


Laut Geschäftsführer Horst Martin wird man 2009 eine sachgerechte Auswahl unter den Förderanträgen vornehmen müssen. Renovierungsarbeiten an den Banater Forumssitzen wie auch Wartungsarbeiten an den eigenen Fahrzeugen werden nur begrenzt durchgeführt werden können.


Bisher sind jedoch schon Förderanträge im Wert von 170.000 Euro aus den Banater Ortschaften Orzydorf, Triebswetter, Lenauheim, Großkomlosch, Wolfsberg und Temeswar eingelaufen. Außer einem Antrag aus dem Tourismusbereich (Wolfsberg) kommen alle aus den Bereichen Landwirtschaft, einem krisengebeutelten und existenzgefährdeten Sektor, und medizinische Betreuung, wo meist Ausstattungsförderung beantragt wird.


Die Förderungsprozedur ist die gleiche geblieben: Die Anträge sollen Anfang Mai durch eine BMI-Gutachterreise geprüft werden. Nach einer Schlussbesprechung mit den Vertretern aller fünf Wirtschaftsstiftungen und des Trägers BWI Stuttgart wird die Plansumme für Rumänien und die Teilsumme für „Banatia“ bestimmt.


Geschäftsführer Martin hofft auf die Zuwendungsbescheide vom BVA bis Ende Mai und einen zügigen Start der Förderprojekte im Juni.

Balthasar Waitz

Leichenbestatter in der Wirschaftskrise

Bei „Danneman“ keine Angst vor Bankrott/ Von Oliver Zsilko

Unabhängig davon ob man Konsequenzen wegen seines Verhaltens trägt oder nicht, gibt es ein einziges Verb im Imperativ, das jeder Mensch einhalten muss: Du musst sterben! „Keiner kommt davon“, sagt Ilie Aparaschivei, Geschäftspartner und -führer des rumänisch-deutschen Bestattungsunternehmens, „Danneman GmbH“, aus Temeswar/Timisoara.


2003 hat Aparaschivei zusammen mit seinem Bruder, der die deutsche Staatsangehörigkeit hat und zurzeit in Deutschland lebt, das Unternehmen für Bestattungsdienstleistungen eröffnet. Die Firma bietet Dienste vom nationalen und internationalen Transport bis hin zum Waschen und Ankleiden des Verstorbenen an. Außer diesen verkauft die Firma Bestattungsprodukte und kümmert sich anstelle der trauernden Familie um all den ganzen Papierkram – zum Beispiel die nötigen Unterlagen, die man bei der Temescher Rentenkasse einreichen muss, um die Beihilfe für die Beerdigung zu bekommen. Alles was die Trauernden für die Dienstleistungen machen müssen, ist, das Beerdigungsinstitut telefonisch oder beim Sitz damit zu beauftragen.


Die meisten Laien meinen, dass so ein Geschaft in dieser Zeit nicht von der Wirtschaftskrise bedroht sein würde und schon lange nicht Bankrott gehen könnte. Aparaschivei entgegnet jedoch, dass in jedem Business das Geschäftsmanagement wichtig sei, um weiter zu bestehen. „Keine Veränderungen wurden an der Anzahl der Todesfälle wahrgenommen, deshalb kann man schlecht von einer Krise sprechen. Dafür lassen sich aber in letzter Zeit häufig nur die Särge unter 1.000 Lei verkaufen“, so der Geschäftsführer. Wenn sein Unternehmen vor zwei Jahren monatlich bis zu 80 Prozent der teureren Särge verkaufte, so hat sich die Anzahl dieser im ersten Monat dieses Jahres auf ein Viertel verringert. Ilie Aparaschivei sagt, dass er im Januar von 30 Särgen, 27 unter und nur drei über 1.000 Lei verkauft hat. Ein Sarg kann aus Tannen-, Buchen-, Pappelholz ja sogar aus massivem Edelholz angefertigt sein und zwischen 350 und 8.000 Lei kosten. Die Griffe oder Verzierungen an den Särgen sind aus Metall. Beim Sitz des Beerdigungsunternehmens kann man ebenfalls zu jeder Zeit Handtücher, Kerzen und Kränze kaufen. Letzteres zwischen 28 und 120 Lei. Natürliche Kränze sind teurer, obwohl sie nicht länger als künstliche halten, und werden auf Auftrag für Kunden angefertigt. Die Kosten für eine komplette Bestattungsdienstleistung von „Danneman GmbH“ beginnen bei zirka 850 Lei, eine Summe, die der Zuschuss der Rentenkasse mit 1702 Lei (ab dem 1. Januar) decken würde.


„Dieser Beruf ist schwer auszuüben, weil man mit verschiedenen Menschen zu tun hat“, so Aparaschivei. Der Unternehmer erzählt, dass er oftmals einem Kunden rechtgab, obwohl dieser falsch lag. Außerdem müssten seine Angestellte oft auf den Priester warten oder später wiederkommen, um dann den Verstorbenen abholen zu können. Viele betroffene Familien, die in engen Wohnblocks leben, bestanden nicht selten darauf, dass die Leichenbestatter den Toten samt des Sarges durch enge Treppenhäuser heraustragen. Wo es halt nicht anders ging, beförderten die Leichenbestatter den unbelebten Körper in einer Decke oder schafften den Toten gar durch das Hausfenster hinaus.


„Die Tradition wird niemand ändern können“, sagt Ilie Aparaschivei, der nur eine europäischen Norm kennt, die für Bestattungen vorgesehen wird: bei internationalen Transporten muss der Dienstleistende den Verstorbenen in einem hermetisch verschlossenen Zinksarg befördern. Die längste Strecke, die „Danneman“ zurückgelegt hat, ist 2200 Kilometer lang gewesen, von Torino nach Rumänien. Aparaschivei verhandelt oft mit seinen Kunden bei internationalen Transporten. Auf interner Ebene weniger; hier gibt es Rabatt für den Kunden, wenn dieser außer dem Transport, Dienstleistungen oder Produkte des Beerdigungsunternehmens annimmt.


Natürliche Kränze lassen sich am besten zu Allerheiligen verkaufen.

Foto: Zoltán Pázmány


Kein Verzug beim Iulius Mall-Ausbau


Der neue Flügel wird im Herbst 2009 eingeweiht/ Von Andreea Oance


Marken wie Zara, Bershka, Pull and Bear oder Stradivarius brauchen keinen einzigen Tag zu warten, um ihre Geschäfte auch in Temeswar/Timisoara zu eröffnen. Ihr Gastgeber, der Einkaufskoloss Iulius Mall, wird die Räumlichkeiten in der neu ausgebauten Mall zum versprochenen Termin bereitstellen.


Die Unternehmensgruppe Iulius Group hat die Ausbauarbeiten an der Iulius Mall bereits im Herbst des Jahres 2007 begonnen. Sie werden noch bis in der zweiten Hälfte dieses Jahres dauern. Also Ende des Jahres 2009 sollen das Mall-Einkaufscenter und die Parkanlage auf insgesamt fast 178.000 Quadratmeter ausgebaut sein. Das neue Gebäude, an dem zurzeit gebaut wird, wird sich auf fast 95.000 Quadratmetern erstrecken und fünf Stockwerke hoch sein. Dabei sind zwei davon für etwa tausend Parkplätze vorgesehen. Der gesamte Parkplatz der Mall wird dann über 2.500 Plätze verfügen.



Die Leitung der Iulius Mall eröffnete bereits vor Kurzem ein neues Geschäft der Firma „Altex“. Die Gesamtfläche des Geschäftes für Elektro- und Haushaltsgeräte beträgt 1.200 Quadratmeter. Laut Cornel Verigut, Manager der Iulius Mall Temeswar, werden auch andere Geschäfte und Läden noch vor der eigentlichen Einweihung eröffnet.


Als eine der am meist besuchten Stellen in der Iulius Mall in Temeswar ist der sogenannte „Food-Court“. Dieser wird um etwa 75 Prozent vergrößert werden. Mehrere Restaurants und Schnellimbisse, Bars und Cafés mit über 1700 Sitzplätzen werden hier eingerichtet.


Ein ganzes Stockwerk der ausgebauten Mall wird dem französichen Einzelhändler Auchan vermietet. Ein 14.000 Quadratmeter Großmarkt wird hier eingerichtet.


Im neuen Mallflügel werden zu den bereits existierenden Marken weitere hinzukommen. Der spanische Konzern Inditex wird Filialen der bekanntesten internationalen Markenketten der Bekleidungsindustrie eröffnen. International bekannte Namen wie Zara, Bershka, Pull and Bear und Stradivarius werden in der Iulius Mall ihren Standort haben.


65 Millionen Euro sind insgesamt für den Ausbau der Temeswarer Mall vorgesehen. Der Umsatz von Iulius Mall Temeswar soll somit 250 Millionen erreichen. Auch die Besucherquote soll anwachsen. 10,8 Millionen Besucher zählte die Iulius Mall Temeswar im Jahr 2008. Nach dem Ausbau rechnen die Leiter mit einem Wachstum von 30 Prozent.


Die Unternehmensgruppe Iulius Group will in unmittelbarer Nähe des Einkaufszentrums unter anderen auch mehrere Luxuswohnungen errichten. Unter dem Namen „Saphir“ sollen 273 Zwei- und Dreizimmerwohnungen entstehen. Alle Wohnungen sollen hochmodern eingerichtet werden. Den Eigentümern der Luxusappartements stehen moderne Aufzüge und Parkplätze im Untergeschoss der Wohnblocks zur Verfügung. Die Wohnfläche beträgt 90 bis 100 Quadratmeter. In unmittelbarer Zukunft sollen auch die Verkaufspreise der Immobilien bekanntgegeben werden.


2007 entwickelte die Unternehmensgruppe ihre Tätigkeit auch im Bereich der Immobilien und begann den Bau eines Luxusviertels in Jassy/Iasi. Das „Palas-Ensemble“ in Jassy soll 2010 eingeweiht werden.

Banater Faschingstreiben

Faschingskrapfen gehören dazu


Faschingskrapfen backen gehört zu den Sitten und Bräuchen der Faschingszeit im Banat. Das Demokratische Forum der Berglanddeutschen veranstaltet auch jetzt noch jährlich zu Letztfasching ein Treffen der Forumsmitglieder in Reschitza/Reşiţa, bei dem die Faschingskrapfen, selbst gebacken, angeboten werden – es ist die Krapfenparty. Ein weiterer Brauch, der im Banater Bergland erhalten geblieben ist, nennt sich Nudelparty. Dabei wetteifern die Teilnehmer beim Nudelessen. Natürlich wird bei diesen Veranstaltungen auch das Tanzbein geschwungen, es gibt humorvolle Einlagen.


Beim Anbieten der Faschingskrapfen in Reschitza

Foto: Erwin Josef Ţigla



Die Herkunft der Faschingskrapfen ist umstritten. Es gibt verschiedene mehr oder weniger glaubwürdige Theorien um die Entstehungsgeschichte dieses süßen Gebäcks. So wird erzählt, dass er eine Erfindung einer Wiener Hofratsköchin namens Cäcilie Krapf sei. Nach dieser Frau Krapf trägt er auch seinen Namen. Eine weitere Legende berichtet: Ein Zuckerbäcker, der Friedrich dem Großen als Kanonier dienen sollte, erwies sich als untauglich. Er blieb aber beim Regiment und soll so um das Jahr 1750 auf die etwas seltsame Idee verfallen sein, Kanonenkugeln aus Teig zu formen. Da er nun im Felde keinen Ofen zum Backen hatte, warf er die Kugeln nur in heißes Fett. Und fertig war der Krapfen.


Faschingskrapfen wurden aber auch in Neubeschenowa/Dudeştii Noi gebacken und angeboten. Hier zog manch würdiger Familienvater an diesem Tag den Schafpelz verkehrt an und ließ sich von einem „Bärenführer“ als „Tanzbär“ durch die Gassen führen. Er führte an jeder Gassenecke vor einem dankbaren Publikum närrische Tänze vor. Lärm und Gejohle erfüllten die Straßen, „Teufel“ sprangen zu den Umstehenden hin, manches Mädchen bekam einen Kuss geraubt, ohne zu wissen, wer der „Räuber“ eigentlich war.

Die großen Buben ritten kameradschaftsweise im Dorf herum, kamen auch zu ihren Mädchen, die ihnen mit frisch gebackenen Faschingskrapfen und Wein aufwarteten. Manchmal kam es sogar vor, dass ein waghalsiger Bursche bei der „Kuchl“ hinein und beim Stall wieder hinaus ritt. Im Wirtshaus ließen sich die Burschen zum „Krapfentanz“ aufspielen, wobei sich ein jeder einen Faschingskrapfen auf den Hut steckte. Schönes Wetter am Faschingsdienstag bedeutet einen sehr späten Frühling, denn „esst mer de Faschingskrappe uf der Gass, esst mer die Oschteraijer hinerm Owe!“


Am Nachmittag des Faschingsmontag wurde auf der Hauptgasse ein Hahn, Lamm oder Ferkel ausgespielt. Die Anwärter hatten die Aufgabe, mit verbundenen Augen eine alte, umgestülpte Gießkanne mit einem Knüppel zu treffen. Wem dies dreimal glückte, war er der Gewinner. Das gewonnene Tier wurde gemeinschaftlich gekocht und verzehrt.


An den drei letzten Faschingstagen durften die Frauen weder stricken noch nähen, es hieß „sunscht krien se kripplichi Hingelcher“!


So ausgelassen die Faschingszeit gefeiert wurde, so ernst beging man früher die Fastenzeit.


Helen Alba